17th Jan2017

Split (2017) | Filmkritik

von

Split

Regisseur M. Night Shyamalan scheint sich endgültig aus seiner Schaffenskrise befreit zu haben. Nachdem seine Werke Die Legende von Aang (2010) und After Earth (2013) bei Kritikern und Publikum gleichermaßen floppten, kehrte er im Jahr 2015 mit dem Horror-Thriller The Visit zu seinen Wurzeln zurück und präsentierte ein über weite Strecken spannendes Stück Kinounterhaltung.

Nun legt er mit Split nach. Tatkräftige Unterstützung bekommt er dabei von dem britischen Darsteller James McAvoy und Kameramann Mike Gioulakis, der erst kürzlich für seine Arbeit an It Follows viel Lob einheimsen konnte. Die zugrunde liegende Geschichte von Split lässt sich dabei in wenigen Sätzen erzählen.

Nach einer Geburtstagsfeier wollen die drei Freundinnen Casey (Anya Taylor-Joy), Claire (Haley Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula) nach Hause fahren. Doch plötzlich sitzt ein fremder Mann am Steuer ihres Autos und ehe sie sich zur Wehr setzen können sind sie auch schon betäubt. Als sie wieder zu sich kommen befinden sie sich eingesperrt in einem fensterlosen Raum.

Kurz darauf betritt ihr Entführer den Raum und erklärt den ängstlichen Mädchen die Situation. Nur wenig später tritt er erneut in den Raum, doch trägt nun Stöckelschuhe und ein Kleid. Beim nächsten Besuch benimmt er sich wie ein 9-jähriger Junge. Casey und ihre zwei Mitgefangenen müssen feststellen, dass ihr Entführer Kevin 23 verschiedene Persönlichkeiten besitzt und alle berichten davon, dass bald etwas noch düsteres und gefährlichen ankommen wird: Die Bestie! Mit ihr soll der wahre Alptraum erst beginnen.

Wie es bei den meisten Filmen von M. Night Shyamalan nun einmal so ist, ist weniger mehr. Umso weniger man im Vorfeld von der Geschichte des Werkes weiß, umso überraschter sitzt man am Ende des Films da. Außerdem beschränkt sich der Regisseur immer wieder auf eine überschaubare Anzahl an Darstellern und einem nicht zu großen Setting. Bei Split trifft beides zu. Besonders bei den Schauspielern muss man gestehen, dass hier James McAvoy, bekannt aus der X-Men-Reihe und dem viel gelobten Film Drecksau, alle seine Mitstreiter nahtlos an die Wand spielt – und das gleich dreiundzwanzig Mal. Ebenso erschreckend wie fesselnd wechselt er von der herrischen Frau zu einem Kleinkind und dann auch schon wieder zu einem modebewussten Designer. Hier zeigt sich das große Talent des Briten erneut äußerst eindrucksvoll.

An ihn kommt in Split niemand heran. Während Anya Taylor-Joy als stille Protagonistin dient, kann man die Freundinnen Claire und Marcia auch unerwähnt lassen. Ihre Leinwandzeit ist zudem sowieso allzu gering. Auch die Szenen mit Betty Buckley als Dr. Fletcher sind mehr erklärend als packend. Und den Gastauftritt von Regisseur M. Night Shyamalan als Chicken Wings-fressenden Hausmeister kann man sehen wie man will. Es wäre in unseren Augen jedoch besser, wenn sich der Filmschaffende nicht allzu oft und allzu lang vor die Kamera wagt.

Apropos Kamera muss man anmerken, dass an dieser Stelle Mike Gioulakis einen hervorragenden Job erledigt hat. Seine Aufnahmen der engen und bedrückenden Räume des Entführers sowie die Perfektiven und actionlastigen Szenen machen Split auch visuell zu einem Hingucker.

Was die Handlung anbelangt hat Split einen durchgehenden Spannungsbogen, der nur an wenigen Stellen etwas gestreckt erscheint. Relativ zügig geht es für die drei Mädchen in ihr Gefängnis und sie werden alsbald mit den verschiedenen Persönlichkeiten ihres Peinigers konfrontiert. Neben den zu erwartenden Ausbruchsversuchen sind es hier aber besonders die Dialoge von McAvoy, welche für Gänsehaut und eine packende Atmosphäre sorgen. Ohne zu viel über den Ausgang der Geschichte zu verraten muss aber gesagt sein, dass gerade dieses nicht in typischer Shyamalan-Manier daherkommt, dieser Aspekt aber nur denen wirklich auffällt, die sich mit der Filmografie des Regisseurs besser auskennen. Alle anderen wird die finale Szene mit Sicherheit etwas ratlos zurücklassen.

Auch wenn M. Night Shyamalan weiterhin weit entfernt ist von seinem Klassiker The Sixth Sense (1999) zeigt Split, dass man sich in Zukunft doch wieder verstärkt auf die Filme des Regisseurs freuen darf und wir noch mit so einigen unerwarteten Wendungen rechnen dürfen. James McAvoy beweist außerdem, dass er Filme mittlerweile auch komplett alleine tragen kann.

Cast & Crew

Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan
Musik: West Dylan Thordson
Darsteller: James McAvoy, Anya Taylor-Joy, Betty Buckley, Haley Lu Richardson, Jessica Sula

Bewertung

Bewertung_7

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