19th Apr2013

Eden (2012) | Filmkritik

von MaryChloe

Eden

Was die 17-jährige Hyung Jae (Jamie Chung) als einen netten Abend mit ihrer Freundin in einer Bar geplant hat, endet für sie in einem ausweglosen Alptraum.

Eden Denn der hübsche Feuerwehrmann, der sie nach Hause bringen will, entpuppt sich als Mitglied eines Menschenhändler-Rings. Jae wird entführt und befindet sich kurze Zeit später mit einer Reihe weiterer minderjähriger Mädchen in einer Lagerhalle nähe Las Vegas.

Von nun an wird sie, von allen nur „Eden“ genannt, zur Prostitution gezwungen und muss für Pornofilmproduktionen zur Verfügung stehen. Wer zu fliehen versucht oder sich den Zuhältern – allen voran dem obersten Chef Bob (Beau Bridges) – nicht fügt, muss mit Folter oder Tod rechnen.

Gedeckt von der Polizei können die Menschenhändler nach Belieben schalten und walten. Überleben kann Jae nur, weil sie das Vertrauen von Vaughan (Matt O’Leary) gewinnt. Er ist die rechte Hand der Bande und durch die Zusammenarbeit mit ihm gewinnt Jae langsam an Ansehen und Einfluss in der Gruppe…

Der einem wahren Fall von Menschenhandel zugrundeliegende Film Eden feierte seine Premiere 2012 auf dem South by Southwest Film Festival, wo Regisseurin Megan Griffiths den „Emerging Woman Award“ erhielt. Chong Kim, auf deren Erlebnissen Eden beruht, wurde selbst verschleppt und war zwei Jahre lang in der Gewalt von Zuhältern. Mit ihrer Hilfe verfasste Richard B. Phillips das Drehbuch des schwer verdaulichen Themas.

Eden Griffiths schafft mit Eden ein durchweg beklemmendes Szenario. Von Beginn an wird deutlich, wie hoffnungslos die Situation für Jae, kurzerhand in „Eden“ umbenannt, sowie die anderen entführten Frauen ist. Weder eingesperrt in kleinen Kabinen der Lagerhalle noch auf den täglichen Ausflügen zu Freiern oder Pornodrehs bieten sich Fluchtmöglichkeit. Die Frauen stehen unter ständiger Bewachung. Wer nicht gehorcht, wird aus dem Weg geräumt.

Die Hauptdarstellerin Jamie Chung (Sucker Punch, The Man with the Iron Fists) gewann beim Seattle International Film Festival den „Golden Space Needle Award“ als Beste Darstellerin. Überzeugend spielt sie die Protagonistin Jae, die aus ihrer kindlichen Welt gerissen wird und schnell erwachsen werden muss. Sie weiß, dass sie auf normalem Weg nicht fliehen kann und beginnt mit den Machenschaften zu kooperieren. Als Komplizin ihres cracksüchtigen Aufpassers Vaughan wird sie Teil des Frauenrings – um sich selbst zu retten. Der Zuschauer wird nun in ein Gefühlschaos zwischen richtig und falsch gestoßen, was dem Film Intensität verleiht.

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Dennoch weist Eden einige erzählerische Schwächen auf. Nicht immer schafft es Griffith, die Geschichte richtig anzutreiben. Die Konzentration liegt fast ausschließlich auf den beiden Hauptpersonen. Sämtliche Nebenfiguren, die mehr Beachtung verdient hätten, tauchen nur am Rande auf. Das Psychospiel zwischen Einschüchterung und Vertrauen von Jae und Vaughan wird mit der Zeit ermüdend.

Griffiths ist sichtbar darum bemüht, die Geschichte sensibel und respektvoll umzusetzen. Bewusst verzichtet sie darauf, die grausamsten Szenen der Folter oder Vergewaltigungen zu zeigen. Das Leid der Gefangenen ist durch das was man sieht vollends spürbar. Andererseits vermittelt der Film dadurch leider nicht die volle Intensität, die auf Basis des Stoffes gegeben wäre. Das Geschehen wirkt oft zu glatt und bewirkt nicht den schockierenden Effekt beim Zuschauer, der am Anfang zu erwarten war. Um diesen zu bezwecken reichen selbst die ein, zwei eingebauten blutrünstigen Szenen, welche die FSK ab 16 erklären, nicht aus.

