31st Mrz2016

Hemlock Grove S01 | Serienkritik

von Lars B

Hemlock Grove

Böse Dinge passieren zumeist in kleinen Städten. Von Twin Peaks über Sunnydale, bis hin zu den zahlreichen kleinen Orten, die für Stephen Kings Geschichten im Bundesstaat Maine herhalten mussten: Der Horror haust hinter dem Alltäglichen!

hemlockgrove_2 Das kleine und auf den ersten Blick recht übersichtliche Hemlock Grove bildet da keine Ausnahme. Hier regiert eine besonders mächtige Familie – die Godfreys. Ein Clan mit hohem Ansehen, aber auch unzähligen Neidern. Doch wer in dieser Netflix Produktion an eine schnöde Familiensaga denkt, wird schnell eines besseren belehrt. Denn in der Umsetzung von Brian McGreevys Roman aus dem Jahre 2012 geht es blutig und düster zu. Außerdem konnte man als Produzent Cabin Fever-Regisseur Eli Roth gewinnen, welcher auch in der ersten Episode die Regie übernahm.

Alles beginnt mit Peter Rumanceks (Landon Liboiron) Ankunft in jener beschaulichen Stadt. Der Zigeuner zieht mit seiner Mutter in einen abgelegenen Wohnwagen am Waldrand. Schnell hat der 17-jährige Herzensbrecher einen zweifelhaften Ruf als Werwolf. Und das alles nur, weil seine Finger zu lang sind. Jedenfalls wenn es nach der Möchtegernschriftstellerin Christina (Freya Tingley) geht. So verfolgt ihn von nun an dieses ungünstige Gerücht. Als dann auch noch zu allem Überfluss ein junges Mädchen von einer Bestie zerfleischt wird, fällt der Verdacht prompt auf den schweigsamen Neuankömmling.

Nur der Außenseiter Roman Godfrey (Bill Skarsgård) glaubt nicht recht an die Schauermärchen und so freunden sich die beiden jungen Männer schnell an. Doch der Erbe des gewaltigen Godfrey-Imperiums ist selbst kein unbeschriebenes Blatt. Seine Mutter (Famke Janssen) ist ein Tyrann, die ein Verhältnis mit Romans Onkel hat, seine Schwester sieht wie Frankensteins Monster aus und die Klinik der Godfreys birgt düstere Geheimnisse. Roman hat aber noch mehr zu bieten. Wenn er seinen Willen durchsetzen möchte, setzt er einfach Gedankentricks an, um sein Ziel zu erreichen.

So machen sich die beiden ungleichen Freunde auf, dem mordenden Ungeheuer das Handwerk zu legen. Doch durch ihre stete Nähe zu den Tatorten fällt natürlich schnell der Verdacht auf die beiden Herumtreiber, welche selbst vor Leichenschändung nicht zurückschrecken, wenn es um die Aufklärung der Morde geht. Sheriff Sworn (Aaron Douglas) tritt bei den Ermittlungen auf der Stelle und weiß nur, das Rumancek und Godfrey Ärger bedeuten.

hemlockgrove_3 Kein Wunder also, dass er die beiden Burschen nicht mehr aus den Augen lässt. Seine Arbeit wird auch nicht gerade leichter als weitere Mädchen brutal ermordet werden und die charmante aber rätselhafte Dr. Clementine Chasseur (Kandyse McClure) auf den Plan tritt. Die smarte Spezialistin für Wildtiere scheint mehr über den Täter zu wissen, wirft aber mehr Fragen als Antworten auf. Auch scheint sie, zur Verblüffung des Gesetzeshüters, einen Werwolf als Täter nicht auszuschließen.

Eine rätselhafte Schwangerschaft, eine deformierte Schwester, zahlreiche Innereien und Leichenteile schmücken den spannenden Plot weiter aus, bis die Protagonisten hinter das Geheimnis der toten Mädchen kommen. Doch bis dahin wird es noch ein weiter und düsterer Weg.

