23rd Jun2018

Logan Lucky (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Logan Lucky

Jimmy Logan (Channing Tatum) plagt seit der High-School eine üble Knieverletzung, welche ihm sogar eine potenzielle Karriere als Football-Spieler ruiniert hat. Seitdem arbeitet er notgedrungen als Bauarbeiter in West Virginia.

DSC_9190.nef Sein Bruder Clyde (Adam Driver) wurde im Irak-Krieg der linke Unterarm weggesprengt und ist als einarmiger Barkeeper am Stadtrand das Gespött der Gäste. Die beiden Brüder werden in ihrer Gemeinde verhöhnt, da scheinbar ein Fluch auf den Brüdern liegt.

Als Jimmy wegen seines Humpelns als Bauarbeiter entlassen wird, beschließt er mit seinem Bruder einen Überfall und will allen beweisen, dass sie keine Versager sind. Das Ziel ist ein Rennen der NASCAR-Serie in North Carolina.

Jimmy weiß durch seine Tätigkeiten als Bauarbeiter, dass der Tresor mit den gesamten Wetteinnahmen unter der Erde gelagert ist. Als Sprengstoffexperten nehmen die Brüder Kontakt zu Joe Bang (Daniel Craig) auf, der im Hochsicherheitsgefängnis sitzt. Da er jedoch nur noch wenige Monate absitzen muss, lehnt er eine Zusammenarbeit mit den Logan-Brüdern ab.

Doch die beiden Brüder geben keineswegs auf. Können sich Jimmy und Clyde Logan ihrem Fluch zur Wehr setzen?

Logan Lucky ist ein US-amerikanisches Heist-Movie von Steven Soderbergh aus dem Jahre 2017. Soderbergh ist ein anerkannter Experte für Heist-Movies und konnte mit seinen bekanntesten Werken, den drei Oceans-Filmen sowie Out of Sight aus dem Jahr 1998, schon erfolgreich großangelegte Raubüberfälle thematisieren.

Sein neuester Film befasst sich in einer äußerst komödiantischen Art und Weise mit den typischen Elementen eines jeden Heist-Movies: ein Sprengstoffexperte, scheinbar dumme Handlanger, eine attraktive Frau zur Ablenkung und der einarmige Bandit.

LOGAN LUCKY Logan Lucky ist ohne Frage innerhalb der Soderbergh-Heist-Movies der witzigste Vertreter dieses Genres, denn hier wird viel Wert auf eine lockere und unterhaltsame Darstellung gelegt. Besonders die erste Stunde des Films ist durch eine genussvoll interpretierte Geschichte aus dem sogenannten „Mountain State“ der Vereinigten Staaten gelungen.

Die Ruhe an den wichtigen Stellen und das genaue Gespür für eine abwechslungsreiche Inszenierung zu finden, ist nicht einfach. Regisseur Soderbergh schafft aber den schwierigen Wechsel in den richtigen Momenten und etabliert zudem erfolgreich seine Figuren allesamt sympathisch als typische Versager innerhalb einer jeden Gesellschaft.

Gerade dieses Element des Misserfolgs macht den Charme des Films aus. Geschärft wird die Story durch einen Verbrecher, wie er im Buche steht. Daniel Craig, der in den letzten Jahren sehr auf die beliebte Rolle als James Bond reduziert wurde, liefert eine befreite und intensive Interpretation des Sprengstoffexperten Joe Bang ab, welcher trotz Gefängnisaufenthalt dem Verlangen nach dem nächsten BANG! nicht entrinnen kann.

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Sein schwarz-weißer Gefängnis-Overall, seine grauen Haare und seine Ernsthaftigkeit geben dem Heist-Movie seine ikonische Stoßrichtung vor. Zudem ist sein Schauspiel überzeugend und seine Figur fügt sich wunderbar in die schrille Geschichte und Erzählweise ein.

In den anderen Rollen punkten Channing Tatum und Adam Driver als gebrochenes Brüderpaar. Sie spielen ihre extravaganten Rollen freimütig und hegen zu jedem Zeitpunkt die Sympathien des Zuschauers. Allerdings sind vielleicht wenige Nebenrollen überflüssig und etwas überspitzt in die Geschichte integriert worden.

Die grundlegende Überlegung eines Überfalls ist sicherlich keine besonders neue Idee. Steven Soderbergh inszenierte zwar häufig Filme dieser Art, doch Logan Lucky hebt sich etwas von seinen vorherigen Filmen ab. Es wirkt fast so, als ob der Regisseur sich selbst parodiert. Die Figuren sind schräger, witziger und sympathischer als zum Beispiel bei der Oceans-Reihe, wo ein cooles und sicheres Auftreten im Vordergrund stand, als die Truppe rund um George Clooney in noble Casinos einbricht.

In seinem neuesten Werk ist auch die Location, erfrischend und kreativ gewählt. Es ist erfreulich die scheinbar schlechten Aussichten auf Geld und ein gutes Leben in dem ländlichen West Virginia sehen zu dürfen. Es wirkt so, als ob die Menschen neben einem Job als Bauarbeiter oder Krimineller keine Alternativen haben.

Des Weiteren ist die Stimmung im Film gut getroffen. Die Figuren sind abgestumpft, traurig, wütend und unfreiwillig komisch in ihren Aktionen, was die Lebenssituation gut interpretiert. Insgesamt ist Logan Lucky ein weiterer Räuberfilm von Steven Soderberg, der durch schräge Figuren und eine kreative Location zu überzeugen weiß.

Bewertung

Bewertung7

Trailer

Informationen
Logan Lucky (2017)
118 min|Comedy, Crime, Drama|18 Aug 2017
7.0IMDB-Wertung: 7.0 / 10 von 103,889 Nutzern
Die Brüder Jimmy und Clyde Logan haben es wirklich nicht leicht: Der impulsive Jimmy neigt zu Gefühlsausbrüchen und verliert dadurch einen Job nach dem anderen, Clyde hingegen hat zwar einen festen Job als Barkeeper, wird aber von den Gästen schikaniert, weil er einen Arm verlor und er eine Prothese trägt...
07th Jun2018

Sieben Minuten nach Mitternacht (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Sieben Minuten nach Mitternacht

Der 12-jährige Connor O’Malley (Lewis MacDougall) wächst bei seiner schwer kranken Mutter (Felicity Jones) in einem kleinen englischen Ort auf, während sein Vater weit entfernt in den Vereinigten Staaten lebt.

