05th Apr2015

Free Birds – Esst uns an einem anderen Tag (2013) | Filmkritik

von

Free Birds

Dass Feiertage meistens nur dazu genutzt werden, um sich im Kreise der Familie ordentlich den Bauch voll zu schlagen, ist uns weitestgehend bekannt. Besonders in amerikanischen Familien darf man an Thanksgiving – dem amerikanischen Erntedankfest – essen bis die Hose zwickt. Besonders der gefüllte Truthahn steht hier im Mittelpunkt der Festivität und kann dieser Tage nicht groß genug sein. Diese äußerst schmackhaften Vögel sind nun der Dreh- und Angelpunkt einer heiteren Animationskomödie, die auf den ersten Blick an Chicken Run erinnert, nur eben nicht aus Knete ist.

Ob es jetzt nötig war Truthähne zu Helden zu machen, darf der geneigte Zuschauer wieder selbst entscheiden, wenn Jake und Reggie, zwei durchgeknallte Vögel, einen irren Zeitreisetrip erleben, der die amerikanische Geschichte für immer verändern wird.

Reggie ist ein Außenseiter wie er im Buche steht. Der schlaksige Truthahn wird von seinen Artgenossen gemieden und fristet im Stall ein recht einsames Dasein. Dabei hat der gefiederte Kerl durchaus erkannt, was seinen einfältigen Mitvögeln entgangen zu sein scheint. Thanksgiving steht vor der Tür! Und immer wieder greift sich der Bauer in dieser Zeit einen Gockel, um ihn ins „Truthahnparadies“ zu führen.

Während Reggie mit seinen Warnungen auf taube Ohren stößt, rückt eine neue Überraschung an. Der amerikanische Präsident besucht ausgerechnet Reggies Farm, um einen Truthahn zu begnadigen, wie es jedes Jahr Tradition ist. Mit lautem Presserummel und einem nervigen Töchterchen rückt der Landesvater an und greift sich ausgerechnet den armen Reggie!

Der Glückspilz ist den Strapazen der Farm entkommen und kann nun ein Leben in Saus und Braus führen! Pay TV, Pizza und Federbetten stehen dem Vogel zur Verfügung und er wähnt sich im Himmel. Bis plötzlich Jake auftaucht. Der muskelbepackte Puter ist ein selbsternannter Truthahnretter und hat vor alle Artgenossen aus der Gefangenschaft zu befreien! Diese Order kam von ganz oben – vom „Superputer“, der gottgleich am Himmel schwebte und Jake klare Anweisungen gab. Schnell stolpern die beiden ungleichen Vögel in eine Militärbasis des Präsidenten und entwenden kurzerhand eine Zeitmaschine. Und so führt sie der Zeitsprung direkt zum ersten Thanksgiving der amerikanischen Gründerväter.

Für Reggie und Jake läuft allerdings die Uhr, denn schon macht sich ein finsterer Jäger daran, dem Federvieh aus der Zukunft das Fürchten zu lehren. Doch selbstverständlich eilen die Ureinwohner Amerikas zur Hilfe. Die indianischen Truthähne nehmen die Neuankömmlinge in ihren Reihen auf. Dass es bald sehr turbulent im sonst geordneten Stammesleben der Einheimischen Federviecher zugeht, kann sich jeder denken! Doch wie soll man jetzt die hungernden Siedler davon abhalten, sich den Bauch mit Truthahn vollzustopfen?

Und so müssen die beiden Zeitreisenden einen Weg finden, die Tradition des Truthahnessens aus den Geschichtsbüchern zu streichen. Und während Jake seine Rangordnung mit dem Häuptlingssohn ausfechtet, verliebt sich sein kleiner Kumpel in die Stammestochter Jenny und verpasst der Handlung so den üblichen romantischen Touch.

Doch mehr als die Handlung oder die Animationstechnik sind die Synchronstimmen entscheidend, die den kulleräugigen Vögeln erst den nötigen Charme verleihen.

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Für die deutsche Synchronisation dürfen die beiden Ex-Bully-Parade-Kollegen Christian Tramitz (Jake) und Rick Kavanian (Reggie) den Gockeln die Stimmen leihen. Nora Tschirner (Keinohrhasen) spricht die freche Jenny, während Oliver Kalkofe die Zeitmaschine S.T.E.V.E. mit dem nötigen Sarkasmus ausstattet.

Besonders Christian Tramitz merkt man die Erfahrung als Synchronsprecher deutlich an, da er Jake mit Bravour verkörpert, ohne dass es künstlich oder gar abgelesen wirkt. Insgesamt machen aber alle Sprecher einen soliden Job, ohne jedoch wirkliche Höhen und Tiefen zu produzieren.

Mit kleinen Gags und viel Slapstick steuert das Animationsabenteuer recht mittelmäßig von Pointe zu Pointe. Da wird es stellenweise aber auch recht flach, wenn ein Indianerhäuptling den Truhthahnangriff mit Angry Birds vergleicht oder uns die Präsidententochter erklärt, dass die Assistentin des Präsidenten auch in der Besenkammer „arbeitet“, von den schwachen Yoda-Gags ganz zu schweigen.

Der große Wurf mag den Machern von Freebirds nicht gelungen sein. Dafür ist es aber eine kurzweilige Angelegenheit, die sich schnell mit Kindern schauen lässt, ohne ein besonders hohen Gewaltgrad zu bieten oder durch komplizierte Wendungen zu überfordern.

Wenn es also ganz dringend etwas animiertes sein soll, liegt man mit diesem Film nicht wirklich verkehrt. Man sollte eben nur kein großes Animationskino à la Shrek oder Madagaskar erwarten. Insgesamt gibt es aber bestimmt schlimmere Möglichkeiten, seine Zeit zu verschwenden.

Cast & Crew

Regie: Jimmy Hayward
Drehbuch: Jimmy Hayward, Scott Mosier
Musik: Dominic Lewis
Stimmen: Owen Wilson, Woody Harrelson, Amy Poehler, Dan Fogler, Lesley Nicol, George Takei
Deutsche Stimmen: Rick Kavanian, Christian Tramitz, Nora Tschirner, Oliver Kalkofe, Thomas Fritsch

Bewertung

Bewertung_6

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