Der perfekte Urlaub

Der perfekte Urlaub (2026) | Filmkritik

Viel Starpower, wenig Überraschungen

von Michael Diederich

Regisseur Bora Dagtekin bleibt sich treu. Nach seinen Erfolgen mit Fack ju Göhte und Das perfekte Geheimnis schickt er in Der perfekte Urlaub erneut ein regelrechtes Star-Aufgebot der deutschen Schauspielszene ins Rennen.

Ein bekanntes Ensemble auf Mallorca

Elyas M’Barek, Karoline Herfurth, Florian David Fitz, Jella Haase, Frederick Lau, Wotan Wilke Möhring und Jessica Schwarz sind wieder mit dabei. Dazu gesellen sich unter anderem Diana Amft und Emily Kusche. Mehr Prominenz bekommt man in einer deutschen Komödie wohl kaum.

In der Fortsetzung von Das perfekte Geheimnis verschlägt es die zerstrittene Freundesclique nach Mallorca. Was eigentlich ein entspannter Kurzurlaub werden soll, entwickelt sich schnell zum nächsten Beziehungschaos.

Beziehungschaos statt Erholung

Alte Konflikte brechen auf, neue Missverständnisse entstehen und irgendwann landet die Gruppe mitten im fragwürdigen Kosmos eines spanischen Clubhotels.

Wer einen Film von Bora Dagtekin kennt, weiß in der Regel ziemlich genau, worauf er sich einlässt: überzeichnete Figuren, reichlich Klischees, derbe Sprüche und zwischen all dem Klamauk die klassischen zwischenmenschlichen Probleme. Auch Der perfekte Urlaub macht daraus kein Geheimnis. Vielmehr scheint Dagtekin alles, was man von seinen Komödien kennt, noch einmal zu zeigen.

Inhaltlich bleibt vieles beim Alten. Beziehungsprobleme, Missverständnisse und allerlei persönliche Befindlichkeiten bilden das Fundament einer Geschichte, die kaum etwas Neues zu erzählen hat.


Besonders die erste halbe Stunde ist dabei erstaunlich konfus geraten. Figuren, Konflikte und Handlungsstränge werden derart wild durcheinandergewirbelt, dass der Film kaum einen vernünftigen Rhythmus entwickelt. Ein Gespür für Timing sucht man über weite Strecken vergeblich. Statt einzelne Situationen vernünftig auszuspielen, scheint die nächste Eskalation bereits vor der Tür zu stehen, bevor die vorherige überhaupt richtig angekommen ist.

So weit, so erwartbar.

Wenn Mallorca zur Lachnummer wird

Denn wer hier eine feinfühlige Ensemblekomödie mit ausgeklügelter Dramaturgie erwartet, dürfte ohnehin im falschen Kinosaal gelandet sein. Viel interessanter ist deshalb die Frage, ob Der perfekte Urlaub innerhalb seiner eigenen, ziemlich überschaubaren Ansprüche funktioniert. Und tatsächlich hat der Film einige Momente, in denen ich schmunzeln musste.

Seine stärkste Seite entwickelt er ausgerechnet dort, wo er sich der typisch deutschen Mallorca-Kultur widmet. Der Sauftourismus, die Urlaubsklischees, das fragwürdige Unterhaltungsprogramm und jene besondere Mischung aus Fremdscham und hemmungsloser Feierlaune bieten reichlich Angriffsfläche für komödiantische Beobachtungen.

Besonders gelungen fand ich die Szenen rund um den Party-Animateur, der in einem mit gerade einmal drei Muscheln bewerteten Hotel versucht, die Gäste bei Laune zu halten. Die Art, wie er ihnen auf denkbar niedrigem Niveau begegnet, ist dermaßen plump, dass sie schon wieder komisch wirkt. Hier entwickelt der Film tatsächlich einen eigenen Charme, weil er Verhaltensweisen aufgreift, die man aus dem deutschen Pauschal- und Partyurlaub nur allzu gut kennt.


Natürlich bleibt auch dabei kaum ein Klischee unangetastet. Flachwitze, geschmacklose Bemerkungen und vollkommen bodenlose Behauptungen gehören praktisch zum Pflichtprogramm. Subtil ist daran rein gar nichts. Aber das möchte der Film offensichtlich auch nicht sein.

Zwischen Klamauk und Beziehungskomödie

Problematisch wird es immer dann, wenn die Komödie wieder versucht, ihre zahlreichen Beziehungsprobleme und persönlichen Konflikte unter einen Hut zu bekommen. Dann fällt umso stärker auf, wie wenig erzählerisches Gespür hinter dem wilden Treiben steckt.

Die verschiedenen Handlungsstränge wirken häufig eher aneinandergereiht als sinnvoll miteinander verwoben. Was als turbulentes Ensemblechaos funktionieren soll, endet nicht selten in einer ziemlich unausgewogenen Mischung aus Klamauk und Beziehungskomödie. Und trotzdem: Gelangweilt habe ich mich nicht.

Das liegt weniger an der eigentlichen Geschichte als an der gelegentlich durchaus treffenden Beobachtung des deutschen Urlaubsverhaltens. Gerade wenn der Film seine Figuren einfach im absurden Mallorca-Kosmos aufeinander loslässt, funktioniert der Humor besser als in den konstruierten Beziehungskonflikten.

Ein Urlaub für Fans deutscher Komödien

Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass gerade das deutsche Publikum seinen Spaß mit diesem Film haben wird. Wer die bekannten Gesichter, die derben Sprüche und die typische Komödienmechanik des Regisseurs mag, bekommt ziemlich genau das geliefert, was er erwartet.

Der perfekte Urlaub ist weder besonders originell noch sonderlich gut erzählt. Dafür ist er zu konfus, zu klischeebeladen und dramaturgisch zu unausgegoren. Doch zwischen all den platten Gags und dem wild zusammengewürfelten Beziehungschaos verstecken sich einige amüsante Beobachtungen über die deutsche Mallorca-Mentalität.

Kein guter Film im klassischen Sinne. Aber einer, bei dem ich zumindest häufiger schmunzeln musste, als ich vorher erwartet hätte.

Bewertung

Bewertung_5

Trailer

Bildrechte: Constantin Film


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