06th Jul2013

Die fantastische Welt von Oz (2013) | Filmkritik

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Die fantastische Welt von Oz

1905, Kansas: Oscar „Oz“ Diggs arbeitet als Zauberer bei einem Wanderzirkus. Als es der charmante Magier etwas zu wild mit der Frau des Muskelmanns treibt, muss er schnell fliehen. Mit Hilfe eines Heißluftballons entfernt er sich von der Gefahr, steuert jedoch geradewegs auf ein noch größeren Übel zu: einen Wirbelsturm.

Nach einem turbulenten Flug erwacht Oz in einer ihm völlig fremden Welt. Begrüßt wird er von der schönen Theodora, die in ihm einen langersehnten Zauberer erkennt, der eine böse Hexe töten und König des Landes Oz werden wird. Oz widerspricht dieser Behauptung nicht und gibt sich kurzerhand als mächtiger Retter in der Not aus. Gemeinsam begeben sich Oz und Theodora zur Smaragdstadt, dem Herzen des Landes. Dabei kommen sich die beiden immer näher und Theodora verfällt schnell dem Charme des Schwindlers. Als Oz kurzerhand dem fliegenden Affen Finley das Leben retten, schwört dieser seine lebenslange Ergebenheit.

Endlich in der Smaragdstadt eingetroffen lernt Oz Theodoras Schwester Evanora kennen, die den Thron der Stadt hütet und dem Neuankömmling gegenüber skeptisch ist. Bevor er die Schätze sein Eigen nennen kann und den Thron von Oz besteigt, muss er zunächst die böse Hexe besiegen.

In Aussicht auf den enormen Reichtum begibt sich Oz umgehend auf die Reise, muss aber schnell feststellen, dass nicht alles so ist wie es ihm erläutert wurde, wird er immer unsicherer wem er Glauben schenken kann und wer seine wirklichen Feinde sind. Einzig ausgerüstet mit Illusionen, Täuschungen und Scharfsinn hängt das Schicksal Oz‘ schon bald von seinen Entscheidungen ab. Es scheint, als wäre er wirklich der erhoffte Zauberer aus der Prophezeiung.

Nachdem Walt Disney im Jahr 1937 mit dem ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm Schneewittchen und die sieben Zwerge einen weltweiten Erfolg feierte, fesselte Disney bereits die nächste Geschichte: L. Frank Baums Der Zauberer von Oz. Doch Samuel Goldwyn, Mitbegründer der Filmverleihgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer, besaß bereits die Rechte an dem Stoff und verwirklichte 1939 den unvergesslichen Musicalfilm Der Zauberer von Oz mit Judy Garland in der Hauptrolle.

Die Faszination Walt Disneys an dem märchenhaften Land Oz nahm über die Jahre jedoch keineswegs ab und als 1954 die Rechte an den restlichen Büchern L. Frank Baums verfügbar wurden schlug er zu.

Eine Realverfilmung unter dem Titel Rainbow Road to Oz ging in Produktion und wurde doch nach einiger Zeit wieder auf Eis gelegt. Walt Disney starb im Jahr 1966 ohne seine Vision der Welt Oz auf der Leinwand verewigt zu haben. Erst 1985 entwickelten die Walt Disney Pictures mit Oz – Eine fantastische Welt einen Fantasyfilm aus dem Kinderbuch-Klassiker. Das Ergebnis war jedoch deutlich düsterer als die Handschrift Walt Disneys.

Fast 75 Jahre nachdem Judy Garland in der Rolle der Dorothy das unsterbliche Lied Over the Rainbow sang, begibt sich Disney abermals auf eine abenteuerliche Reise nach Oz. Mit Die fantastische Welt von Oz erzählt Regisseur Sam Raimi die Vorgeschichte des Zauberers Oz und wie er einst in das bunte Land gekommen ist. Eine Vorlage gab es dabei nicht, denn L. Frank Baum hat in seinen 14 Romanen den biografischen Hintergrund des Zauberers nie ausführlich erklärt.

Fangen wir also einmal mit der Geschichte des Films und den Schauspielern an. James Franco übernimmt die Rolle des anfangs egoistischen und charmanten Zirkus-Zauberers, der durch einen Wirbelsturm das fremde Land betritt. Mit seinem Dauergrinsen übertreibt es der Schauspieler leider das ein oder andere mal, agiert aber ansonsten liebenswert und unterhaltsam.