Nachts träumt er immer wieder davon, dass er in ein großes Erdloch fällt. Der Alptraum nimmt auch kein Ende wenn er schweißgebadet erwacht, denn in der Schule wird er von seinen Mitschülern geärgert und geschlagen. Als sich der Zustand seiner Mutter erheblich verschlechtert, beschließt seine Großmutter (Sigourney Weaver) ihn zu sich zu nehmen.

siebenminutenbismitternacht_1 Eines Nachts, um sieben Minuten nach Mitternacht, besucht ihn ein großes Baummonster an seinem Fenster. Es möchte ihm drei Geschichten erzählen und erwartet im Gegenzug von Connor, dass er dem Baum eine vierte Geschichte erzählt, die die Wahrheit beinhaltet. Connor willigt zögerlich ein, doch zu welchem Preis?

Sieben Minuten nach Mitternacht (Originaltitel: A Monster Calls) ist ein spanisch-britischer Fantasyfilm von Regisseur Juan Antonio Bayona, der zuvor durch den melodramatischen Film The Impossible (2012) bekannt wurde. Sein neuester Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Patrick Ness, der für den Film ebenso das Drehbuch entwickelte.

Die Geschichte des Films ist spannend, unvorhersehbar und erstaunlich intensiv erzählt. Die Handlungsabläufe sind zudem gut aufeinander abgestimmt und Regisseur Bayona präsentiert ein gutes Gespür für die richtige Bildsprache. Außerdem gelingt ihm ein ruhig erzählter und konsequenter Fantasyfilm, der ohne kitschige Momente auskommt und dank seines ansprechenden Casts immerzu glaubwürdig wirkt.

Es ist leider aber auch festzustellen, dass nach den Alpträumen von Connor O’Malley häufig ein Tempowechsel von schnell zu langsam vollzogen wird. Die Traumwelt überzeugt durch ein liebevoll entwickeltes Baummonster, welches in der deutschen Version mit der Synchronstimme von Liam Neeson (Bernd Rumpf) gesprochen wird. Der britisch-US-amerikanische Schauspieler Neeson leiht im Original der Eibe ebenso seine Stimme.

siebenminutenbismitternacht_2 Anhand seiner Optik ist schwer auszumachen, ob das Baummonster gute oder schlechte Absichten hat. Dies ist insbesondere dahingehend wichtig, da zu Anfang immerwährend eine beabsichtigte Unsicherheit in der Luft schwebt. Zwar liegt es auf der Hand, dass das Monster seine Hilfe anbieten möchte, doch der Zusammenhang ist nicht sofort erkennbar.

Die vielen bunten, niemals aufgesetzt wirkenden Farbkombinationen und einige kreative Einschübe sorgen für die visuellen Highlights des Films, die schön und düster zugleich wirken. Allerdings ist es schwer, nach den Ausflügen in die Traumwelt, die benötigte Konzentration für das eher ruhig inszenierte Leben in der Realität aufzubringen. Regisseur Bayona setzt nicht etwa auf Schockelemente, sondern vielmehr auf eine metaphorische Bedeutung. Es ist sehr angenehm der geradlinig erzählten Geschichte zu folgen, die trotz einiger auftretender Längen ihrer Linie treu bleibt und den Zuschauer immer wieder emotional berührt.

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So wird dieser andauernd dazu aufgefordert seine eigenen Gedanken zu kreieren und zu sortieren, was im heutigen Zeitalter des Blockbusterkinos kaum noch von einem Film zu erwarten ist. Die nächtlichen Ausflüge in die Traumwelt sind in dieser Hinsicht besonders intensiv, da sie schwer zu durchschauen sind und keinerlei Botschaft über den eigentlichen Pfad des Films vermitteln.

Die Schauspielerbesetzung überragt zwar nicht, hindert aber auch nicht den auf die Träume gelegten Fokus der Geschichte. Dennoch gibt es in der realen Welt einige Momente, in denen unter anderem Sigourney Weaver und Jungdarsteller Lewis MacDougall ihr schauspielerisches Vermögen zeigen können. Des Weiteren fängt der Regisseur die Gefühlswelt und Zerrissenheit des 12-jährigen Connor gekonnt ein. Dadurch werden besonders die Emotionen des Zuschauers angesprochen, der sich mit Connors Situation identifizieren kann.

Es sind die Details, die in Sieben Minuten nach Mitternacht überzeugen können. Außerdem gibt es zwei besondere visuelle Schauwerte im Film, die hervorragend aussehen und dem Zuschauer wohl noch einige Zeit im Gedächtnis bleiben. Insgesamt ist Juan Antonio Bayonas Ausflug in die Traumwelt ein sympathischer, kreativer und vor allem emotionaler Film, der den Zuschauer bewegt und ihn auffordert sich mit seinen eigenen Ängsten auseinanderzusetzen.

Bewertung

Bewertung_7

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Informationen
Sieben Minuten nach Mitternacht (2016)
108 min|Animation, Drama, Fantasy|06 Jan 2017
7.5IMDB-Wertung: 7.5 / 10 von 68,873 Nutzern
Der kleine Conor lebt bei seiner kranken Mutter Elizabeth und fühlt sich in der Schule alles andere als wohl – einige Kinder hänseln Conor, andere behandeln ihn wegen der Krankheit seiner Mama wie ein rohes Ei. Und auch zu Hause scheint sich alles nur noch weiter zu verschlimmern, vor allem wenn Conor bei seiner strengen Großmutter sein muss...
05th Jun2018

Wind River (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Wind River

Schnee soweit das Auge reicht. Cory Lambert (Jeremy Renner) lebt getrennt von seiner Frau Wilma nachdem sie vor einigen Jahren ihre gemeinsame Tochter verloren haben. Sie starb in eisiger Kälte abseits der Zivilisation.

wind_river_1 Cory ist von Beruf Jäger in der Eiswüste, die jede Menge tödliche Gefahren birgt. Bei seinem neuen Auftrag soll er mehrere Pumas finden, die einen Stier getötet haben. Auf seiner Suche entdeckt er jedoch die Leiche einer 18-jährigen Frau, welche in der Wildnis des Indianerreservats Wind River vergewaltigt und misshandelt wurde. Doch was hat die junge Frau barfuß und dünn bekleidet in der Natur gesucht?

US Wildlife Agent Cory Lambert erkennt das Mädchen sofort, da seine Tochter mit ihr befreundet war. Die ortsansässige Polizei kontaktiert das FBI, um das von Schnee bedeckte Areal weiter zu durchsuchen. Auch die frisch aus der Ausbildung kommende Agentin Jane (Elizabeth Olsen), die normalerweise im lauten und bunten Las Vegas stationiert ist, wird in die eisige Region entsandt.

