16th Feb2016

Battlestar Galactica: Blood & Chrome (2012) | Filmkritik

von Lars B

Battlestar Galactica: Blood & Chrome

Wer kennt sie nicht? Die berühmte Titelmelodie aus den 70ern? Wenn der gigantische Kampfstern Galactica fast endlos scheinend an der Kamera vorbeiflog, stellten sich beim Zuschauer die Nackenhaare vor Verzückung auf. Der Kult der einstigen Sci-Fi Serie scheint unsterblich.

battlestar_galactica_1 2004 wurde die Serie mit 4 Staffeln und zwei Filmen zu neuem Leben erweckt und zeigte die einstige altbackene Serie in neuem, futuristischen Gewand. Wenn der Großangriff der Zylonen die Bewohner der 12 Kolonien an den Rand der Zerstörung drängt und nur die Galactica als Bollwerk der menschlichen Rasse übrig ist, weiß man, dass der Ton der Serie äußerst düster und ernst ist.

Nur Admiral Amada (Edward James Olmos) steht den Überlebenden mit einer stoischen Ruhe in ihrer dunkelsten Stunde bei.

Nachdem das Serienreboot eingestellt wurde, werkelten die Schöpfer an einer neuen Geschichte, um den Mythos am Leben zu halten. Statt eine Fortsetzung der bekannten Mythologie zu erzählen, entschied man sich nach Caprica für ein weiteres Prequel.

Lange bevor William Adama ein erfahrender und besonnender Anführer wurde, musste er sich als draufgängerischer Pilot den Respekt der Flotte während des Ersten Zylonenkrieges verdienen. In einem in 10 Teile geteilten Film, jeder zwischen 7 und 12 Minuten lang, wurde Battlestar Galactica: Blood & Chrome auf dem YouTube Kanal Machinima Prime ab dem 9. November 2012 ausgestrahlt. Unter der Voraussetzung, dass der Film die Erwartungen der Produzenten erfüllt, sollte der Film für eine zukünftige Serie als Pilotfilm dienen, die dann entweder über das Internet oder traditionell über das Fernsehen ausgestrahlt werden würde.

battlestar_galactica_2 „Husker“, wie der junge Pilot genannt wird, ist ein richtiger Angeber. Mit besten Noten aber ohne Erfahrung, tut er sich schwer, sich Vorgesetzten unterzuordnen und kann es kaum erwarten, in einer Viper zu fliegen, um ein strahlender Held des Krieges zu werden.

Doch so schnell kommt der junge William Amada (Luke Pasqualino) nicht ins Cockpit eines der schnellen Jäger. Statt in die Schlacht zu ziehen, wird der Heißsporn zusammen mit Copilot Coker (Ben Cotton) auf Botenmissionen geschickt. In einem schwerfälligen Raptor-Transportschiff müssen die beiden Piloten durch ein gefährliches Gebiet reisen. Statt wichtige Ausrüstung zu transportieren, haben die beiden ungleichen Piloten die zivile Ingenieurin Dr. Becca Kelly (Lili Bordàn) an Bord, die sich schnell als Agentin in geheimer Mission entpuppt.

Schnell wird klar, dass Husker mitten im Territorium der Zylonen ist. Coker sieht das gar nicht gern, denn er hat erst bei seinem letzten Einsatz ein Besatzungsmitglied verloren und hat genug von Krieg und Zerstörung. Zu dumm nur, dass sein unerfahrener Begleiter geradezu zielsicher vom Ärger angezogen wird. Und so sind die drei Protagonisten bald hinter feindlichen Linien und müssen ums nackte Überleben kämpfen.

Dabei treffen sie auf die grimmigen Zylonen, gefährliche Schlangenmonstern und einen durchgedrehten Soldaten, der seinen Verstand wohl in der Schlacht eingebüßt hat.

battlestar_galactica_3 Bedenkt man, dass es sich hier um eine Webserie dreht, sind Effekte und Setting gar nicht so schlecht gemacht und bewegen sich auf solidem TV-Niveau. Luke Pasqualino ist der Prototyp des ungehobelten Piloten, der erst noch Manieren lernen muss und erinnert stark an Maverick (Tom Cruise) aus Top Gun, dessen Arroganz fast den Tod seiner Kameraden bedeutete.

Copilot Coker Fasjovik wird von Ben Cotton als väterliche Figur dargestellt, die dem jungen Helden erst beibringen muss, wie man außerhalb der Akademie am Leben bleibt. Jedoch bleibt sein Charakter fast immer farblos im Hintergrund und bekommt nur selten Gelegenheit, wirklich Tiefe und Sympathie zu entwickeln.

Lili Bordàn bleibt ebenfalls häufig auf der Strecke und trägt bis auf den klimatischen Höhepunkt kaum zur Handlung bei. Eine hastig konstruierte Liebesszene ist alles, was von ihr im Gedächtnis bleibt. Alle anderen Rollen haben bestenfalls nur eine Statistenfunktion und sorgen einzig dafür, dass es neben unserem Trio auch andere Personen zu sehen gibt.

Leider ist der Pilotfilm nicht besonders gut angekommen, weshalb eine Fortführung der Handlung vermutlich ausgeschlossen ist. Die Effekte sind solide, die Action stimmig, nur mit den blassen Charakteren wird man selbst als Fan der Serie nicht wirklich warm. Ein richtiges Pilotengeschwader und mehrere Hauptfiguren hätten hier gut getan. Man vermisst Starbuck und Co.!

Wer allerdings ein weiteres Kapitel der Weltraumodyssee sehen möchte und mit dem Look der Reboot-Serie anno 2004 zufrieden ist, sollte ruhig einen Blick riskieren. Doch sollte man nicht zu viel erwarten.

