19th Mrz2018

Good Time (2017) | Filmkritik

Good Time

Der grenzdebile Nick (Benny Safdie) spricht in einer Therapiesitzung über die aggressive Erziehung seiner Großmutter. Er öffnet sich und beschreibt die Verunsicherung und die Wut, die er in sich trägt. Dieser ehrliche Moment wird jedoch durch seinen Bruder Connie (Robert Pattinson) unterbrochen.

Er stört die Sitzung und zerrt Nick aus dem Zimmer. Die Brüder begehen in Folge gemeinsam einen Banküberfall, wobei Nick keine Ahnung hat, was geschieht. In einem Taxi bestaunen die beiden anschließend ihre Beute, doch platzen rote Farbbeutel in der Tasche und scheinen ihre gesamte Arbeit zunichte zu machen. Um das Geld zu retten stürmen sie in das nächste Café und wollen die Farbe abwaschen.

Währenddessen ist ihnen die Polizei bereits dicht auf den Fersen. Bei der folgenden Flucht kann Connie entwischen, doch Nick wird von den Polizisten geschnappt. Sie nehmen ihn in Untersuchungshaft und bringen ihn in das nahegelegene Gefängnis Rikers Island. Connie möchte alles in seiner Macht stehende unternehmen, um seinen Bruder zu befreien. Zuallererst muss er jedoch 10.000 Dollar für die angesetzte Kaution auftreiben und diese Aufgabe scheint schwieriger zu sein als zunächst angenommen.

Good Time ist ein Kriminalfilm des Regieduos Benny und Josh Safdie, die auch am Drehbuch beteiligt waren. Die kleine Räuber und Gendarm Geschichte von zwei Brüdern in der Großstadt New York City nimmt einen Abstecher auf die dunkle Seite der Stadt. Connie ist gewillt kriminell zu werden, sein Bruder Nick hingegen ist völlig verunsichert.

Der bunt inszenierte Trip in die Kriminalität setzt auf einen starken Robert Pattinson, der den meisten als Edward Cullen aus der Twilight-Reihe in Erinnerung geblieben ist. Im Independent-Film Good Time zeigt er sein Talent als Schauspieler anhand einer vielseitigen und glaubwürdigen Interpretation seiner Filmfigur. Einschränkend muss jedoch gesagt werden, dass der Film kein Interesse zeigt seine sympathisch zu gestalten – er ist ein wahrer Mistkerl.

Die Figuren sind aber auch nicht komplett unsympathisch. Es ist Mittelweg zwischen Sympathie und Antipathie, der zum Problem wird. Vielleicht ist dies sogar einer der größten Kritikpunkte des Films, dass eine Linie zwischen Gut und Böse nicht geradlinig verfolgt wurde. Während einem Connies Schicksal nicht weniger egal sein könnte, hofft man auf Gerechtigkeit für Nick.

Dieser Split scheint ein bewusster Bestandteil des Films zu sein, da wenig über die Brüder bekannt ist. Ohne eine bewusste Zielsetzung der unbekannten, jungen Männer stört dieses gewählte, inszenatorische Mittel den Erzählfluss erheblich und verhindert den Aufbau von benötigter Spannung.

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Die bunte Inszenierung ebenfalls ist teilweise gut und an anderen Passagen des Film wieder komplett ungeeignet. Einerseits wirkt der Film durch die neonfarbenen Bilder, die in ihrem Stil leicht an Atomic Blonde erinnern, stilistisch schön und träumerisch. Andererseits passen die Bilder wenig zu der kleinen Raubgeschichte und der düster fotografierten Seite New Yorks.

Dennoch ist die strikte Handlung ein großer Vorteil. Die visuelle Schönheit ist zwar leicht übertrieben und dick aufgetragen, behindert aber den unvorhersehbaren Ablauf der Geschichte in keinem Moment. Der Weg auf die Falsche Seite des Gesetzes wird kompromisslos erzählt und erhält daher die nötige Glaubwürdigkeit.

Was Good Time allerdings grandios gelöst hat, ist die perfekte Laufzeit. Ein beliebtes Problem aktueller Filme ist der Trend zu immer längerer Spielzeit. Viele Kinofilme fordern die Nerven und Konzentration ihrer Zuschauer mit zweieinhalb Stunden oder mehr heraus. Good Time dagegen ist mit den mittlerweile relativ kurzen 101 Minuten ein Exempel dafür, dass eine Geschichte auch klar und deutlich unter zwei Stunden erzählt werden kann.

Zusammenfassend ist Good Time ein visuell schön inszenierter Kriminalfilm mit einem gut aufgelegten Robert Pattinson, der einen Abend falscher Entscheidungen in NYC durchlebt, aber leider unter seiner Charakterzeichnung leidet.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Benny Safdie, Josh Safdie
Drehbuch: Ronald Bronstein, Josh Safdie
Musik: Oneohtrix Point Never
Darsteller: Robert Pattinson, Jennifer Jason Leigh, Ben Safdie, Barkhad Abdi, Buddy Duress

Bewertung

Bewertung_6

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