25th Mrz2014

Her (2013) | Filmkritik

Her

Theodore Twombly (Joaquin Phoenix) verdient sein Geld als Autor handgeschriebener Briefe, die in der nahen Zukunft eine Seltenheit geworden sind. Programme haben die Schreibaufgaben der Menschen vollständig übernommen.

Er lebt inzwischen alleine in einer Wohnung und leidet unter der Scheidung von seiner Frau (Rooney Mara). Als einsamer Junggeselle vertreibt er sich die Zeit mit Videospielen und Telefonsex.

Beeindruckt von einer Werbung kauft er sich ein neues Betriebssystem, das mit einer artifiziellen Intelligenz ausgestattet ist und ihn von nun an auf all seinen Geräten begleitet. Nach dem Beantworten einiger persönlicher Fragen stellt sich das System als charmante Samantha (Scarlett Johansson) vor.

Samantha ordnet aber nicht nur Theodores Mails, sondern unterhält ihn mit vielen Fragen über die Welt und das Leben. Mit der Zeit entwickelt sie eine immer bessere Fähigkeit, auf ihn und sein Seelenleben einzugehen. Durch Samanthas Art und ihren Humor beginnt der deprimierte Mann langsam wieder Lebensfreude zu empfinden – und sich in das Programm zu verlieben.

Theodore Twombly besitzt selbst ein Talent dafür, romantische Gefühle in Worte zu fassen. Umso skurriler ist es, dass ein Mann, der von Beruf aus Liebesbriefe für andere schreibt, Gefühle für ein virtuelles System entwickelt.

Mit Her bringt der bisher als prämierter Musikvideo-Regisseur bekannte Spike Jonze (Being John Malkovich) eine futuristische Liebesgeschichte ins Kino, die auf den ersten Blick zwar recht unwahrscheinlich wirkt, sich im Laufe der Story jedoch als erschreckend real erweist.

Selbstverständlich reagiert das Umfeld von Protagonist Theodore sehr gespalten darauf, dass kein echter Mensch hinter seiner neuen Liebe steckt. Und als wäre dies nicht problematisch genug, kommt natürlich sehr bald die Frage auf, ob eine körperlose Liebe ausreichen kann. Dahingehend bietet der Film einige ausgefallene und auch unvorhersehbare Szenen. Und so ernst und hoffnungslos die Lage für den Verliebten scheint, spart der Film nicht an Humor und hält hinsichtlich zukünftiger technischer Erfindungen, die einmal Teil unseres Alltags sein könnten, einige Lacher parat.

Die unmögliche Liebe zwischen Theodore und seinem Betriebssystem Samantha ist trotz ihrer Absurdität tief ergreifend und berührend, ohne dabei den erhobenen Zeigefinger zu senken. Denn so ungewöhnlich die Sci-Fi-Internetromanze auch ist, man ertappt sich auch stets bei der Frage, wie sich unser Kommunikationsverhalten entwickeln wird und wie wir agieren würden, wenn es da eine Stimme gäbe, die uns vollends versteht und uns die Aufmerksamkeit schenkt, die wir brauchen.

Zwar konzentriert sich die Story klar auf das Gefühlschaos von Theodore, jedoch lässt sie den Gedanken auch oft dahin gleiten, wie viel Ähnlichkeit aktuelle Technologien mit denen im Film bereits aufweisen: Denn auch wir gewöhnen uns an Freisprechanlagen, Stimmen, die uns navigieren und vielleicht auch das alltägliche Leben erleichtern?

Her wurde bei der Oscarverleihung 2014 fünffach nominiert, u.a. in den Kategorien Bester Film, Beste Filmmusik und erhielt für sein Drehbuch den begehrten Goldjungen.

Besonders hervorzuheben ist die Optik des Films, in der die Kostüme der Figuren einen ungewöhnlichen Kontrast zur futuristischen Umgebung bieten. So modern ausgestattet und technisch affin die Darsteller auch sind und sogar von Hand geschriebene Briefe eine Rarität geworden sind, so erinnern die Klamotten eher an die beginnenden 90er Jahre, in denen Kurt, Schlaghosen und karierte Hemden dominierten.

Joaquin Phoenix (The Master) hätte nicht besser für die Rolle des introvertierten Theodores ausgewählt werden können. Obwohl er über großen Strecken des Films alleine auf der Leinwand zu sehen ist, verliert die Story nie an Spannung. Ebenfalls sind die Nebenrollen mit glaubhaften Darstellern besetzt.

Nachbarin Amy, gespielt vom Amy Adams (American Hustle) und Rooney Mara (Side Effects) als Theodores Ex-Frau bilden als reale Frauen in Theodores Leben den notwendigen Gegenpol zu Samantha, die man sich ausschließlich in Gedanken ausmalen muss. Dass man ihn in Rückblenden mit seiner Ex-Frau sieht, zeigt ihn als ganz stabilen Charakter, der fähig ist körperliche Nähe zu erleben.

Durch die stets präsente Stimme von Scarlett Johansson hat man als Zuschauer eine hübsche Frau am anderen Ende der Leitung vor Augen. Bewegend ist es zu verfolgen, wie Samantha wie ein Kind, das gerade die Welt entdeckt, zahlreiche Fragen stellt und durch die Augen von Theodore lernt. Dass sie als System so etwas wie Eifersucht entwickelt, überstützt nur, dass man sie sich lebhaft vorstellen kann.

Her bietet neben originellen Ideen in der Umsetzung auch überraschende Wendungen. Den Zuschauer erwartet eine neuartige Form einer Liebesgeschichte, die zwar die ein oder andere Logiklücke aufweist, jedoch durch den Wechsel an humoristischen sowie tief ergreifenden Szenen und kreativen Dialogen durchweg spannend und unterhaltsam ist.

Cast & Crew

Regie: Spike Jonze
Drehbuch: Spike Jonze
Musik: Arcade Fire
Darsteller: Joaquin Phoenix, Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde, Scarlett Johansson

Bewertung

Bewertung_9

One Response to “Her (2013) | Filmkritik”

  • Filmfan

    Die Story des Films klingt sehr vielversprechend und ich freue mich endlich wieder einmal Joaquin Phoenix vor der Kamera zu sehen ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Seite benutzt das Plugin Akismet zur Spam-Abwehr. Mit dem Absenden ihres Kommentars stimmen sie unserer Datenschutzerklärung zu.