Viele Ansätze und Anspielungen wirken vielversprechend, werden aber nicht genau genug erklärt. Warum Zylonen in einem Schlachthaus mit menschlichen Körpern hantieren oder weshalb es vor dem Zylonenangriff bereits einen Krieg gegen die Blechköpfe gab, wird nicht erklärt. Hier merkt man einfach an vielen Stellen, dass im geplanten, späteren Serienverlauf noch einige Fragen beantwortet werden sollten. Leider kam es nicht mehr dazu, wer aber trotzdem ein großer Fan des Serienkonzepts ist und von den rar gesäten Science-Fiction Serien nicht genug bekommt, sollte trotzdem einen Blick riskieren.

Für Neueinsteiger in diese Serienwelt könnte jedoch die Kost etwas zu unverdaulich sein, denn Erklärungen sucht man in Battlestar Galactica: Blood & Chrome vergebens.

Cast & Crew

Regie: Jonas Pate
Drehbuch: Michael Taylor, David Eick
Musik: Bear McCreary
Darsteller: Luke Pasqualino, Ben Cotton, Lili Bordán, Jill Teed, John Pyper-Ferguson, Brian Markinson, Karen LeBlanc

Bewertung

Bewertung_5

26th Jan2016

The Transporter Refueled (2015) | Filmkritik

von Lars B

The Transporter Refueled

2002 machte die Rolle des wortkargen Fahrers einen ehemaligen Turmspringer namens Jason Statham berühmt und ebnete ihm endgültig den Weg ins Actionkino. Nach drei Auftritten als rasanter Chauffeur mit Handkante, legte der jetzige Expendable die Rolle letztendlich ab. Doch funktioniert The Transporter auch ohne sein ursprüngliches Gesicht? Regisseur Camille Delamarre tritt das Gaspedal erneut durch und versieht das bewährte Actionvehikel mit neuer Lizenz und einem frischen Look.

the_transporter_refueled_szenenbilder_01 Darsteller Ed Skrein (Game of Thrones) ist dieses neue Gesicht, schlüpft in den maßgeschneiderten Anzug und klemmt sich adrett hinters Steuer seines hübschen Wagens. Wie schon im Vorgänger stellt Frank Martin bei seinen Aufträgen drei Regeln auf: keine Namen, Pünktlichkeit und niemals vom Auftrag abweichen. Einfache Regeln, die aber wie schon in den Vorgängern sehr bald gebrochen werden.

Als die junge und attraktive Anna (Loan Chabanol) einen Auftrag für den schnellsten Fahrer Frankreichs hat, ahnt dieser noch nicht, dass er es bald mit einem Russischen Mädchenhändler aufnehmen muss. Der gnadenlose Arkady Karasov (Radivoje Bukvic) hat die Unterwelt fest im Griff. Mit Waffengewalt verdrängte er die Konkurrenz und nun stehen nur noch seine Frauen auf den Straßen der Stadt. Sein Markenzeichen ist ein schwarzes Herz, das von einem Dolch durchbohrt ist – ein Anhänger, den alle seine Mädchen tragen müssen. Jahrelang hatten er und seine Kumpanen die Sache im Griff, bis ihm ein paar Frauen entwischen und nun versuchen den Spieß mit Hilfe des Transporters umzudrehen.

the_transporter_refueled_szenenbilder_02 Auch Franks alter Herr (Rey Stevenson) wird in den Auftrag verwickelt und mehrmals unfreiwillig das Opfer einer Entführung. Dass sich Frank Senior allerdings außerordentlich gut schlägt für einen Mineralwasservertreter im Ruhestand, überrascht nicht nur seinen Sohn. Wie sich bald herausstellt, verkaufte der Familienvater nicht nur Evian, sondern war auch noch als Spion in der ganzen Welt tätig. Vom Fliegen eines Flugzeugs bis hin zum Operieren einer schweren Schussverletzung – Frank Senior kann scheinbar alles.

Und so muss sich Frank Martin mit hübschen Frauen, groben Schlägern und russischen Gangstern herumärgern und fährt dabei auch noch zahlreiche Autos kaputt. Eine Waffe braucht er für die bösen Jungs allerdings nicht. Lieber schlägt er mit Autotüren und Feuerlöschern seine Gegner k.o. oder verknotet deren Gliedmaßen mit einem Rettungsring. Das dauert zwar etwas länger, sieht dafür aber besser aus. Und Stil ist für den Transporter Ehrensache.

Mit viel Wortwitz, jeder Menge Coolness und einer gehörigen Portion Action wird die Erfolgsformel der Vorgängerfilme gekonnt wiederholt. Besonders unterhaltsam bleibt hier die Kampfszene mit den Schubladen in Erinnerung, die an Witz und Slapstick nicht zu überbieten ist. Leider bleibt die Logik des Öfteren auf der Strecke. Warum hilft Franks Vater so bereitwillig den hübschen Mädchen? Wenn er Agent war, warum lässt er sich immer so leicht kidnappen? Hat der russische Gangster Karasov wirklich nichts gegen einen Mann in der Hand, außer ein paar Schlägern?

Warum gibt es keinen gewieften Polizisten, der Frank auf der Spur ist? Interessiert sich die Justiz überhaupt dafür, dass ein Auto durch ein Flughafenterminal brettert?

the_transporter_refueled_szenenbilder_03 Sieht man von diesen Fragen einmal ab, ist der neue Frank Martin überzeugend, unterhaltsam und cool. Im Gegensatz zu Jason Statham, der mit seinen groben Gesichtszügen nicht wirklich wie ein Gentleman wirkt, weiß Ed Skein mit Charisma und einer stoischen Ruhe zu überzeugen, die für diese Rolle genau so wichtig ist, wie das Benzin im Tank seines Autos. Auch die heitere Vater-Sohn-Beziehung frischt das Geschehen angenehm auf und zu fast jeder Sekunde setzten fette Beats ein und untermalen das Geschehen stimmungsvoll.

