03rd Jan2019

Feinde – Hostiles (2017) | Filmkritik

Hostiles

Mehrere Indianer stürmen das Anwesen von Familie Quaid, töten den Besitzer und alle Kinder. Rosalee Quaid (Rosamunde Pike) kann als einziges Familienmitglied dem Massaker entkommen und sich in einem nahegelegenen Wald verstecken.

hostiles_1 An anderer Stelle wird Captain Joe Blocker (Christian Bale) damit beauftragt, den inhaftierten Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) zurück in seine Heimat Montana zu begleiten, da er schwer krank und scheinbar nicht mehr viel Zeit zu leben hat. Den Auftrag lehnt der Captain jedoch zunächst ab, da er sowieso bald in den Ruhestand gehen wird. Allerdings wird ihm mitgeteilt, dass er den Auftrag erledigen muss, um seine Rente zu kassieren.

Getrieben von Trauer, Furcht und Missachtung reitet Captain Blocker mit seiner Truppe und einigen Cheyenne-Mitgliedern in den Norden. Yellow Hawk weiß, dass er mit einem Mann reist, der viele seiner Stammesmitglieder getötet hat und Blocker ist sich im Gegenzug ebenfalls bewusst, dass auch Yellow Hawk viele seiner Freunde und Kameraden auf dem Gewissen hat.

Mit gegenseitigem Misstrauen reiten sie an dem verbrannten Haus der Familie Quaid vorbei, wo Rosalee ihren toten Säugling in den Armen hält. Kurzerhand nehmen nehmen sie sie auf und reisen weiter. Doch die Gefahren für die ungleiche Gruppe lauern an jeder Abzweigung auf ihrem gefährlichen Ritt gen Norden.

Feinde – Hostiles ist ein US-amerikanischer Neo-Western aus dem Jahre 2017. Scott Cooper entwickelte gemeinsam mit Donald Stewart das Drehbuch zum Film und führte ebenfalls die Regie. Zuvor inszenierte er die Filme Black Mass (2015), Auge um Auge (2013) und Crazy Heart (2009). Nach Auge um Auge ist sein neuester Film die zweite Zusammenarbeit mit Oscar-Preisträger Christian Bale.

hostiles_2 Die Thematik des Films ist ebenso bekannt wie auch klassisch für eine Geschichte aus dem Wilden Westen. Allerdings setzt Regisseur Cooper auf eine abgewandelte und zutiefst emotionale Herangehensweise. Zu Beginn des Westerns werden der Captain und Yellow Hawk gemeinsam auf eine Reise geschickt, die von absoluter Verachtung geprägt ist. Unmittelbar nachdem der Ritt zum Tal der Bären (Montana) beginnt, lässt Blocker den Cheyenne-Häuptling in Ketten legen. Ohne Respekt für den jeweils anderen geht es auf die gefährliche Reise.

Die Reise könnte symbolisch für eine menschliche Annäherung zwischen Indianern und Amerikanern stehen, jedoch wäre dieser Ansatz zu einfach. Die Positionen Häuptling und Captain sind derart weit auseinander, sodass eine Freundschaft nicht entstehen kann. Sie sind die gegenseitigen Feinde. In über zwei Stunden wird allerdings geschickt eine menschliche Verbindung geschaffen, die berührend und traurig zugleich ist. Die Ruhe und die atemberaubende Schönheit des Westens sorgen dabei für eine geeignete Basis.

Die grausame Geschichte zwischen zwei Schlächtern ist derart schön inszeniert, dass der Kontrast zwischen Stille und dem Ausbruch von Gewalt den Zuschauer überaus überraschend packt. Die depressive Stimmung, die zudem durch die Herzlosigkeit der Protagonisten erzeugt wird, passt hervorragend in die Geschichte. Des Weiteren ist die Bildgewalt ideal für eine gute Atmosphäre und imponiert, wirkt allerdings während einigen Abschnitten des Films auch leicht überzogen.

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Diese atmosphärische, emotionale Grundhaltung wird stark fokussiert und ist deshalb etwas schwer anzusehen. An dieser Stelle ist jedoch die Machart von Regisseur Cooper zu erwähnen, die meistens etwas zu viele Längen beinhaltet. Trotzdem sind die Längen und die wunderbare Stille ein typisches Element eines Westerns und dahingehend sympathisch, da der Trend von aktuellen Kinofilmen eher zu schnellen Schnitten und wenig emotionaler Tiefe hingeht. Auch ist die schauspielerische Leistung von dem gesamten Cast fantastisch und besonders hervorzuheben.

Angeführt von einem zurückhaltend spielenden Christian Bale, der durch viele ruhige Momente eine Nominierung für renommierte Filmpreise verdient gehabt hätte, zeigen alle Schauspieler eine ansehnliche Leistung. Bale hat es gar nicht erst nötig laut zu werden, da er allein schon in seinem Gesichtsausdruck so viel Tiefe und Emotionen verankert. Die Mimik eines alten Armee-Soldaten, der depressiv und verdorben zugleich ist, wird wunderbar aufgegriffen. Seine Präsenz gehört zu den Highlights dieses Western.

Neben ihm überzeugt auch Rosamunde Pike als weibliche Hautrolle. Sie ist durch den Verlust ihrer Familie in einer ähnlichen Stimmung, jedoch hat sie genügend Mut, um mit der Armee zu reisen. Sie ist emotional und glaubwürdig in ihren Aktionen. Neben den beiden überzeugt auch Wes Studi als Yellow Hawk. Er bleibt ähnlich wie Bale ruhig, kann jedoch zusätzlich eine Furcht ausstrahlen. Alle drei agieren passend zusammen.

Die musikalische Untermalung von Max Richter ist ein weiterer Pluspunkt des Films. Mit passenden Tönen trifft er immer die Stimmung des Films. Des Weiteren ist der Western ein Stück amerikanischer Geschichte, da er viele Themen wie Indianer, Grausamkeiten und Besitz von Grundstück thematisiert. Insgesamt ist Feinde – Hostiles ein visuell hervorragender Neo-Western, der durch einen bestens aufgelegten Christian Bale eine emotionale Geschichte aus der guten alten Zeit des Wilden Westens erzählt.

Bewertung

Bewertung_8

Trailer

Informationen
Feinde - Hostiles (2017)
134 min|Adventure, Drama, Western|26 Jan 2018
7.2IMDB-Wertung: 7.2 / 10 von 50,153 Nutzern
New Mexico, 1892: Der verdiente Offizier Joseph Blocker erhält den Auftrag, den kranken Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk der die vergangenen sieben Jahre im Gefängnis verbrachte, in dessen Stammesland nach Montana zu begleiten. Der letzte Wunsch des als unerbittlich bekannten Indianers ist es, zu Hause zu sterben...

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