12th Mrz2015

Dracula Untold (2014) | Filmkritik

von

Dracula Untold

Er ist der Schrecken der Menschheit und der Ursprung aller Vampire. Sein Blutdurst ist verheerend und seine Suche nach der geliebten Mina legendär: Dracula! Nach dem Roman von Bram Stoker, der bereits 1897 die Geburtsstunde der Blutsauger einläutete, wird nun der Fürst der Dunkelheit in neuem Glanz auf die Leinwand gezaubert.

Luke Evans (Der Hobbit-Reihe) schlüpft hier in die Rolle des Pfählers Vlad, der für seine Grausamkeit auf dem Schlachtfeld von seinen Feinden gefürchtet wird. Doch ist es überhaupt nötig, ein weiteres Mal die Ursprungsgeschichte des transsilvanischen Herrschers auf Zelluloid zu bannen, wo es bereits nach gefühlten hundert Filmen, von Christopher Lee bis Gerard Butler unzählige Versionen des spitzzahnigen Fürsten gibt?

Beim Auftakt zu Universals neuer Monster-Filmreihe soll der Herr aller Vampire dem Kinogänger endlich das Fürchten lehren, was nach romantischen Glitzer-Blutsaugern auch dringend Zeit wird.

Als Kind versklavt und von den Türken zum Soldaten ausgebildet, kehrt Vlad in seine Heimat zurück, um dort friedlich zu herrschen. Doch schon stehen die Truppen des Sultans Mehmed II. (Dominic Cooper) vor den Toren der Festung und fordern ihren Tribut. Vlad gibt nur zu bereitwillig sein Silber, um den Frieden mit den Osmanen zu wahren. Als Mehmed auch noch tausend Söhne, einschließlich Vlads eigenen Spross als Tribut fordert, ist es mit der Gastfreundschaft des freundlichen Pfählers jedoch vorbei. Doch wie soll man sich gegen die zahllosen Truppen des Feindes wehren?

Als Vlad eher zufällig auf eine alte Legende stößt, ist er bereit seine Seele einem Dämonen zu überlassen. In einer Höhle lauert der Blutsauger Caligula (Charles Dance) und fristet sein unsterbliches Dasein in Einsamkeit, bis er vom Fluch befreit wird. Mit den Kräften eines Vampires ausgestattet würde es Vlad gelingen, sein Reich vor den Feinden zu schützen und seinem Sohn die Gefangenschaft zu ersparen. Doch zu welchem Preis?

Drei Tage bleiben dem Pfähler, ehe der Fluch unumkehrbar wird. Trinkt er nur einen einzigen Tropfen Blut, würde er für immer ein Vampir bleiben.

Doch kann der charismatische Fürst dem unstillbaren Durst widerstehen? Oder werden die pochenden Venen seiner hübschen Gemahlin Mirena (Sarah Gadon) bald um einen tödlichen Biss betteln?

Regisseur Gary Shore hat es nicht leicht mit seinem transsilvanischen Fürsten. Zwar weiß der Regieneuling, wie man die Bilder lebhaft und atmosphärisch auf die Leinwand malt, doch gerade bei der Tiefe der Figuren kommt das Machwerk ins Straucheln. Vlad als liebenden Familienvater darzustellen ist angesichts der grausamen Kriegsführung des Pfählers fast zu blauäugig. Zwar wird hier und da eine Anspielung auf das Pfählen der Feinde gewagt, doch Luke Evans bleibt größtenteils zu nett und eindimensional. Wo gerade Gary Oldman im Dracula-Klassiker stets den Wechsel von Mensch und Monster mit Bravur meisterte, merkt man Evans deutlich den Mangel an Dualität an.

Statt sich auf den historischen Kern der Handlung zu konzentrieren, wird Dracula auf einen Superhelden reduziert, der ein Schlachtfeld im Alleingang bereinigt und sich ohne Vorkenntnisse und Übung seiner Verwandlungskünste bedient. Gerade hier hätte man dem jungen Fürsten ruhig ein paar Lehrstunden mit Caligula spendieren müssen, damit der Wandel zum Obermotz der Vampire nicht ganz so problemlos läuft.

Doch Shore möchte uns nicht mit schnödem Geschichtsunterricht quälen und tritt aufs Gaspedal. Im Zentrum des Films steht dann die furiose Action voller Blut und Effekte. Wenn Dracula sich einer Armee stellt und den Feind im Alleingang niedermäht, erinnert das mehr an ein Videospiel. Viel zu selten wird die Monsterthematik ausgearbeitet und mit Grusel und Horror versehen. Lediglich das Treffen mit dem Schöpfer Draculas wird hier etwas mehr mit Schrecken gewürzt, von dem der Film so viel mehr gebraucht hätte.

Schön ist er ja anzusehen, der Film um die noch unerzählte Geschichte des Pfählers und Sohnes des Drachen. Doch teilt dieses Machwerk den Fluch aller neuer Verfilmungen. Trotz brachialer Optik und schönen Effekten bleibt der Film ein blutleerer Spaß, der bis auf die finale Schlacht und eine Anspielung auf eine Fortsetzung, ohne Höhen und Tiefen ein solides Mittelmaß bietet.

Wer nicht zu viel erwartet und sich einfach nur ein wenig Popcorn futtern möchte, kann aber bedenkenlos zugreifen. Wer auf eine wirklich kreative Entstehungsgeschichte gehofft hatte, wird hier leider nicht zufrieden gestellt.

Cast & Crew

Regie: Gary Shore
Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
Musik: Ramin Djawadi[
Darsteller: Luke Evans, Sarah Gadon, Dominic Cooper, Art Parkinson, Charles Dance

Bewertung

Bewertung_6

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