Wer also mit den anderen Transporter Teilen schon Spaß hatte, wird sich auch hier sehr gut amüsieren. Bleibt abzuwarten, ob dies der Startschuss einer neuen Reihe von Transporter-Filmen wird. Die wunderschöne Kulisse der französischen Riviera mit seinen engen Gassen und dem Blick aufs Meer, macht diesen Actionstreifen zu einem kurzweiligen und glatt polierten Actioner, den man mit genügend Popcorn gut erträgt.

Der ganz große Überraschungshit wie John Wick ist es zwar nicht geworden, aber auch der erste Transporter Film war nicht so perfekt, wie wir ihn in Erinnerung haben.

Cast & Crew

Regie: Camille Delamarre
Drehbuch: Adam Cooper, Bill Collage, Luc Besson
Musik: Alexandre Azaria
Darsteller: Ed Skrein, Ray Stevenson, Loan Chabanol, Gabriella Wright, Tatjana Pajković, Wenxia Yu, Radivoje Bukvić, Noémie Lenoir, Lenn Kudrjawizki

Bewertung

Bewertung_7

18th Dez2015

Die letzte Schlacht am Tigerberg (2014) | Filmkritik

von Lars B

Die letzte Schlacht am Tigerberg

Denken wir an Action made in China, denken wir zuallererst an mutige Samurai, die mit Schwert und Speer das Leben einer Prinzessin schützen oder auf dem Schlachtfeld alleine einer Hundertschaft von Gegnern trotzen. Wenn man dann noch den Namen Tsui Hark vor dem geistigen Auge hat, denkt man ebenfalls an Detective Dee und allerlei Kostümierungen, waghalsige Kampfchoreographien und ordentlich viel Magie fürs Auge. Wer sich dann sogar noch etwas intensiver mit dem asiatischen Kino beschäftigt weiß auch, dass Once Upon a Time in China mit Jet Li ebenfalls vor über 25 Jahren von Regisseur Tsui Hark realisiert wurde.

dieletzteschlachtamtigerberg_1 Doch dass Tsui Hark auch anders kann, zeigt er mit Die letzte Schlacht am Tigerberg, der im Japan der späten 1940er spielt. Doch funktioniert diese Zeitreise auch für den verwöhnten Zuschauer?

China im Winter 1946. Nach der Kapitulation Japans herrschen grausame Bedingungen im Land. Diebesbanden tyrannisieren die Einheimischen und nehmen der hungernden Bevölkerung auch noch das letzte Hab und Gut. In einer uneinnehmbaren Festung auf dem Tigerberg fristet die Bande von Lord Falke (Tony Ka Fai Leung) ihr Gaunerdasein im Überfluss. Saufend und rauchend genießen sie das Leben, während im Tal das Volk friert und sich in seinen Hütten verstecken muss.

Doch Lord Falke ist auf der Suche nach drei Truppenkarten, die ihm zu noch mehr Reichtum verhelfen sollen. Immerhin führen die drei Pläne zu einer Armee, einem riesigen Waffenlager und zu einem gigantischen Schatz. Kein Wunder also, dass der grimmige Lord jeden Stein im Land umdrehen lässt, denn er ist bereits im Besitz der ersten beiden Karten. Nur der Weg zum Schatz fehlt ihm noch.

dieletzteschlachtamtigerberg_2 Genau in dieser Zeit tauchte die Chinesische Einheit 203 auf, angeführt von Captain Shao (Kenny Lin). Ausgehungert und durchgefroren sind die 30 Soldaten auf der Suche nach einer Diebesbande. Und sie werden nicht nur fündig, sondern können bald auch die dritte Karte in den Händen halten, auf die es Lord Falke schon seit so langer Zeit abgesehen hat. Klar, dass es nicht lange dauert, bis die Räuber kommen, um die Soldaten zu stellen. Doch diesmal werden es die 30 Soldaten nicht nur mit ein paar Strolchen, sondern mit 300 wütenden, tätowierten und schwer bewaffneten Gegnern zu tun bekommen. Eine aussichtslose Situation.

Doch Verstärkung naht mit dem fremden Soldaten Yang (Zhang Hanyu), der sich nach einigem Hin und Her in die Diebesbande des Falken einschleusen lässt, um im Inneren des Feindes für Unfrieden zu sorgen. Doch können die Soldaten diesem Unbekannten Kämpfer trauen oder führt er sein ganz eigenes Spiel?

Mit gewaltigen Bildern, reichlich Zeitlupen und dezentem Humor fährt Tsui Hark ein wahres Feuerwerk an Action auf. Besonders die Figur des Soldaten Yang erinnert an die Gestalten der sonst üblichen Samuraifilme. Mit Augen-Make-Up und Fellrüstung wirkt er wie ein Zeitreisender. Auch die Bande des Lord Falken wurde wie eine Armee aus Chinas Vergangenheit gestaltet. Mit Gesichts-Tätowierungen und Schwertern machen sie einen grimmigen Eindruck, auch wenn mancher von ihnen nicht ganz so clever erscheint.

dieletzteschlachtamtigerberg_3 Die Landschaftsaufnahmen und die Massenschlachten machen Die Schlacht am Tigerberg um so beeindruckender. Wenn Yang es eigenhändig mit einem Tiger aufnimmt, sieht man zu welchen atemberaubenden Effekten dieser Film greift, um die Gunst des Zuschauers zu erringen.

