12th Nov2015

Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 (2015) | Filmkritik

von MaryChloe

Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2

Ladies und Gentlemen, willkommen zu den 76. Hungerspielen! In Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 setzt Katniss (Jennifer Lawrence) den Kampf gegen Präsident Snow (Donald Sutherland) und die diktatorische Regierung des Kapitols fort. Aus dem Aufstand ist ein Bürgerkrieg entstanden, den die von Alma Coin (Julianne Moore) angeführten Rebellen nur gewinnen können, wenn sie Snows militärische Kommandozentrale und Waffenvorräte in Distrikt 2 erobern. Als Gesicht der Rebellion soll Katniss dabei helfen, die regierungstreue Bevölkerung des Distrikts auf ihre Seite zu ziehen.

dietributevonpanem_mockingjay_teil2_1 Katniss erkennt bald, dass sie von Coin als Propagandainstrument ausgenutzt wird. Peeta (Josh Hutcherson) erholt sich indessen nur langsam von den Torturen Snows. Als Opfer einer Gedankenmanipulation ist er nun darauf programmiert, Katniss zu töten. Dies bestärkt sie umso mehr darin, den Präsidenten persönlich umzubringen.

Entgegen Coins Anweisungen begibt sie sich mit einer kleinen Einheit auf eine geheime Mission auf den Weg ins Kapitol. Zu der Elitetruppe an ihrer Seite gehören neben Gale (Liam Hemsworth), Finnick (Sam Claflin) und Cressidas (Natalie Dormer) Film-Crew auch der nach wie vor unberechenbare Peeta. Unter der Leitung von Boggs (Mahershala Ali) und Jackson (Michelle Forbes) landet der Trupp schließlich in den mit tödlichen Fallen übersäten Straßen des Kapitols. Die zu überwindenden Gefahren und die schweren Entscheidungen, die getroffen werden müssen, werden zu einer größeren Herausforderung als alles, was Katniss bisher in den Arenen der Hungerspiele bewältigen musste.

Und während Katniss als Spotttölpel für die Rebellion langsam ausgedient zu haben scheint, bereitet sich auch Präsident Snow auf die entscheidende Schlacht vor.

dietributevonpanem_mockingjay_teil2_2 Auch jede noch so mitreißende Geschichte, die uns über mehrere Jahre begleitet und nach jedem Teil sehnsüchtig auf die Fortsetzung warten lässt, hat irgendwann mal ein Ende. Regisseur Francis Lawrence fährt beim letzten Teil der Panem-Saga noch einmal alle Geschosse aus und überlässt diesmal nichts dem Zufall. Die Prozedere der Zweiteilung des letzten Teils erfolgreicher Buchadaptionen ist bereits bekannt und dürfte Produktionsseite und Fans gleichermaßen freuen – so ein Abschied fällt nun einmal schwer. Zudem beweist Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2, dass ein Film nicht automatisch unter solch einer Aufsplittung leiden muss. Der letzte Teil profitiert vor allem davon, tiefer in die Geschichte eintauchen zu können. Doch selbst 137 Minuten für den letzten Teil der Reihe scheinen nicht genug. In altbekannter Panem-Manier jagt ein großes Ereignis das nächste, Zuschauern und Darstellern sind nur wenige Atempausen geboten.

Die in Mockingjay Teil 1 vielerseits vermisste Arena als Hauptschauplatz der Geschichte wird in diesem letzten Film wieder in Szene gesetzt und nimmt eine neue, noch schauderhaftere Gestalt an: Als Katniss mit ihrem Team durch das Kapitol einen Weg zu Snow sucht sind überall tödliche Fallen verborgen, eine grausamer als die andere. Die aufwendig gestalteten Locations und wirkungsvollen Spezialeffekte sorgen für ein actionreiches Kinoerlebnis. Klaustrophobischer Höhepunkt bilden die Kampfszenen unter der Erde, in denen echsenartige Monster nach dem Leben der Gruppe trachten. Wie in den vergangenen Arenen herrscht das packende Gefühl von ständiger Gefahr und ungeahnten Wendungen vor.

dietributevonpanem_mockingjay_teil2_3 Die Szenerie sowie die Thematik wurden im Laufe der Verfilmungen immer düsterer. Während es in Teil eins um zwei Dutzend Kinder in einer Arena ging, was grausam genug ist, und der Kampf um Freiheit symbolhaft ausgefochten wurde, weitet sich das grauenhafte Ausmaß im letzten Teil auf eine ganze Nation aus. Im Kampf gegen das Kapitol steht die gesamte Zukunft von Panems Bevölkerung auf dem Spiel.

Zwar verzichten die Macher nicht auf ein paar berüchtigte Szenen rund um das Dreiecks-Liebes-Debakel zwischen Katniss, Gale und Peeta, doch diese geraten vor den sich überschlagenden Ereignissen schnell in den Hintergrund. Dass Peeta durch die Manipulation des Kapitols Realität und Täuschung nicht mehr auseinander halten kann, treibt Katniss Willen, Snow zu töten, nur noch mehr an. Durch diesen Willen widersetzt sie sich jedem Befehl. Essentiell für die Story ist ebenfalls der aufkeimende Konflikt zwischen Katniss und Gale. Während dieser keine Skrupel hat, auch Zivilisten zu opfern, hadert Katniss mit dieser Entscheidung. Sie wird von Zweifeln geplagt und sträubt sie sich gegen ihre Instrumentalisierung. Hier obliegt es dem Zuschauer sein eigenes Urteil über Richtig und Falsch zu fällen. Diese moralischen Fragen zählen zu den Stärken des ansonsten actionreichen Films.

dietributevonpanem_mockingjay_teil2_4 Währenddessen werden die anfangs deutlich erkennbaren Grenzen von Snow und Coin immer unklarer und es kristallisieren sich Gefahren aus Katniss eigenen Reihen heraus. Vor allem Donald Sutherland (Outbreak – lautlose Killer) und Oscarpreisträgerin Julianne Moore (Still Alice) können der trotz verhältnismäßig kurzer Auftritte das Widersprüchliche aus ihren Charakteren herausholen. Da der Hauptcast in Mockingjay Teil 1 keine Verluste hinnehmen musste, kann Teil zwei erneut von seinem durchweg talentierten Cast profitieren. Die ein bis zwei Auftritte der charismatischen Hollywoodgrößen Woody Harrelson (No Country For Old Men), Stanley Tucci (Der Teufel trägt Prada) oder Elisabeth Banks (Spider-Man) tragen zwar nicht wesentlich zur Handlung bei, bilden jedoch die einzigen Lichtblicke und kleinen Schmunzelmomente in der sonst durchweg düsteren Szenerie. Ebenfalls ist die Rolle von Schauspiel-Legende Philip Seymour Hoffman, der 2014 kurz vor Ende der Dreharbeiten starb, deutlich geschrumpft.

Die Panem-Trilogie von Suzanne Collins zählt zu den größten Buchhits der letzten Jahre. Die vier Verfilmungen beweisen eindrücklich, dass die Adaptionen nicht immer zwingend schlechter sein müssen als die Vorlage. Francis Lawrence bewegt sich in den meisten Szenen extrem nah am Buch und hat teilweise ganze Dialoge daraus übernommen. Hier könnten sich Meinungen von Bücherkennern und Nichtkennern spalten. Doch auch die Kenntnis der Bücher wird einige Tränen und Gänsehautmomente nicht verhindern können.

