Es gibt Filme, bei denen man sich schon nach einiger Zeit dabei ertappt, weniger auf die Handlung als vielmehr auf die Bilder zu achten
Ein Fest für die Augen, das lange nachwirkt
Die Geisha von Rob Marshall ist ein solches Werk. Die Literaturverfilmung entfaltet eine visuelle Pracht, die vom ersten bis zum letzten Bild beeindruckt. Farben, Licht, Kostüme und Kameraführung greifen derart kunstvoll ineinander, dass beinahe jede Einstellung wie ein Gemälde wirkt.
Das Ergebnis ist ein opulentes Kinoerlebnis, das die große Leinwand geradezu verdient.
Japan zu Beginn der 1930er-Jahre: Die neunjährige Chiyo (Suzuka Ohgo) wächst in ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen Fischerdorf auf. Als ihre Mutter im Sterben liegt, verkauft ihr Vater sie und ihre Schwester an das Vergnügungsviertel Gion in Kyoto.
Ein Mädchen zwischen Tradition und Selbstbestimmung
Dort werden die beiden Mädchen voneinander getrennt. Während Chiyo in einem Okiya, einem traditionellen Geisha-Haus, untergebracht wird, verliert sich die Spur ihrer Schwester.
In der fremden Umgebung beginnt für Chiyo ein Leben voller Entbehrungen und strenger Regeln. Besonders die Geisha Hatsumomo (Gong Li) macht ihr das Leben schwer. Erst durch die Begegnung mit der erfahrenen Mameha (Michelle Yeoh) erhält das Mädchen eine neue Perspektive.
Unter ihrer Anleitung entwickelt sich Chiyo zur Geisha Sayuri (Zhang Ziyi), die mit ihrer Schönheit und ihrem Können die Aufmerksamkeit der Männerwelt auf sich zieht. Doch hinter dem Glanz der traditionellen Kunstform verbirgt sich eine Welt aus Abhängigkeiten, Rivalitäten und persönlichen Opfern. Und während Sayuri ihren eigenen Weg sucht, bleibt die Erinnerung an eine Begegnung aus ihrer Kindheit ein entscheidender Antrieb.
Die größte Stärke von Die Geisha ist zweifellos seine Inszenierung. Rob Marshall erschafft eine Welt, die gleichermaßen fremdartig, romantisch und faszinierend wirkt.
Wenn jedes Bild ein Gemälde sein könnte
Die Kamera fängt die Schauplätze mit einer beeindruckenden Ruhe und Präzision ein. Die Farbgestaltung ist außergewöhnlich, die Lichtsetzung unterstreicht die melancholische Atmosphäre und die Bildkompositionen sind von einer beinahe malerischen Qualität.
Dazu kommen die aufwendigen Kostüme, das detailreiche Szenenbild und das Make-up, die gemeinsam eine beeindruckende visuelle Einheit bilden. Dass der Film dafür mit drei Oscars für Kamera, Ausstattung und Kostümdesign ausgezeichnet wurde, überrascht kaum. Auch musikalisch ist das Werk ein Genuss. John Williams begleitet die Geschichte mit einem ebenso ergreifenden wie betörenden Score, der die romantische und melancholische Stimmung maßgeblich prägt. Die Musik drängt sich nicht auf, sondern verleiht den Bildern zusätzliche Tiefe.
Gong Li dominiert das Geschehen
Auch schauspielerisch hat Die Geisha einiges zu bieten. Zhang Ziyi verkörpert Sayuri mit einer Mischung aus Verletzlichkeit, Zurückhaltung und innerer Stärke. Ihre Entwicklung vom verängstigten Mädchen zur gefeierten Geisha ist nachvollziehbar und feinfühlig gespielt. Michelle Yeoh überzeugt als Mameha mit einer ruhigen Eleganz, die einen angenehmen Gegenpol zu den dramatischeren Figuren bildet.