Letztendlich besitzt Eden zwar alle Voraussetzungen für einen packenden und erschütternden Film, seine Möglichkeiten werden jedoch nicht vollends genutzt. Griffiths ist trotzdem ein verstörender Film gelungen, der Einblick in das menschenverachtende Business der Zwangsprostitution gibt. Somit ist Eden vor allem ein Hilfeschrei und ein Aufruf, nicht wegzuschauen. Denn der global organisierte und professionell betriebene Mädchenhandel ist nach wie vor real und aktuell.

Cast & Crew

Regie: Megan Griffiths
Drehbuch: Richard B. Phillips
Musik: Jeramy Koepping, Joshua Morrison
Schauspieler: Jamie Chung, Matt O’Leary, Beau Bridges, Scott Mechlowicz, Eddie Martinez, Tantoo Cardinal, Naama Kates

Bewertung

Bewertung_6

24th Mrz2013

The Foreign Duck, the Native Duck and God in a Coin Locker (2007) | Filmkritik

von MaryChloe

The Foreign Duck, the Native Duck and God in a Coin Locker

Shiina (Gaku Hamada) hat gerade frisch die Schule abgeschlossen und zieht für sein Studium nach Sendai. Als er beim Auspacken den Bob Dylan Hit „Blowin‘ in the Wind“ singt, kommt er mit seinem Nachbarn Kawasaki (Eita) ins Gespräch, der ebenfalls ein großer Fan des Sängers ist.

theforeignduckthenativeduckandgodinacoinlocker1 Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Dennoch verstehen sich der schüchterne Shiina und sein überdrehter Hausgenosse auf Anhieb und werden Freunde. Als Kawasaki für seinen Nachbarn Dorje (Kei Tamura) – ein Austauschstudent aus Bhutan – ein Lexikon aus einem Buchladen stehlen möchte und dafür Shiina als Komplizen braucht, ist dieser noch amüsiert.

Doch der Überfall ist erst der Beginn einer Reihe wundersamer Ereignisse, die immer mehr Rätsel um die Person Kawasakis aufwerfen. Shiina erfährt von dessen Exfreundin Kotomi (Megumi Seki), die ihn wegen des bhutanischen Nachbarn verließ. Was also ist Kawasakis Motiv seinem Nachbarn zu helfen? Und weshalb soll sich Shiina von der verrückten Tierladenbesitzerin Reiko (Nene Otsuka) in Acht nehmen?

Shiina versucht herauszufinden, was es wirklich mit den ihn umgebenden Personen auf sich hat. Immer tiefer gerät er in die Geschichte um Kawasaki, Kotomi und Dorje hinein und versucht die Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Yoshihiro Nakamura schafft mit The Foreign Duck, the Native Duck and God in a Coin Locker eine skurrile Geschichte über Freundschaft und Vergebung und greift dabei gesellschaftliche Probleme wie Ausländerfeindlichkeit auf.

theforeignduckthenativeduckandgodinacoinlocker2 In seiner früheren Karriere dem Horrorgenre gewidmet (Dark Water), konzentriert sich Nakamura in den letzten Jahren auf anspruchsvolle Unterhaltung mit Filmen wie Fish Story, Golden Slumber und A Boy and His Samurai. Jede Geschichte ist auf ihre eigene Weise charmant und höchst sympathisch.

Was in The Foreign Duck, the Native Duck and God in a Coin Locker mit einem Überfall auf einen Buchladen beginnt, verstrickt sich in ein Geflecht aus Begebenheiten, die nicht zusammenpassen. In Rückblenden tauchen die Schatten der Vergangenheit auf, jedoch weder chronologisch, noch mit der Garantie, der Wahrheit zu entsprechen.

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Der Film berührt, ist witzig und traurig zugleich. Was als kuriose Komödie beginnt, wandelt sich in der zweiten Hälfte in ein beklemmenderes Szenario, als man es zu Beginn vermutet hätte. Wie auch in Fish Story und Golden Slumber spielt ein Song eine elementare Rolle in der Filmentwicklung, der die Protagonisten verbindet.