Vom Überlebenskampf einer einzelnen entwickelt sich die Geschichte zum Freiheitskampf einer ganzen Nation. Der letzte und alles entscheidende Teil der Hungerspiele ist ein spannender, actionreicher und emotional mitreißender Film, dessen talentierter Cast ihm eine glaubwürdige Intensität verleiht. Erst in den letzten 20 Minuten sinkt das Erzähltempo und der Film nimmt sich viel Zeit, die Saga zu einem Ende zu bringen. Auch wenn die letzte Szene nicht ganz den Ton des Buches und die eigentliche Atmosphäre getroffen hat, ist Mockingjay 2 ein würdiger Abschluss, der die Anforderungen der Panem-Fans erfüllen wird.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Francis Lawrence
Drehbuch: Danny Strong, Peter Craig
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Julianne Moore, Philip Seymour Hoffman, Jeffrey Wright, Stanley Tucci, Donald Sutherland

Bewertung

Bewertung_9

30th Sep2015

Alles steht Kopf (2015) | Filmkritik

von MaryChloe

Alles steht Kopf

Jeder von uns wüsste oftmals zu gerne, was gerade im Kopf unserer Mitmenschen vorgeht: Warum sie plötzlich ohne Grund auflachen, weshalb Ihnen Ohrwürmer im Kopf schwirren oder wie aus schlechter Laune im Nu wieder eine gute wird.

allesstehtkopf_1 Pixar liefert eine ganz eigenwillige und fantasievolle Interpretation, die mit Alles steht Kopf auch die Köpfe der Kinozuschauer verdrehen wird: In jedem Kopf sitzen personifizierte Emotionen, die mehr oder weniger gemeinschaftlich entscheiden, wie sich die Person, die sie bewohnen, als nächstes verhält.
Die 11-jährige Riley ist eigentlich ein ganz normales Mädchen. Sie lebt glücklich in einer ländlichen Gegend von Minnesota, bis sie plötzlich aus ihrem bisherigen Leben gerissen wird, als ihr Vater einen neuen Job annimmt.

Die Familie zieht nach San Francisco und schon bald gerät die sorgsame Balance zwischen den fünf Gefühlen im Kontrollzentrum von Rileys Verstand aus den Fugen: Freude (Amy Poehler) versucht, in allem das Positive zu sehen, doch Angst (Bill Hader), Wut (Lewis Black), Ekel (Mindy Kaling) und Kummer (Phyllis Smith) erlangen immer mehr die Überhand. Die Gefühle sind sich uneins darüber, wie sie das Mädchen am besten durch den veränderten Alltag navigieren sollen. Sie entwickeln in Riley ein fragwürdiges Eigenleben, sehr zum Erstaunen ihrer Eltern.

Als sich Freude und Traurigkeit dann auch noch in den Weiten ihres Langzeitgedächtnisses verlaufen, müssen sie schnell ins Kontrollzentrum zurückfinden, sonst könnte Riley eine große Dummheit begehen. Bald treffen die beiden verirrten Gefühle Rileys imaginären Freund Bing Bong (Richard Kind) und der hat eine gehörige Ladung guter Laune im Gepäck.

Gemeinsam versuchen sie, das Leben von Riley wieder ins Gleichgewicht zu bringen, damit sie auch in ihrer neuen Heimat endlich Freunde finden kann. Aber der Weg durch Träume und Gedanken zurück in die Zentrale ist lang und voller Hindernisse…

allesstehtkopf_2 Die Idee kam Regisseur Pete Docter (Oben) vor einigen Jahren, als seine elfjährige Tochter Elie immer stiller und verschlossener wurde und er sich fragte, was in ihrem Inneren vorginge. Daraus entwickelte er die Story über Emotionen eines Mädchens, die in ihrem Kopf Konflikte austragen, ohne dass ihre Eltern verstehen können, was mit ihrer Tochter gerade passiert. Einzelne Szenen entspringen direkt seinem Privatleben.

Als Baby Riley zum ersten Mal die Augen öffnet und das Licht der Welt erblickt, erwachen auch die Emotionen in ihr zum Leben. Doch die Freude bleibt nicht lange allein. Schon bald gesellt sich Kummer zu ihr und aus dem strahlenden Baby wird ein Schreihals. Hinzu kommen Ekel, der den Babybrei wieder ausspucken lässt, Wut, wenn sie beispielsweise zu früh ins Bettchen muss sowie Angst vor Monstern unterm Bett. Herrlich anzusehen ist ebenso, wie die Eltern versuchen zu kommunizieren, die Emotionen des Vaters allerdings in Sport-Tagträume abdriften und die der Mutter einen feurigen Brasilianer anhimmeln.

Die gesamte Story ist selten originell. Es ist jedoch wunderbar unterhaltsam dabei zuzuschauen, wie sich die einzelnen Emotionen meist uneinig sind, wie jeder zu Wort kommen möchte und somit ganz ungeahnte Reaktionen von Riley entstehen, die sie manchmal selbst gar nicht einordnen kann.

Die innere und äußere Geschichte, die der Film erzählt, ist amüsant und verständlich miteinander verbunden. Auf jeden Knopfdruck von einer der Emotionen folgt eine Handlung, die teils unerwartete Konsequenzen hat. Doch als sich Freude und Kummer im Langzeitgedächtnis von Riley verlaufen, sitzen Ekel, Wut und Angst allein am Hebel und die Situation gerät allmählich außer Kontrolle.

allesstehtkopf_3 Eine Woche nach dem Start von Jurassic World landete Alles steht Kopf auf Platz 2 der US-Kinocharts. Damit ist es der erste Pixar-Film, der nicht auf Platz 1 startete. Doch das soll nichts heißen, denn einen Monat nach dem Kinostart hatte der Film weltweit bereits über 630 Mio. US-Dollar eingespielt. Pete Docter ist bekannt als Autor und Regisseur einiger gekrönter Animationsfilme des Pixar Studios. Zu seinen bisherigen Erfolgen zählen Oben (2009), für den er den Oscar als bester Animationsfilm gewann, Die Monster AG (2001), die Filme von Toy Story (1995-1999) und Wall-E (2008).

Insgesamt war er für seine Arbeit als Drehbuchautor und Regisseur schon sechsmal für den Oscar nominiert. Und auch für Alles steht Kopf sollten die Chancen auf die goldene Statue nicht schlecht stehen. Produktionsdesigner Ralph Eggleston arbeitete fünfeinhalb Jahre an Alles steht Kopf, das laut eigener Aussage der längste Zeitraum sei, den er an einem Film gearbeitet hat – und auch der anstrengendste.

Die Drehbuchautoren zogen insgesamt 27 Emotionen als Hauptfiguren in Betracht. Damit die Geschichte nicht unübersichtlich wird, einigte man sich auf fünf. Nicht berücksichtigt wurden zum Beispiel Stolz, Überraschung oder Vertrauen. Das Gedächtnis von Riley wurde mit unglaublich viel Liebe und Details ausgestattet. Tief im Inneren arbeiten zahlreiche Helfer, die Rileys Gedanken ordnen und bewahren, und auch der gefürchtete Clown aus der Kindheit treibt noch sein Unwesen darin. Darüber hinaus verbinden riesige Inseln das Langzeit- mit dem Kurzzeitgedächtnis und stellen die Charakterzüge dar, die Riley zu dem Menschen machen, der sie ist.

allesstehtkopf_4 Das Filmteam hat freudigen und traurigen Erinnerungen, Schlüsselmomenten und der verwirrenden menschlichen Gedächtnislandschaft ein farbenfrohes und einprägsames Aussehen gegeben und nach dem Film ist sich nun jeder bewusst, weshalb uns alte Lieder plötzlich wieder in den Sinn kommen oder viele von uns Spinat nicht mögen. Alles steht Kopf zeigt durch die Einblicke in Rileys Gefühls- und Gedankenwelt, wie turbulent das Erwachsenwerden für einen Menschen ist. Dabei wird deutlich vermittelt, dass jedes Gefühl seine Notwendigkeit hat und wie wichtig es ist, dass Kinder diese Emotionen erleben. Natürlich sollte es nicht außer Kontrolle geraten, so wie in dieser besonderen Geschichte.

Die ganz jungen Zuschauer werden nicht alle Themen verstehen, denn einige sind äußerst komplex. Trotzdem ist der Film für Kinder ein actionreiches Spektakel und Erwachsene dürfen sich den tiefenpsychologischen Hinweisen erfreuen.