Die eigentliche Naturgewalt des Films ist jedoch Gong Li. Als Hatsumomo bringt sie eine Intensität und ein Feuer auf die Leinwand, die jede ihrer Szenen elektrisieren. Ihre Figur ist eifersüchtig, verletzend und unberechenbar, zugleich aber auch von einer inneren Zerrissenheit geprägt. Die Rivalität zwischen ihr und Sayuri gehört zu den spannendsten Elementen der Geschichte. Sobald Hatsumomo aus dem Zentrum des Geschehens verschwindet, verliert der Film allerdings spürbar an dramaturgischer Spannung.
So beeindruckend die Inszenierung ist, so deutlich werden mit zunehmender Laufzeit auch die Schwächen des Drehbuchs. Die Geschichte umfasst zahlreiche Lebensstationen und Nebenhandlungen, denen nicht immer genügend Raum gegeben wird.
Zwischen opulenter Oberfläche und fehlender Tiefe
Manche Entwicklungen wirken dadurch eher angerissen als wirklich ausgearbeitet. Die Figuren bleiben mitunter auf Distanz, beinahe so unnahbar wie die kunstvollen Gemälde, die der Film selbst erschafft. Man bewundert sie, kann ihnen emotional aber nicht immer so nahekommen, wie es die Geschichte eigentlich ermöglichen müsste.
Auch die zentrale Liebesgeschichte zwischen Sayuri und dem Direktor hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die romantische Sehnsucht, die den Film durchzieht, bekommt durch den Altersunterschied und die frühen Begegnungen einen unangenehmen Beigeschmack. Statt diese problematische Dynamik stärker zu hinterfragen, verklärt die Inszenierung sie zu einem großen romantischen Schicksal. Gerade hier hätte etwas mehr kritische Distanz der Geschichte gutgetan.
Hinzu kommt die Diskussion um die kulturelle Authentizität. Die Besetzung japanischer Figuren mit chinesischen Schauspielerinnen wie Zhang Ziyi und Gong Li sowie die überwiegend englische Sprache haben dem Film bereits bei seiner Veröffentlichung Kritik eingebracht. Zwar ist das Ensemble hervorragend, dennoch bleibt ein gewisser Hollywood-Blick auf die japanische Kultur spürbar. Die komplexen gesellschaftlichen und patriarchalen Strukturen, in denen Geishas lebten, werden eher als Kulisse für ein großes Melodram genutzt, statt wirklich in ihrer Tiefe beleuchtet zu werden.
Die Geisha ist ein Film, der seine größte Wirkung über Bilder, Musik und Ausstattung entfaltet. Die opulente Inszenierung, die herausragenden Kostüme und insbesondere Gong Lis intensive Darstellung machen das Werk zu einem echten Fest für die Sinne.
Ein berauschendes Kinoerlebnis mit kleinen Rissen
Inhaltlich hätte die Geschichte an einigen Stellen mehr Tiefe und Mut zur kritischen Auseinandersetzung vertragen können. Auch die emotionale Distanz zu den Figuren verhindert, dass das Drama sein volles Potenzial ausschöpft.
Trotz dieser Schwächen bleibt ein beeindruckendes Hollywood-Epos, das die Romantik des klassischen Kinos beschwört und mit seiner visuellen Pracht beinahe hypnotisch wirkt. Nicht jede erzählerische Entscheidung überzeugt, doch die handwerkliche Brillanz ist kaum zu bestreiten.
Die Geisha in 4K: Ein Fest für die Sinne in neuer Auflösung
Am 12. November erscheint Die Geisha erstmals als 4K-UHD. Gerade ein Film, dessen größte Stärke in seiner Bildgestaltung liegt, dürfte von einer hochauflösenden Veröffentlichung besonders profitieren.
Die detailreichen Kostüme, die kunstvollen Kulissen und die außergewöhnliche Farbpalette bieten reichlich Gelegenheit, die visuelle Arbeit von Rob Marshall und seinem Team noch einmal neu zu entdecken. Die mit drei Oscars ausgezeichnete Kameraarbeit erhält damit eine passende Bühne. Wer sich von der opulenten Welt des Films verzaubern lassen möchte, bekommt mit der 4K-Veröffentlichung die Gelegenheit, dieses bildgewaltige Kinoerlebnis erneut zu genießen.

Bildrechte: Sony Pictures Entertainment / PLAION PICTURES
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