Was jedoch etwas stört ist die Rahmenhandlung, die in unserer Zeit spielt. Ein junger Mann macht sich auf den Weg zu seiner Oma, um sie am Weihnachtsabend zu besuchen. Diese Banalität hilft der Geschichte nicht und ist bis auf die Abschlussszene am Esstisch auch nicht besonders interessant.

Sieht man über diesen kleinen Aussetzer hinweg, ist Die letzte Schlacht am Tigerberg größtenteils gelungen und macht durchweg viel Spaß. Leider gehen, bis auf einige wenige Ausnahmen, die meisten Soldaten in der Masse unter, auch wenn hier und da ein interessanter Charakter auftaucht. Und so bleibt Zhang Hanyu als einziger Schauspieler wirklich im Gedächtnis, da er den Großteil der Handlung bestreitet.

Für Fans des asiatischen Kinos ist dieser Film wirklich zu empfehlen, doch hat er nichts mit Indiana Jones oder Inglorious Basterds gemeinsam, wie uns der Klappentext der Blu-ray weiß machen will. Für Indiana Jones hätte man sich doch mehr diesem Schatz der Diebe widmen müssen, der dann aber zum Ende des Films völlig in Vergessenheit gerät. Das ist schade, denn es hätte den Film noch etwas interessanter gestaltet. Und so kann man sich zwar auf einen gelungenen Film aus asiatischem Hause freuen, welcher sich jedoch nicht aus der Masse herauskristallisieren kann.

Cast & Crew

Regie: Hark Tsui
Drehbuch: Bo Qu, Jianxin Huang
Musik: Wai Lap Wu
Darsteller: Hanyu Zhang, Tony Ka Fai Leung, Kenny Lin, Nan Yu, Liya Tong, Geng Han, Xiao Chen

Bewertung

Bewertung_7

18th Dez2015

Larry Gaye (2015) | Filmkritik

von Lars B

Larry Gaye

Sie sind dem Spott vieler Menschen ausgesetzt: die Flugbegleiter. Abgestempelt als Saftschubse fristen sie ihr Dasein in luftigen Höhen, im Schatten der Piloten. Doch ohne sie würde es weder Service noch Menschlichkeit auf den Flügen geben. Mit Larry Gaye: Völlig abgehoben betrachten wir den wohl coolsten Flugbegleiter aller Zeiten bei seinem täglich Brot. Dabei nimmt sich der Film niemals ernst und sorgt für einen Kalauer nach dem anderen. Also schnallen Sie sich an und bringen Sie den Sitz in eine aufrechte Position. Es wird abgefahren!

larry-gaye_1 Larry Gaye (Mark Feuerstein) ist ein Rockstar unter den Flugbegleitern. Sein Service ist exquisit und er weiß auch in chaotischen Lagen seinen Mann zu stehen. Die Frauen fliegen auf ihn und die Kollegen beneiden ihn. Doch eigentlich hatte er vom Leben als Pilot geträumt.

In der Pilotenschule war er überragend, bis bei ihm Narkolepsie diagnostiziert wird. Ein Pilot, der spontan einschläft, ist natürlich untragbar, weshalb er die harte Schule der Piloten trotz allem Talent nicht bestanden hat. Doch seine Erfüllung sieht der smarte Larry nun im Betreuen der Fluggäste. Mit Charme und Umsicht kennt er die typischen Probleme der Reisenden. Leider ist nicht alles perfekt. Die Piloten hänseln ihn als Weichei und die Fluggesellschaft plant aus Kostengründen die Flugbegleiter durch sexy Roboter (Rebecca Romijin) zu ersetzen.

Doch noch gibt die Gewerkschaft der Flugbegleiter nicht auf und fordert die Roboterstewardess zum Duell. Und ausgerechnet Larry, der sechsfache Gewinner der „Goldenen Thermoskanne“, soll die Ehre der Stewards und Stewardessen retten.

larry-gaye_2 So absurd diese Geschichte sich bereits liest, so selten dämlich ist der gesamte Film gestrickt. Ein Schenkelklopfer nach dem anderen jagt hier über den Bildschirm. Manche Gags, wie der anfängliche Frühstück-für-Unterwegs-Gag, sind echt witzig. Andere Zoten sind dann doch selbst für Fans der Unglaublichen Reise in einem total verrückten Flugzeug (1980) etwas zu flach.

Trotzdem hat gerade Protagonist Mark Feuerstein alles im Griff und gibt den resoluten Flugbegleiter in bester James Bond Manier. Mit Wortwitz und viel Sexappeal schafft er es, selbst langweilige Sicherheitsanweisungen äußerst frivol zu verkaufen. Einer der „Höhepunkte“ des Fluges.

In der Tradition von früheren Klamaukfilmen wie Die nackte Kanone (1988), Hot Shots! – Die Mutter aller Filme (1991) oder Die Unglaubliche Reise…, versucht auch Larry Gaye mitzumischen. Zwar kommt man nicht mehr an den Charme der alten Klassiker des Klamaukfilms heran, doch so schlecht ist der Film nicht und man wird einen heiteren Abend ohne große Enttäuschungen mit ihm verbringen können. Immerhin konnte man schon an so einigen Stellen angeheitert lachen. Und so rettet natürlich Larry Gaye die Ehre aller Flugbegleiter in diesem heiteren und flachen Späßchen.