Da sie nicht auf weitere Verstärkung hoffen kann und keinerlei Ahnung hat, wo sie eigentlich ist, bittet sie Cory Lambert um Hilfe. Dieser willigt ein und zusammen begibt sich das ungleiche Paar auf die Jagd nach dem scheinbar unbekannten Mörder der 18 Jahre alten Natalie. Immer tiefer dringen sie in eine Gegend vor, die von latenter Gewalt und den Elementen geprägt ist.

Wind River ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahre 2017, der von Regisseur Taylor Sheridan inszeniert wurde. Außerdem steuerte er das Drehbuch zu dem Film bei nachdem Sheridan zuvor bereits die Drehbücher für die Filme erfolgreichen Filme Sicario (2015) und Hell or High Water (2016) verfasste.

wind_river_2 Seine neueste Geschichte stellt zugleich sein Regiedebüt dar. Die Geschichte des Films vereint die üblichen Zutaten eines Sheridan-Drehbuchs: Ruhige Typen, eine besondere Atmosphäre und einen Hauch von Western.

In seinem Erstlingswerk als Regisseur wechselt er allerdings von dem Süden der USA in den Norden. Der hohe Schnee in Wyoming und die unberührte Natur sorgen für ein schönes, ruhiges und einfallsreiches Setting.

Das Indianerreservat Wind River stellt zudem innerhalb der USA eine gesetzliche Besonderheit dar, da dort unterschiedliche Stämme leben und richten. Es ist angenehm überraschend und informativ, eine gesetzliche Besonderheit anhand eines Thrillers kennenzulernen. Die Kälte und die Aussichtslosigkeit im Norden der USA bekommen anhand von schön eingefangenen Kamerabildern die benötigte Tiefe, vergleichbar mit den Landschaften in The Revenant (2015) oder The Grey (2011).

Des Weiteren werden die Indianerstämme ebenso zerbrechlich und unsicher wie die weißen Durchschnittsamerikaner dargestellt, sodass eine ungewohnt enge Verbundenheit zwischen unterschiedlichen Ethnien entsteht. Die Figuren sind zudem außerordentlich gut gezeichnet, da sie die passenden Ängste in sich tragen. Dennoch müssen die Menschen im Norden Härte zeigen, was anhand eines Mordfalls gut inszeniert wird.

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Leider hat Wind River trotz seiner ambitionierten Geschichte und seines wunderbaren Settings mit einigen Problemen zu kämpfen. Besonders im Mittelteil des Films ist das Erzähltempo drückend langsam und es passiert einfach zu wenig, um der lahmenden Handlung intensiv folgen zu können. In diesem Teil des Films halten einem lediglich die Schauspieler Jeremy Renner und Elizabeth Olsen bei Stange, da zu viel Ruhe herrscht. Folglich fehlen gegen Ende des Films etwas Griffigkeit und die nötigte Schärfe. Ein Ärgernis, da in einigen ruhigen Sequenzen das aufflackernde Potenzial von Taylor Sheridans Drehbuch zwar erkennbar ist, aber nie komplett ausgereizt wird.

Dennoch kann der abwechslungsreichen Neo-Western-Story mit etwas Aufopferung intensiv gefolgt werden, da der Film anhand seiner Figuren und dank einer wunderbaren Atmosphäre zu überzeugen weiß, denn nicht wenige Szenen sind spannend, voller Kraft und unterhaltend. Allerdings kann die Spannung nicht lange aufrecht erhalten bleiben, da viele Momente zu kurz kommen und die falschen Szenen zu lang geraten sind. Schauspielerisch sind vor allem die Protagonisten Jeremy Renner und Elizabeth Olsen hervorzuheben, die ihre Rollen glaubhaft und authentisch verkörpern.

Beide passen ideal in die ihnen aufgetragenen Rollen und liefern im Film schauspielerische Höhepunkte ab, weil besonders die Chemie zwischen den beiden durch und durch passend ist. Neben diesen namhaften Hollywood-Größen können auch viele Nebenrollen überzeugen, wie beispielsweise Gil Birmingham, Tantoo Cardinal und Hugh Dillon.

Sheridans drittes Drehbuch zeichnet sich wieder einmal durch einen selten zu sehenden Western-Vibe aus. Die Figuren könnten allesamt aus dem fiktiven Wilden Westen stammen. Des Weiteren sind einige Actionsequenzen stark inszeniert und Genre-typisch während Thematik und Zeitpunkt, zu welchem der Film spielt, neu. Die neueste Sheridan-Geschichte stellt im großen Blockbusterzeitalter ein Novum dar, denn es gibt kaum noch Geschichten, die derart ruhig und gelassen erzählt werden, wie diese ohne auf eine ordentliche Portion Action zu verzichten.

Leider fällt der Thriller zwischen Sicario und Hell or High Water leicht ab, was zum Teil an dem verkorksten Erzähltempo liegt. An vielen Passagen der Story wird viel zu viel Potenzial verschenkt, sodass der erste Regie-Film von Sheridan nur als gelungen zu bezeichnen ist. Seine Regie ist ruhig, konzentriert, aber teilweise zu langatmig und streckend. Die unnötigen Längen trüben das eigentlich wunderbare Erlebnis.

Insgesamt ist Wind River eine ambitionierte, kreative und atmosphärische Auseinandersetzung mit der eisigen Kälte in der Wildnis Wyomings. Das Regiedebüt von Taylor Sheridan ist durchaus als Gelungen zu bezeichnen und es bleibt mit Spannung zu erwarten, was für ein Werk als nächstes von diesem großartigen Autoren auf der Leinwand erscheinen wird.

Bewertung

Bewertung7

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Informationen
Wind River (2017)
107 min|Crime, Drama, Mystery, Thriller|18 Aug 2017
7.7IMDB-Wertung: 7.7 / 10 von 165,164 Nutzern
Cory Lambert (Jeremy Renner) arbeitet für die Fischerei- und Wild-Abteilung und macht vor allem Jagd auf Kojoten und andere Raubtiere im Indianer-Reservat Wind River. Den kürzlichen Tod seiner Teenager-Tochter hat er noch nicht überwunden, da stolpert er in der Wildnis über die Leiche einer vergewaltigten und erfrorenen Jugendlichen...
28th Mai2018

Deadpool 2 (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Deadpool 2

Eine vollkommen spoilerfreie Kritik ist anhand der sehr überraschenden Story von Deadpool 2 unmöglich. Deshalb bitten wir die Leser an dieser Stelle um Vorsicht vor dem Weiterlesen!

deadpool2_1 Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds) legt sich mit den kriminellen Syndikaten aus der ganzen Welt an. Für ihn ist es egal, ob die Verbrecher aus Russland, Japan oder den USA kommen. Der Söldner mit der großen Klappe nimmt es mit allen auf.

