06th Apr2017

Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra (2008) | Filmkritik

Gomorrha

Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra bietet uns einen Einblick in die kriminelle Organisation namens Camorra.

Die süditalienische Mafia rund um die Großstadt Neapel ist in viele Untergruppierungen strukturiert. Ein bekanntes Schema ihrer ist es, Jugendliche, die an der Armutsgrenze leben und arbeitslos sind, in ihre Kreise zu ziehen. In dem „Scampia“ genannten Wohnkomplex, wo alles und jeder von der Mafia kontrolliert wird, liefert der junge Toto (Salvatore Abbruzzese) Essen und Verpflegung an viele Familien in der Gegend aus.

Eines Tages wird er Zeuge einer spontanen Razzia und kann die Ware vor der Polizei retten. Seine Hoffnungen auf eine Karriere bei der Camorra sind vorerst auf Eis gelegt, da es zu einer Fehde zwischen zwei Familien kommt. Und ausgerechnet der beste Freund des dreizehnjährigen Toto arbeitet für den Gegner.

Nebenbei versuchen zwei Jugendliche Karriere als Gangster zu machen und sie erledigen vorerst ohne die Zustimmung der Camorra Jobs, die sie vielleicht nicht hätten ausführen sollen. Währenddessen beginnt an anderer Stelle ein älterer Modedesigner aus finanzieller Not für die Chinesen zu arbeiten, obwohl er der Mafia unterstellt ist.

Wohin führen diese verschiedenen Geschichten am Ende?

Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra ist ein italienischer Gangsterfilm aus dem Jahre 2008. Nach zahlreichen Gangsterfilmen und Serien, die im Groben dasselbe Schema verfolgten, ist Gamorrha ein europäischer Film, der die Blaupause für die im Jahre 2011 erschienene Serie Gomorrha darstellt und eine etwas andere Richtung verfolgt. Die Authentizität ist dabei einer der großen Pluspunkte, denn die meisten Figuren und Handlungen wirken durchgehend glaubwürdig und ihre Aktionen sind plausibel und nachvollziehbar.

Des Weiteren wird die Untergrundwelt der italienischen Großstadt Neapel mit gut geschossenen Bildern visualisiert und es entsteht eine beachtliche, atmosphärische Dichte. Die Schauspieler spielen allesamt ansprechend, jedoch ist keiner von ihnen in seiner Rolle nennenswert überragend. Eine fesselnde schauspielerische Leistung ist in einem guten Gangsterfilm allerdings wichtig, weshalb man dies als einen der negativen Kritikpunkte des Films aufzählen muss.

Zudem entsteht über die gesamte Laufzeit keinerlei Spannung und innerhalb der ersten halben Stunde werden zu viele Figuren vorgestellt, als dass man sich jeden Einzelnen merken könnte. Hier wäre es durchaus sinnvoller gewesen einige kleinere Rollen zu streichen und sich mehr auf die Protagonisten zu konzentrieren.

Folglich ist es schwer der eigentlichen Geschichte zu folgen, da kein durchgehender Handlungsfluss entsteht und immer wieder zu Nebenschauplätzen gesprungen wird. Für eine Serie sehe ich hierbei mehr Potenzial, da kleinere Figuren und Nebenhandlungen besser erzählt werden können. Positiv anzumerken ist, dass Gomorrha wenig Zeit mit anderen Nebensächlichkeiten verschwendet, sondern sich voll und ganz auf die kriminellen Geschehnisse in Neapel und deren Umgebung beschränkt.

Somit hat der Zuschauer kaum Möglichkeiten zu entspannen, da viele Geschehnisse unerwartet passieren. Der größte Kritikpunkt ist allerdings das viel zu verwirrende Drehbuch, welches von sechs Personen verfasst wurde. Die Romanvorlage von Roberto Saviano mit demselben Titel berichtet dokumentarisch über die Camorra, die eine süditalienische Verbrecherorganisation mit unabhängigen Clans darstellt.

Ein besonderes Thema in dem Buch ist die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und die damit verbundene Schattenwirtschaft. Im Film wird dieses Potenzial nicht komplett ausgeschöpft. Einzelne Handlungsstränge können zwar überzeugen, insgesamt ist die Geschichte jedoch viel zu verwirrend und wenig verständlich umgesetzt worden.

Schließlich ist Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra ein ambitionierter europäischer Gangsterfilm, der aufgrund einer misslungenen Adaptierung der Geschichte und zu vielen unterschiedlichen Handlungssträngen sein Potenzial leider verschenkt.

Cast & Crew

Regie: Matteo Garrone
Drehbuch: Matteo Garrone, Roberto Saviano, Maurizio Braucci, Ugo Chiti, Gianni Di Gregorio, Massimo Gaudioso
Darsteller: Toni Servillo, Gianfelice Imparato, Maria Nazionale, Salvatore Cantalupo, Gigio Morra, Salvatore Abruzzese, Marco Macor, Ciro Petrone, Carmine Paternoster

Bewertung

Bewertung_6

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