Wer also keine Lust mehr auf billige Anspielungen der Scary Movies hat, wird sich hier angesichts des frischen Winds gut aufgehoben fühlen. Und wer bereits Erfahrungen mit dem Fliegen und den manchmal seltsamen Flugbegleitern hatte, wird noch ein wenig heiterer lachen können. Zwar ist es kein Meisterwerk à la Mel Brooks oder Zucker, Abrahams, Zucker, doch es ist schon recht nah dran. Go Gaye go!

Cast & Crew

Regie: Sam Friedlander
Drehbuch: Mike Sikowitz
Musik: Michael Cohen
Darsteller: Mark Feuerstein, Jessica Lowndes, Stanley Tucci, Christopher Fitzgerald, Taye Diggs, Molly Millard, Danny Pudi

Bewertung

Bewertung_7

01st Dez2015

Plötzlich wieder jung – Zurück in die 80er (2015) | Filmkritik

von Lars B

Plötzlich wieder jung

Einmal wieder 17 sein! Diesen Wunsch hegt fast jeder, der in ein gewisses Alter kommt, wo sich das Leben bereits in festen Bahnen befindet. Zwei Schulfreunden in den Fünfzigern passiert genau das. Gerade haben sie noch bei einem Rotwein über ihr Leben sinniert, da wird ihnen die einmalige Chance geboten, die Uhr des Lebens zurück zu drehen. Als Teenager stehen ihnen wieder alle Türen offen und das ganze Leben liegt noch vor ihnen. Doch ob es für die beiden Herren so eine gute Idee ist, das eigene Leben um 180 Grad ändern zu wollen?

ploetzlichwiederjung_01 Patrice (Kad Merad) ist ein gefeierte Gynäkologe, der Autogramme gibt und dessen Patientinnen aus Dankbarkeit die Söhne nach ihm benennen. Er hat eine hübsche Frau, die er aus seiner Jugend kennt und eine Tochter, die lieber auf das Handy schaut, als in das Gesicht ihres Vaters. Doch trotz der beruflichen Erfolge und dem trauten Familienleben ist Patrice zutiefst unglücklich. Seine Frau nervt ihn, seine Tochter hasst ihn und sein Beruf ist zur gefühllosen Routine geworden.

Sein bester Freund Eric (Franck Dubosc) ist das genaue Gegenteil. Ein Lebemann, der auf den ersten Blick alle Frauen um den Finger wickelt und von einem Abenteuer ins nächste schlittert. Doch auch er leidet unter seinem Lebenswandel. Die letzte Scheidung hat er schlecht überstanden und auch mit dem Sushirestaurant läuft es nicht besonders. Als sich die beiden Kumpel wieder treffen, schwärmen sie vom Leben des jeweils anderen. Wie gerne würden sie ihre Rollen tauschen.

Nach einem Rotweinglas zu viel, stürzen sie die Kellertreppe hinunter, nur um in den 80ern zu erwachen. Sie sind plötzlich wieder 17, wohnen bei den Eltern und stehen kurz vor dem Schulabschluss.

Anfangs etwas geschockt, sehen sie bald ihre Chance, das Leben noch einmal neu anzufangen. Patrice kann sich in wilde Abenteuer stürzen und Eric versöhnt sich mit dem Vater, den er damals nicht zu schätzen wusste. Als die beiden Halbstarken jedoch auf Caroline (Isabelle Ramos) treffen, Patrices spätere Gattin, entbrennt eine wilde Eifersüchtelei zwischen den sonst unzertrennlichen Freunden.

ploetzlichwiederjung_02 Zwischen Kinderzimmer, Kulthits der 80er und jeder Menge Zoff mit den Eltern, müssen die sonst gestandenen Männer wieder durch die Tücken der Pubertät.

Gerade in der Midlife-Krise überkommt es viele – das Gefühl, im Leben nicht die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. Und so erkennen sich besonders ältere Jahrgänge in den zwei liebenswerten Franzosen wieder. Die Uhren zurückdrehen und falsche Entscheidungen zu korrigieren ist sonst etwas, was wir eben nicht so einfach können.

Das Duo Kad Merad (Willkommen bei den Sch’tis) und Franck Dubosc (Disco) funktioniert perfekt und weiß von der ersten Sekunde zu überzeugen. Die lebenslange Freundschaft wird hier authentisch und tiefgreifend porträtiert und weckt sofort die Sympathien des Zuschauers. Mit lockerem Witz und einer unterschwelligen Portion Tiefgang wird die Geschichte liebevoll und kurzweilig erzählt, ohne lächerlich oder albern zu wirken. Von der ersten Liebe bis zum Streit mit dem Vater wird hier jede Station eines Heranwachsenden charakterisiert, die junge Zuschauer gerade durchmachen und an die sich die älteren nur zu gern erinnern.

Plötzlich wieder jung ist eine herrlich schräge Komödie für jung und alt, die einem das Lächeln ins Gesicht zaubert. Wo amerikanische Filme nur noch mit Furzwitzen und Zweideutigkeiten punkten, zählt hier das Herz und der Kopf. Wer eine gute Komödie über Freundschaft und die große Liebe sucht, macht bei diesem Film absolut nichts falsch. Und wer kann den beiden Freunden Patrice und Eric schon widerstehen?

Cast & Crew

Regie: Dominique Farrugia
Drehbuch: Nans Delgado, Dominique Farrugia, Frédéric Hazan
Musik: Julien Jaouen
Darsteller: Kad Merad, Franck Dubosc, Alexandra Lamy, Gérard Darmon, Julien Boisselier

Bewertung

Bewertung_8

20th Nov2015

Brüder – Feinde (2015) | Filmkritik

von Lars B

Brüder - Feinde

Estland 1944. Ein Land in den Wirren des zweiten Weltkrieges. Nachdem die Sowjetunion mit Androhung von Gewalt das Land unter seine Kontrolle gebracht hatte, kommen nun die deutschen Soldaten und drohen das eigentlich neutrale Land in den Klauen des zweiten Weltkrieges zu zerstören. Die eine Hälfte der jungen, waffenfähigen Männer ist im Dienst der Roten Armee, die anderen Marschieren unter dem Banner von Hitler auf.

bruederfeinde_1 So wird die Bevölkerung gezwungen, sich gegenseitig zu bekämpfen, für einen Krieg, mit dem sie eigentlich überhaupt nichts zu tun haben.

