Mit Pocahontas veröffentlichte Disney 1995 einen der ungewöhnlichsten Filme der Disney-Renaissance. Zwischen Der König der Löwen und Der Glöckner von Notre Dame angesiedelt, setzte der Film auf ernste Themen wie kulturelle Konflikte, Naturverbundenheit und politische Spannungen – und verzichtete bewusst auf ein klassisches Märchen-Happy-End.
Zwischen Natur, Freiheit und Verantwortung
Im Mittelpunkt steht Pocahontas, die Tochter eines Stammeshäuptlings, die ihren eigenen Weg sucht. Während ihr Vater erwartet, dass sie Traditionen folgt, fühlt sie sich stark mit der Natur verbunden und hinterfragt die ihr zugedachte Rolle.
Als englische Siedler unter Gouverneur Ratcliffe auf der Suche nach Gold in der „Neuen Welt“ landen, treffen zwei Kulturen aufeinander. Die Begegnung mit John Smith führt zu gegenseitigem Verständnis, doch Misstrauen und Gier drohen in Gewalt zu münden. Der Film endet bewusst bittersüß und stellt Frieden über persönliche Wünsche.
Pocahontas gilt bis heute als eine der selbstbestimmtesten Disney-Heldinnen. John Smith entwickelt sich vom Abenteurer zum Zweifler, während Ratcliffe keinen klassischen Märchenbösewicht darstellt, sondern koloniales Machtdenken verkörpert. Musikalisch prägt Alan Menkens ruhiger Soundtrack den Film, besonders Farbenspiel des Winds, das als Message-Song im Gedächtnis geblieben ist.
Historische Einordnung des Films
Historisch ist der Film stark romantisiert. Die echte Pocahontas hieß Matoaka, heiratete später John Rolfe und reiste 1616 nach England, wo sie als Symbol kolonialer Propaganda genutzt wurde. Sie starb jung – eine Realität, die Disney nur angedeutet verarbeitet.
Pocahontas II – Reise in eine neue Welt
Die Fortsetzung von 1998 schlägt ernstere Töne an. Pocahontas reist nach England, um Frieden zu sichern, lernt John Rolfe kennen und entscheidet sich für einen neuen Lebensweg. Weniger Magie, mehr Politik – und deshalb bei vielen Fans eher in Vergessenheit geraten.
