11th Mrz2014

Die Bücherdiebin (2013) | Filmkritik

Die Bücherdiebin

Der beginnende Zweite Weltkrieg reißt die Familie Meminger auseinander. Die neunjährige Liesel Meminger (Sophie Nélisse) wird gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder (Julian Lehmann) von ihrer leiblichen Mutter (Heike Makatsch), die in einer Notlage keine andere Wahl sieht, zu einer Pflegefamilie gegeben.

Der Junge überlebt die strapaziöse Reise nach München in die Himmelstraße zu Hans (Geoffrey Rush) und Rosa Hubermann (Emily Watson) nicht. Liesel hat vorerst starke Eingewöhnungsprobleme, doch ihre Freundschaft zum Nachbarsjungen Rudy (Nico Liersch) verschafft der Analphabetin Zugang zum Leben in ihrem Viertel.

Als Hans eine alte Schuld einlösen muss und den von den Nazis verfolgten Juden Max (Ben Schnetzer) in seinem Haus aufnimmt, gerät die ganze Familie in große Gefahr. Davon unbeeindruckt freundet sich Liesel mit dem Flüchtling Max an und er bringt ihr das Lesen bei und begeistert sie für die Magie der Literatur.

Da Liesel alsbald der Nachschub ausgeht, fängt sie an, Bücher zu stehlen und bei Bücherverbrennungen heimlich dem Feuer zu entreißen. So bewahrt sie Kulturgüter vor der Vernichtung – und sichert sich neuen Lesestoff, mit dem sie im Keller in Fantasiewelten eintaucht…

Die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit Die Bücherdiebin thematisiert wie viele andere Erfolgsgrößen das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte, die Zeit des Dritten Reiches, und knüpft problemlos an internationale Erfolge wie Schindlers Liste (1994), Der Pianist (2002), oder Der Untergang (2004) an.

Markus Zusaks gleichnamige Romanvorlage wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und verkaufte sich über acht Millionen Mal weltweit. Der britische TV-Regisseur Brian Percival wurde mit der Fernsehserie Downton Abbey bekannt. Mit der Verfilmung des Bestsellers mit Geoffrey Rush und Emily Watson nahm er sich der fiktiven Geschichte an und kann nun seinen ersten großen kommerziellen Kinofilm präsentieren.

Autor Michael Petroni, der schon das Drehbuch zu Die Chroniken von Narnia – Die Reise auf der Morgenröte schrieb, folgt der sonderbaren Geschichte Zusaks und hält sich dabei eng an die Vorlage. Die Welt, in der die Handlung stattfindet, ist geprägt von Leid, Trauer und Erschütterung.

Doch es ist gerade das kleine Mädchen Liesel, die den Zuschauer an die Hand nimmt und mit diesem in eine andere Welt flüchtet, die es dem Kind ermöglicht das Grauen zu überstehen. Hauptgewinn für die Verfilmung ist die kanadische Jungdarstellerin Sophie Nélisse (Monsieur Lazhar), die ihren Charakter einfühlsam darstellt und das Publikum mit ihrer überzeugenden Leistung berührt und in einen besonderen Bann zieht.

Die Handlung erstreckt sich über einen längeren Zeitraum und der Zuschauer kann somit die Entwicklungen der Figuren ausführlich miterleben. Liesel entwickelt sich von einem schüchternen Mädchen zu einer eigenständigen jungen Frau. Und auch den Nebenrollen, die mit Emily Watson (Geliebte Lügen, Gefährten) als vorerst herrische Pflegemutter und Geoffrey Rush (Shine, Fluch der Karibik) als einfühlsamer Vater hervorragend besetzt sind, wurde genug Zeit gewidmet, um auf deren Entwicklung einzugehen und den Charakteren die nötige Tiefe zu verleihen. Der deutsche Nachwuchsdarsteller Nico Liersch war zuletzt in Kokowääh 2 zu sehen und überzeugt ebenso wie Sophie Nélisse mit großer Leinwandpräsenz und kindlicher Unbefangenheit.

Ein großes Plus des Films ist zudem die aufwendige Kulisse, die die Schrecken der damaligen Zeit wieder detailgetreu lebendig werden lässt. Rituale wie die Bücherverbrennung, den Hasstiraden gegen die Juden und die Deportation werden in gewaltigen und emotionalen Bildern dargestellt und sorgen für ein überaus beklemmendes Gefühl, ohne dabei übertrieben zu wirken, jedoch immer mahnend.

John Williams erhielt für den Soundtrack zu Die Bücherdiebin seine 49. Oscar-Nominierung und erweckt den Geist der Zeit mit eindrucksvollen Melodien zu neuem Leben.

Die Verfilmung zeigt den harten Kontrast zwischen Kriegswirren und der märchenhaften Fluchtwelt in eindrucksvollen und gewaltigen Bildern. Da sich die märchenhafte Erzählweise stark an der Romanvorlage orientiert, kann man dem Film nicht viel vorwerfen, falsch zu machen. Dass der Film oft ins poetische abdriftet und teils als überspitzt betrachtet werden kann, ist gerade das, was ihn besonders macht und von den übrigen Filmerfolgen über die Zeit des Nationalsozialismus abhebt.

Die beeindruckenden Bilder fängt Kameramann Florian Ballhaus, den man aus R.E.D. kennt, gekonnt ein. Regisseur Brian Percival präsentiert mit Die Bücherdiebin eine emotionale und mitreißende Verfilmung von Markus Zusaks Jugendbuch-Bestseller, die durch schauspielerische Leistung, fantasievolle Impressionen und seiner poetisch-melancholischen Erzählweise begeistert.

Cast & Crew

Regie: Brian Percival
Drehbuch: Michael Petroni
Musik: John Williams
Darsteller: Geoffrey Rush, Emily Watson, Sophie Nélisse, Nico Liersch, Ben Schnetzer, Sandra Nedeleff, Hildegard Schroedter, Gotthard Lange

Bewertung

Bewertung_9

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