Wie so oft wird auch am Ende ein Sequel offen gelassen, Stoff zur Fortsetzung gibt es sicher reichlich. Alles steht Kopf ist ein kreativer, witziger und lehrreicher Appell an alle Menschen, mehr Freude in ihren Kopf zu lassen. Auch wenn sich die aufwändige Erzählweise eher an ein erwachsenes als an ein junges Publikum richtet, werden Jung und Alt teils vor Freude kreischen und nicht selten zu Tränen gerührt.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Pete Docter, Ronaldo del Carmen
Drehbuch: Pete Docter
Musik: Michael Giacchino
Stimmen: Kaitlyn Dias, Amy Poehler, Bill Hader, Lewis Black, Mindy Kaling, Phyllis Smith, Richard Kind
dt. Stimmen: Hans-Joachim Heist, Olaf Schubert, Bettina Zimmermann, Kai Wiesinger, Katja von Garnier, Dietmar Bär

Bewertung

Bewertung_9

27th Aug2015

Das Märchen der Märchen (2015) | Filmkritik

von MaryChloe

Das Märchen der Märchen

Das Märchen der Märchen setzt sich aus drei Teilen zusammen, die von drei verschiedenen Königreichen und deren heiklen Angelegenheiten handeln: Im Segment The Queen können sich die Gaukler und Akrobaten noch so sehr ins Zeug legen: Die Königin (Selma Hayek) ist einfach nicht amüsiert, denn alles was sie will, ist ein Baby. Doch um das zu bekommen, müsste ihr Gemahl (John C. Reilly) zunächst ein Seeungeheuer erlegen und dessen Herz anschließend von einer Jungfrau kochen lassen. Die Königin isst schließlich das Herz – mit ungeahnten Auswirkungen.

dasmaerchendermaerchen_1 Der König von Highhills (Toby Jones) interessiert sich im zweiten Märchen The Flea mehr für seine Insektensammlung als für den Heiratswunsch seiner Tochter Fenizia (Jessie Cave). Er hegt und pflegt sein geliebtes Haustier, einen Floh, so dass dieser zu einer gigantischen Kreatur heranwächst. Mit einem Quiz soll ein Gemahl gefunden werden, doch statt eines schmucken Prinzen beantwortet ein hässlicher Oger die eigentlich unmöglich zu lösende Frage.

Die dritte Erzählung The Two Old Women folgt dem sexbesessenen König von Strongcliff (Vincent Cassel) bei den Nachstellungen der zwei mysteriösen Schwestern Imma (Shirley Henderson) und Dora (Hayley Carmichael). Er hat sich in eine liebreizende Stimme verliebt, doch ahnt nicht, dass diese der hässlichen Dora gehört. Im Dunkeln gibt sie sich dem König hin, dessen Neugier ihm jedoch keine Ruhe lässt, bis er sie bei Licht erblickt.

Königreiche müssen nicht immer miteinander verfeindet sein, Krieg führen und durch eine Intrige nach der anderen ihre Macht festigen, wie man das aus Game of Thrones kennt. Vor allem nicht, wenn jedes seine ganz eigenen Herausforderungen zu bewältigen hat. Das Märchen der Märchen basiert auf drei italienischen Erzählungen aus der Sammlung Il Pentamerone von Autor und Poet Giambattista Basile. In seinen Geschichten und Fabeln aus dem 17. Jahrhundert trug er frühe Versionen von Märchenklassikern wie Dornröschen, Rapunzel und Aschenputtel zusammen. In diesen Film ließen die vier Drehbuchautoren Edoardo Albinati, Matteo Garrone, Massimo Gaudioso und Ugo Chiti auch weitere Elemente anderer Fabeln mit einfließen.

dasmaerchendermaerchen_2 Für den italienischen Filmemacher und Maler Matteo Garrone ist Das Märchen der Märchen der erste englischsprachige Film, der unter seiner Regie entstand. Im Mai 2015 feierte er bei den Filmfestspielen in Cannes seine Weltpremiere und ging in das Rennen um die Goldene Palme. Für sein Mafia-Doku-Drama Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra und die durchwachsene Mediensatire Reality wurde er in Cannes 2008 und 2012 jeweils mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Beim dritten Cannes Besuch blieb ein Preis zwar aus, dafür war er mit seinem Filmbeitrag umso mehr im Gespräch.

Dass die eigentümlichen Haustiere und geheimnisvollen Leidenschaften der Protagonisten zunächst befremdlich wirken, ändert sich auch im Verlauf der Handlung nicht. Jede Geschichte ist auf ihre Weise absurd und damit außergewöhnlich unterhaltsam. Gemeinsam ist den beiden Königen und der Königin nur ihre Neigung zum Unnatürlichen: ein Kind auf unnatürlichem Weg, ein übernatürlich großer Floh und die animalische Begierde nach einer Frauenerscheinung.

dasmaerchendermaerchen_3 Die Hauptrollen wurden mit erfahrenen und bekannten Hollywoodgesichtern besetzt, die jeder Figur ihre eigene Kuriosität und ihren eigenen Wahnsinn verleihen. Allein die Szene, in der Salma Hayek mit solch einer Hingabe und Überzeugung das Herz des Drachen verspeist, drückt das innere Verlangen aus, welches alle drei Geschichten und Herrscher miteinander vereint.

Der kleinwüchsige Herrscher von Highhills sieht in seinem Thron aus wie ein Kleinkind während sein Floh die Größe eines Jagdhundes annimmt und ein Riese seine Tochter an sich reißt. In einem anderen Königreich badet ein sexhungriger König in einem Pool aus nackten Frauen, Wein und Trauben. Jede Figur wirkt wie eine geniale Karikatur von einer oder mehreren Todsünden. Immer dabei: die Habgier.

In Das Märchen der Märchen gibt es keine bekannten Geschichten vom Guten und Bösen und „wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“. Die Stories wandeln zwischen Komik und Tragik, Absurdität und Sensibilität. Leben und Tod, Schicksal und Zufall gehen Hand in Hand. Für ihre Gier müssen alle drei Protagonisten einen bitteren Preis bezahlen und werden auf unterschiedliche Weise getäuscht. So vermitteln die Handlungen eine bis heute gültige Moral und fügt zu den Märchen- auch Fabelelemente hinzu.

Optisch hat Garrone nichts dem Zufall überlassen. Die Könige, Prinzen und Prinzessinnen schreiten in leuchtenden Farben durch ihre Burgen und Schlösser, während das Volk sich farbtechnisch vom staubigen Boden kaum abhebt. Der prunkvolle Schmuck ist das einzige, was in Immas und Doras verkommendem Haus glänzt. Die überladenen Kulissen sind liebevoll und aufwendig gestaltet und die Fantasie- und Zauberwesen detailreich gezeichnet, wobei die menschlichen Charaktere eigentlich auch allesamt wie Fabelwesen wirken.

dasmaerchendermaerchen_4 Die Erzählweise ist hingehend ungeschönt und brutal und beweist, dass Märchen nicht nur (in diesem Falle gar nicht!) etwas für Kinder sind. Manche Szenen sind zudem derart konfus, dass der Zuschauer verwirrt zurückbleibt. Andere ziehen sich wiederum zu sehr in die Länge. Trotz aller Merkwürdigkeiten kann man ein wenig Verständnis für die seltsamen Handlungen aufbringen, da im Grunde eine tiefe Sehnsucht in den Seelen der Charaktere schlummert, doch für die meisten nimmt es kein gutes Ende.

Und die Moral von der Geschicht’, ist wirklich offensichtlich nicht. Warum gerade diese drei Geschichten das „eine“ Märchen der Märchen bilden, wird auch zum Ende hin nicht ersichtlich. Dennoch überzeugen in Das Märchen der Märchen die kuriosen Begebenheiten, die mitreißend sind und auch ein paar Lacher und Seufzer parat halten.

Trotz einiger erzählerischer Schwächen ist Das Märchen der Märchen mit seiner eigenwilligen und origineller Bildsprache ein echter Hingucker nebst nicht enden wollender rosaroter Neuverfilmungen von (Disney)Märchen, für das ein unterhaltsames Starensemble gewonnen werden konnte.

Cast & Crew

Regie: Matteo Garrone
Drehbuch: Edoardo Albinati, Matteo Garrone, Massimo Gaudioso, Ugo Chiti
Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones, Massimo Ceccherini, Alba Rohrwacher, Shirley Henderson, Hayley Carmichael, Bebe Cave, Stacy Martin, Kathryn Hunter

Bewertung

Bewertung_8

23rd Aug2015

Königin der Wüste (2015) | Filmkritik

von MaryChloe

Königin der Wüste

Im Jahr 1893 ist Gertrude Bell (Nicole Kidman) ihrer Zeit weit voraus. Während die meisten Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihr Leben noch ausschließlich der Familie widmen, zieht es die gebildete Engländerin im Anschluss an ihr Oxford-Studium nach Teheran, wo ihr Onkel (Mark Lewis Jones) als britischer Botschafter arbeitet.

koeniginderwueste_1 Ursprünglich als kurzes Abenteuer geplant, wird das Reisen schon bald zu Gertrudes Passion. Überwältigt von der Natur und Kultur des Nahen Ostens beschließt sie, ihr Leben dem Land und seinen Menschen zu widmen. Als Schriftstellerin, Archäologin und Forscherin macht sie sich einen Namen und wird letztlich als politische Beraterin und Diplomatin des britischen Königreichs zu einer der mächtigsten Frauen ihrer Zeit.

