01st Nov2017

Berlin Falling (2017) | Filmkritik

Berlin Falling

Frank Balzer (Ken Duken) lebt in einem Berliner Vorort in einer heruntergekommenen Wohnung. Aus heiterem Himmel bekommt er von seiner Ex-Freundin einen Anruf, dass er heute nach Berlin fahren soll, um sich um seine Tochter zu kümmern. Auf dem Weg in die Hauptstadt hält er sichtlich unmotiviert an einer Tankstelle und deckt sich mit Wodka und Saft ein.

Die Hälfte des Saftes kippt Frank weg und mischt die andere Hälfte mit Wodka. Als er wieder in sein Auto einsteigen möchte wird er von einem Mann angesprochen, der nach einer Mitfahrgelegenheit nach Berlin sucht. Frank willigt unter der Bedingung ein, dass auf der Fahrt nicht gesprochen wird.

Auf dem Weg stellt sich der Unbekannte als Andreas vor und quatscht Frank unermüdlich voll, sodass dieser kräftig auf die Bremse drückt. Bei dem Manöver öffnet sich die Tasche des Fremden und ein Kampf zwischen den beiden Männern im Auto entbrennt. Was ist denn in dem Rucksack des unbekannten Reisenden gewesen?

Berlin Falling ist das Regiedebüt des deutschen Schauspielers Ken Duken, der unter anderem in Inglourious Basterds und Zweiohrküken mitspielte. Es ist eine fantastische Gelegenheit an dieser Stelle die Fahne für die deutsche Filmkultur etwas höher zu reißen, denn das Erstlingswerk von Duken ist eine atemberaubende, schöne und intensive Angelegenheit. Über weite Strecken ist es ein Kammerspiel im Auto, was zunächst einmal riskant und etwas weniger interessant wirken könnte, doch die Umsetzung widersetzt sich jeglichen Zweifeln.

Die Bilder, die Kameramann Ngo The Chau eingefangen hat, geben dem Film eine speziell düstere und bunte Note, die den deutschen Film endlich auf das internationale Niveau anhebt. Die schönen Bilder der Landschaften vor Berlin und die Lichter der Stadt geben dem Kammerspiel eine bildgewaltige Atmosphäre.

Im Inneren des Wagens überzeugen die Darsteller durch ihre Ambivalenz, hierbei ist insbesondere der aus Game of Thrones bekannte Tom Wlaschia hervorzuheben, welcher durch ein vielseitiges Schauspiel in keiner Sekunde des Films unglaubwürdig wirkt.

Außerdem zeigt Ken Duken eine intensive, schauspielerische Leistung, die auch, obwohl seine Figur etwas weniger hergibt, sehr überzeugend ist. An dieser Stelle ist die Artikulation ein etwas problematischer Faktor des Films, denn die beiden Hauptdarsteller sprechen an einigen Passagen etwas undeutlich, sodass selbst bei erhöhter Lautstärke nicht jedes Wort verstanden werden kann. Dieser Fakt ist eine leider negative Nebenwirkung der Handschrift des Regisseurs.

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Duken hat bewusst eine realistische und glaubwürdige Interpretation der Rollen fokussiert, die nicht übertrieben wirken soll, sondern durch einen realistischen Sprechrhythmus auffällt. Diese sehr realistische Artikulation wurde zuletzt fantastisch in dem amerikanischen Film Spotlight umgesetzt, in welchem die Charaktere klar und normal sprechen. Es ist eine kleine Einschränkung, dass nicht jeder Dialog verständlich ist, in einem ansonsten überzeugenden und gut strukturierten Film.

Neben diesen Punkten ist es sehr unterhaltend den beiden Figuren dabei zuzusehen, wie sie ihre Ansichten und Einstellungen deutlich machen. Die Reduzierung auf zwei Hauptdarsteller macht die Fahrt nach Berlin zu einer gut getimeten Reise, denn die Spannung ist immer da und nie komplett weg. Auch die Gesamtlänge von 91 Minuten ist meiner Ansicht nach gut geeignet für ein strikt gebündeltes Kammerspiel mit zwei breit gezeichneten Figuren.

Die Stärke des Films sind zweifelsfrei seine Szenen im Auto. Außerhalb des Wagens sind die Handlungen zwar nicht so fesselnd, aber dennoch unterhaltend. Es ist schön, nach dem Film Der Nachtmahr, der ebenfalls stilistisch stark war, einen weiteren deutschen Film anzusehen, der dem internationalen Vergleich Stand hält.

Insgesamt ist Berlin Falling ein intensives Kammerspiel mit fabelhaften Bildern, einer leuchtenden Hauptstadt und einer düsteren Landschaft. Außerdem spielen Ken Duken und Tom Wlaschia ihre Rollen glaubhaft in einem weiteren, gelungenen deutschen Filmwerk.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Ken Duken
Drehbuch: Christoph Mille
Musik: Kriton Klingler-Ioannides
Darsteller: Ken Duken, Tom Wlaschiha, Kida Khodr Ramadan, Marisa Leonie Bach, Tim Wilde

Bewertung

Bewertung_7

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