In seiner Heimatstadt hat er sich allerdings etwas übernommen mit der Verbrechensbekämpfung, sodass er kurzerhand mit einem Taxi vor den Kriminellen fliehen muss. Zuhause empfängt ihn Vanessa. Sie hat schon einige Stunden auf ihren Superhelden-Mann gewartet, doch kann ihm nicht böse sein. Das Paar hat nämlich beschlossen eine Familie zu gründen.

Voller Vorfreude küsst Deadpool seine Vanessa. Nur einen kurzen Moment später schaut er mit scharfem Blick Richtung Tür: er hört mehrere Männer näherkommen.

Die Tür wird aufgebrochen, Schüsse fallen und Wade Wilson wirft sich schützend vor seine Freundin. Er kann jedoch nicht verhindern, dass sie im Kreuzfeuer getötet wird. Als direkte Folge setzt Deadpool sich auf mehrere Ölfässer und sprengt die Angreifer sowie sich selbst in die Luft.

deadpool2_2 Der X-Men Colossos kann ihn allerdings wieder zusammensetzen und nimmt ihn mit auf eine Mission. Dort eskaliert ein junger Mutant mit flammenden Fäusten.

Deadpool nutzt die Gelegenheit, um die scheinbar pädophilen Mitarbeiter des Waisenhauses zu eliminieren. Daraufhin wird er verhaftet und kommt praktischerweise mit dem jungen Mutanten in eine Zelle. Welche Kraft schlummert wirklich in dem mächtigen Kind?

Deadpool 2 ist ein US-amerikanischer Actionfilm aus dem Jahre 2018. Es handelt sich hierbei um die direkte Fortsetzung des Films Deadpool aus dem Jahr 2016. Die Regie übernahm David Leitch, der zuvor durch die Actionfilme John Wick und Atomic Blonde bekannt wurde.

Die Story des Films wird, wie bereits im ersten Teil der Reihe, nicht komplett linear erzählt. Direkt zu Anfang des Films wird der Zuschauer durch den Tod von Deadpools Freundin und seinen darauffolgenden Suizidversuch geschockt. Die eigentliche Geschichte des Films setzt nach circa einer halben Stunde ein, als ein Supersoldat namens Cable (Josh Brolin) aus der Zukunft kommt, um den jungen Mutanten mit den flammenden Fäusten zu töten.

deadpool2_3 Dann entwickelt sich eine überraschende, wendungsreiche und unfassbar humorvolle Superheldengeschichte. Das Besondere hierbei ist die Selbstironie, die in einer extremen Schärfe quasi jeden Schauspieler aus dem X-Men-Franchise persifliert.

Die Gagdichte ist durchaus höher als noch im ersten Teil. Es folgt eine Pointe auf die nächste, sodass der Zuschauer kaum noch die Möglichkeit hat, sich von seiner eigenen Lache zu erholen.

Eigentlich ist es heutzutage sehr schwer noch durch Humor zu punkten, da einfach schon viel zu viele Pointen auf der Leinwand gezeigt wurden und der Versuch oft in plumpem Fäkalhumor ausartet. Dennoch kann Ryan Reynolds als roter Superheld und Drehbuchautor sein Gespür für Situationskomik und Wortwitz unter Beweis stellen, indem er einfach nicht mehr aufhört lustig zu sein.

Bemerkenswert ist ebenfalls, dass trotz dieser sehr humorvollen Ausrichtung emotionale Momente entstehen, die den Zuschauer berühren. Es ist kaum zu erwarten gewesen, dass nach diesem Feuerwerk von Witzen plötzlich absolute Stille herrscht und Emotionen hervorgerufen werden. Diese Eigenschaft des Films ist fantastisch und ein wahrer Balanceakt.

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Auch sind die Verbindungen zu seinem Vorgängerfilm sind gegeben, da einige Gags neu aufgelegt wurden und bekanntermaßen kein Blatt vor den Mund genommen wird. Deadpool zollt keinem seiner anderen Superheldenkollegen Respekt, weshalb viele X-Men Filme oder gar Reynolds eigene Karriereentscheidungen auf eine humoristische Art und Weise neu bewertet werden.

An dieser Stelle sind die wunderbaren Szenen nach dem Ende des Films zu nennen, die abermals lustig und unerwartet zugleich sind. Des Weiteren überzeugen die Actionszenen im Film, da mit Regisseur Leitch ein erfahrener Actionregisseur verpflichtet wurde.

Die Action ist deutlich besser als in dem ersten Teil, da die Kämpfe brutaler, härter und besser inszeniert wurden. Dennoch hätten die Sequenzen durchaus das Potenzial gehabt überragend zu werden, um vielleicht für die kommenden Jahre neue Höhepunkte zu setzen.

Hierbei hätte vielleicht ein längerer Kampf beim Aufeinandertreffen der zwei Protagonisten mit immer weiter ausartenden Verletzungen überragen können. Dies ist jedoch Meckern auf sehr hohem Niveau, da die Adrenalin geladenen Sequenzen lediglich von gut auf sehr gut hätten aufgewertet werden können.

Auch die Schauspieler überzeugen. Neben dem dauerhaft präsenten Ryan Reynolds kann auch Josh Brolin, der wenige Wochen zuvor bereits in dem Marvel-Film Avengers: Infinity War als Bösewicht Thanos zu sehen war, überzeugen.

Er spielt den zeitreisenden Supersoldaten mit einer Ernsthaftigkeit, die Düsterheit und emotionale Tiefe mit in den Film transportieren.

Insgesamt ist Deadpool 2 eine freche, witzige und actiongeladene Fortsetzung, die zweifelsfrei als eine der witzigsten Komödien der letzten Jahre zu bezeichnen ist.