In England nie verheiratet, verliebt sie sich während ihrer Reisen in den spielsüchtigen Diplomaten Henry Cadogan (James Franco). Sein tragischer Tod und der Verlust seiner Liebe hinterlassen für immer tiefe Spuren, die auch Gertruds spätere Beziehung zu dem verheirateten Major Charles Doughty-Wylie (Damian Lewis) beeinflussen.

Angezogen von der Fremde und getrieben von der Einsamkeit kämpft Gertrude Bell unermüdlich für ihre Überzeugungen und die Menschen im Nahen Osten.

Ausgerechnet im Orient, wo sich eine Frau zu verschleiern hat, schaffte es Gertrude Bell zu Ansehen und Einfluss, welcher ihr in Großbritannien sicher versagt geblieben wäre. Stark und verletzlich zugleich verkörpert Leinwand-Star Nicole Kidman (Australia, The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit) die bemerkenswerte Frau, die ihrer Zeit um Jahre voraus war.

koeniginderwueste_2 Zuletzt sah man Kidman als Grace of Monaco im Kino, in der die Pflichten eines Fürstentitels eine Filmkarriere erschwerten. Auch in diesem Film ist sie an die Zwänge ihrer Zeit und Herkunft gebunden. Als erste Frau schloss sie ein Studium der Neueren Geschichte in Oxford ab, der akademische Titel blieb Frauen allerdings verwehrt. Freiheit fand sie erst im Nahen Osten, doch auch der aufkeimenden Liebe zu Henry konnte sie sich nicht hingeben, da ihre Familie die Verbindung nicht duldete.

Der bittere Verlust von Henry war Gertrudes stärkster Antrieb. Als sie eine Reihe gewagter Expeditionen unternimmt, um die Beduinen zu studieren, findet sie in der Wüste so Etwas wie Trost und Erlösung. Auf ihren Reisen folgte sie keiner Landkarte. Gertrude Bell bereist Palästina, Syrien und Arabien, durchquert Salz- und Sandwürsten. Den Zuschauer erwarten spektakuläre Landschaftsaufnahmen, die den Zauber und die Unberührtheit des Nahens Ostens im frühen 20. Jahrhundert vermitteln. Es fällt nicht schwer zu verstehen, weshalb sich Bell in die Wüste verliebte und die Forschung ihr Lebensinhalt werden sollte. Kameramann Peter Zeitlinger (Begegnungen am anderen Ende der Welt) fängt die wechselnden Umgebungen in beeindruckenden Bildern ein.

In der antiken Hethiter-Stadt Karkemisch an der syrischen Grenze trifft sie auf ein britisches Archäologie-Team, zu dem auch der junge T. E. Lawrence, gespielt von Robert Pattinson, gehört. Pattinson ist hier ebenso wie zuletzt in Maps to the Stars (2013) in einer kleinen, aber entscheidenden Nebenrolle zu sehen. Als ironischer Brite, der noch wie ein Schuljunge wirkt, bringt er frischen Wind in die Handlung, die mit den Reisen von einem Scheich zum nächsten mitunter etwas eintönig verläuft.

koeniginderwueste_3 In weiteren Nebenrollen glänzen Homeland-Star Damian Lewis als verliebter Berufsoffizier und Jay Abdo (Fathers Revenge) als treuer Diener Fattuh, der Bell auf allen Expeditionen begleitet und sie mehr als einmal aus einer misslichen Lage rettet. James Franco (Every Thing Will Be Fine), charmant und ein wenig zu schmalzig wie eh und je, geht als Henry neben den anderen Darstellern etwas unter.

Regielegende Werner Herzog ist in den vergangenen Jahren für seine wegweisenden Dokumentarfilme ausgezeichnet worden, die seine Leidenschaft für ferne, teils verborgene Orte zeigten. In Begegnungen am Ende der Welt (2007) arbeitete er bereits mit Kameramann Peter Zeitlinger zusammen und erzählt von Menschen und Orten in der Antarktis und in Die Hölle der vergessenen Träume (2010) erforschte er die Chauvet-Höhle in Südfrankreich.

Nun erzählt er vom faszinierenden Leben einer Frau, die als „weiblicher Lawrence von Arabien“ Geschichte schrieb und präsentiert eine Charakterstudie voller Sehnsucht und innerer Stärke. Ihre Karriere als Forscherin und Archäologin kommt im Laufe der Handlung leider viel zu kurz. Wenn man sich tiefergehend mit der Biografie von Gertrude Bell beschäftigt wird deutlich, dass sich der Film nur auf die Anfänge im Nahen Osten und ihre Liebesgeschichten konzentriert. Überwiegend wird zudem der Eindruck erweckt, Geschenke aus dem Westen und ein wenig Hochnäsigkeiten reichen aus, um sich als Frau Respekt bei den Einheimischen zu verschaffen.

Dass sie nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich an der Entstehung des heutigen Nahen Ostens beteiligt war, die Landesgrenzen von Irak, Jordanien, Palästina, Syrien und Saudi-Arabien absteckte, und schließlich als politische Beraterin fungierte, findet im Film nur eine winzige Andeutung. Statt tiefer in ihre wertvolle Forschungsarbeit einzutauchen, thematisiert Herzog mehr die Liebesgeschichten und innere Zerrissenheit Bells.

Thematik und Erzählweise von Königin der Wüste erinnern an Klassiker wie Lawrence von Arabien (1962) und Der Englische Patient (1997) und zeigen Ähnlichkeiten zu Spuren (2013), in welchem Mia Wasikowska allein mit vier Kamelen durch die australische Wüste zog.

Allein Kidmans schauspielerische Leistung genügt mal wieder, um den Film sehenswert zu machen, weshalb man sie guten Gewissen als die „Khatun“, die Königin der Wüste bezeichnen darf. Weitere Prominent besetzte Rollen sowie grandiose Wüstenaufnahmen runden das Kinoerlebnis ab.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Werner Herzog ein durchaus gelungenes Drama, teils Abenteuerfilm, teils Liebesmelodram, über eine der außergewöhnlichsten Frauen der jüngeren Geschichte schuf. Königin der Wüste ist ein kraftvolles Plädoyer für die Schönheit des Nahen Ostens. Auch wenn sich einige Passagen in die Länge ziehen und wichtige Schlüsselmomente in Bells Leben fehlen, vermag der Film gut zu unterhalten und den Zauber der arabischen Wüsten spürbar zu machen.

Cast & Crew

Regie: Werner Herzog
Drehbuch: Werner Herzog
Musik: Klaus Badelt
Darsteller: Nicole Kidman, James Franco, Robert Pattinson, Damian Lewis, Jay Abdo, Holly Earl, David Calder, Jenny Agutter, Mark Lewis Jones, Beth Goddard

Bewertung

Bewertung_8

20th Aug2015

Self/less – Der Fremde in mir (2015) | Filmkritik

von MaryChloe

Selfless

Der milliardenschwere Industrielle Damian Hale (Ben Kingsley) war es sein ganzes Leben lang gewohnt immer das zu bekommen was er wollte. Er stellte seine Macht ganz in den Dienst seines Firmenimperiums und opferte dafür sogar den Kontakt zu seiner Tochter Claire (Michelle Dockery).

selfless_1 Als Hale die Diagnose erhält, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist und bald sterben wird, verfällt er nach kurzer Trauer in sein übliches Verhaltensmuster: Er nutzt seine Privilegien, um sich mehr Lebenszeit zu erkaufen. Albright (Matthew Goode), Strippenzieher einer elitären Geheimorganisation, macht Hale mit einem Verfahren namens „Shedding“ vertraut, bei dem der Geist des Kranken in den gesunden Körper eines anderen Mannes (Ryan Reynolds) verpflanzt wird.

