08th Feb2013

Die Frau des Anarchisten (2008) | Filmkritik

Die Frau des Anarchisten

Spanien im Bürgerkrieg 1937. Madrid wird von faschistischen Einheiten umzingelt und die republikanischen Verteidiger versuchen sich zu wehren. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die leidenschaftliche Manuela (Maria Valverde), die ganz in ihrer Liebe zu ihrem Mann, dem Rechtsanwalt Justo Alvarez Calderon (Juan Diego Botto), aufgeht. Justo kämpft in Madrid gegen Francos Truppen. Als sprachgewandter Redner wettert er im Radio gegen die Faschisten und sieht sich mit zunehmender Belagerung der Hauptstadt zum bewaffneten Kampf gezwungen.

Mit Hilfe der deutschen Kommunistin Leni (Nina Hoss) flieht er aus der Stadt, um an die Front zu gehen. Zurück bleiben die schwangere Manuela und die kleine Tochter Paola (Juan Diego Botto), die das ganze Leid der Belagerung, die Säuberungen und Schikanen der Sieger ertragen müssen.

Nach Jahren der Ungewissheit erhalten sie Nachricht von Justo aus Frankreich. Als Manuela und die mittlerweile 16-jährige Paola endlich ihren Mann und Vater in die Arme schließen, zeigt sich, dass die Zeit nicht spurlos an der Familie vorbeigegangen ist. Beide finden Justo krank und verbittert wieder. Tiefe Gräben und unterschiedliche Lebensläufe machen das Zusammenfinden schwierig, denn im Exil führt Justo seinen verbissenen Kampf gegen die Faschisten mit der blonden Leni heimlich weiter. Doch der Glauben an die gerechte Sache und die Liebe zu seiner Frau Manuela und seiner Tochter sind die treibenden Kräfte seines Inneren.

Mit Die Frau des Anarchisten erwecken Peter Sehr und Marie Noëlle ein Stück spanische Zeitgeschichte zum Leben: Die Frau eines Wortführers der kommunistischen Freiheitskämpfer erlebt den Spanischen Bürgerkrieg und den Widerstand gegen den Putsch der faschistischen Franco-Anhänger.

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Regisseurin Noelle – selbst Enkelin eines spanischen Widerstandskämpfers – formte das Drehbuch aus bruchstückhaften Kindheitserlebnissen ihrer Mutter und ausgiebiger Recherche. Daraus resultiert dann auch die größte Schwäche des Films: Seine fehlenden Schwerpunkte und kein wirkliches Zentrum.

Mitunter springt die Handlung viel zu schnell und ruckartig voran. Einerseits hätte man straffen und glätten müssen, andererseits hätte viel mehr noch erzählt werden können. Zudem schwelgt die Produktion in großen Bildern und Gesten. Die Story von Liebe im Bürgerkrieg wirkt durch allzu hübsche Bilder oft flach und einförmig. Hauptdarstellerin Maria Valverde ist auch im Elend des Krieges noch elegant gekleidet.

Das Regie-Duo versteht es trotzdem, den Zuschauern die Geschehnisse eindringlich nahe zu bringen. Das Team sucht die Balance der Erzählung, indem sie persönliches Drama und historische Ereignisse eng koppelt und die Zuschauer sie vor allem durch die Augen der Protagonistin erleben. Besonders das letzte Drittel, das im französischen Exil spielt, überzeugt durch eine sensible Inszenierung, die sowohl die Gebrochenheit als auch das Überwinden des Trennenden bedenkt. Erfrischend für das deutsche Publikum ist Nina Hoss, die eine leidenschaftliche Kommunistin spielt.

Die Frau des Anarchisten erzählt die bewegende Epoche zwischen 1937 und 1952. Im Vordergrund steht stets der aufopferungsvolle Kampf für die Freiheit. Es handelt sich um ein bewegendes autobiografisches Familiendrama, das leider oft unausgewogen und in seinen Bildern überladen erzählt wird.

Cast & Crew

Regie: Peter Sehr, Marie Noelle
Drehbuch: Marie Noelle
Musik: Frédéric Sanchez
Schauspieler: Juan Diego Botto, María Valverde, Nina Hoss, Alba Barragán, Ainoa Ruiz, Ivana Baquero, Irene Visedo, Edgar Sehr, Adrià Collado

Bewertung

Bewertung_6

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