Der Film kommt ohne Überladungen und aufwendige Actionszenen bzw. fantastische Elemente aus und fesselt den Zuschauer dennoch durchgehend in seinen Sessel. Die großartigen Schauspieler hauchen der Geschichte Leben ein: sowohl am Anfang als auch in den emotionaleren Szenen zum Ende hin. Hamada verkörpert die Unschuld eines Jungen mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit. Eita gibt sich taff und geheimnisvoll, doch sein Charakter bringt einige Überraschungen mit sich.

Nakamura ist bekannt für seine ungleichmäßige Erzählstruktur. So springt auch diese Geschichte – angelehnt an den Roman von Kōtarō Isaka – mal vorwärts, mal rückwärts in der Zeit. Bevor sich die Puzzleteile zusammenfügen, verliert die Story leider etwas zu viel Zeit darin, Hintergründe darzulegen und feine Anspielungen zu machen. Die wechselnde Sichtweise auf die Story sowie das Hin- und Herspringen fordern wohl so manchen Zuschauer, belohnen ihn am Ende jedoch mit der ersehnten Klarheit.

Für alle Fans des asiatischen Independent Films ist The Foreign Duck, the Native Duck and God In a Coin Locker auf jeden Fall ein Muss.

Cast & Crew

Regie: Yoshihiro Nakamura
Drehbuch: Yoshihiro Nakamura
Schauspieler: Gaku Hamada, Eita, Megumi Seki, Nene Otsuka

Bewertung

Bewertung_8

16th Mrz2013

Schimpansen (2012) | Filmkritik

von MaryChloe

Schimpansen

Die DISNEYnature Produktion Schimpansen entführt die Zuschauer auf eine tierische Reise ins tropische Afrika.

Character: Oscar and Isha.  Description: Oscar as an infant, with a nut in his mouth. An der Elfenbeinküste leben etwa 30 Affen gemeinsam inmitten des Dschungels. Das kräftige Männchen Freddy ist der Anführer der Gruppe. Und gerade hat das Schimpansenbaby Oscar das Licht der Welt erblickt und erlebt die ersten Schritte seines Lebens.

Wie alle Babys hat er noch viel zu lernen: wie er Futter beschafft, richtig klettert und sich in das Sozialgefüge der Gruppe eingliedert. Mit seiner verspielten, frechen und auch sturen Art strapaziert er die Nerven seiner Mutter Isha gewaltig.

Dem scheinbar idyllischen Leben von Isha, Oscar und dem Rest der Gruppe droht Gefahr, als eine rivalisierende Schimpansengruppe um den Anführer Scar auftaucht und ihnen den Futterraum streitig machen will. Freddys Tapferkeit muss auf die Probe gestellt werden und das Leben des kleinen Oscars nimmt eine tragische Wendung.

Über Monate hinweg und unter extremen Bedingungen gedreht, erzählt Schimpansen eine wahre, einzigartige Geschichte, die von der Natur geschrieben wurde.

Nach dem DISNEYnature Erfolg Unsere Erde präsentieren Alastair Fothergill und Mark Linfield mit Schimpansen eine berührend und zugleich witzige Geschichte über eine Gruppe von Affen und deren Lebensweise im tropischen Afrika. Das tierische Vergnügen ist das Ergebnis von drei Jahren Filmarbeit an der Elfenbeinküste und ein erneuter Beweis dafür, dass sich Fothergill „Steven Spielberg des Naturfilms“ nennen darf.

Character: Isha & Oscar Ob Kindererziehung, Streitigkeiten beim Essen oder der Kampf um Anerkennung, vieles von dem was die Schimpansen erleben, kommt auch uns Menschen bekannt vor. Denn von allen Tieren sind die Schimpansen uns am ähnlichsten. Sie über einen längeren Zeitraum zu filmen, ist jedoch eine enorme Herausforderung. Täglich legen sie mehrere Kilometer Strecke zurück und leben am liebsten in abgedunkelten Regionen des Urwalds. Technisch gesehen ist dies ein schwieriges Unterfangen.

Umso beeindruckender ist die Perspektive, die den Zuschauern in Schimpansen geboten wird. Die Macher zeigen die Tiere so nah und detailreich wie man sie noch nie zuvor auf der Kinoleinwand gesehen hat. Diese Sicht ist so eindrucksvoll nahe, dass man sich fragt, ob die Affen nicht doch mit Futter in bestimmte Kamerawinkel gelotst wurden. Highlight des Films ist jedoch eindeutig der kleine Oscar, in den sich wohl jeder auf den ersten Blick verliebt.