Bewertung

Bewertung8

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Informationen
Deadpool 2 (2018)
119 min|Action, Adventure, Comedy, Sci-Fi|18 May 2018
7.8IMDB-Wertung: 7.8 / 10 von 372,668 Nutzern
Nach einem weiteren herben Schicksalsschlag ist Deadpool des Lebens überdrüssig und versucht sich mithilfe von Benzinkanistern und einer Zigarette umzubringen. Doch der unkaputtbare Heros wird von seinem X-Men-Kumpan Colossus gerettet und mit auf das abgeschiedene Anwesen der Mutanten genommen, wo Deadpool auch die mittlerweile erwachsene Mutantin Negasonic Teenage Warhead wiedertrifft...
13th Mai2018

Love Steaks (2013) | Filmkritik

von Michael Diederich

Love Steaks

Der ruhige und schüchterne Clemens (Franz Rogowski) arbeitet als Masseur in einem Luxus-Hotel. Er schläft auf einer Matratze in einem Abstellraum und wird jeden Morgen von dem Waschpersonal geweckt.

lovesteaks_1 Eines Abends lernt er die Köche des Hauses kennen, die ihren Feierabend in dem Schwimmbad des Hotels genießen. Köchin Lara (Lana Cooper) ist ganz im Gegensatz zu Clemens ein emotionaler und extrovertierter Mensch. Trotz der unterschiedlichen Einstellungen zum Leben kommen sich die beiden Hotelangestellten schnell näher.

Doch Lara ist keineswegs nur eine Frohnatur. Während ihrer Arbeitszeit ist sie ständigem Druck ausgesetzt und ertrinkt ihren Stress im Alkohol. Auf dem Weg nach Hause wird sie eines Tages von der Polizei angehalten und wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen.

Bei der Arbeit zieht sie sich mit Clemens an einem stillen Ort zurück und offenbart ihm ihr Problem. Doch die frisch verliebten werden von dem Concierge (Ralf Winter) bei ihrer spontanen Auszeit erwischt und ermahnt, sich mehr um ihre Arbeit zu kümmern. Clemens befindet sich noch in seiner Probezeit und willigt ein, dass er sich mehr auf die Arbeit konzentrieren werde. Lara betrinkt sich unterdessen weiter während Clemens es sich zur Aufgabe macht Lara von ihrer Sucht loszureißen.

Love Steaks ist ein deutscher Film aus dem Jahre 2013, welcher unter der Regie von Jakob Lass, der hiermit gleichzeitig sein Debüt abliefert, realisiert wurde. Die Story scheint kaum aus gewohnten Mustern auszubrechen und die Charaktere wirken augenscheinlich gewöhnlich in ihren Aktionen. Allerdings werden beide Punkte im Laufe des Films auf den Kopf gestellt.

lovesteaks_2 Es ist eine große Überraschung und ein großes Stück Kino, was Regisseur Lass hier inszeniert. Getragen von zwei unglaublich talentierten deutschen Schauspielern entwickelt sich ein überraschend witziger, lockerer und trauriger Film über zwei junge Menschen, die sich ihre Rolle in der Gesellschaft mit harten Mitteln erkämpfen müssen.

Hauptdarsteller Franz Rogowski, bekannt aus Victoria (2015), spielt die Figur Clemens durchweg glaubhaft und unkontrolliert, geschuldet einer aufopfernden Inszenierung und einer großartigen Darbietung seiner Künste. Der Regisseur hat den beiden Hauptrollen viele Freiräume geschaffen und größtenteils auf vorgegebene Dialoge verzichtet. Dies ist vor allem darn spürbar, wenn die Hauptfiguren flüssig, ungehemmt und offen miteinander sprechen.

Es wirkt alles überaus realitätsnah und nicht filmisch inszeniert. Des Weiteren ist Clemens eine sehr sympathische Filmfigur. Direkt nach den ersten Minuten des Films ist er derart sympathisch, dass man das Hotelmanagement direkt für die Ausnutzung dieses gutmütigen Menschen verachtet. Er lispelt, ist sich oft unsicher und kann sich vor anderen kaum behaupten. Diese zurückhaltende Interpretation der Rolle wurde durch den Schauspieler Rogowski ideal ausgeführt.

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Love Steaks
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Sein weibliches Pendant, Lana Cooper, spielt eine gegensätzliche Rolle. Eine junge Frau, die als Köchin in einem stressigen Arbeitsumfeld lebt und sich deshalb bei der Arbeit betrinkt. Sie ist selbstbewusst, offen und gefühlvoll. Cooper spielt sehr losgelöst und bietet ebenfalls eine starke Vorstellung an. Sie ist ebenfalls immer glaubwürdig in ihren Aktionen und ihre Figur stellt eine Mischung aus Witz, Verlorenheit und Frust dar.

Die Chemie zwischen beiden ist bemerkenswert, da sie sich durch unterschiedliche Charaktereigenschaften wunderbar ergänzen. Selten konnte man einen deutschen Film sehen, in dem die zwei Hauptrollen so gut besetzt waren. Neben diesem Höhepunkt des Films ist die minimalistische Story, die die berufliche Zukunft zweier junger Menschen darstellt, stark.

Die Handlung ist zwar sehr in einem kleinen Rahmen gehalten und teilweise etwas wiederholend, aber durch diese Enge entsteht eine gewisse Wirkung, welche insbesondere von der guten Kameraarbeit profitiert. Denn für die beiden Hauptfiguren gibt es in ihrem Leben fast nur den Job und sonst nichts.

Falls mit einer Lupe nach potenziellen Schwächen gesucht wird, könnte man anmerken, dass einige Stellen zu träumerisch interpretiert sind. In diesen entsteht ein leichter und kurzer Leerlauf, der dennoch das gelungene Erzähltempo nie stört, da es ideal auf die beiden Hauptdarsteller zugeschnitten ist. Außerdem ist die Wahl des Luxus-Hotels an einem Strand grandios, da der schöne Gegensatz der hart arbeitenden Mitarbeiter somit stärker zum Tragen kommt.

Der Luxus scheint nur für die Gäste zu sein und weniger für die Mitarbeiter des Hotels. Des Weiteren ist die gesellschaftliche Situation, die hier thematisiert wird, ein aktuelles Thema. In einer Leistungsgesellschaft muss jeder seinen Betrag leisten, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Die beiden Figuren Lara und Clemens geben ihr bestes, um beruflich voranzukommen. Allerdings sind beide ebenfalls jung und unerfahren. Es ist bitter und emotional zugleich diese beiden Figuren anzufeuern.

Insgesamt ist Love Steaks ein deutscher Überraschungshit, der dank einer kreativen Regie, einem guten Setting und vor allem aufgrund zweier sympathischer Figuren unbedingt anzusehen ist.