Getreu der Netflix-Tradition wird die erste Staffel von Hemlock Grove in knackigen 13 Episoden von je 45 bis 58 Minuten erzählt. Statt in jeder Folge ein Einzelabenteuer zu beleuchten hängen alle Episoden untrennbar miteinander zusammen. Die Spannungsschraube steigt genüsslich und endet meistens in einem unerträglichen Cliffhanger, der einen zwingt, gleich noch weiter zu gucken.

Dabei wird die Geschichte um die beiden Freunde gut und stimmig erzählt, ohne zu viel zu verraten. Wie es für eine Serie von heute üblich ist, wird auf explizite Gewalt und Erotik nicht verzichtet. Leichenteile, nackte Menschen und eine stellenweise vulgäre Sprache dürften das Durchschnittsalter des Publikums etwas nach oben rücken. Trotzdem war ich nach dem Schauen sehr überrascht, dass die Serie eine FSK 16 Freigabe erhalten hat. Für Kinder ist der Gruselspaß nun wirklich nichts und steht so manchem Splatterfilm in nichts nach.

Statt jedoch mit Schockern und Jumpscare-Einlagen zu punkten, bleibt der Grusel größtenteils aus. Man hat zwar keine Angst beim Gucken, wird jedoch durch die spannende Erzählweise immer wieder motiviert, der Handlung weiter zu folgen. Auch die teilweise ekligen Szenen, von abgetrennten Körperteilen oder blutigen Ritualen, sorgen für reichlich Unbehagen.

hemlockgrove_4 Bill Skarsgård und Landon Libiron harmonieren von der ersten Minute an sehr gut zusammen. Während der Godfrey-Sohnemann äußerst kalt und launenhaft daherkommt, wächst der warmherzige Zigeunerjunge Roman einem recht schnell ans Herz. Hier prallen zwei höchst unterschiedliche Welten aufeinander. Das schlossartige Anwesen der Godfreys mit seinem Prunk und der klapprige Wohnwagen der Rumanceks bilden hier klare Gegensätze. Und beide haben sie ihre düstere Vergangenheit.

Famke Janssen (Jean aus den X-Men-Filmen) macht ihre Sache als weibliches Oberhaupt der Godfreys besonders gut. Sie pendelt überzeugend zwischen einem sexy Vamp und einer diabolischen Hexe. Mal wickelt sie den ahnungslosen Norman Godfrey (Dougray Scott) um den Finger, dann bevormundet sie ihren Sohn wie eine Glucke. Doch wehe dem, der sich ihr in den Weg stellt. Selten hat man eine Frau so sehr verachtet wie Olivia Godfrey, die eine Ausgeburt der Hölle zu sein scheint.

Auch das Wiedersehen der beiden Battlestar Galactica Darsteller Aaron Douglas (The Chief) und Kandyse McClure (Officer Anastasia Dualla) lässt das Serienherz höher schlagen! Während der Sheriff meistens eindimensional und passiv wirkt, zeigt gerade Dr. Chasseur, dass sie mehr ist, als sie vorgibt zu sein. Von der streng frisierten Parkwächterin zur trinkenden Gotteskriegerin ist sie ein einziges Buch mit sieben Siegeln. Besonders in den zahlreichen Rückblicken lebt ihr Charakter förmlich auf.

Insgesamt ist die Schauspielleistung von allen Darstellern sehr gut gelungen. Shelly Godfrey, die riesenhafte Schwester Romans, gespielt von Nicole Boivin ist sogar so überzeugend gelungen, dass einige Serienfans sich im Internet ernsthaft fragen, ob die zierliche Schauspielerin tatsächlich über 2 Meter groß ist.