Character: The Rivals. Ein Sprecher kommentiert das Verhalten der Schimpansen und vermittelt sowohl die witzigen Momente der nüsseknackenden und werkzeugklauenden Artgenossen als auch die dramatischen und bedrohlichen Augenblicke. Ab und an wirken die Kommentare etwas übertrieben. Der Sprecher schreibt den Affen Gefühle zu, die nicht sichtbar sind oder wägt sie in Gefahr, wo gar keine besteht – allerdings nicht in einem Maß, dass es allzu störend wäre.

Begleitet wird die Story um die Affengruppe mit atemberaubenden Nahaufnahmen von allem was der Regenwald zu bieten hat: Kriechtiere, Früchte, Pilze, Blüten. Unglaubliche schöne Zeitrafferaufnahmen zeigen das Eigenleben der tropischen Natur, jede kleinste Bewegung ist mit Geräuschen untermalt. Luftaufnahmen zeigen die Herrlichkeit der Natur.

Der Film präsentiert sich nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern überzeugt durch solche magischen Momente. Bewusst verzichten die Produzenten darauf, die Bedrohung der Affen durch die Menschen zu zeigen. Sie zeigen die Tiere und deren Lebensraum so, wie sie sind und unseren Schutz verdienen.

Das bildgewaltige Spektakel nimmt die Kinobesucher mit auf eine 78 minütige Reise voller Abenteuer, Witz und Herzenswärme.

Cast & Crew

Regie: Alastair Fothergill, Mark Linfield
Drehbuch: Don Hahn, Alastair Fothergill, Mark Linfield
Musik: Nicholas Hooper
Kamera: Martyn Colbeck, Bill Wallauer
Sprecher: Tim Allen
Deutscher Sprecher: Alexander Brem

Bewertung

Bewertung_9

07th Mrz2013

House at the End of the Street (2012) | Filmkritik

von MaryChloe

House at the End of the Street

Die frisch geschiedene Sarah (Elisabeth Shue) ist mit ihrer 17jährigen Tochter Elissa (Jennifer Lawrence) gerade in ein traumhaftes Waldhaus nahe einer beschaulichen Kleinstadt gezogen. Der Grund, warum sie sich die Miete leisten können, liegt in dem nachbarschaftlichen Grundstück.

House at the End of the Street Denn das Haus, das sie durch die Fenster ihres neuen Domizils sehen können, birgt eine dunkle Vergangenheit: Vor einigen Jahren wurde dort ein Ehepaar von der gemeinsamen Tochter Carrie-Ann (Eva Link) ermordet.

Das Mädchen rannte anschließend in den Wald und verschwand. Niemand sah das Mädchen je wieder, die Nachbarn vermuten, dass es im Fluss ertrunken sei.

Als wäre dies nicht genug, erfahren Sarah und Elissa, dass dort immer noch jemand lebt. Der Sohn des ermordeten Ehepaars, Ryan (Max Thieriot), der am Tage der Gräueltat nicht im Haus war und überlebte. Doch Elissa freundet sich wenig später mit ihm an und findet Gefallen an dem introvertierten jungen Mann, den etwas Rätselhaftes umgibt. Sie ahnt nicht, dass sie sich mehr und mehr in ein grausames Geheimnis verstrickt…

Auf den ersten Blick erfüllt House at the End of the Street die notwendigen Kriterien, um einen packenden Horror-Thriller zu schaffen: Ein gruseliger Schauplatz, eine mysteriöser Außenseiter und hochkarätige Hauptdarsteller, die das Publikum mitfiebern lassen.

House at the End of the Street Nach einem semi-gruseligen Einstieg versucht Regisseur Mark Tonderai Spannung auf die subtile Art zu erzeugen: Indem er langsam ein geheimnisvolles Puzzle um den letzten Überlebenden des brutalen Mordes herum aufbaut.

Leider viel zu langsam, um den Zuschauer zu fesseln. Über weite Strecken ist die Filmhandlung weder spannend noch schlüssig. Es dauert fast 40 Minuten bis sich die Figuren zum ersten Mal wirklich in Gefahr befinden.