Die Operation gelingt. Damian gewöhnt sich schnell an seinen neuen Körper und genießt sein neues Leben als „Edward“. Er freundet sich mit Anton (Derek Luke) an, der ihm die Gastfreundschaft von New Orleans zeigt. Doch etwas stimmt nicht: Hale überfallen Albträume, die mit einem fremden Leben zu tun haben. Er geht den Ursachen dieser Träume auf den Grund, kommt bei seinen Nachforschungen mit der alleinerziehenden Mutter Madeline (Natalie Martinez) in Kontakt.

Schließlich kommt Damian dem Geheimnis von „Edwards“ Herkunft auf die Spur und ist fortan in Lebensgefahr. Denn Albrights Organisation schreckt auch nicht vor Mord zurück, um ihr lukratives Geschäft zu schützen…

Wie hoch wäre der Preis, den man für die eigene Unsterblichkeit zahlen müsste? An Geld zumindest mangelt es Damian Hale nicht. Doch auch noch so viel Reichtum schützt vor Alter und Krankheiten nicht. Gerade noch rechtzeitig kommt ihm die ominöse Prozedur des „Shedding“ zu Hilfe. Kurzerhand sieht Ben Kingsley (Gandhi) aus wie Ryan Reynolds (Green Lantern). Seine neue Optik durfte er sich zwar nicht aussuchen, doch ist er mehr als zufrieden.

selfless_2 Anfangs war noch die Rede davon, dass „Shedding“ den kreativsten Köpfen der Menschheit mehr Zeiten gäbe, ihr Potenzial auszuschöpfen. Doch frisch in seinen neuen Körper und eine schicke Villa in New Orleans implantiert, pflegt der neue Damian Hale alias „Edward“ ein Playboy-Dasein, in dem er trinkt, feiert und eine Frau nach der anderen beglückt. Als er fortan Tabletten nehmen muss, um sich in seinem neuen Körper zurecht zu finden, und diese wöchentlich von Albrights Organisation erhält, ahnt er noch nichts Böses. Erst als ihn nach Unterbrechung seiner Dosis Kopfschmerzen und Bilder aus einem anderen Leben plagen, wird ihm klar, dass Albright ihn angelogen hat.

Und da nimmt das Debakel seinen Lauf und die Verfolgungsjagd hält eine Logiklücke nach der anderen bereit. Zum Übel der Geheimorganisation ist Edwards Körper der eines ehemaligen Elitesoldaten und zu außerordentlichen Leistungen und Reaktionstempo im Stande. So wird aus Self/less schnell ein Actionfilm und Reynolds ist in seinem Element als schneidiger Held.

selfless_3 Bereits in R.I.P.D. – Rest in Peace Department bekam Reynolds die Chance auf ein Leben nach dem Tod, denn er spielte einen Cop, der nach dem Tod in göttliche Dienste gestellt wird und untote Gesetzesbrecher jagt. In Self/less verteidigt er Frau und Kind des Verstorbenen und liefert sich wilde Autoverfolgungsjagden. Trotz überzeugender Darstellung seiner Figur bleiben die zahlreichen Ungereimtheiten der Story nicht unbemerkt. So lässt sich das eigentlich streng geheime Projekt mit einer simplen Google-Recherche ausfindig machen und auch Edwards Täuschungsmanöver gen Ende gelingt erstaunlich reibungslos.

Krieg der Götter-Regisseur Tarsem Singh bringt mit Reynolds und Kingsley zwei Superstars des Kinos zusammen. Zudem kann sich der Zuschauer an Matthew Goodes (Watchmen: Die Wächter ) gelungener Darbietung des boshaften Wissenschaftlers Albright und an Victor Garber (Alias) als Damians bester Freund freuen. Für die weibliche Zuschauerschaft mimt Natalie Martinez (Under the Dome) die verzweifelte Mutter und Ehefrau des ursprünglichen Edward, die selbstverständlich in nicht nur einer Situation gerettet werden muss.

Der Film erinnert von Thematik und/oder Aufmachung an zahlreiche Vorgänger, wie Total Recall (2012) oder Elysium (2013), deren Helden und weibliche Protagonisten durchweg austauschbar sind. Und alle Filme haben eine Gemeinsamkeit: In einer neuen Welt in naher Zukunft möchten Menschen aus ganz verschiedenen Gründen in eine neue Identität schlüpfen. Was Self/less im Vergleich zu ähnlichen Filmen an Einzigartigkeit und mitreißender Kraft fehlt, versucht der Regisseur mit Starbesetzung, Action und optischen Details aufzuheben – dies jedoch minder erfolgreich.

selfless_4 Das tiefgründige Verlangen nach Unsterblichkeit kratzt leider bis zum Schluss nur an der Oberfläche. Die entscheidende moralische Frage, welchen Preis die eigene Unsterblichkeit hat, kann der Film nicht beantworten, da wie gewohnt alles schief geht was schiefgehen kann. Ernst und Widersprüchlichkeit des Themas kommen leider zu kurz.

Somit bleibt Tarsem Singhs Film im Vergleich zu seinen Regievorgängern The Cell oder Spieglein, Spieglein nur im Mittelfeld. Doch wer sich an genannten Ungereimtheiten nicht allzu sehr stört, der kann sich mit Self/less, dessen Drehbuch dem spanischen Brüderpaar Àlex und David Pastor (Carriers) entspringt, immerhin an guten Darstellern und einer kleinen Portion Nervenkitzel erfreuen.

Die durchweg prominente Besetzung und ein, zwei gelungene Actionszenen können aber leider nicht über die oberflächliche und von Logiklücken übersäte Story hinwegtrösten. Was bleibt, ist ein durchschnittlicher Science-Fiction-Thriller, der durch seine Thematik sicher viele Leute ins Kino lockt, aber die meisten wohl mit Enttäuschung zurücklässt.

Cast & Crew

Regie: Tarsem Singh
Drehbuch: David Pastor, Àlex Pastor
Musik: Dudu Aram, Antônio Pinto
Darsteller: Ryan Reynolds, Natalie Martinez, Matthew Goode, Victor Garber, Derek Luke, Ben Kingsley

Bewertung

Bewertung_5

02nd Jul2015

Für immer Adaline (2015) | Filmkritik

von MaryChloe

Für immer Adaline

San Francisco 1935 – die junge Witwe Adaline Bowman (Blake Lively) ist 29 Jahre alt, als ein Unfall bewirkt, dass sie von nun an aufhört zu altern. Lange kann sie sich mit gesunder Ernährung und guten Genen herausreden, doch als man ihr in ihren 40ern ihr Alter nicht mehr glaubt und sogar das FBI auf Adaline aufmerksam wird, muss sie untertauchen. Spätestens alle 10 Jahre wechselt sie den Wohnort und legt sich eine völlig neue Identität zu.

fuerimmeradaline_1 Ewig jung bleiben mag für viele wie ein Traum klingen, doch für Adaline bedeutet es ein einsames und zurückgezogenes Leben: Fast alle Menschen, denen sie im Laufe der folgenden 80 Jahre nahe kommt, muss sie irgendwann schweren Herzens verlassen, um ihr Mysterium zu wahren. Nur ihre Tochter Flemming (Ellen Burstyn) weiß um das Geheimnis.

Adaline ist gerade dabei, sich auf ihren nächsten Umzug vorzubereiten, als sie in der Silvesternacht 2014 den charismatischen Philanthropen Ellis Jones (Michiel Huisman) kennenlernt. Die (ewig) junge Frau lässt nichts unversucht, um ihren Verehrer auf Distanz zu halten, doch Ellis weckt ihr lange unterdrücktes Verlangen nach Liebe. Soll sie seinetwegen mit ihrer Regel brechen und ihm von ihrem außergewöhnlichen Zustand erzählen?

