Videospiele sind längst ein enorm beliebtes Leitmotiv in der Welt der Manga und Anime. Das extrem populäre „Isekai“-Genre (wörtlich: „andere Welt“) lebt regelrecht von der Prämisse, dass Charaktere in fiktive Online-Rollenspiele gezogen werden und dort ums Überleben kämpfen müssen. Die Palette reicht dabei von tödlichen Virtual-Reality-Szenarien bis hin zu harmloseren Lebenssimulationen. Bisweilen sind die fiktiven Onlinegames das alles bestimmende, zentrale Element der Geschichte. In anderen Fällen bilden real existierende, weltbekannte Spiele die Grundlage der Story. Wir stellen euch in diesem Artikel fünf essenzielle Beispiele vor, bei denen Manga und Videospiele meisterhaft miteinander verschmelzen.

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Sword Art Online (SAO)
Sword Art Online ist der absolute Platzhirsch des Genres, basiert jedoch auf keinem real existierenden Videospiel. Beschrieben wird stattdessen ein fiktives Virtual Reality Massively Multiplayer Online Role-Playing Game (VRMMORPG). Spieler tauchen mittels modernster Kopfgelder-Technologie („NerveGear“) derart mit allen Sinnen in die Gamewelt ein, dass praktisch kein Unterschied mehr zur Realität besteht. Der brutale Twist der Basisgeschichte: Am Erscheinungstag loggen sich 10.000 Spieler in das VRMMORPG ein und bemerken plötzlich, dass der Log-out-Button verschwunden ist. Wer im Spiel stirbt oder wem in der echten Welt der Helm abgenommen wird, stirbt auch in der Realität. Die Flucht ist erst möglich, wenn alle 100 Ebenen der gigantischen Festung Aincrad besiegt wurden.
Seinen Ursprung hat das gigantische Sword Art Online-Franchise in einer Web-Novel des japanischen Autors Reki Kawahara aus dem Jahr 2002. Daraus entstand eine milliardenschwere Marke, die neben zahllosen Light-Novels und Manga-Adaptionen vor allem durch die enorm erfolgreiche Anime-Fernsehserie (und diverse Kinofilme) weltweit Bekanntheit erlangte.
Animal Crossing
Ein schönes Beispiel für Manga, die auf tatsächlich existierenden Videospielen basieren, sind die humorvollen Animal Crossing-Manga. Animal Crossing ist eine weltberühmte Videospielreihe für Nintendo-Konsolen. Die Lebenssimulation, deren erstes Game bereits 2001 veröffentlicht wurde, ist spätestens seit dem Switch-Hit Animal Crossing: New Horizons (Release im März 2020) zu einem weltweiten popkulturellen Phänomen herangewachsen.
Das Spielprinzip ist so simpel wie süchtig machend: Der Gamer strandet auf einer einsamen Insel, auf der sprechende Tiere leben, nimmt Schulden beim kapitalistischen Waschbären Tom Nook auf, baut sein Haus aus und verrichtet entspannte Arbeiten (Früchte sammeln, Fossilien ausgraben, Fische fangen). Aufgrund des massiven Erfolgs startete das japanische Manga-Magazin CoroCoro eine offizielle Manga-Reihe, die das bisweilen chaotische Zusammenleben der Inselbewohner humorvoll und kindgerecht beleuchtet.

© Madhouse
Overlord
Die Geschichte der Manga-Reihe Overlord weist gewisse Parallelen zu SAO auf, dreht den Spieß jedoch erzählerisch um. Autor ist der Japaner Kugane Maruyama, der die Light-Novel-Reihe ab 2012 bei Enterbrain publizierte. Overlord-Manga sind auch in Deutschland (beim Carlsen-Verlag) ein riesiger Hit, nicht zuletzt dank der herausragenden Anime-Adaption.
Die Story spielt im fiktiven DMMORPG Yggdrasil, dessen Server im Jahr 2138 endgültig abgeschaltet werden sollen. Momonga, der Gildenmeister der dunkelsten und mächtigsten Gilde im Spiel, beschließt, bis zur letzten Sekunde online zu bleiben. Doch als der Timer abläuft, wird er nicht ausgeloggt. Schlimmer noch: Die Benutzeroberfläche verschwindet und die bis dato stummen NPCs (Nicht-Spieler-Charaktere) erwachen mit einem eigenen Bewusstsein zum Leben. Momonga, der nun physisch in der Gestalt eines furchteinflößenden Skelett-Magiers feststeckt, beschließt kurzerhand, diese neue Welt zu erobern. Die Serie punktet durch schwarzen Humor und die Tatsache, dass wir der Geschichte aus der Perspektive des „Bösewichts“ folgen.
The Gamer
The Gamer ist zwar keine klassische Reihe gedruckter Manga, sondern ein südkoreanischer Webtoon, gehört aufgrund der Genialität seiner Prämisse aber zwingend in diese Aufzählung. Autor ist Sung Sang-Young, Illustrator Sang-Ah. Anders als bei den klassischen Isekai-Geschichten ist der Protagonist Jee-Han Han hier nicht plötzlich in einem Onlinegame „gefangen“. Stattdessen mutiert seine echte, alltägliche Umwelt durch seine Augen plötzlich zu einem Videospiel.
Jee-Han Han sieht Statuswerte über den Köpfen seiner Mitmenschen, erhält Quests für Hausaufgaben, muss von Level zu Level aufsteigen, neue „Skills“ erwerben und sich durch sogenannte Dungeons kämpfen, die sich vor der normalen Gesellschaft verbergen. Diese clevere Übertragung klassischer RPG-Mechaniken in den normalen Highschool-Alltag hat The Gamer zu einem riesigen Hit gemacht.

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Log Horizon
Log Horizon widmet sich der Thematik der in Spielen gefangenen Menschen (dem Isekai-Tropus) auf eine sehr politische und taktische Weise. Wiederum dreht sich die Geschichte um Gamer, die in ihrem geliebten Onlinespiel „Elder Tale“ eingeschlossen werden. Durch das Einspielen eines großen Erweiterungspakets werden 30.000 japanische Spieler schlagartig physisch in die Spielwelt versetzt.
Anders als bei Sword Art Online liegt der Fokus bei Log Horizon jedoch nicht auf dem verzweifelten Kampf um Leben und Tod (wer stirbt, respawnt einfach wieder), sondern auf dem Wiederaufbau der Gesellschaft. Der brillante Stratege und Zauberer Shiroe gründet die Gilde „Log Horizon“, um inmitten des Chaos diplomatische Beziehungen zu den NPCs aufzubauen, eine funktionierende Wirtschaft zu etablieren und Gesetze zu erlassen. Die Light-Novel von Autor Mamare Tōno und Illustrator Kazuhiro Hara wurde ab 2011 veröffentlicht und zog extrem beliebte Manga- und Anime-Adaptionen nach sich.