Bewertung

Bewertung_8

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Informationen
Love Steaks (2013)
89 min|Comedy, Drama, Romance|27 Mar 2014
6.2IMDB-Wertung: 6.2 / 10 von 1,479 Nutzern
Ein Luxushotel. Steaks werden gebrutzelt. Speckröllchen massiert. Clemens (zart) kommt als Frischling in den Wellnessbereich. Lara (gut durch) muss sich im Küchenrudel behaupten. Der Fahrstuhl bringt die beiden zusammen. Sie reiben sich aneinander, bis es knallt.
30th Apr2018

Avengers: Infinity War (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Avengers: Infinity War

Der Titan Thanos (Josh Brolin) befindet sich auf der Suche nach den sechs Infinity Steinen. Diese entstanden mit dem Urknall und stehen jeweils für verschiedene Aspekte des Universums. Zusammengesetzt sind sie die mächtigste Kraft im Universum, welche mit Hilfe des Infinity Gauntlet von nur wenigen Lebewesen kontrolliert werden kann. In den Händen Thanos‘ könnte dies das Ende der alten Ordnung bedeuten.

Marvel Studios' AVENGERS: INFINITY WAR

L to R: Okoye (Danai Gurira), Black Panther/T'Challa (Chadwick Boseman), Captain America/Steve Rogers (Chris Evans), Black Widow/Natasha Romanoff (Scarlet Johansson) and Winter Soldier/Bucky Barnes (Sebastian Stan)

Photo: Chuck Zlotnick

©Marvel Studios 2018 Er plant der Überbevölkerung des Universums entgegenzuwirken, indem er die Hälfte jeder Spezies vernichtet. Bereits in seinem Besitz befinden sich zwei Infinity Steine und auch die anderen sind schon zum Greifen nahe. Er attackiert das Raumschiff Thors (Chris Hemsworth) und überwältigt Loki, um einen weiteren Infinity Stein zu bekommen. Der mitreisende Passagier Hulk (Mark Ruffalo) kann in letzter Sekunde mit der Hilfe von Heimdall (Idris Elba) auf die Erde fliehen.

Dort berichtet er Doctor Strange und Iron Man, dass Thanos in Kürze die Erde erreichen wir, denn dort befinden sich derzeit zwei weitere Infinity Steine. Der Stein der Zeit ist im Besitz von Doctor Strange und der Gedankenstein in den Händen von Vision (Paul Bettany), der sich in ein Exil begeben hat.

Die Zukunft der Galaxis liegt abermals in den Händen der Avengers, die sich zusammenraufen und einen scheinbar unbesiegbaren Gegner bezwingen müssen.

Avengers : Infinity War ist der dritte Teil der Avengers-Reihe und der insgesamt 19. Teil des Marvel Cinematic Universe, welches vor 10 Jahren mit dem Film Iron Man startete. Die Regie übernahmen wie bereits bei The Return of the First Avenger und The First Avenger: Civil War die Russo-Brüder. Das Drehbuch wurde offiziell von Christopher Markus und Stephen McFeely verfasst, wobei noch eine Vielzahl weiterer Autoren an dem Film beteiligt war.

Marvel Studios' AVENGERS: INFINITY WAR

Thanos (Josh Brolin)

Photo: Film Frame

©Marvel Studios 2018 Die Erwartungshaltung war, gemessen an den bisherigen Filmen des Marvel Cinematic Universe, eher mittelmäßig, da fast alle vorherigen 18 Filme die gleichen Probleme und eine standardisierte Strategie verfolgten. Dennoch ist das Aufeinandertreffen von diesem Übermaß an Comic-Charakteren mit Spannung zu erwarten gewesen. Nach zweieinhalb Stunden ist das Urteil allerdings deutlich unausgeglichener, als bei allen vorherigen Marvel-Filmen. Problematisch dabei vor allem, dass das Werk als erster von zwei Teil angesehen werden muss und ein finales Fazit somit erst 2019 möglich sein wird.

Die vielen Charaktere werden wie in einer Serie oder einem Episodenfilm gezeichnet, sodass kein gemeinsamer Handlungsfluss entstehen kann. Positiv ist jedoch vorweg anzumerken, dass viele Figuren ihre Momente bekommen. Einige Figuren allerdings bekommen diesen nicht und müssen lediglich als Platzhalter herhalten. Vergleichbar mit Civil War ist die Vielzahl von Akteuren ein Problem des Films, welches die Tiefe raubt.

Allerdings konzentrierte sich Civil War noch auf die richtigen Momente, was bei Infinity War abschließend nicht mehr behauptet werden kann. Die Story wirkt abgeschnitten und eine einheitliche Struktur ist nicht erkennbar.

Des Weiteren sind die Dialoge überraschend schwach und weitere Drehbuchschwächen sorgen für einen Verwurf von erstaunlicherweise vorhandenen, emotionalen Momenten, die bisherige Marvel Filme vermissen ließen. Jegliche Gefühle, die ein Zuschauer vielleicht anhand einiger Situationen entwickelt, werden durch die für Marvel-Filme typischen Gags wieder verworfen und zur Nebensächlichkeit erklärt. Der Versuch einer dunklen Stimmung wie bei Christopher Nolans Batman-Trilogie scheitert kläglich.

Marvel Studios' AVENGERS: INFINITY WARL to R: Spider-Man/Peter Parker (Tom Holland), Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.), Drax (Dave Bautista), Star-Lord/Peter Quill (Chris Pratt) and Mantis (Pom Klementieff)Photo: Film Frame©Marvel Studios 2018 Fraglich ist hierbei, ob diese mangelnde Ernsthaftigkeit weiter ein zentraler Bestandteil von Comic-Verfilmungen sein sollte. Viele Szenen haben gezeigt, dass eine Balance zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit möglich ist. Dennoch schafft es Avengers: Infinity War nicht der Spirale aus platten Witzen und oberflächlichen Dialogen zu entkommen. Aber anscheinend wird diese Kopf-Aus-Unterhaltung ja von der Masse gewollt.

Die größten Stars des Infinity War sind die Guardians of the Galaxy, die hier zwar wieder einmal überzeugen können, aber in ihren Sequenzen etwas sehr flach dargestellt werden. Außerdem ist der schauspielerische Aspekt des Films stark zu kritisieren. Namhafte Hollywood-Schauspieler müssen ihren Figuren anhand von hölzernen Dialogen und teilweise viel zu kurzen Momenten Leben einhauchen. Dies gelingt im Großen und Ganzen nicht, ohne die vorhergegangen Solo-Ableger des MCU gesehen und in Erinnerung zu haben.