Als auf einem Wochenendausflug zu Ellis‘ Eltern William (Harrison Ford) und Kathy (Kathy Baker) die Wahrheit ans Licht zu kommen droht, trifft Adaline eine Entscheidung mit großer Konsequenz…

Während alle Welt von ewiger Jugend träumt, beleuchtet Für immer Adaline die Schattenseiten der Unsterblichkeit. Lee Toland Krieger (The Vicious Kind) liefert nicht wie in seinem Vorgängerfilm Celeste & Jesse – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert! eine leichtfüßige Liebeskomödie, sondern erzählt die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau ganz ohne Ironie und mit einer gewissen Schwere.

fuerimmeradaline_2 Auf Gossip Girl-Star Blake Lively (Gossip Girl, Savages) scheint die Rolle der Adaline Bowman wie auf den Leib geschnitten. Die zugleich rätselhafte wie liebenswürdige junge Frau, die das Geheimnis ihrer Jugend bewahrt, aber dafür den bitteren Preis der Einsamkeit zahlt, besticht durch Anmut und Eleganz und steht früheren Filmdiven optisch in nichts nach. Wie Michiel Huisman (Game of Thrones), der etwas zu schnulzig geraten ist, kann man sich als Zuschauer nur in Adaline verlieben, die einen jeden durch ihre starke Leinwandpräsenz in ihren Bann zieht.

Die Drehbuchautoren segneten Adaline zwar mit Unsterblichkeit und Charme, den Rest der Story jedoch nicht mit dem nötigen Pepp. Im Grunde passiert sehr wenig und die Ereignisse plätschern übersichtlich vor sich hin. Es gibt kaum Überraschungen oder ernsthafte Hürden, bis auf die Thematik mit der Liebe. Aber sogar ein Beinahe-Streit mit dem Angebeteten wird innerhalb von wenigen Minuten wieder gelöst.

Auch die Unsterblichkeit an sich wird nur sehr oberflächlich angesprochen und ausschließlich als Qual dargestellt. Man hätte einige komödiantische Züge mit einbringen können, wie sich Adaline ihr wahres Alter zu Nutze macht. Doch der Film beschränkt sich darauf, eine wenig aufregende Liebesgeschichte zu erzählen, die auch gut ohne den Mystery-Ansatz funktioniert hätte.

fuerimmeradaline_3 In Adalines Leben gibt es nur eine einzige dauerhafte Beziehung: die zu ihrer Tochter Flemming (Ellen Burstyn). Als diese selbst unter Alterserscheinungen leidet, versteht man den Ernst der Lage, doch ebenso schnell wird das Thema wieder in den Hintergrund verdrängt. Somit bleibt eine Menge Potential der Geschichte ungenutzt. Auch, dass Adaline eines der ereignisreichsten Jahrhunderte der Geschichte durchlebt, kommt viel zu kurz. Die verschiedenen Zeitebenen des Lebens von Adaline werden meist nur zweckmäßig angerissen und zeigen sich auch nur anhand von Erinnerungen an männliche Bekanntschaften, welche sie nach einer Zeit wieder verlassen musste.

Doch irgendwie schafft es Blake Lively den Zuschauer dennoch nicht zu langweilen. Ihre faszinierende Aura verleiht der märchenhaften Handlung eine erstaunliche Intensität. Durch die begleitende Erzählung eines Sprechers fühlt man sich zeitweise wirklich wie in einem Märchen. Allerdings sind Bilder und Mimik der Protagonisten aussagekräftig genug und hätten keiner Erzählerstimme bedurft.

Für seine Geschichte wählt der Regisseur darüber hinaus zahlreiche märchenhafte Kulissen, von einem Autokino aus längst vergangenen Zeiten, über ein versunkenes Schiff in einer Höhle bis zuletzt zum magisch schönen Anwesen von Ellis Eltern. Für die Nebenrollen konnten Hollywoodgrößen Harrison Ford (Morning Glory, Indiana Jones) sowie Kathy Baker gewonnen werden, die den übrigen Cast hervorragend ergänzen.

fuerimmeradaline_4 Für immer Adaline ist schön anzusehen und versprüht jede Menge nostalgischen Charme. Was zunächst wie ein Segen erscheint, entpuppt sich für Adaline aber als Fluch. Der Film begibt sich ähnlich wie Der seltsame Fall des Benjamin Button (2008) auf die Suche nach der Bedeutung, jemanden zu lieben, wenn man nicht zusammen alt werden kann.

Während die einen dem Zauber des Films verfallen werden, werden andere das mäßige Tempo und die Tendenz zum Kitsch kritisieren. Regisseur Krieger rückt konsequent Stimmungen wie Einsamkeit, Leiden und Sehnsucht in den Vordergrund und spart etwas zu viel an Witz und Fröhlichkeit. So ist Für immer Adaline durchaus ergreifend, die Möglichkeiten der Thematik werden jedoch nicht ausreichend genutzt.

Was ein interessanter Film über das Thema Unsterblichkeit hätte werden können, wurde zu einer charmanten kleinen Romanze, die vorhersehbar ist, aber immerhin mit einer zeitlos würdevollen Titelheldin glänzt.

Cast & Crew

Regie: Lee Toland Krieger
Drehbuch: J. Mills Goodloe, Salvador Paskowitz
Musik: Rob Simonsen
Darsteller: Blake Lively, Michiel Huisman, Harrison Ford, Ellen Burstyn, Kathy Baker, Amanda Crew

Bewertung

Bewertung_7

18th Jun2015

Jurassic World (2015) Filmkritik

von MaryChloe

Jurassic World

Für die Brüder Zach (Nick Robinson) und Gray (Ty Simpkins) könnten die Weihnachtsferien nicht aufregender beginnen: Sie befinden sich auf dem Weg nach „Jurassic World“, einem Luxus-Resort auf einer Insel vor Costa Rica, das 22 Jahre nach den Ereignissen in Jurassic Park Besucher aus aller Welt lockt, um Dinosaurier von nahem zu erleben.

Dort reiten Kinder auf Mini-Triceratopsen und Familien schauen dem riesigen Wasserdinosaurier Mosasaurus beim Verspeisen eines Haies zu. Der Genetiker Dr. Henry Wu (Bradley Darryl Wong) kreiert die Dinosaurier und arbeitet im Auftrag des milliardenschweren Stifters Simon Masrani (Irrfan Khan). Doch weil Riesenechsen zwar anfangs aufregend sind, das Publikum aber irgendwann alle von ihnen kennt, wurde Wu dazu gedrängt, ein Raubtier zu züchten, das es in der Natur nie gab: den Indominus Rex.

Die riesige Kreatur soll die größte Attraktion von „Jurassic World“ werden – und wird zur größten Bedrohung, als sie ausbricht. In dem entstehenden Chaos gelingt vielen Dinosauriern die Flucht aus ihrem Gehege, so dass alle Besucher potentielles Reptilienfutter werden. In Lebensgefahr schweben nun auch Zach und Gray. Deren Tante Claire (Bryce Dallas Howard), Chefin des Erlebnisparks, begibt sich auf eine abenteuerliche Suche nach ihren Neffen und wird dabei von Owen (Chris Pratt) unterstützt, einem Militärexperten, der eine Gruppe Velociraptoren gezähmt hat.

Jurassic World holt zum vierten Mal die beliebten Urzeitriesen auf die Kinoleinwand und hat schon am ersten Kinowochenende alle Erwartungen übertroffen. Weltweit spielte der Dino-Blockbuster in wenigen Tagen 511,8 Millionen Dollar ein und legt damit den finanziell erfolgreichsten Filmstart der Geschichte hin. Der vierte Film der Jurassic-Reihe ist gleichzeitig auch der teuerste: Mit knapp 150 Millionen Dollar kostet Jurassic World unter der Regie von Colin Trevorrow mehr als die ersten beiden Filme der Reihe zusammen.

jurassicworld_2 Die Handlung setzt 22 Jahre nach Jurassic Park ein, an dessen Ausmaß sich die jetzigen Parkmitarbeiter nur ungern zurückerinnern. Mittlerweile ist der Erlebnispark ein beliebtes und erfolgreiches Ausflugsziel geworden, das einem Disneyland gleicht. Um das anspruchsvolle Publikum bei Laune zu halten, entwickeln Forscher durch Kreuzungen immer größere und gefährlichere Wesen. Doch nun stoßen Sie mit ihren Experimenten an ihre Grenzen. Denn die Gensaurier können denken, fühlen und sind intelligenter und blutdürstiger als vorerst angenommen.