Wirklich dramatisch wird es erst, als sich die Geschichte dem Geheimnis des überlebenden Sohnes nähert. Doch genau in diesem letzten Drittel klappert der Regisseur wieder einmal alle möglichen Horrorklischees ab: Vom Stolpern-auf-der-Flucht über in-dunkle-Keller-gehen bis hin zum nicht-tot-zu-kriegenden-Mörder ist alles dabei.

Der Schlussakkord besitzt zwar eine gewisse Originalität, aber selbst die kurze Rückblende, die alle Hintergründe erklären soll, wirft mehr Fragen auf, als sie letztendlich beantwortet.

Immerhin ist die schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten positiv hervorzuheben. Vor allem Max Thieriot ist die Rolle des zwiespältigen Einsiedlers auf den Leib geschnitten. Doch allein das darstellerische Talent beider Akteure ändert nichts an der vorhersehbaren Rahmenhandlung.

House at the End oft the Street ist schlussendlich ein Film mit viel Potential, der die Zuschauer aufgrund von Logiklücken und klischeehaften Aktionen nicht überzeugen kann.

Cast & Crew

Regie: Mark Tonderai
Drehbuch: David Loucka, Jonathan Mostow
Musik: Theo Green
Schauspieler: Jennifer Lawrence, Max Thieriot, Elisabeth Shue, Gil Bellows, Eva Link, Nolan Gerard Funk, Allie MacDonald, Jordan Hayes, Krista Bridges

Bewertung

Bewertung_4

07th Mrz2013

Movie 43 (2013) | Filmkritik

von MaryChloe

Movie 43

Der Film besteht aus zwölf lose miteinander verbundenen Episoden. In der Rahmenhandlung feiern zwei Jugendliche den Erfolg ihres hochgeladenen Youtube-Videos und merken kurz darauf, dass sie hinsichtlich der Besucherklicks von ihrem kleinen Bruder Dexter reingelegt wurden.

Movie 43 Als Rache planen die beiden, Dexters Laptop mit Computerviren zu verseuchen. Dafür lenkt einer der Jugendlichen Dexter ab und behauptet, es existiere ein mysteriöses Video „Movie 43“. Wenn man dieses findet und sich anschaut, erhalte man unvorstellbare Superkräfte. Als Dexter das Video im Internet sucht, stößt er zunächst auf eine Reihe verbotener Videoclips und Filmausschnitte.

So findet man in elf Kurzfilmen bekannte Gesichter, u.a. bei einem ungewöhnlichen Blinddate, als Eltern, die ihren Sohn zu Hause unterrichten und ihn alle Facetten jugendlicher Grausamkeit spüren lassen, als Frau mit sexuell fraglichen Wünschen, als Batman und Robin beim Speeddating oder in einem aus dem Ruder laufenden „Wahrheit oder Pflicht“-Spiel. Auch ein ordinärer Kobold, ein MP3-Player im Design einer nackten Frau sowie eine perverse Comic-Katze dürfen nicht fehlen.

Als die Jugendlichen zu beunruhigenden Webseiten weitergeleitet werden, entsteht die Frage: Existiert „Movie 43“ vielleicht doch?

Zwölf Jahre hat es gedauert, bis die Finanzierung endlich zustande kam und eine unvergleichbar hohe Anzahl namhaften Schauspieler und Regisseure zusammengescharrt war. Die Dreharbeiten zu Movie 43 dauerten vier Jahre und letztendlich wirkten am Film 13 Regisseure, darunter unter anderem Namen wie Brett Ratner, James Gunn und Steven Brill, und 18 Drehbuchautoren mit.

Movie 43 Der Aufbau des Films wirkt zunächst vielversprechend. Viele starbesetzte Episoden, die in einen Film gepackt sind, bekommt man recht selten auf der Kinoleinwand zu sehen. Doch die Qualität der einzelnen Kurzfilme lässt streckenweise sehr zu wünschen übrig. Die wenigen Glanzmomente sieht man bereits am Anfang: Das an Loriot erinnernde Blinddate von Kate Winslet und Hugh Jackman mit deformiertem Hals ist tatsächlich komisch und startet mit einem Schmunzeln. Und die Idee des zweiten Clips, in der das Ehepaar (Naomi Watts und Liev Schreiber) ihrem Sohn das Leben zur Hölle machen, ist schlichtweg genial.