Lediglich Josh Brolin kann sich als mächtiger Thanos beweisen, indem er seiner Figur Lebendigkeit verschafft und endlich mal ein Bösewicht mit Hintergrund ist, der zu überzeugen weiß. Er ist zwar kaum zu durchschauen aber hebt sich deutlichst von den eindimensionalen Bösewichten ab, welche einem sonst aufgetischt werden.

Insgesamt ist Avengers: Infinity War ein unkonzentrierter Versuch, dem Überdruss von Comic-Helden ein letztes, würdiges Aufeinandertreffen zu gewähren und gleichzeitig eine neue Generation der Marvel-Helden in den Vordergrund zu spielen. Trotz überraschenden Emotionen, dem erwarteten Effekt-Spektakel und düsteren Aussichten folgt der Film seinen guten Ansätzen nicht mit absoluter Konsequenz und kann den Zusatz „standardisiertes Kino“ der Marvel-Filme keinesfalls abwerfen.

Bewertung

Bewertung6

Trailer

Informationen
Avengers: Infinity War (2018)
149 min|Action, Adventure, Sci-Fi|27 Apr 2018
8.5IMDB-Wertung: 8.5 / 10 von 612,147 Nutzern
Der mächtige Titan Thanos hat es sich zur Aufgabe gemacht das halbe Universum auszulöschen. Um diesen perfiden Plan Realität werden zu lassen, benötigt er allerdings zuerst alle sechs Infinity-Steine, die ihm in Verbindung mit einem speziell gefertigten Handschuh, gottgleiche Kräfte verleihen...
08th Apr2018

Molly’s Game (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Molly's Game

Molly Bloom (Jessica Chastain) ist eine ambitionierte Skifahrerin und träumt von einer Olympischen Medaille. Allerdings muss sie ihre Karriere sowie ihren Traum nach einem schweren Sturz und erlittener Rückenverletzung frühzeitig begraben.

mollysgame_1 Sie wagt einen Neuanfang in Los Angeles und hält sich zunächst mit kleinen Aushilfsjobs über Wasser. Auf einer Party wird sie von Dean (Jeremy Strong) angesprochen, ob sie als seine Assistentin Pokerabende leiten möchte. Sie willigt ein und lernt prominente Schauspieler, Unternehmer und Sportler kennen. Schnell taucht sie in die illegale Welt der Karten ein!

Die meisten der Teilnehmer sind Zocker, die den perfekten Adrenalin-Kick suchen. Molly erhöht die Einsätze am Tisch und veranstaltet mittlerweile eigene Pokerrunden. Dies schafft sie jedoch nur dank der netten Unterstützung von Spieler X (Michael Cera), der scheinbar andere Ziele verfolgt als die gewöhnlichen Glücksspieler.

Als Molly eines Nachts von schwer bewaffneten FBI-Agenten festgenommen wird, bedeutet dies das Ende ihrer kriminellen Karriere. Doch sie setzt alles auf eine Karte.

Molly’s Game ist das seit Langem erwartete Regiedebüt von Oscar-Preisträger Aaron Sorkin, der die Drehbücher für namhafte Filme, unter anderem The Social Network (2010), Die Kunst zu gewinnen – Moneyball (2011) und Steve Jobs (2015), verfasste.

Bei seinem neuesten Werk war er nun erstmals für Drehbuch und Regie verantwortlich. Vorweg sei gesagt, dass Molly’s Game ein außerordentlich mitreißender, schlagfertiger und anspruchsvoller Film ist, der durch ein fantastisches Drehbuch mit zauberhaften Dialogsequenzen hervorsticht und alleine deshalb wärmstens zu empfehlen ist.

mollysgame_2 Die wahre Geschichte einer ehemaligen Skifahrerin, die nach Los Angeles zieht und einen persönlichen Neuanfang wagt, wird mit einem Ausflug in die von Macht dominierte Seite Los Angeles veranschaulicht. Bei den abendlichen Pokerrunden treffen sich die bekanntesten Gesichter Amerikas und Molly Bloom scheint ahnungslos zu sein, welche Rolle sie als Leiterin der Runde eigentlich inne hat.

Aaron Sorkins Drehbücher spielen oft mit der Frage nach Autorität, Macht und Reichtum. In diesem Film wird eine vielschichtige und breite Geschichte erzählt, die unterhaltsam und unüblich inszeniert wird. Sorkin legt aus guten Gründen viel Wert auf messerscharfe Dialoge, die einen elementar wichtigen Bestandteil des Films darstellen. Der Zuschauer wird hierbei aufgefordert aufzupassen und hat kaum Möglichkeiten zu entspannen. Bei einer Gesamtdauer von 140 Minuten ist dies teilweise etwas schwer, da die Kraft der Dialoge unfassbar stark ist und nie an Vielschichtigkeit verliert.

Einzig bei Passagen, während denen der Spannungsaufbau leicht abnimmt und die Figuren im Film eher ruhig auftreten, kann sich der Zuschauer für einen kleinen Moment in seinem Sitz zurücklehnen und wieder auf die nächste Flutwelle der Wortgefechte lauern.

Sorkins erste Regiearbeit ist durchaus gelungen, da er durch eine hohe Konzentration die starken Momente herauskitzelt. Außerdem begleitet den Film ein angenehmer Schnitt, welcher die Worte perfekt mit Ereignissen anpasst und eine unterhaltsame Inszenierung fördert. Neben diesen meisterhaften Arbeiten überzeugen auch die Darsteller Jessica Chastain und Idris Elba.

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Jessica Chastain spielt wie schon in Die Erfindung der Wahrheit (2016) eine harte Frau, die ihre innere Gebrochenheit nie nach außen hin zeigen möchte. Sie ist glaubwürdig, gut besetzt und sehr kraftvoll. Ihre Präsenz ist essentiell für den Erfolg des Filmes, da sie die Gefühle der Protagonistin überzeugend darbietet und in jeder Szene Präsenz ausstrahlt.

Ihr männlicher Schauspielkollege Idris Elba liefert in der Rolle ihres Anwalts ebenfalls eine durchweg überzeugende Rolle ab. Besonders in zwei Sequenzen zeigt er durch eine charismatische und intensive Interpretation seiner Rolle sein gesamtes schauspielerisches Vermögen.