Nach einer kurzen Einführung und Vorstellung der Hauptpersonen steigt die Story ziemlich schnell in die Actionszenen ein. Nach Ausbruch des tödlichen Indominus Rex, dauert es nicht lang, bis die ersten Menschen ihr Leben zwischen seinen fletschenden Zähnen lassen müssen. Hier setzt man zwar mindestens einmal zu viel auf altbekannte Einstellungen, wie dem Aufblinzeln des Dinosauerierauges zwischen dunklem Geäst, dennoch hat man als Zuschauer kaum Verschnaufpausen und ist bis zum Schluss durch Verfolgungsjagden und gefährliche Beinahe-Begegnungen mit den Monstern gut unterhalten.

jurassicworld_3 Mit dem Jahr 1993 hätte sich Steven Spielberg wohl keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, um den Kinozuschauer Jurassic Park auf die Kinoleinwand zu zaubern und den Zuschauern ganz neuartige Bilder zu präsentieren. In der heutigen Zeit ist das Auge bezüglich Special Effects allerdings verwöhnt und kritisch. So kann man die 3D-Effekte in Jurassic Wolrd allenfalls als okay bezeichnen. In Erinnerung bleiben hauptsächlich Blutspritzer und umherwirbelnde Grashalme, während aufgeschreckte Dinos über die Felder sprinten. Auch die Flugsaurier, die nach umherrennenden Menschen schnappen, legen eine gute Figur hin. Doch vor allem in den Kampfszenen hätte die Visual Effects-Abteilung eindeutig mehr rausholen können.

Dafür bietet der Drehort Hawaii eine unvergleichbar schöne Kulisse für die Außenszenen des Parks. Mit sehr viel Fantasie und aufwendiger Kulisse wurden viele Details gestaltet, die den Park auch vom Kinosessel aus zu einem tollen Erlebnis machen: Spektakuläre Fütterungen von urigen Meeresdinos, ein Vogelhaus mit hungrigen Bewohnern und eine Tour durch das Gelände mit einem kleinen Glasautos sind nur einige von vielen kreativen Umsetzungen.

Regisseur Colin Trevorrow schließt mit Jurassic World direkt an den ersten Teil von 1993 an und baut nebenbei einige geschickte und lustige Anspielungen auf den Vorgängerfilm ein. Die beiden Fortsetzungen aus 1997 und 2001 bleiben allerdings unerwähnt.

jurassicworld_4 Die Hauptrolle übernimmt Guardians of the Galaxy-Star Chris Pratt, der einen ehemaligen Navy-Soldaten spielt, der sich nun auf das Training von Raptoren spezialisiert hat. Ganz im Gegensatz zur verkorksten Parkleiterin Claire, gespielt von Bryce Dallas Howard (The Help), die zwischen all den Pflichten und Terminen vergisst, dass ihre beiden Neffen zum Besuch sind. Ob hochnäsig stöckelnd oder um ihre Leben rennend – die High Heels bleiben bis zum Schluss an ihren Füßen. Und während der kleine Bruder außer sich vor Freude ist und durch Dinosauerierwissen punktet, gafft der größere eigentlich nur Mädels hinterher.

Die Figurenkonstellation ist leider viel zu klischeehaft geraten. Schnell wird auch klar, welchen Personen der Garaus gemacht wird – entweder den Dicken, Hohlen oder Arroganten – und welche zum Schluss überleben. Die einfühlsamen Pfleger, die in den Dinosauriern Lebewesen anstatt nur Attraktionen aus dem Genlabor sehen, bleiben selbstverständlich verschont. Die etwas holprige Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptdarstellern sorgt trotz ihrer Überspitzung aber dennoch für einige Lacher.

Da das Ende des Films in einer Massenkarambolage verschiedenster Dinos mündet, bleibt die Aussage des Films etwas fragwürdig, da man den Eindruck bekommt, verpfuschte Genexperimente nur mit noch verpfuschteren Genexperimenten bekämpfen zu können. Aber Colin Trevorrow setzt auch hier wieder auf seinen Fokus im Film: Geballte Action. Er nahm die Herausforderung an und schuf mit Jurassic World eine würdige Fortsetzung der Dinosaurier-Saga, wenn auch oft Überraschungsmomente fehlen und die Figuren überdramatisiert agieren. Obwohl das Original nicht zu toppen ist, liefert er aber dennoch einen optisch überzeugenden und unterhaltsamen Film, bei dem Liebhaber der Vorgänger ebenso wie Neulinge auf ihre Kosten kommen.

UPDATE: Jurassic World – Bonusmaterial (Michael Diederich)

Jurassic World ist der vierte Teil der Jurassic Parc-Reihe und erschien am 11. Juni 2015 in den deutschen Kinos. Mit Produktionskosten von 150 Millionen US-Dollar und einem Einspielergebnis von 1,6 Millionen US-Dollar ist der Film der finanziell erfolgreichste der Reihe und zudem der dritterfolgreichste Film aller Zeiten. Außerdem bildet Jurassic World den Start einer neuen Trilogie, die demnach 2018 weitergehen soll.

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Inhaltlich zeigte der über zwei Stunden lange Blockbuster wenig Neues, aber das konnte auch nicht erwartet werden, bei einer derart teuren und spektakulären Produktion. Für mich war es interessant das Bonusmaterial anzusehen, um hinter die Kulissen zu sehen und, ob sich das gelohnt hat, werde ich jetzt erzählen.

Die DVD hat fünf Kapitel mit einer Gesamtlänge von ungefähr 40 Minuten. In „Classic Jurassic“ wird die Bedeutung des ersten Jurassic Park Films in Anbetracht zum vierten Teil erwähnt. Der komplette Cast erzählt, wie er den ersten Film erlebt hat. Außerdem geht es um die Erstellung von den Dinosauriern.

Mit dem neuen Film beginnt die nächste Generation, um den Film besser darzustellen werden einige Mitarbeiter der alten Filme hinzugezogen.
In dem Kapitel „Die Experten“ werden die wissenschaftlichen Bezüge von Jurassic World erzählt. Für den Film wurden Wissenschaftler engagiert, die biologische Aspekte realistisch darstellen.

Des Weiteren erfährt der Zuschauer in „Requisiten“ und „Bau der Gyrosphere“ auf wie viele Details bei Jurassic World geachtet werden musste. Beispielsweise wurden durch die vielen Sponsoren extra für den Dinosaurier Park alle Requisiten erstellt und Hasbro erstellte eine eigene Dinosaurier Serie.
In „Klänge und die Raserei“ wird gezeigt wie die Töne für die einzelnen Actionszenen erstellt wurden. Dafür nahmen die Crewmitglieder Geräusche von unterschiedlichen Tieren auf.

Das Bonusmaterial ist teilweise überflüssig und teilweise interessant gemacht. Beispielsweise ist das Kapitel „Klänge und Raserei“ sehr eindrucksvoll, da das furchteinflößende Geräusch eines Raptoren von einem Delphin kommt, was nicht unbedingt so erwartet werden kann. Positiv anzusehen ist auch, dass die Nostalgie auf der DVD gut zum Vorschein kommt. Die Bedeutung des ersten Jurassic Park Films und die Wichtigkeit für die Darsteller in einer Fortsetzung des Dinosaurier Films mitzuspielen wird lustig und faszinierend umschrieben.

Wer daran interessiert ist, wie ein Film entsteht und wie spezielle Actionszenen gedreht werden, kann das Bonusmaterial sehen, doch insgesamt ist es nicht überragend, da wenig Neues und Spektakuläres unterm Strich erzählt wird.