In der ersten Filmhälfte von Brüder – Feinde (Originaltitel: 1944) folgt der Zuschauer dem jungen Soldaten Karl Tammik (Kaspar Velberg) in die Schützengräben seiner Einheit. Er ist der Waffen SS beigetreten, nachdem die Rote Armee seine Familie nach Sibirien verschleppt hat. Aus Hass auf die Sowjetunion versucht er nun, sein Land von der russischen Armee zu befreien. Dabei keimen immer wieder Schuldgefühle und Selbstzweifel auf. Warum konnte er seine Familie nicht retten? Hätte er mehr tun können und sollen?

Seine Kameraden halten eisern die Stellung, als die ersten Panzer heranrollen. Es gilt, die Soldaten fernzuhalten, so lange es noch geht.

bruederfeinde_2 Doch wofür kämpfen sie? Für Hitler? Der Krieg der Deutschen ist ihnen eigentlich egal. Was zählt, ist der Frieden im eigenen Land. Dass es aufhört Bomben zu regnen. Dass kein Panzer mehr durch die Städte fährt. Dass kein russischer Soldat eine Familie zerstört. Als Karl sich plötzlich eigenen Landsleuten gegenübersieht, die im Dienste der Sowjetunion kämpfen, traut er seinen Augen nicht!

Die zweite Hälfte des Films beschäftigt sich mit Jüri Jögi (Krisjan Üksküla), einem Soldaten im Dienst der Roten Armee. Davon überzeugt das richtige zu tun, ist er in Tallin stationiert und muss, anders als Karl, nicht in einem Schützengraben ausharren. Die Zerstörungen in der estnischen Stadt hat die russische Armee auf die Waffen SS der Deutschen geschoben, dabei ist sich selbst Jüri da nicht so sicher. Als er auf die Deutschen trifft eröffnet er das Feuer auf einen Soldaten des Feindes, nur um festzustellen, dass dies ein Landsmann war. Jüri findet in der blutigen Uniform einen letzten Brief des Soldaten an seine Schwester. Er beschließt diesen der jungen Frau (Maiken Schmidt) zu übergeben. Ob er ihr erzählen wird, dass er der Mörder ihres Bruders ist?

bruederfeinde_3 So wird auch er von Schuld und Reue geplagt, weil ihn ein sinnloser Krieg zum Mörder seines eigenen Landsmannes werden ließ. Als er dann beginnt sich in die junge Frau zu verlieben, der er so schlechte Nachrichten überbrachte, droht seine Weltsicht noch mehr ins Wanken zu geraten.

„Die Unschuldigen fühlen die Schuld, die Schuldigen fühlen gar nichts.“ Mit diesen Worten bringt es Karls Schwester Aino auf den Punkt. In diesem Krieg gibt es keine Helden, nur Täter und Opfer. Regisseur Elmo Nüganen bringt es in Brüder – Feinde auf den Punkt. Statt donnernden Effekten und Heldenpathos, konzentriert er sich auf die stillen Momente, auf den Zweifel und die Sinnlosigkeit des Krieges. Die Zweiteilung des Films ist dabei ein gelungener Schachzug, um hinter beide Fronten des Krieges zu schauen. So macht es der Film dem Zuschauer nicht zu leicht, in Gut und Böse zu unterteilen. Alle Soldaten verbindet die selbe Hoffnung und das selbe Bangen. Sind am Anfang die Russen noch gesichtslose Soldaten, die im Kanonenfeuer der Schützengräben fallen, werden sie in der Geschichte Jüris wieder zu Menschen mit einzelnen Schicksalen.

bruederfeinde_4 Mit einer eindringlichen Kamera und großen Gesichtsaufnahmen wird der Krieg so real und unerbittlich gezeigt, wie es möglich ist. Dabei wird auf Blut und Gedärm großzügig verzichtet und der Schrecken anders und dafür noch greifbarer vor Augen geführt. Wenn dein Kamerad eben noch im Schützengraben mit dir lachte, bis ihn ein Scharfschütze einfach niederstreckt und der Schrecken in allen Gesichtern sitzt, ist das schlimmer, als eine Blutwolke und teure Explosionen.

Wer also einen tieferen Einblick in die Vergangenheit Estlands erhaschen möchte, der sollte Brüder – Feinde wirklich unbedingt schauen. Ein Film, der an manchen Stellen unter die Haut und in den Kopf geht. Hier geht es nicht darum zu zeigen, wer der Gute und der Böse ist, denn das kann man im Krieg sowieso nicht mehr auseinanderhalten.