Wem Supernatural zu lustig und Buffy zu unblutig war, wird hier sicher seinen Spaß haben. Schräge Charaktere, eine spannende Geschichte und eine erwachsene Erzählweise machen die 13 Episoden zu einer kurzweiligen Reise. Nur in der letzten Episode merkt man, dank hektischer Schnitte, dass man unbedingt alle Plotfäden abschließen und die neue Staffel einleiten musste. Hier ist das Erzähltempo chaotisch und lässt eine homogene Handlung nicht mehr zu. Schade, denn das trübt den Gesamteindruck etwas. Ein, zwei weitere Episoden hätten hier jedenfalls nicht geschadet.

Auch sind einige Plotlöcher und Logikfehler nicht zu übersehen. Warum fällt niemandem auf, dass die kleine Christina über Nacht ergraut ist? Wieso stellt man auf Peter Rumancek keinen Haftbefehl aus? Fragt sich keiner, warum Shelly Godfrey wie Frankensteins Monster durch die Schule schlurft? Wofür ihre Hände bandagiert sind und warum ihre Haut blau leuchtet, wenn man ihr über die Wange streicht, bleibt ebenfalls ein bisher ungeklärtes Rätsel.

Doch auch trotz der kleinen Makel will man nach den ersten 13 Episoden am liebsten gleich wieder mit der nächsten Staffel beginnen. Ist das nicht bei allen Netflix Serien so? Kein Wunder also, dass es Hemlock Grove auf drei Staffeln geschafft hat und von Netflix zufriedenstellend abgeschlossen wurde.

Episodenübersicht zu Hemlock Grove

Cast & Crew

Idee: Brian McGreevy
Darsteller: Famke Janssen, Bill Skarsgård, Landon Liboiron, Penelope Mitchell, Freya Tingley, Dougray Scott, Tiio Horn, Joel de la Fuente, Madeleine Martin, Camille De Pazzis
Länge pro Episode: ca. 45–58 Minuten

Bewertung

Bewertung_8

06th Mrz2016

Yakuza Apocalypse (2015) | Filmkritik

von Lars B

Raum

Sie sind aus dem japanischen Actionkino kaum wegzudenken: Die Yakuza! Keine Mafiaorganisation zieht die Menschen derart in ihren Bann, wie die tätowierten, Anzug tragenden Gangster. Ihr Ehrenkodex macht sie zu erbitterten Feinden und ihre schonungslosen Methoden schrecken jeden Konkurrenten zurück.

yakuzaapocalypse_1 Doch wie kann man den Albtraum des Gesetzes noch übertreffen? Richtig, man kreuzt Yakuza mit Vampiren! Derart skurril lässt Regisseur Takashi Miike (Hara-Kiri – Tod eines Samurai) nun alle verrückten Ideen durchgeknallten Horror-Komödie Yakuza Apocalypse (Originaltitel: Gokudou daisensou) auf den Zuschauer niederprasseln.

Wer glaubt, bereits alles gesehen zu haben, wird in dieser Achterbahnfahrt des Irrsinns eines besseren belehrt.

Der Kleinkriminelle Kagayama (Hayato Ichihara) träumt von der großen Karriere als Yakuza-Gangster. Fast täglich trifft er im Badehaus auf die reichlich tätowierten Unholde und fühlt sich zu einer einzigartigen Laufbahn in ihren Reihen berufen. Doch bis auf kleinere Laufburschenaufträge hat der junge Möchtegern keine nennenswerten Erfolge in der Gangsterorganisation. Aber der Boss Genyo Kamiura (Rirî Furankî) hat ein großes Herz. Er betrachtet Kagayama als Ersatzsohn und nimmt ihn unter seine Fittiche. Mehr und mehr weist er den Yakuza-Azubi in die Unterwelt ein. Doch was der junge Mann hier erblickt, ist höchst fragwürdig.

Als ein angeheuerter Killertrupp dem Gangsterboss das Licht ausknipst, kann selbst sein treuester Diener nicht helfen. Doch statt sofort zu sterben, beißt Kamiura seinen Schützling und verwandelt ihn in einen blutgierigen Vampir! Und neben dem Durst treibt Kagayama danach vor allem die Rache voran. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis das Yakuza-Viertel zu einem einzigen Schlachtfeld wird.

yakuzaapocalypse_2 Vom Blutdurst getrieben, verwandelt der junge Vampirgangster zahlreiche Bürger in wahnsinnige Killer. Da werden Lehrer, Ladenbesitzer oder Teenager zu mordlustigen Monstern und tyrannisieren nun ihrerseits die Stadt, bis es kaum noch harmlose Menschen in den Bezirken gibt.

