I Am Bolt 2016

I am Bolt (2016) | Filmkritik

Eine faszinierende Annäherung an den schnellsten Menschen der Welt

von Mathias Grunwald

Im Jahr 2016 erschien ein Dokumentarfilm, auf den Millionen von Sportbegeisterten und Fans der leichten Leichtathletik weltweit lange gewartet hatten: I am Bolt eroberte die Kinos. Kein Wunder, dass das Werk erfolgreich anlief, schließlich begleitete das Filmteam den unangefochtenen König der Sprintdistanzen und den „schnellsten Mann der Welt“. Mit vielen direkten Aufnahmen und exklusiven Szenen lässt die Dokumentation den Zuschauer am Leben in den Sportarenen, Trainingslagern und Stadien dieser Welt unmittelbar teilhaben.

iambolt_1 I am Bolt (2016) I am Bolt erschien damals exakt zum richtigen Zeitpunkt, um ein filmisches Zwischenfazit der historischen Laufbahn des Jamaikaners zu ziehen. Den absoluten Höhepunkt seiner Karriere feierte Bolt zweifellos bei den Olympischen Spielen 2012 in London. Vor allem sein Triumph im 100-Meter-Sprint ging unsterblich in die Geschichtsbücher ein. Seinen stärksten Konkurrenten und Landsmann Yohan Blake verwies er auf die Plätze und lief im Finale eine unfassbare Zeit von 9,63 Sekunden.

Dies bedeutete nicht nur die Goldmedaille, sondern auch den olympischen Rekord. Schneller ist diese Distanz bis heute von keinem Menschen gelaufen. Doch auch über die 4×100-Meter-Staffel triumphierte Bolt gemeinsam mit seinen Teamkollegen Blake, Frater und Carter in einer Fabelzeit von 36,84 Sekunden. Diese sportlichen Sternstunden bescherten Bolt den Status einer lebenden Legende. Die Dokumentation fängt viele dieser emotionalen Momente und die Reaktionen seiner Konkurrenten ungefiltert ein.

I am Bolt - Jetzt bei amazon.de bestellen!

I am Bolt – Jetzt bei amazon.de bestellen!

Zwischen Privatleben und sportlicher Dokumentation

Neben seiner Karriere als absoluter Spitzensportler zeigt der Film Bolt vor allem auch als nahbaren Privatsphären-Menschen. Akribische Trainingsabläufe, strikte Essgewohnheiten und Momente der Freizeitgestaltung wechseln sich mit Einblicken in sein familiäres Umfeld ab. Dabei wird schnell klar: Trotz des gigantischen Weltruhms ist Usain Bolt auf dem Boden geblieben. Der Mann, der auf der Tartanbahn wie eine unaufhaltsame Rakete explodiert, führt privat ein überraschend entspanntes und bodenständiges Leben.

Dieser faszinierende Kontrast wird in I am Bolt über weite Strecken gut herausgearbeitet, da das Regie-Duo Gabe und Benjamin Turner den Athleten über einen langen Zeitraum begleiten durfte.

Die Schwächen des Films: Wo bleibt die sportliche Tiefe?

Trotz des hohen Sympathiefaktors lässt die Dokumentation auf cineastischer und analytischer Ebene Federn. Im direkten Kontrast zu Bolts schnörkellosem, direktem Laufstil von A nach B wirkt der Schnitt des Films oft überraschend indirekt, schwer nachvollziehbar, verstreut und mäandrierend.

Während der Film zweifellos interessante Einblicke hinter die Kulissen gewährt – von Hotelzimmer-Aktivitäten bis hin zu privaten Partys –, verpasst er es auf schmerzhafte Weise, die wahre sportliche Dimension und historische Einzigartigkeit von Bolts Karriere überzeugend darzustellen. Zwar kommen in zahlreichen Interviews diverse Wegbegleiter und Sportgrößen zu Wort, die seine Klasse loben. Doch für den Zuschauer wäre es ungleich effektiver gewesen, seine Rekorde visuell und statistisch mit anderen absoluten Ausnahmesportlern wie Carl Lewis oder Michael Johnson zu vergleichen. Auch eine direkte Gegenüberstellung seiner Weltrekordzeiten mit historischen Bestmarken anderer Sprinter fehlt gänzlich.

Stattdessen verliert sich der Film zu oft in unwichtigem Material und oberflächlichem „Dilly-Dallying“. Man ertappt sich bei dem Gedanken: Einige Szenen sind durchaus charmant, aber schlichtweg zu langatmig und zu wenig fokussiert auf das eigentliche Phänomen des Sprintens.

Fazit und Ausblick

Dennoch bietet der Film im finalen Akt interessante Zwischentöne: Vor laufender Kamera spricht Bolt offen über die schwierige Phase des Alterns als Leistungssportler und die Pläne für die Zeit nach seiner Karriere. Wie die Sportwelt heute weiß, beendete Usain Bolt seine unnachgiebige Karriere schließlich nach den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August 2017 in London.

I am Bolt ist unterm Strich ein nettes, nahbares Porträt für treue Fans des jamaikanischen Superstars. Wer jedoch eine tiefgründige, packend geschnittene Sportdokumentation erwartet, die das sportliche Erbe mit Fakten und Vergleichen untermauert, wird von der fahrigen Struktur etwas enttäuscht sein. Ein sympathischer, aber handwerklich ungleichmäßiger Blick hinter die Kulissen.

Cast & Crew

Regie: Gabe Turner, Benjamin Turner
Produzent: Leo Pearlman
Kamera: Patrick Smith
Darsteller: Usain Bolt, Neymar, Pelé, Serena Williams, Asafa Powell

Bewertung

Bewertung_6

Trailer
-
00:00
00:00
Update Required Flash plugin
-
00:00
00:00