Besonders sympathisch an Molly’s Game ist seine Konzentration auf die grundlegenden Eigenschaften des Filmschaffens: eine gute Besetzung, ein starkes Drehbuch und eine konzentriert geführte Regie. Über die komplette Laufzeit kommt der Film ohne weltbewegende Ereignisse, Verfolgungsjagden oder Spezialeffekte aus und dies ist in der heutigen Zeit ohne Zweifel eine hohe Kunst.

Teilweise erinnert der Film an die Filme Casino (1995) von Martin Scorsese und The Big Short (2015) von Adam McKay. Mit der berühmten Lupe betrachtet, könnte man das zu kitschige Ende kritisieren. Es passt nicht komplett zu den vorhergegangen Ereignissen, lässt den Film trotz alledem zu einem befriedigenden Ende kommen.

Für Menschen, die intensive und berieselnde Unterhaltung lieben und ihren Kopf auf Durchzug stellen wollen, ist dieser Film nicht geeignet, da er schon eine hohe Aufmerksamkeitsgabe beansprucht. Für anspruchsvolleres Publikum ist Molly’s Game ein intelligenter, spannender und kreativer Film über eine Pokerrunde, die von Macht und Gier geprägt ist. Die überragende Jessica Chastain und die scharfen Dialoge machen den Film zu einem Must-See des Jahres 2017.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Aaron Sorkin
Drehbuch: Aaron Sorkin
Musik: Daniel Pemberton
Darsteller: Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner, Michael Cera, Jeremy Strong, Chris O’Dowd, Bill Camp

Bewertung

Bewertung_8

01st Apr2018

King Arthur: Legend of the Sword (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

King Arthur

Das stolze Schloss Camelot steht unter Belagerung. Die aufmarschierende Armee und der drohende Untergang kann von König Uther (Eric Bana) nur mit Hilfe seines legendären Schwertes Excalibur zurückgeschlagen werden.

kingarthur_1 Allerdings verrät ihn sein Bruder Vortigern (Jude Law) hinterhältig. Dieser nutzt die Kraft der schwarzen Magie, um den König und seine Frau zu ermorden. Der Sohn des Königs, Arthur, kann jedoch in letzter Sekunde auf ein Boot gerettet werden und entkommen.

Das mächtige Schwert sinkt gemeinsam mit dem in Stein gemeißelten Uther auf den Grund des Flusses. Das Schicksal des Königreichs liegt jetzt in den Händen des jungen Arthurs, der nichts von seiner eigenen Vergangenheit weiß und von Prostituierten großgezogen wird.

Als er endlich erwachsen ist, beschließt das Königreich eine weite Suche nach dem Sohn des Königs. Viele Männer werden zur Stelle des in Stein gemeißelten Schwertes gebeten. Arthur zieht es aus dem Stein und die legendäre Geschichte von King Arthur (Charlie Hunnam) nimmt seinen Lauf.

King Arthur:Legend of the Sword ist ein britischer Fantasy-Film aus dem Jahre 2017. Die Regie übernahm Guy Ritchie, der durch die Filme Bube, Dame, König, grAS und Snatch – Schweine und Diamanten berühmt wurde.

kingarthur_2 Die Geschichte von König Artus ist eine der bekanntesten Sagen aus des europäischen Mittelalter. Verfilmt wurde die Thematik selbst innerhalb der letzten 15 Jahre vielfach. Training Day-Regisseur Antoine Fuqua inszenierte 2003 King Arthur, 2007 erschien Die letzte Legion und 2010 wurde Duell der Magier, mit dem Zauberer Merlin als Nebenfigur, veröffentlicht.

Diese starke Konzentration einer scheinbar äußerst beliebten Legende ist unter anderem dafür verantwortlich, dass die neueste Version von König Artus nicht überzeugen kann. Regisseur Ritchie setzt auf seine gewohnte Art von Dialogen, die selten so abgenutzt und deplatziert wirkten wie in dieser Verfilmung einer Legende. Über die gesamte Laufzeit von 127 Minuten ist es anstrengend den vielen schnellen Schnitten und Nacherzählungen einer Situation zu folgen.

Es entsteht kein einheitlicher Rhythmus, so dass der Unterhaltungsfaktor erheblich gestört wird. Die visuelle Darbietung und die vielen Elemente eines King-Arthur-Films wurden zwar zufriedenstellend umgesetzt und der Soundtrack sorgt zumindest zwischenzeitlich für gehobene Stimmung, allerdings verpufft diese kurze stimmliche Anhebung schnell, denn der Film verfängt sich in zu vielen kleinen Nebensächlichkeiten, die für den Handlungsfortschritt nicht erforderlich gewesen wären.

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Die Herangehensweise von Guy Ritchie hätte mit einer kürzeren und besseren Bündelung der Handlungsstränge zu einem ansehnlicheren Werk beigetragen. Des Weiteren ist der Gegenspieler King Arthurs durch den britischen Darsteller Jude Law nicht optimal besetzt. Jeder seiner Schritte wirkt vorhersehbar und über weite Strecken auch unglaubwürdig dargeboten.

Hauptdarsteller Charlie Hunnam, der zuvor durch die Serie Sons of Anarchy oder durch den Blockbuster Pacific Rim bekannt wurde, überzeugt hingegen als wahrer Thronfolger des Königreichs. Er gibt seiner Rolle die physische Präsenz und überzeugt auch in Wortgefechten mit seinen Gegnern.

Die Kampfszenen sind sehr CGI-lastig und über weite Strecken akzeptabel. Anhand vieler kleiner Momente wird das Potenzial einer Artus-Saga deutlich, in welchen die mystische Welt des Mittelalters vorgestellt wird. Dennoch wird der Film seinem Potenzial nicht gerecht und es gibt besonders in der zweiten Hälfte wenig Überzeugendes zu bewundern.

Für Fans der Legende wird der Film zwar ausreichen, aber in einer Welt voller Filme und Serien rutscht dieser 175$ Millionen teure Versuch Guy Ritchies in cineastischen Durchschnitt ab. Mit viel Wohlwollen könnte man gute zwei Stunden verbringen ohne viel nachzudenken, die aber nach weniger Tagen wieder vollkommen aus dem Gedächtnis verschwunden sind.

Insgesamt ist King Arthur ein misslungener Versuch die altbekannte Legende wieder auftauen zu lassen und die geplanten Fortsetzungen ersticken bereits im Keim.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Joby Harold
Musik: Oneohtrix Point Never
Darsteller: Charlie Hunnam, Àstrid Bergès-Frisbey, Djimon Hounsou, Aidan Gillen, Jude Law, Eric Bana

Bewertung

Bewertung_5