Bewertung

Bewertung_7

Trailer

Informationen
Jurassic World (2015)
124 min|Action, Adventure, Sci-Fi|12 Jun 2015
7.0IMDB-Wertung: 7.0 / 10 von 531,631 Nutzern
22 Jahre nach den Ereignissen in „Jurassic Park“ lockt das Luxus-Resort „Jurassic World“ Besucher aus aller Welt auf eine Insel vor Costa Rica, Dinosaurier von nahem zu erleben. Kinder reiten auf Mini-Triceratopsen, Familien schauen dem riesigen Wasserdinosaurier Mosasaurus beim Verspeisen eines Weißen Haies zu...
04th Jun2015

Kind 44 (2015) | Filmkritik

von MaryChloe

Kind 44

Moskau, 1953: Der Waisenjunge Leo Demidow (Tom Hardy) hat es als Erwachsener weit gebracht. Aus dem Zweiten Weltkrieg kehrte er als Held zurück und ist inzwischen linientreuer Geheimdienstoffizier der sowjetischen Staatssicherheitsbehörde KGB, bei der er kompromisslose Jagd auf Regimefeinde macht. Er hinterfragt seine Aufträge nicht und fühlt sich an keine Moral gebunden, die nicht durch die Partei vorgegeben ist.

kind44_1 Als er den Tierarzt Anatoli Brodsky (Jason Clarke) festnimmt, der im Hinterland Unterschlupf bei einem befreundeten Paar gefunden hat, dreht Leos linkischer Kollege Wassili (Joel Kinnaman) durch und richtet Brodskys Helfer vor den Augen ihrer beiden Kinder hin. Unter Folter spuckt der Verhaftete später sieben weitere Namen von Personen aus, die ihm bei seiner angeblichen Verschwörung geholfen haben sollen. Darunter ist auch der von Leos Frau Raisa (Noomi Rapace). Generalmajor Kuzmin (Vincent Cassel) beauftragt ausgerechnet Leo selbst, den heiklen Verdacht zu untersuchen.

Währenddessen sorgt der Fall eines tot auf Bahngleisen gefundenen Jungen für weitere Unruhe. Alexei Andrejew (Fares Fares), der Vater des Kindes und gleichzeitig MGB-Mitarbeiter, weiß, dass sein Sohn ermordet wurde. Aber die Verantwortlichen stellen den Vorfall als tragischen Unfall hin: Mord darf es in der sowjetischen Gesellschaft schlicht nicht geben. Nach und nach beginnt Demidows Weltbild zu wanken.

Als ein weiteres Kind ermordet wird stellt Leo eigene Nachforschungen an und gerät so in das Visier seiner Vorgesetzten. Er weckt das Misstrauen des Milizenführers Nesterow (Gary Oldman) und wird mit seiner Frau Raisa ins provinzielle Exil geschickt, wo die beiden in einem heruntergekommenen Loch hausen müssen. Der verbannte und kaltgestellte Geheimdienstoffizier nimmt gegen alle Widerstände die Jagd nach dem Killer auf.

Lose Grundlage für Kind 44 bilden die wahren Ereignisse des ukrainisch-russischen Serienkillers Andrei Romanowitsch Tschikatilo, der zwischen 1978 und 1990 nach eigenen Angaben 56 Menschen ermordete, darunter zahlreiche Kinder. Der britische Schriftsteller Tom Rob Smith verlegte die Handlung in die Zeit von Stalins Herrschaft und veröffentlichte 2008 mit Kind 44 seinen Debütroman, welcher nun durch Daniél Espinosa (Safe House) in die Kinos gebracht wird.

kind44_2 Zum sorgfältig ausgewählten Cast gehören Tom Hardy (Inception, Mad Max: Fury Road), Gary Oldman (Dame, König, As, Spion), Noomi Rapace (Verblendung) und weitere namhafte Darsteller wie Joel Kinnaman (Easy Money), Paddy Considine (The Worlds End), Jason Clarke (Zero Dark Thirty) und Vincent Cassel (Black Swan). Tom Hardy und Gary Oldman spielen in Kind 44 zum vierten Mal Seite an Seite.

Sie standen bereits für Dame, König, As, Spion, Lawless – Die Gesetzlosen und The Dark Knight Rises gemeinsam vor der Kamera und bilden auch in Kind 44 ein befeindetes Gespann, das der Erzählung Würze verleiht. Das Wechselbad der Gefühle aus Härte, Angst und Angreifbarkeit kann Tom Hardy überzeugend verkörpern. Seine Rolle ist die einzige Figur, die nachvollziehbar ausgearbeitet wird.

Auch über Gary Oldmans Antrieb als Demidows Feind und später Mithelfer Nesterow erhält man einige Informationen. Hintergründe zu den restlichen Darstellern bleiben aber vollständig im Dunkeln und auch ein wenig mehr Klarheit über Noomie Rapaces Charakter und deren Vergangenheit geht in ihrer Rolle als geheimnisvolle Vielleicht-Spionin in Spekulationen unter.

Das Drehbuch zum Film wurde von Richard Price (Kopfgeld) geschrieben und schaffte es 2008 auf die sogenannte Blacklist, eine Liste besonders vielversprechender, noch unverfilmter Drehbücher. Der Drehbuchautor bleibt der Romanvorlage jedoch keineswegs treu. Anders als im Buch steht der Filmtäter nicht mehr im Zentrum der Handlung. Mit einer äußerst geringen Leinwandpräsenz wird er zu einer Nebenfigur, dessen Motivation zum Morden im Verborgenen bleibt. Auch Smiths bestürzende Anfangsszene im russischen Hungerwinter 1933 fällt aus und enthält den Zuschauern ein spannendes Filmmoment vor. Und das hätte der Film gebraucht, da er über zu wenige Actionszenen verfügt, welche die erzählerischen Schwächen hätten ausgleichen könnten. Noch dazu sind die Aufnahmen dieser Szenen durch verwackelte Handkameras übertrieben und wirken aufgesetzt.

kind44_3 In einem Interview sagte der Buchautor, für ihn sei „eine der Hauptfiguren des Romans das sowjetische Russland, eine ungeheuerliche Mischung aus Horror und Absurdität“. Immerhin diese Hauptrolle wurde im Film würdig umgesetzt. Düstere Bilder und schmutzige Straßen vor einer winterlich kalten Kulisse verleihen dem Film eine authentische Atmosphäre der stalinistischen Nachkriegszeit. Verfolgung, permanente Angst und Bedrohung sind durchweg spürbar.

Der Schein einer klassenlosen Gesellschaft, in der es keine Verbrechen gibt, wird von einer gnadenlosen Geheimdienstmaschinerie gewahrt. Wer aber einmal in die Fänge des Systems gerät, hat keine Chance mehr: „Wer verfolgt wird, wird verhaftet. Und wer verhaftet wird, ist bereits schuldig“, sagt der Tierarzt Anatoli Brodsky (Jason Clarke), der in die Fänge der Häscher gerät.

Dass etwas das Leben der Protagonisten trübt, wird bereits zu Beginn der Handlung deutlich, als Leo im Kreise seiner Freunde von Raisa schwärmt, ihr Lächeln jedoch gestellt wirkt. Die Stimmung aus Terror, Verrat und Ausweglosigkeit in markanten Bildern einzufangen, ist Espinosa gelungen. Etwas mehr Spannung hätte der schwedische Regisseur seinem Film aber geben müssen, vor allem bei der Jagd nach dem Kindsmörder. Der Titel Kind 44 scheint vielleicht für den Roman, jedoch nicht für die Filmadaption logisch. Denn im Vordergrund stehen hier die Spannungen zwischen den beiden Protagonisten und deren Verfolgung durch das sowjetische Regime. Die Mordserie wird zu einem Beiwerk, ohne das die Handlung auch ausgekommen wäre.

Die Darstellung der 50er Jahre in der Sowjetunion kam in Russland gar nicht gut an. Wegen „Entstellung historischer Tatsachen“ wurde die Veröffentlichung des Dramas vom russischen Kultusministerium verboten. Der Film sei „untragbar“ und die Stalin-Ära komme zu schlecht weg, lautete die Begründung. In Deutschland hingegen erhielt Kind 44 das Prädikat „besonders wertvoll“, da der Film ein „wichtiger gesellschaftskritischer Film, der aufklärt über eine Zeit, in der ein System sich über alles stellte. Sogar über die Wahrheit.“ sei, so die Deutsche Film- und Medienbewertung.

Aus Tom Rob Smiths durchaus packend geschriebenem Bestseller Kind 44 wird ein mittelmäßiger Thriller, der immerhin mit stimmigen Bildern und einem überzeugenden Tom Hardy in der Hauptrolle punktet. Dabei bleibt auch die eigentliche Haupthandlung der 44 ermordeten Kinder auf der Strecke und muss einem durchwachsenen Katz- und Mausspiel ohne Überraschungen weichen.

Cast & Crew

Regie: Daniél Espinosa
Drehbuch: Richard Price
Musik: Jon Ekstrand
Darsteller: Tom Hardy, Joel Kinnaman, Noomi Rapace Gary Oldman, Vincent Cassel, Charles Dance, Jason Clarke

Bewertung

Bewertung_6

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