03rd Sep2016

Mein ziemlich kleiner Freund (2016) | Filmkritik

Mein ziemlich kleiner Freund

Diane (Virginie Efira) ist Anwältin und Single. Eines Abends erhält sie einen unerwarteten Anruf – am anderen Ende der Leitung ist Alexandre (Jean Dujardin), ein charmanter Architekt, der von ihrem Handy aus anruft, welches sie in einem Restaurant hat liegen lassen. Nach einem kleinen Flirt am Telefon willigt Diane gern in ein Treffen zur Übergabe ein. Doch die Verabredung nimmt eine nicht erwartete Wendung: Als Diane voller Vorfreude auf Alexandre trifft, steht vor ihr ein kleinwüchsiger Mann von gerade einmal 1,36 Metern Höhe.

meinziemlichkleinerfreund_1 Nachdem dieser allerdings so unbeschwert mit seiner Größe umgeht und sie auf die verrücktesten Dates entführt, weicht bei Diane der anfängliche Schock einer großen Sympathie für diesen Mann – und auf diese Sympathie folgt Liebe. Dianes Umfeld jedoch reagiert verhalten und skeptisch auf das ungleiche Paar und Diane ist sich nicht mehr sicher, ob sie den gesellschaftlichen Konventionen entfliehen möchte. Am Ende stellt sich die Frage: Besitzt Diane die Größe, die Skepsis der Umstehenden zu ignorieren und auf ihr Herz zu hören?

Mit der Liebeskomödie Mein ziemlich kleiner Freund beweist Erfolgsregisseur Laurent Tirard zum wiederholten Mal, dass er ein Faible für zierliche Helden besitzt. Denn auf die Bestsellerverfilmung Der keine Nick (2009) und Asterix & Obelix – Im Auftrag ihrer Majestät (2012) folgt nun die Geschichte um Alexandre als ziemlich kleiner Freund, der sich den Hürden seiner Größe tagtäglich zu stellen hat und dennoch immer versucht, mit einem Lächeln darauf zu reagieren.

meinziemlichkleinerfreund_2 Alexandre hat Erfolg im Job, viele Freunde, ein großes Haus und einen Sohn Benji (César Domboy), zu dem er ein harmonisches Verhältnis pflegt. Nur die richtige Frau fehlt zu seinem Glück. Auch Diane hat eine weniger harmonische Ehe hinter sich, jedoch teilt sie sich ihre Kanzlei noch immer mit ihrem Exmann (Cédric Kahn) als Partner – eine Situation, die beinahe täglich zu Konflikten führt. Ein Zufall führt das ungleiche Paar zusammen und als sich der Kleinwüchsige und die schöne Anwältin Diana ineinander verlieben, läuft das Leben beider Protagonisten aus dem Ruder. Auf abenteuerliche und romantische Dates folgen die Tücken des Alltags.

Während Alexandre Diane seinem Sohn und seinen Freunden vorstellt, scheint sie Alexandre vor ihren Eltern, ihrem Freundeskreis und ihrem Ex-Mann geheim halten zu wollen. Als die Offenbarung ihrer Beziehung unausweichlich wird, trifft sie zu allem Überfluss auf Ablehnung und Unverständnis. Gemeinsam versucht sich das Paar gegen die Tücken einer Welt zu behaupten, die in viel zu herkömmlichen Dimensionen denkt. Doch bald weiß selbst Diane nicht mehr, ob sie sich von der ursprünglichen Vorstellung ihres Traummannes lossagen und langfristig zu Alexandre stehen kann.

Die Vorlage zu Mein ziemlich kleiner Freund bildet der argentinische Film Corazón de León (2013) von Marcos Carnevale. Da der Film 2013 in Argentinien ein großer Erfolg war, aber nicht im Ausland gezeigt wurde, entschieden sich Jung-Produzentin Vanessa Van Zuylen und Tirard eine europäischere Version des Themas zu drehen. Als Drehort für die Liebeskomödie diente Marseille an der französischen Côte d’Azur mit einer entsprechend sonnig-romantischen Filmkulisse.

meinziemlichkleinerfreund_3 In den Hauptrollen agieren zum einem Jean Dujardin, der für seine Darstellungen als Titelrolle des Stummfilmdramas The Artist (2011) wurde er bei den Filmfestspielen in Cannes und den Golden Globes als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Zudem ist er bekannt aus den Hollywoodfilmen Filmen The Monuments Men – Ungewöhnliche Helden (2014) und The Wolf of Wall Street (2013). Die Rolle der hübschen Anwältin Diane wird von Virginie Efira übernommen. Sie spielte neben Gérard Depardieu in der Boule-Komödie Eine ganz ruhige Kugel (2013) und begeisterte das deutsche Publikum zuletzt mit dem Arthouse-Überraschungshit Birnenkuchen und Lavendel (2016).

Um die Größenunterschiede darzustellen musste das Kamera-Team um Jérome Alméras (Die süße Gier, 2013) an zahlreichen Stellen in die Trickkiste greifen. Neben oftmals von den Schultern aufwärts gefilmten Szenen übernahm ein 1,40 m kleiner Mann namens Brice das Double von Dujardin. Er ist in allen Einstellungen zu sehen, die Alexandre von hinten zeigen. Er hat außerdem viele Situationen, die im Film vorkamen, selbst erlebt. Darüber hinaus wurden nachträglich Spezialeffekte hinzugefügt, ganze Räume angehoben sowie Alexandre aus weiterer Entfernung als seine Gesprächspartner gefilmt.

Auch wenn sich die Bemühungen in den meisten Sequenzen auszahlen, fällt den Zuschauern an mancher Stelle doch auf, dass die Größenverhältnisse nicht stimmen. In einigen der nachträglich verkleinerten Szenen wirkt Dujardin eher geschrumpft und weniger wie ein realistischer Kleinwüchsiger. Im Gesamten wirft Mein ziemlich kleiner Freund aber wichtige Fragen zum Thema Anderssein in witziger Weise auf und regt dazu an, seine eigenen Perspektiven zu analysieren und zu überdenken.

Der Film trotzt an einigen Stellen etwas zu sehr mit der Romantik auf. In mehr als einer übertriebenen Szene – zum Beispiel, in denen sich Alexandre Gehör von Arbeitskollegen oder unaufmerksamen Passanten verschaffen muss, oder in denen Dianes Mutter auf ihren Schwiegersohn in spe aus Schock mit einer Geisterfahrt reagiert; bis zuletzt zu einer beinahe lebensgefährlichen Liebeserklärung – wirkt der Film ein wenig sehr klamaukartig.

Das Thema vom Gefühl zwischen Liebe und sozialem Schamgefühl dürfte dennoch ein breites Publikum ansprechen und wird von dem wunderbar harmonierenden Protagonisten-Duo glaubwürdig auf die Leinwand projiziert. Die Komödie ist bis zur 99. Minute durchaus unterhaltsam und mitreißend, wenn auch etwas vorhersehbar. Sie schreibt Witz, Romantik und Gefühl ganz groß und regt dazu an, den Menschen, die uns umgeben, stets auf gleicher Augenhöhe zu begegnen.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Laurent Tirard
Drehbuch: Laurent Tirard, Grégoire Vigneron
Musik: Éric Neveux
Darsteller: Jean Dujardin, Virginie Efira, Cédric Kahn, Stéphanie Papanian, César Domboy, Edmonde Franchi, Manöelle Gaillard

Bewertung

Bewertung_8

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