Ein paar Lichtpunkte sind noch das urkomische erste Date von Halle Berry und Stephen Merchant sowie zwei Spots zum Schutz von Kindern in Automaten und für extrem sichere Tampons. Auch Gerard Butler als Kobold zählt zu den Bildern, die man mal gesehen haben muss.

Doch ab dem dritten Film wird dem Zuschauer klar, dass der Film größtenteils auf oberflächlichen Gags basiert und die Macher auch nicht auf unterirdischen Fäkalhumor verzichten. Man kann es auf eine extreme Art lustig nennen oder einfach geschmacklos. Wie auch immer, Movie 43 geht in allen Episoden konsequent unter die Gürtellinie erreicht problemlos alle Fassaden des schlechten Geschmacks. Die Macher schrecken auch vor wirklich derben Späßen nicht zurück.

Movie 43 Wie das durch und durch berühmte Ensemble für die Produktion gewonnen werden konnte, bleibt unklar. Doch selbst die Starbesetzung kann über die durchgängig primitiven Dialoge und einfallslosen, teils abartigen Witze nicht hinwegtrösten. Dazu wird der überproportionale Gebrauch obszöner Ausdrücke im Laufe der 90 Minuten auch ein wenig mühsam.

Ein Urteil über den Film ist in der Tat schwierig. So staunt man einerseits über die Genialität einiger Episoden, die einen wirklichen Lacher hervorbringen – andererseits greift man sich beim restlichen Dargebotenen einfach nur zweifelnd an den Kopf. Das Endergebnis ist sogar bei den Schauspielern umstritten. So soll Richard Gere versucht haben, seine Szene aus dem Film entfernen zu lassen.

Inspiriert wurden Produzent Charlie Wessler und Dumm und Dümmer-Regisseur Peter Farrelly vom Episodenfilm „Kentucky Fried Movie“ aus dem Jahre 1977. Von Kritikern vernichtet, vom studentischen Publikum jedoch mit Kultstatus versehen, mischte der Film mit seiner Aneinanderreihung von Sketchen die damalige Kinoszene auf. Ein ähnlicher Erfolg schwebt Charlie Wessler mit Movie 43 vor: „Am Ende werden wir bei Rotten Tomatoes nicht mehr als 13 Prozent positive Bewertungen haben, aber das College-Publikum wird uns lieben!“ Und genau dies hat Wessler mit Movie 43 wohl erreicht – mehr aber leider auch nicht.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Bob Odenkirk, Elizabeth Banks, Steven Brill, Steve Carr, Rusty Cundieff, James Duffy, Griffin Dunne, Peter Farrelly, Patrik Forsberg, Will Graham, James Gunn, Brett Ratner, Jonathan van Tulleken
Drehbuch: Steve Baker, Will Carlough, Jacob Fleisher, Patrik Forsberg, Rocky Russo, Jeremy Sosenko
Musik: William Goodrum
Schauspieler: Richard Gere, Dennis Quaid, Hugh Jackman, Kate Winslet, Gerard Butler, Halle Berry, Johnny Knoxville, Kieran Culkin, Emma Stone, Seann William Scott, Uma Thurman, Anna Faris, Elizabeth Banks, Justin Long, Naomi Watts, Chloë Moretz, Stephen Merchant, Kristen Bell, Leslie Bibb, Kate Bosworth, Bobby Cannavale, John Hodgman, Martin Klebba

Bewertung

Bewertung_4

24th Feb2013

Silver Linings (2012) | Filmkritik

von MaryChloe

Silver Linings

Pat Solatano (Bradley Cooper) hat alles verloren: sein Haus, seinen Job und seine Frau. Nachdem er auf gerichtliche Anweisung acht Monate in einer psychiatrischen Anstalt verbrachte zieht er wieder zuhause bei Mutter (Jacki Weaver) und Vater (Robert de Niro) ein.

Silver Linings Pat ist fest entschlossen, positiv zu denken, sein Leben auf die Reihe zu bekommen und seine Frau zurückzuerobern. Seine manisch-depressive Art und aufkommenden Gewaltausbrüche machen dies jedoch nicht gerade einfach.

Als er die schnippische Witwe Tiffany (Jennifer Lawrence) kennenlernt, beginnt sich alles erneut zu verkomplizieren. Sie ist über den Tod ihres Mannes noch so verzweifelt, dass sie den Tag nur mit Tabletten bewältigt, dazu hat sie jeden Sinn für angemessenes Benehmen verloren.