Cast & Crew

Regie: Elmo Nüganen
Drehbuch: Leo Kunnas
Musik: Jaak Jürisson
Darsteller: Marko Leht, Maiken Schmidt, Kaspar Velberg, Peeter Tammearu, Kristjan Üksküla, Märt Pius

Bewertung

Bewertung_7

04th Nov2015

Return to Sender – Das falsche Opfer (2015) | Filmkritik

von Lars B

Return To Sender

Gewalt gegen Frauen ist in der Filmwelt ein sehr heikles Thema. Meistens werden derartige Übergriffe auf das schwache Geschlecht zu reißerisch dargestellt und enden dann mit dem Rachefeldzugs des Ehemanns oder Bruders. Selten darf das Opfer selbst zur Waffe greifen oder sich wehren. Welche emotionalen Wunden bei denen zurückbleiben, die Vergewaltigungen überleben, wird nur selten charakterisiert. Meistens dient es nur halbherzig dem Motiv der Rache, ohne sich mit den wirklichen Konsequenzen zu beschäftigen. Schaden würde es nicht, denn vielleicht ließen sich einige Männer auf diese Weise sensibilisieren, wären sie sich den Folgen besser bewusst.

returntosender_1 In Return to Sender – Das falsche Opfer folgen wir dem „Opfer“, gespielt von Ex-Bond-Girl Rosamund Pike. Doch kann das kalte Psychodrama des libanesischen Regisseurs Fouad Mikati überzeugen?

Miranda Wells (Rosamund Pike) ist eine ehrgeizige Krankenschwester, die für ihre Karriere alles gibt. Sie träumt davon, zur OP-Schwester aufzusteigen und stellt ihr privates Leben deshalb hinten an. In allem ist sie äußerst akribisch, geradezu manisch. Sie backt Torten besser als mancher Konditor und weigert sich, mit fremden Kulis zu schreiben. Alles hat seine Ordnung und seinen Sinn.

Weil es in ihrem Liebesleben gerade nicht gut läuft, besorgt ihr eine Freundin ein Blind Date. Der junge Mann soll sie von zu Hause abholen. Leider kommt ihm ein fremder Mann zuvor, der sich, Dank der Verwechslung, spielend leicht Zutritt in Mirandas Haus verschafft.

returntosender_2 Anfangs scheint William (Shiloh Fernandez) ein netter Kerl zu sein. Doch schnell zeigen sich seine wahren Absichten und er vergewaltigt die hilflose Frau in der Küche. Binnen kurzem wird der Übeltäter gefasst und Miranda bleiben nur die Scherben in der Wohnung. Ein Hausverkauf ist unmöglich, da niemand Interesse an einem Verbrechenstatort hat und auch auf der Arbeit entgleitet der Perfektionistin alles. Schreckhaft und schlaflos plant die junge Frau, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Sie beginnt, dem Täter zu schreiben. Anfangs kommt die Post ungeöffnet zurück – Return to sender, doch schon bald beginnt auch der Vergewaltiger William auf die Anfragen seines Opfers zu reagieren. Es beginnt eine Art Beziehung zwischen den beiden. Miranda besucht William im Gefängnis, schreibt regelmäßig Briefe und gewinnt so das Vertrauen ihres Peinigers.

Mirandas Vater (Nick Nolte) sieht das gar nicht gern und beschwört sein Töchterchen, mit dem Unsinn aufzuhören. Als William wegen guter Führung entlassen wird, besucht er Miranda und hilft ihr sogar beim Ausbau der Veranda. Es scheint, als wolle er für seine Taten büßen. Doch was führt die kühle Blondine wirklich im Schilde?

Mit dem gleichnamigen Hit von Elvis hat Return to Sender tatsächlich nicht viel gemeinsam. Zwar bezieht sich der Filmtitel auf die anfangs ungeöffneten Briefe an William, doch schnell wird diese Redewendung bezeichnend für das Karma. Wenn aus Täter Opfer wird und Miranda versucht, den Spieß umzudrehen, bekommt der Titel eine neue, düstere Bedeutung und hätte auch „Wie du mir, so ich dir“ heißen können.

returntosender_3 Rosamund Pike (Gone Girl) porträtiert die manische Krankenschwester mit der düsteren Aura perfekt und pendelt zwischen Liebreiz und Gefahr hin und her. Auch ihr Filmpartner Shiloh Fernandez (Evil Dead) beherrscht die nötige Dualität aus Charme und Bosheit. Vom schüchternen Tellerwäscher zum brutalen Vergewaltiger, überzeugt er mit einem intensiven Spiel und setzt sehr zielsicher seine schauspielerischen Akzente.

Filmvater Nick Nolte (Nur 48 Stunden) wirkt jedoch, als wäre sein Rollenangebot nur ein Mitleidsjob. Viel ist von seiner Mimik nicht geblieben und der Glanz alter Rollen ist längst verloren. Als Theaterstück mit zwei Personen könnte man Return to Sender problemlos auf die Bühne bringen. Leider geht dem Film stellenweise die Puste aus und so dümpelt die Handlung langatmig vor sich hin, ehe dann zum finalen Akt die Spannung steigt. Gerade, weil der Zuschauer über die Motive der Protagonisten im Unklaren gelassen wird, funktioniert die Handlung überraschend gut. Hätte man sich dann noch bemüht und auch den Inhalt der Briefe vorgelesen, könnte man tiefer in die Psyche der beiden Figuren eindringen. Gerade das anfängliche Misstrauen von William hätte durch den Inhalt der Briefe gut in wachsende Zuneigung umschlagen können. Doch leider bleiben gerade die spannenden Aspekte der Psychologie verborgen und unklar.

Hier hat der Film seine Chancen nicht genutzt. Für das einmalige Sehvergnügen mag Return to Sender durchaus tauglich sein, doch hätte angesichts der starken Hauptrollen deutlich mehr drin sein können.