An seiner Seite herrscht ordentlich Frauenpower mit Mila Kunis, Rachel Weisz und Michelle Williams, die die Hexen des Landes verkörpern. Alle mit vergleichbarer Leinwandzeit bedacht, spielt sich jedoch keine der Schauspielerinnen besonders in den Vordergrund. Gerade von der dreimal für den Oscar nominierten Michelle Williams hätte man sich hier etwas mehr erhofft. Für den ein oder anderen notwendigen Witz sorgt dagegen der ehemalige Scrubs-Darsteller Zach Braff, der als fliegender Affe ein treuer Begleiter von Oscar „Oz“ Diggs wird.

Ansonsten muss man auf jeden Fall noch die Güte Sam Raimis hervorheben. Bruce Campbell, der nach Tanz der Teufel und Armee der Finsternis immer wieder in den Filmen des Regisseur mitgewirkt hat, übernahm die Rolle eines Wächters der Smaragdstadt. Aber auch Bruder Ted Raimi war im Film zu sehen, sowie zahlreiche Freunde des Regisseurs.

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Die Handlung von Die fantastische Welt von Oz wird erfahrene Kinogänger nicht vom Hocker hauen. Was dem Zuschauer präsentiert wird ist die Wandlung des selbstsüchtigen Oscar Diggs, der eigentlich einen großes Herz besitzt und das fantastische Land Oz von der bösen Hexe befreien will. Auf seinem Weg trifft er auf einige Verbündete und wie der Film ausgeht, verrät eigentlich schon der Klassiker von 1939. Langeweile tauchen in den 127 Minuten Laufzeit aber selten auf.

Einen großen Anteil daran hat die facettenreiche und kunterbunte Landschaft. Auch wenn man deutlich sieht, dass sich die Darsteller fast ausschließlich in einer CGI-animierten Welt bewegen, faszinieren die unzähligen Geschöpfe und Animationen.

Erinnerungen an Tim Burtons Alice im Wunderland aus dem Jahr 2010 sind an dieser Stelle unvermeidbar. Sam Raimi bemüht sich gar nicht dem Zuschauer vorzugaukeln, dass seine Welt echt sein könnte, sondern entführt sie einfach in diese magische Kunstwelt.

Eine nette Idee, die leider bei manchen Kinogängern für Verwirrung sorgte, sind die ersten Minuten des Films. In einem 4:3-Format und Schwarz-Weiß gehalten, wird uns der Protagonist vorgestellt und sein Erwachen in der farbenprächtigen Welt von Oz wirkt dadurch nur noch beeindruckender. Sogar eine Gesangsnummer, wenn auch kurz gehalten, findet ihren Platz im Film und lässt Erinnerungen ans Vorbild wach werden. Leider hilft all dies nicht gering über die zweidimensionalen Figuren und die vorhersehbare Handlung hinweg.

Aber auch wenn Die fantastische Welt von Oz im Großen und Ganzen nicht den Status des Klassikers Der Zauberer von Oz erreichen wird und nicht über das Niveau eines Sommer-Blockbusters hinauskommt, ist der Film ein unterhaltsamer Ausflug in eine vertraute Geschichte. Ob Walt Disney mit dieser Version zufrieden gewesen wäre, werden wir nie erfahren, aber die lebhafte Welt von Oz hätte ihm bestimmt ein Lächeln entlocken können.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Sam Raimi
Drehbuch: Mitchell Kapner, David Lindsay-Abaire
Musik: Danny Elfman
Darsteller: James Franco, Mila Kunis, Rachel Weisz, Michelle Williams, Zach Braff, Joey King

Bewertung

Bewertung_6

2 Responses to “Die fantastische Welt von Oz (2013) | Filmkritik”

  • MGafri

    Optisch war der Film wirklich wunderbar. Auch wenn ich mir noch nicht sicher bin, warum Sam Raimi die CGI-Welt so offensichtlich in den Vordergrund gedrängt hat. Bei „Alice im Wunderland“ waren die Landschaften ja auch deutlich zurückgenommener.

    Was ich leider wirklich schade finde, sind die platten Charaktere. James Franco ist nie wirklich böse und die Entwicklung seiner Figur ist nach den ersten 10 Minuten abzusehen.

    Die drei Hexen sind leider nur schönes Beiwerk. Sehr schönes Beiwerk :)

  • Schade, dass er dir nicht so zugesagt hat. Ich fand den Film richtig toll!

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