Doch bei der Rückeroberung von Pats Frau bietet Tiffany ihre Hilfe an. Die einzige Bedingung dafür ist ein Tanzkurs. Im Zuge ihres ungewöhnlichen Deals kommen sich die beiden auf außergewöhnliche Weise näher.

Silver Linings scheint auf dem ersten Blick ein typischer Streifen über Macken und Liebe zu sein, als hätte es davon nicht schon genug gegeben. Doch nicht umsonst ist der inzwischen sechste Spielfilm von David O. Russell (The Fighter) einer der heißesten Anwärter auf den Oscar. Die Adaption des gleichnamigen Romans von Matthew Quick wurde bereits begeistert aufgenommen.

Silver Linings Seine beeindruckende Wirkung verdankt der Film primär seinen beiden Hauptdarstellern. Jennifer Lawrence, bereits für Winter’s Bone erstmals Oscar-nominiert, feiert spätestens seit Die Tribute von Panem einen hohen Stellenwert in Hollywood. Mühelos schafft sie den Sprung vom Teenager in die Rolle der verwitweten Frau.

Mit der verletzlichen, aufsässigen und erbarmungslos ehrlichen Tiffany lässt sie in Silver Linings ihren verletzlichen Kern erkennen. Diese Ehrlichkeit führt zu herrlich offenherzigen Dialogen mit Pat.

In der Rolle des Pat stellt Bradley Cooper sein Talent in voller Pracht zur Schau. Fabelhaft gelingt es ihm, die bipolare Störung seines Charakters sehr feinfühlig darzustellen. Mal hilfsbedürftig, mal voller Energie, die schnell in Gewalt resultieren kann – es ist köstlich dem The Hangover-Star bei seinem ständigen inneren Konflikt zuzusehen.

Von Beginn an ist es wunderbar erfrischend zu sehen, wie sich beide Charaktere mal annähern, mal wieder voneinander wegstoßen. Komisch und tragisch zugleich ist die Wahrnehmung beider Figuren auf sich selbst und aufeinander.

Silver Linings Denn Pat hält sich für geheilt und glaubt mehr an die Kraft des positiven Denkens als an die Wirkung seiner Pillen. Tiffany versteckt ihre Verlorenheit hinter bissigen Sprüchen. Nur durch ihre Aufdringlichkeit kommt es zu dem Pakt der beiden. Und nach einem schwierigen Start beginnen Pat und Tiffany einander zu heilen.

Selbst die Nebenfiguren haben mit mehr oder weniger tragischen Problemchen zu kämpfen und sind durch Jacki Weaver (Königreich des Verbrechens), Chris Tucker (Rush Hour), Anupam Kher (Kick it like Beckham) und John Ortiz (Miami Vice) wunderbar besetzt. Besonders sticht Robert De Niro hervor, der mit Pats Vater eine Rolle besetzt, die seinem Talent gerecht wird. De Niro spielt eindrucksvoll den Vater, der mit Störung seines Sohnes umgehen muss und zum anderen mit seinen eigenen Angewohnheiten zu kämpfen hat. Diese Darstellung nimmt man dem inzwischen 69 jährigen zu jedem Zeitpunkt ab.

Mit seiner durchweg starken Besetzung gelingt es Regisseur David O. Russell einen eindrucksvollen, charakterstarken Film vorzulegen. Durch den perfekten Einklang zwischen Drama, Komödie und schauspielerischen Talent fühlt man sich von der ersten bis zur letzten Minute bestens unterhalten.

Silver Linings ist eines der ungewöhnlichsten und gleichzeitig schönsten Liebesdramen der letzten Jahre. Da tut es auch nicht weh, dass der Film am Schluss in die vertraut-gehasste Schnulzenschiene rutscht. Denn wie Jennifer Lawrence und Bradley Cooper das verrückt-verliebte Pärchen geben, ist von Anfang bis Ende ein Augenschmaus.

