17th Feb2011

Der ganz große Traum … oder wie der Lehrer Konrad Koch den Fußball nach Deutschland brachte (2011) – Filmkritik

von

NA

1874: Nachdem das deutsche Kaiserreich am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses Versailles offiziell gegründet wurde, ernannte man den preußischen König Wilhelms I zum Deutschen Kaiser. Doch es sollte noch eine weitere Veränderung im neuen Reich geben. Der Lehrer Konrad Koch (Daniel Brühl) wird am Martino-Katharineum in Braunschweig als erster Fremdsprachenlehrer für Englisch eingestellt.

Der Lehrer mit deutschen Wurzeln stößt jedoch bei seinen Schülern und Kollegen zunächst auf Ablehnung und wird mit Vorteilen über England erschlagen. Als barbarische Lebewesen, welche rohes Fleisch mit Pfefferminzsoße essen, wird das gesamte Volk abgestempelt. Doch Koch lässt sich nicht unterkriegen und versucht die Neugier der Schüler mit einer ganz besonderen Methode zu wecken. Bei seinem langjährigen England-Aufenthalt hat er nämlich das Fußballspiel für sich entdeckt und möchte nun auch den runden Ball in Deutschland bekannt machen.

Schnell ist seine Klasse von der fremden Sportart begeistert, doch die Lehrer an der kaiserlich-strengen Schule fühlen sich bedroht. Die „Seuche“ aus England ist für sie eine Bedrohung und muss schleunigst aus ganz  Braunschweig vertrieben werden. Doch die Schüler setzen sich für ihren Lehrer und die neue Sportart ein. Können sie die konservativen Lehrer überzeugen oder müssen sie zurück in die Turnhalle zum Marschieren?

Für viele Menschen in Deutschland gibt es am Wochenende nur einen wichtigen Termin: Bundesliga. Alle vier Jahre vereint sich Deutschland und fiebert zusammen mit der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft. Doch es gab eine Zeit, da wusste fast niemand etwas mit dem runden Leder anzufangen. Erst der deutsche Lehrer Konrad Koch führte im Jahr 1874 das Fußballspiel in Deutschland ein. Der Spielfilm „Der ganz große Traum“ erzählt nun eine freie Geschichte zu diesem wahren Hintergrund.

Verpackt in einem unterhaltsamen und humorvollen Sportfilm treffen im Film die deutschen Tugenden und Sitten auf die fremde „Seuche“ aus England, welche eine enorme Gefahr für die Monarchie darstellt. Für den Humor sorgen dabei zunächst die vielen Vorurteile der deutschen Schüler, welche über das Leben der Engländer nur von ihren konservativen Eltern und Lehrern gehört haben. Auf diese Klischeevorstellungen trifft Lehrer Koch und überzeugt die Klasse, dass nicht ihre Väter ihre Zukunft bestimmen, sondern jeder Mensch seine eigene Zukunft bilden kann.

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In der Hauptrolle spielt Schauspieler Daniel Brühl den aufgeschlossenen Lehrer, welcher wie gewohnt eine bewundernswerte Leistung abliefert. Auch die zahlreichen Kinder, welche die Entwicklung einer traditionsverbunden Kameradschaft hin zu einem gemeinschaftlichen Fußballteam spielen, wirken weitestgehend glaubhaft und nicht aufgesetzt. Als Antagonist begegnet uns Schauspieler Justus von Dohnányi, welcher bereits in den Filmen Das Experiment und Napola – Elite für den Führer schnell das Publikum gegen sich verbündete und seine Sache als „Bösewicht“ überzeugend meistert. Einzig und allein die weibliche Rolle der Mutter aus der Arbeiterschicht von Kathrin von Steinburg zerstört das Niveau der Schauspielerriege. Ihre Leistung wirkt in keiner Szene des Films professionell und ihr Charakter erscheint aufgesetzt und unglaubwürdig.

Insgesamt ist Der ganz große Traum eine solide Unterhaltung, welche vielleicht von ein paar Klischees zu viel befallen ist und den historischen Kontext immer mal wieder dreht und wendet wie es ihm gefällt. Trotzdem macht es Spaß den Beginn des Fußballs in Deutschland zu verfolgen und zu beobachten, wie die Schüler sich zusammen mit ihrem Lehrer gegen die alte, deutsche Garde auflehnen. Wir freuen uns, dass der Fußball sich nicht nur im Film durchsetzen konnte, sondern dank Konrad Koch zu einer festen Größe in Deutschland geworden ist.

Cast & Crew

Regie: Sebastian Grobler
Drehbuch: Philipp Roth, Johanna Stuttmann
Musik: Tilo M. Heinrich, Helmut Zerlett
Schauspieler: Daniel Brühl, Burghart Klaußner, Thomas Thieme, Jürgen Tonkel, Justus von Dohnányi, Kathrin von Steinburg, Axel Prahl, Theo Trebs, Henriette Confurius

Bewertung

Bewertung_6

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