16th Feb2016

Battlestar Galactica: Blood & Chrome (2012) | Filmkritik

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Battlestar Galactica: Blood & Chrome

Wer kennt sie nicht? Die berühmte Titelmelodie aus den 70ern? Wenn der gigantische Kampfstern Galactica fast endlos scheinend an der Kamera vorbeiflog, stellten sich beim Zuschauer die Nackenhaare vor Verzückung auf. Der Kult der einstigen Sci-Fi Serie scheint unsterblich.

2004 wurde die Serie mit 4 Staffeln und zwei Filmen zu neuem Leben erweckt und zeigte die einstige altbackene Serie in neuem, futuristischen Gewand. Wenn der Großangriff der Zylonen die Bewohner der 12 Kolonien an den Rand der Zerstörung drängt und nur die Galactica als Bollwerk der menschlichen Rasse übrig ist, weiß man, dass der Ton der Serie äußerst düster und ernst ist.

Nur Admiral Amada (Edward James Olmos) steht den Überlebenden mit einer stoischen Ruhe in ihrer dunkelsten Stunde bei.

Nachdem das Serienreboot eingestellt wurde, werkelten die Schöpfer an einer neuen Geschichte, um den Mythos am Leben zu halten. Statt eine Fortsetzung der bekannten Mythologie zu erzählen, entschied man sich nach Caprica für ein weiteres Prequel.

Lange bevor William Adama ein erfahrender und besonnender Anführer wurde, musste er sich als draufgängerischer Pilot den Respekt der Flotte während des Ersten Zylonenkrieges verdienen. In einem in 10 Teile geteilten Film, jeder zwischen 7 und 12 Minuten lang, wurde Battlestar Galactica: Blood & Chrome auf dem YouTube Kanal Machinima Prime ab dem 9. November 2012 ausgestrahlt. Unter der Voraussetzung, dass der Film die Erwartungen der Produzenten erfüllt, sollte der Film für eine zukünftige Serie als Pilotfilm dienen, die dann entweder über das Internet oder traditionell über das Fernsehen ausgestrahlt werden würde.

„Husker“, wie der junge Pilot genannt wird, ist ein richtiger Angeber. Mit besten Noten aber ohne Erfahrung, tut er sich schwer, sich Vorgesetzten unterzuordnen und kann es kaum erwarten, in einer Viper zu fliegen, um ein strahlender Held des Krieges zu werden.

Doch so schnell kommt der junge William Amada (Luke Pasqualino) nicht ins Cockpit eines der schnellen Jäger. Statt in die Schlacht zu ziehen, wird der Heißsporn zusammen mit Copilot Coker (Ben Cotton) auf Botenmissionen geschickt. In einem schwerfälligen Raptor-Transportschiff müssen die beiden Piloten durch ein gefährliches Gebiet reisen. Statt wichtige Ausrüstung zu transportieren, haben die beiden ungleichen Piloten die zivile Ingenieurin Dr. Becca Kelly (Lili Bordàn) an Bord, die sich schnell als Agentin in geheimer Mission entpuppt.

Schnell wird klar, dass Husker mitten im Territorium der Zylonen ist. Coker sieht das gar nicht gern, denn er hat erst bei seinem letzten Einsatz ein Besatzungsmitglied verloren und hat genug von Krieg und Zerstörung. Zu dumm nur, dass sein unerfahrener Begleiter geradezu zielsicher vom Ärger angezogen wird. Und so sind die drei Protagonisten bald hinter feindlichen Linien und müssen ums nackte Überleben kämpfen.

Dabei treffen sie auf die grimmigen Zylonen, gefährliche Schlangenmonstern und einen durchgedrehten Soldaten, der seinen Verstand wohl in der Schlacht eingebüßt hat.

Bedenkt man, dass es sich hier um eine Webserie dreht, sind Effekte und Setting gar nicht so schlecht gemacht und bewegen sich auf solidem TV-Niveau. Luke Pasqualino ist der Prototyp des ungehobelten Piloten, der erst noch Manieren lernen muss und erinnert stark an Maverick (Tom Cruise) aus Top Gun, dessen Arroganz fast den Tod seiner Kameraden bedeutete.

Copilot Coker Fasjovik wird von Ben Cotton als väterliche Figur dargestellt, die dem jungen Helden erst beibringen muss, wie man außerhalb der Akademie am Leben bleibt. Jedoch bleibt sein Charakter fast immer farblos im Hintergrund und bekommt nur selten Gelegenheit, wirklich Tiefe und Sympathie zu entwickeln.

Lili Bordàn bleibt ebenfalls häufig auf der Strecke und trägt bis auf den klimatischen Höhepunkt kaum zur Handlung bei. Eine hastig konstruierte Liebesszene ist alles, was von ihr im Gedächtnis bleibt. Alle anderen Rollen haben bestenfalls nur eine Statistenfunktion und sorgen einzig dafür, dass es neben unserem Trio auch andere Personen zu sehen gibt.

Leider ist der Pilotfilm nicht besonders gut angekommen, weshalb eine Fortführung der Handlung vermutlich ausgeschlossen ist. Die Effekte sind solide, die Action stimmig, nur mit den blassen Charakteren wird man selbst als Fan der Serie nicht wirklich warm. Ein richtiges Pilotengeschwader und mehrere Hauptfiguren hätten hier gut getan. Man vermisst Starbuck und Co.!

Wer allerdings ein weiteres Kapitel der Weltraumodyssee sehen möchte und mit dem Look der Reboot-Serie anno 2004 zufrieden ist, sollte ruhig einen Blick riskieren. Doch sollte man nicht zu viel erwarten.

Viele Ansätze und Anspielungen wirken vielversprechend, werden aber nicht genau genug erklärt. Warum Zylonen in einem Schlachthaus mit menschlichen Körpern hantieren oder weshalb es vor dem Zylonenangriff bereits einen Krieg gegen die Blechköpfe gab, wird nicht erklärt. Hier merkt man einfach an vielen Stellen, dass im geplanten, späteren Serienverlauf noch einige Fragen beantwortet werden sollten. Leider kam es nicht mehr dazu, wer aber trotzdem ein großer Fan des Serienkonzepts ist und von den rar gesäten Science-Fiction Serien nicht genug bekommt, sollte trotzdem einen Blick riskieren.

Für Neueinsteiger in diese Serienwelt könnte jedoch die Kost etwas zu unverdaulich sein, denn Erklärungen sucht man in Battlestar Galactica: Blood & Chrome vergebens.

Cast & Crew

Regie: Jonas Pate
Drehbuch: Michael Taylor, David Eick
Musik: Bear McCreary
Darsteller: Luke Pasqualino, Ben Cotton, Lili Bordán, Jill Teed, John Pyper-Ferguson, Brian Markinson, Karen LeBlanc

Bewertung

Bewertung_5

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