Cast & Crew

Regie: David O. Russell
Drehbuch: David O. Russell
Musik: Danny Elfman
Schauspieler: Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Julia Stiles, Robert De Niro, Jacki Weaver, Taylor Schilling, Chris Tucker

Bewertung

Bewertung_9

08th Feb2013

Die Frau des Anarchisten (2008) | Filmkritik

von MaryChloe

Die Frau des Anarchisten

Spanien im Bürgerkrieg 1937. Madrid wird von faschistischen Einheiten umzingelt und die republikanischen Verteidiger versuchen sich zu wehren. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die leidenschaftliche Manuela (Maria Valverde), die ganz in ihrer Liebe zu ihrem Mann, dem Rechtsanwalt Justo Alvarez Calderon (Juan Diego Botto), aufgeht. Justo kämpft in Madrid gegen Francos Truppen. Als sprachgewandter Redner wettert er im Radio gegen die Faschisten und sieht sich mit zunehmender Belagerung der Hauptstadt zum bewaffneten Kampf gezwungen.

diefraudesanarchisten1 Mit Hilfe der deutschen Kommunistin Leni (Nina Hoss) flieht er aus der Stadt, um an die Front zu gehen. Zurück bleiben die schwangere Manuela und die kleine Tochter Paola (Juan Diego Botto), die das ganze Leid der Belagerung, die Säuberungen und Schikanen der Sieger ertragen müssen.

Nach Jahren der Ungewissheit erhalten sie Nachricht von Justo aus Frankreich. Als Manuela und die mittlerweile 16-jährige Paola endlich ihren Mann und Vater in die Arme schließen, zeigt sich, dass die Zeit nicht spurlos an der Familie vorbeigegangen ist. Beide finden Justo krank und verbittert wieder. Tiefe Gräben und unterschiedliche Lebensläufe machen das Zusammenfinden schwierig, denn im Exil führt Justo seinen verbissenen Kampf gegen die Faschisten mit der blonden Leni heimlich weiter. Doch der Glauben an die gerechte Sache und die Liebe zu seiner Frau Manuela und seiner Tochter sind die treibenden Kräfte seines Inneren.

Mit Die Frau des Anarchisten erwecken Peter Sehr und Marie Noëlle ein Stück spanische Zeitgeschichte zum Leben: Die Frau eines Wortführers der kommunistischen Freiheitskämpfer erlebt den Spanischen Bürgerkrieg und den Widerstand gegen den Putsch der faschistischen Franco-Anhänger.

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Regisseurin Noelle – selbst Enkelin eines spanischen Widerstandskämpfers – formte das Drehbuch aus bruchstückhaften Kindheitserlebnissen ihrer Mutter und ausgiebiger Recherche. Daraus resultiert dann auch die größte Schwäche des Films: Seine fehlenden Schwerpunkte und kein wirkliches Zentrum.

Mitunter springt die Handlung viel zu schnell und ruckartig voran. Einerseits hätte man straffen und glätten müssen, andererseits hätte viel mehr noch erzählt werden können. Zudem schwelgt die Produktion in großen Bildern und Gesten. Die Story von Liebe im Bürgerkrieg wirkt durch allzu hübsche Bilder oft flach und einförmig. Hauptdarstellerin Maria Valverde ist auch im Elend des Krieges noch elegant gekleidet.

Das Regie-Duo versteht es trotzdem, den Zuschauern die Geschehnisse eindringlich nahe zu bringen. Das Team sucht die Balance der Erzählung, indem sie persönliches Drama und historische Ereignisse eng koppelt und die Zuschauer sie vor allem durch die Augen der Protagonistin erleben. Besonders das letzte Drittel, das im französischen Exil spielt, überzeugt durch eine sensible Inszenierung, die sowohl die Gebrochenheit als auch das Überwinden des Trennenden bedenkt. Erfrischend für das deutsche Publikum ist Nina Hoss, die eine leidenschaftliche Kommunistin spielt.

Die Frau des Anarchisten erzählt die bewegende Epoche zwischen 1937 und 1952. Im Vordergrund steht stets der aufopferungsvolle Kampf für die Freiheit. Es handelt sich um ein bewegendes autobiografisches Familiendrama, das leider oft unausgewogen und in seinen Bildern überladen erzählt wird.

Cast & Crew

Regie: Peter Sehr, Marie Noelle
Drehbuch: Marie Noelle
Musik: Frédéric Sanchez
Schauspieler: Juan Diego Botto, María Valverde, Nina Hoss, Alba Barragán, Ainoa Ruiz, Ivana Baquero, Irene Visedo, Edgar Sehr, Adrià Collado

Bewertung

Bewertung_6

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