Hitchcock (2012) | Filmkritik

Hitchcock

Nachdem 1959 mit North by Northwest erneut ein erfolgreicher Film des Regisseurs Alfred Hitchcock erschienen ist, raten die Kritiker dem sich scheinbar auf dem Höhepunkt seines Erfolgs befindlichen Mann, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen.

Das kränkt den äußerst eigenen Hitchcock sehr und schon bald macht er sich auf die Suche nach neuen Filminhalten. Er wird fündig im Buch Psycho, das die Morde des Psychopathen Ed Gein implizit aufarbeitet.

So begeistert wie er ist jedoch nicht jeder von dieser Idee. Die Filmstudios haben keinerlei Interesse an einem Film, der neben schockierenden Gewaltszenen auch Nacktheit zeigen soll und verweigern die Kooperation. Hitchcock nimmt von da an die Dinge selbst die Hand und finanziert in Zusammenarbeit mit seinem Manager das riskante Projekt.

Das stellt sich schließlich als Bewährungsprobe in allen Belangen heraus: Finanzieller Druck, Eifersucht und große Nervosität machen die Dreharbeiten zu einer zermürbenden Tortur, unter der auch das Familienleben im Hause Hitchcock zu leiden hat.

Als das Gerücht die Runde machte, dass ein Film über den Meister des Films – Alfred Hitchcock – schlechthin gedreht werden sollte, war zumindest die Welt der Cineasten in heller Aufregung. Denn Hitchcock, obwohl als auch durchaus schwieriger sowie gemeiner Mann mit Ecken und Kanten geltend, erfreut sich bis heute größter Beliebtheit unter Filmfanatikern und wird dank seiner Klassiker wie Die Vögel oder Das Fenster zum Hof gleich einem Gott verehrt.

Doch die Fans sollten einigermaßen zufrieden sein. Denn Regisseur Sacha Gervasi hat mit Hitchcock ein amüsantes Biopic geschaffen, das, obzwar hier und da ein wenig schwächelnd, unterhaltsamer kaum sein könnte.

Mit Anthony Hopkins und Helen Mirren in den Hauptrollen, besticht der Film durch schauspielerisches Können, das seinesgleichen sucht. Insbesondere Hopkins, dem man die Verwandlung kaum glauben mag, überzeugt durch die gewollt Mimikry-ähnliche Darstellung Alfred Hitchcocks. In wahre Höhen treiben sich die beiden allerdings im gemeinsamen Spiel.

Ob kleine witzige Wortgefechte oder die einvernehmliche Stille des alternden Ehepaares – die Emotionen in diesen Szenen sind greifbar. Äußerst authentisch und unprätentiös nehmen sich Hopkins und Mirren ihrer Rollen an und hauchen ihm Glamour ein, ohne durch ihr eigene Person zu überschatten.

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Der Fakt hingegen, dass sie dabei schlicht und ergreifend pures, leicht kitschiges Hollywood-Kino nachspielen, kann selbst davon nicht geschmälert werden. Die Krise in der Ehe Hitchcock / Reville beispielsweise, die auf der Affäre seiner Frau basiert, ist erklärt reine Fiktion und treibt den Film in seiner Spannung dennoch stetig voran. Nicht, weil es ein sonderlich schlauer Plot ist, sondern den zuweilen abstrusen Macken des Filmgenies Alfred Hitchcock Raum zum Blühen gibt und somit ein differenzierteres Bild seines Lebens schafft.

Dessen ungeachtet weiß der Film in seiner Handlung nicht durchgängig zu überzeugen, weil skurrile Szenen wie die Zwiegespräche Hitchcocks mit Serienmörder Ed Gein zu sehr dem Klischee des äußerst kreativen, weil andersartigen Regisseurs entsprechen und somit der Sache den Zauber nehmen.

Auf Detailtreue verzichtet Gervasi allerdings nicht ständig. Kostüme oder Set beispielsweise erinnern an die stilvolle Zeit der frühen 60iger, als der Lidstrich mehr als perfekt saß und die Pomade in den Haushalt eines jeden Mannes gehörte.

Trotz jeglicher Freiheiten und Abweichungen zeichnet Gervasi letztlich mehr als liebevoll die Welt Hitchcocks nach und macht beinahe neidisch auf diejenigen, die wirklich in ihr Leben durften.

Trailer
Cast & Crew

Regie: Sacha Gervasi
Drehbuch: John J. McLaughlin
Musik: Danny Elfman
Schauspieler: Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Toni Collette, Jessica Bild

Bewertung

Bewertung_9

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