Cast & Crew

Regie: Fouad Mikati
Drehbuch: Patricia Beauchamp, Joe Gossett
Musik: Daniel Hart
Darsteller: Rosamund Pike, Nick Nolte, Shiloh Fernandez, Camryn Manheim, Illeana Douglas, Billy Slaughter

Bewertung

Bewertung_6

02nd Nov2015

The Voices (2014) | Filmkritik

von Lars B

The Voices

Sprechende Tiere sind in den meisten Filmen äußerst familientauglich. Haben die geselligen Vierbeiner doch eine treue Seele und versprechen, für einige Lacher gut zu sein. In The Voices kann man aber nicht von einem harmlosen Spaß für Kinder reden, wenn Badewannen-Arbeiter Jerry auf die finsteren Ratschläge seines Katers Mr. Whiskers hört. Immerhin beschert dieser rotpelzige Samtpfötler gleich mehrere abgetrennte Frauenköpfe im Kühlschrank – doch beginnen wir am Anfang dieser skurrilen Geschichte.

thevoices_1 Jerry (Ryan Reynolds) scheint auf den ersten Blick ein total normaler Typ zu sein. Sympathisch trottelig und tapsig gutmütig tut er einem fast schon leid. Wäre da nicht die Tatsache, dass der schüchterne Eigenbrötler Zwiesprache mit seinem Hund Bosco und der Katze Mr. Whiskers hält. Zwar redet jeder mal mit seinem Tier, doch hat mir meine Katze noch keinen Mord befohlen.

Alles fängt mit einem Unfall an, als Jerry, mit einem Messer in der Hand, in die attraktive Fiona (Gemma Arterton) stolpert. Schnell landet ihr Kopf auf fast unerklärliche Weise in Jerrys Kühlschrank, um den armen Kerl mit nützlichen Ratschlägen zu erheitern.

Für Jerry wirkt alles harmlos und in Ordnung, doch würde er seine Pillen nehmen, würde er merken, in welche Richtung seine Innendekoration wandert. Denn überall sammeln sich allmählich Blutflecken, Gestank und Tupperdosen voller Menschenfleisch an.

thevoices_2 Noch ahnt sein Umfeld nicht, in welcher misslichen Lage der treudoofe Jerry steckt. Nur der rote Kater spricht aus, was sich tatsächlich abspielt. Und so sammeln sich allmählich Köpfe von anderen Frauen im Kühlschrank an. Kann die Psychaterin Dr. Warren (Jacki Weaver) noch helfen? Oder sind selbst starke Psychopharmaka hier nutzlos?

In dieser schwarzen Dramödie wandelt sich Ryan Reynolds vom liebenswerten Trottel zum gefährlichen Irren. Fast tut er einem leid, wenn er versucht, stets das Richtige zu tun und sich fast widerwillig Leichen bei ihm stapeln. Da versucht Kollegin Lisa (Anna Kendrick) mit dem Wannenfabrikanten anzubändeln und stolpert glatt in seine Leichensammlung.

Klar, dass das böse endet und Protagonist Jerry völlig überfordert im Chaos versinkt. Selbst der geneigte Zuschauer hat Mühe, den Mund geschlossen zu halten. Da ertappt man sich des öfteren, wie man „Er wird doch jetzt nicht….?“ stammelt, nur um Zeuge zu werden, wie eine weitere Kollegin einen Kopf kürzer ist.

Ryan Reynolds gelingt es dabei, auf der einen Seite harmlos und auf der anderen völlig irre zu wirken. Die sprechenden Haustiere sind gut animiert und stellen Jerrys Gewissen dar. Klar, dass der treue Hund das gute Gewissen und der freche Kater das böse Gewissen ist.

thevoices_3 Während Gemma Artertons (Hänsel und Gretel: Hexenjäger) Rolle schnell auf ihren abgetrennten Schopf reduziert wird und auch Anna Kendrick (Pitch Perfect) nur etwas kleinere Auftritte hat, ehe wir ihr beim Sterben zusehen dürfen, hat Ryan Reynolds alle Zeit der Welt, den Film mit seinen beiden Haustieren zu bestreiten. Fast 90 Prozent des Filmspaßes wird mit dem Hin und Her von Haustier und Halter gefüllt. Langweilig wird es dabei zwar nicht, trotzdem sind die Entscheidungen Jerrys nur schwer nachvollziehbar. Na gut, er ist ja auch geisteskrank.

Wer also auf einen unkonventionellen Film mit bissigem Humor steht, kann mit The Voices eine recht absurde aber unterhaltsame Zeit verbringen. Der Film nimmt sich nicht wirklich ernst und wirkt an manchen Stellen total schräg. Aber ob der Film tatsächlich ein Kulthit wird, wie es der Klappentext verspricht, bleibt anzuzweifeln.

Hauptdarsteller Ryan Reynolds, den wir bald als irren Söldner Deadpool erleben dürfen, hat hier viele Möglichkeiten, seine Wandlungsfähigkeit zu zeigen. Zwar wird er mit seiner Darstellung keinen Oscar bekommen, aber ganz ohne Talent ist sein Spiel nun auch wieder nicht. Zwischen Naivität, Charme und Schwachsinn hin und her zu pendeln ist schon eine schwere Aufgabe, die der Mime hier ganz gut hinbekommt.

Wer also einen unvorhersehbaren Mördertrip sehen möchte, der kann sich The Voices von Regisseurin Marjane Satrapi (Persepolis) gerne einmal anschauen. Hier gibt es nichts Negatives an Film und Handlung zu bemängeln, auch wenn etwas mehr Skurrilität nicht geschadet hätte. Wer über das etwas lineare Handlungsgerüst hinwegsieht, wird aber gut unterhalten.

Aber bitte fangt nicht an, mit eurer Katze über den Film zu reden!

Cast & Crew

Regie: Marjane Satrapi
Drehbuch: Michael R. Perry
Musik: Olivier Bernet
Darsteller: Ryan Reynolds, Gemma Arterton, Anna Kendrick, Jacki Weaver

Bewertung

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