Zlatan: Ihr redet - ich spiele

Zlatan: Ihr redet – ich spiele (2016) | Filmkritik

Der steinige Weg zur Legende

von Mathias Grunwald

Auch wenn Zlatan Ibrahimović während seiner langen Karriere einer der Fußballer war, der die Meinungen am meisten spaltete, besteht kein Zweifel daran, dass er zu den charismatischsten Sportlern der modernen Geschichte gehört. Es ist daher keine große Überraschung, dass die in Malmö ansässige Produktionsfirma Auto Images dem berühmtesten Sohn der Stadt einen eigenen Dokumentarfilm gewidmet hat.

zlatan_1 Becoming Zlatan (2016) Auch wenn der Film in mehr als 200 schwedischen Kinos ein massiver Hit war, flog er international zunächst etwas unter dem Radar. Das änderte sich jedoch rasch, da das weltweite Interesse an der Frage, wie aus dem hitzköpfigen Jungen aus dem Problemviertel Rosengård ein globaler Superstar wurde, ungebrochen ist.

Wie viele großartige Sportdokumentationen greift auch Zlatan: Ihr redet – ich spiele (Originaltitel: Den unge Zlatan / international: Becoming Zlatan) auf hervorragendes, privates Archivmaterial zurück, um eine klassische Coming-of-Age-Geschichte zu erzählen. Der Film zeigt detailliert, wie Ibrahimović es vom staubigen Trainingsplatz des Malmö FF auf die schillernde europäische Fußballbühne schaffte.

In den faszinierenden alten Interviews mit dem blutjungen Ibrahimović berichtet er von den enormen Schwierigkeiten und Vorurteilen, mit denen er als Sohn von Einwanderern in den sozial benachteiligten Gegenden von Malmö zu kämpfen hatte – und macht deutlich, dass er seinen Traum von der Weltspitze nie aus den Augen verlor. Auch wenn der Ausnahmestürmer seine aktive Karriere mittlerweile im Jahr 2023 beendet hat, beweist sein legendärer Werdegang (der ihn unter anderem im Herbst seiner Karriere noch zu Manchester United oder AC Mailand führte), dass er seinen exzellenten Ruf in der Sportwelt mehr als verdient hat.

zlatan_2 Da Zlatan: Ihr redet – ich spiele sich bewusst auf die prägenden Anfangsjahre fokussiert, fehlen logischerweise die späten Triumphe. Dafür entschädigt die Dokumentation mit extrem tiefen Einblicken. Besonders intensiv wird auf die harten Bewährungsproben eingegangen, die er bei Ajax Amsterdam durchleben musste. Zahlreiche Wegbegleiter, Freunde und ehemalige Kollegen kommen ungeschönt zu Wort.

Anders als bei vielen PR-gesteuerten Dokumentationen, die einen Star lediglich in den Himmel loben, gelingt den Filmemachern Fredrik und Magnus Gertten ein Porträt, das Ecken und Kanten zeigt. Durch die Einbindung von Interviews mit Ibrahimovićs damaligem ägyptischen Rivalen Mido schlägt sich der Film nicht einseitig auf Zlatans Seite. Man sieht den Teenager in all seiner Arroganz, aber auch in seiner Verletzlichkeit, wodurch man den Menschen hinter der großen Klappe viel besser versteht.

Der einzige Wermutstropfen der Dokumentation ist, dass sie uns „nur“ die Ursprünge zeigt. Zwar sind die Jahre in Malmö und bei Ajax cineastisch extrem wertvoll, doch man wünscht sich fast zwingend einen zweiten Teil der Gertten-Brüder, der die glamourösen und hochgradig explosiven Jahre bei Juventus Turin, Inter Mailand oder Paris Saint-Germain abdeckt.

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Videomaterial für eine solch unterhaltsame Fortsetzung gäbe es reichlich: Von Handgreiflichkeiten auf dem Platz bis hin zu seinem berüchtigten, eskalierenden Kleinkrieg mit dem damaligen Barcelona-Trainer Pep Guardiola. Ibrahimovićs Karriere bietet mehr als genügend filmreifen Stoff und Drama, um locker einen düsteren und intensiven Hollywood-Streifen im Stil von Logan zu füllen.

Abseits des Platzes ist es vielleicht sein humanitärer Einsatz, der die Kunstfigur Zlatan so faszinierend bricht. So ließ er seinen Körper einst mit temporären Tätowierungen von 50 Namen hungernder Menschen bedecken, um auf das World Food Programme der UNO aufmerksam zu machen. Er ist ein vielseitiger Sportler mit unzähligen Facetten.

Wer nach diesem Porträt auf den Geschmack gekommen ist, findet im Genre der Sportdokumentationen noch weitere filmische Highlights. Eine Doku aus dem Jahr 2014 beleuchtet beispielsweise das Leben von Lionel Messi, während in Pelé – Der Film (2016) dem brasilianischen Idol ein würdiges Denkmal gesetzt wird. Auch über den Portugiesen Cristiano Ronaldo gab es 2015 einen sehenswerten Dokumentarfilm unter der Regie von Anthony Wonke, der die überraschend menschliche Seite des sonst so eitlen Superstars zeigte (während das emotionale Motorsport-Meisterwerk Senna übrigens vom großartigen Asif Kapadia stammt).

All diese Filme haben eines gemeinsam: Sie portraitieren Ikonen, die oft als Außenseiter begannen und entgegen aller Erwartungen zu Legenden aufstiegen. Und auch wenn sie unglaublichen Reichtum anhäuften und zu Exzentrik neigen, zeigen herausragende Dokumentationen wie Zlatan: Ihr redet – ich spiele, dass selbst unter der härtesten Schale oft nur ein Junge steckt, der einfach kicken will.

Trailer
Cast & Crew

Regie: Fredrik Gertten, Magnus Gertten
Musik: Florencia Di Concilio, Marc Lizier
Darsteller: Zlatan Ibrahimović

Bewertung

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