Martin Scorsese hat es einmal treffend formuliert: Superheldenfilme sind für ihn nicht mehr als Achterbahnfahrten auf einem Jahrmarkt.
Kino als Erlebnispark: James Cameron und die Avatar-Reihe
Doch würde er das Gleiche über James Camerons 3D-Trilogie sagen? Immerhin wurde mit Avatar – Aufbruch nach Pandora der Kinobesuch zu einem einzigartigen, immersiven Erlebnis. Nie dagewesene Effekte und ein überzeugendes 3D zeigten, dass Kino mehr sein kann als nur eine Leinwand.
Schon damals zeichnete sich jedoch ein Manko ab: Die Geschichte war – gemessen an der bahnbrechenden Technik – kaum mehr als schmückendes Beiwerk. Pocahontas im Weltall, mit blauen Katzenwesen in biolumineszierenden Wäldern. Trotzdem schaffte es Titanic-Regisseur Cameron, das Kino zu revolutionieren und mit jedem Film Milliarden einzuspielen.
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Mit The Way of Water folgte eine noch ambitioniertere Fortsetzung. Echte Schauspieler tauchten in Performance-Capture-Anzügen ins Wasser, die technische Umsetzung war erneut überwältigend. Doch der fast dreistündige Film wirkte stellenweise eher wie eine meeresbiologische National-Geographic-Dokumentation als wie ein spannendes Drama.
Feuer, Asche und alte Feinde
Camerons Versuch, ein Franchise zu erschaffen, das es mit Star Wars oder Der Herr der Ringe aufnehmen kann, war damit noch nicht abgeschlossen.
Im dritten Teil lernen wir das Aschevolk der Mangkwan kennen. Angeführt von der unbarmherzigen Varang (Oona Chaplin) führen sie Krieg gegen andere Na’vi-Stämme. Ob es mit Teil 4 und 5 tatsächlich weitergeht, entscheidet erneut der Erfolg an der Kinokasse.
Jake Sully (Sam Worthington) lebt mit seiner Familie weiterhin bei den Metkayina. Ihr Adoptivsohn Spider (Jack Champion) ist jedoch auf ein Sauerstoffgerät angewiesen, da Pandoras Atmosphäre für ihn tödlich ist. Obwohl er Teil der Familie ist, soll er zu den Menschen zurückgebracht werden. Neytiri (Zoë Saldaña) verachtet ihn, da er der Sohn ihres Erzfeindes ist – jenes Mannes, der den Tod ihres ältesten Sohnes zu verantworten hat. Trauer und Hass haben sie hart werden lassen.
Auf der Reise werden die Sully-Kinder von Varang und ihrem Aschestamm angegriffen. Mit brutaler Präzision werden Na’vi abgeschlachtet. Nur knapp entkommen die Kinder dem Massaker – doch auch Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang) ist ihnen weiterhin auf den Fersen und sieht in den Mangkwan potenzielle Verbündete.
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Wer kann, sollte sich das 197-minütige Spektakel unbedingt in 3D ansehen. Bereits die Eröffnungssequenz in den fliegenden Bergen zeigt, wie überwältigend Pandora auch im dritten Teil aussieht.
Technik und Spektakel: Pandora in Bestform
Dank HFR (höhere Bildrate) wirken die Panoramen enorm plastisch – ähnlich wie einst bei Der Hobbit oder Gemini Man. Verfolgungsjagden durch reißende Flüsse, Tauchgänge in die Tiefsee und fliegende Kreaturen sorgen erneut für Staunen.
Alte Probleme, neue Gesichter
Hat man sich an den Bildern sattgesehen, wirkt vieles vertraut: Die Jagd auf die walartigen Tulkun, die Konflikte zwischen Mensch und Natur, Spiders schwierige Beziehung zu seinem leiblichen Vater.
Die größte Abwechslung bringt Varang. Sie ist grausam, charismatisch und überraschend erotisch inszeniert. Zusammen mit Quaritch entsteht eine seltsame Dynamik, die den Film belebt. Überhaupt gewinnt Quaritch hier an Tiefe, während Jake Sully zunehmend blass bleibt. Stephen Lang scheint sichtlich Freude an seiner Performance-Capture-Rolle zu haben – sein Na’vi-Ich strotzt vor Energie.
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So viel Liebe in die Tierwelt Pandoras gesteckt wurde, so eindimensional bleiben die Feuerkrieger. Sie sind schlicht böse, ohne echten Hintergrund. Gerade beim World-Building wäre hier mehr möglich gewesen.
Große Schau, kleines Märchen
Avatar: Fire and Ash ist deutlich besser als sein direkter Vorgänger und im Kino äußerst unterhaltsam. Doch am Ende bleibt es eine gewaltige Achterbahnfahrt. Im Stream wird der Zauber verfliegen. Pandora bleibt wunderschön – ein neues Star Wars oder Der Herr der Ringe ist es aber nicht.
James Cameron ist ein genialer Film- und Tricktechniker. Ein ganz großer Märchenerzähler ist er bis heute nicht.


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