Filme beeinflussen nicht nur unsere Popkultur, sondern prägen seit Jahrzehnten auch massiv die Entwicklung von Videospielen. Es gibt unzählige Beispiele für gigantische Kino-Hits, die als direkte Vorlage für Games dienten. Das ist ein Trend, der bereits in den 80er-Jahren begann, um die Jahrtausendwende förmlich explodierte und dank immer besserer Technik heute völlig neue erzählerische Sphären erreicht hat.
Wir haben uns angeschaut, wie groß der Einfluss von Hollywood auf die Gaming-Industrie wirklich ist, und dabei festgestellt: Das Blatt wendet sich zunehmend. Zu den bekanntesten filmischen Vorlagen, die die Basis für unzählige Videospiele gebildet haben, gehören zweifellos Star Wars und Der Herr der Ringe. Dennoch sind diese beiden Mega-Franchises nur die Spitze des gigantischen Eisbergs.
Die Star-Wars-Saga allein bildet mittlerweile die erzählerische Grundlage für weit über 100 Videospiele! Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Und hierbei handelt es sich nur um eine einzige, wenn auch sehr mächtige, Filmreihe. Von Jurassic Park über James Bond bis hin zu Marvel-Abenteuern gibt es eine Vielzahl an filmischen Universen, die erfolgreich den Sprung auf die Konsolen und den PC geschafft haben. Über die spielerische Qualität der einzelnen sogenannten „Tie-in-Spiele“ (Lizenzspiele zum Filmstart) konnte man in der Vergangenheit sicherlich oft streiten, doch der gigantische Einfluss auf den Gaming-Markt lässt sich nicht wegdiskutieren.
Dreht sich der Trend um? Wenn aus Spielen Filme werden
Dass aus erfolgreichen Blockbustern irgendwann auch Videospiele werden, hat eine lange Tradition, die sicherlich nicht enden wird. Gerade Action- und Abenteuerfilme bieten einfach die perfekte Blaupause für interaktive Erlebnisse.

Allerdings lässt sich seit einigen Jahren ein spannendes Phänomen beobachten, das diesen Trend förmlich auf den Kopf stellt: Mittlerweile dienen Videospiele immer häufiger als Vorlage für sündhaft teure Hollywood-Produktionen. Eine kleine, klassische Auswahl von Filmen, die auf Games basieren, umfasst Titel wie Mortal Kombat, Street Fighter, Resident Evil, Far Cry, Prince of Persia, Need for Speed, Warcraft und Tomb Raider. Diese Liste ließe sich schier endlos fortsetzen.
Mit der steigenden gesellschaftlichen Relevanz und den unfassbaren Umsätzen der Gaming-Branche ist Hollywood endgültig aufmerksam geworden. Es ist längst keine Überraschung mehr, dass erfolgreiche Spielemarken systematisch für die Leinwand oder die großen Streaming-Dienste adaptiert werden. Hier hat sich der Einfluss also im Grunde umgekehrt: Die Studios jagen heute den Spielern hinterher, nicht mehr umgekehrt.

Der „Fluch der Videospielverfilmungen“ ist gebrochen
Lange Zeit musste man festhalten: Wirklich gute Verfilmungen von Videospielen waren absolute Mangelware. Viele frühe Adaptionen (wie der kuriose Super Mario Bros.-Film von 1993) enttäuschten Fans und Kritiker gleichermaßen. Das größte Problem bestand oft darin, dass es schlichtweg extrem schwierig ist, ein 40-stündiges, hochkomplexes Gameplay-Erlebnis samt tiefgründiger Story in einen 90-minütigen Kinofilm zu pressen, ohne die Essenz des Spiels zu verwässern.
Doch diese Zeiten sind erfreulicherweise vorbei. In jüngster Vergangenheit wurde der berüchtigte „Fluch der Videospielverfilmungen“ eindrucksvoll gebrochen. Serien-Adaptionen wie The Last of Us (HBO) oder Fallout (Amazon) haben brillant bewiesen, dass man interaktive Welten meisterhaft und mit großem Respekt vor der Vorlage in lineare Erzählungen übersetzen kann. Auch im Animationsbereich setzten Titel wie der gigantische Super Mario Bros. Film oder Arcane völlig neue Maßstäbe.
Eines kann man somit sicher festhalten: Die gegenseitige Symbiose zwischen Hollywood und der Gaming-Welt ist stärker denn je. Beide Industrien beflügeln sich gegenseitig – sei es durch technologische Meilensteine wie die Unreal Engine, die mittlerweile auch bei Filmdrehs (wie in The Mandalorian) genutzt wird, oder durch die stetig wachsende Nachfrage nach transmedialen Geschichten. Liebhaber von Filmen und Fans von Videospielen dürfen gleichermaßen gespannt sein, welche virtuellen Welten in den kommenden Jahren die Kinosäle und heimischen Bildschirme erobern werden.