Takashi Miike verbindet den klassischen Gangsterfilm mit Horror-Komödien-Elementen und weiß mit lustigen Einfällen den geneigten Zuschauer zu überraschen. Wer einen düsteren Film mit ernsthafter Handlung und knallharter Action erwartet, wird hier nicht wirklich bedient: Strickende Sklaven im Keller, Nudeln, die sich in Froscheier verwandeln und ein kämpfendes Plüschmaskottchen sind nur einige der Verrücktheiten, die besonders im Showdown im Sekundentakt auftauchen. Besonders die lustige Godzilla-Parodie hat für einiges an Erheiterung gesorgt.

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Zwischendurch wird der Film überraschend tiefsinnig, wenn sich Kagayama um ein verletztes Mädchen kümmert oder der Zweikampf mit The Raid-Darsteller Yayan Ruhian zur Frage der Ehre wird. Insgesamt sind die Kamerabilder recht hochwertig und auch die Kämpfe sind bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und niemals langweilig.

Immer wieder wird eine Wild-West-Romantik erzeugt, wenn sich zwei Kontrahenten zum alles entscheidenden Duell versammeln oder die Musik zu einer bestimmten Person, oder einem Frosch, einsetzt. Die Darstellung von Hayato Ichihara (Dog × Police) bleibt solide, driftet an manchen Stellen jedoch etwas zu sehr ins Lächerliche ab. Trotzdem sorgt sein Stil stets dafür, dass sein Schicksal nicht völlig an uns vorbeigeht.

Der restliche Cast geht leider, bis auf den stets unterhaltsamen Froschkämpfer Masanori Mioto (Kunoichi) und den unglaublich flinken Yayan Ruhian (The Raid 1 und 2) etwas unter.

Wer also Lust auf einen kurzweiligen und äußerst lustigen Videoabend hat, sollte Yakuza Apocalypse eine Chance geben. Allein das Ende entschädigt für jede Länge, die der Film an mancher Stelle hat.

Cast & Crew

Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Yoshitaka Yamaguchi
Musik: Kôji Endô
Darsteller: Hayato Ichihara, Yayan Ruhian, Riko Narumi, Lily Franky, Reiko Takashima

Bewertung

Bewertung_6

16th Feb2016

Battlestar Galactica: Blood & Chrome (2012) | Filmkritik

von Lars B

Battlestar Galactica: Blood & Chrome

Wer kennt sie nicht? Die berühmte Titelmelodie aus den 70ern? Wenn der gigantische Kampfstern Galactica fast endlos scheinend an der Kamera vorbeiflog, stellten sich beim Zuschauer die Nackenhaare vor Verzückung auf. Der Kult der einstigen Sci-Fi Serie scheint unsterblich.

battlestar_galactica_1 2004 wurde die Serie mit 4 Staffeln und zwei Filmen zu neuem Leben erweckt und zeigte die einstige altbackene Serie in neuem, futuristischen Gewand. Wenn der Großangriff der Zylonen die Bewohner der 12 Kolonien an den Rand der Zerstörung drängt und nur die Galactica als Bollwerk der menschlichen Rasse übrig ist, weiß man, dass der Ton der Serie äußerst düster und ernst ist.

Nur Admiral Amada (Edward James Olmos) steht den Überlebenden mit einer stoischen Ruhe in ihrer dunkelsten Stunde bei.

Nachdem das Serienreboot eingestellt wurde, werkelten die Schöpfer an einer neuen Geschichte, um den Mythos am Leben zu halten. Statt eine Fortsetzung der bekannten Mythologie zu erzählen, entschied man sich nach Caprica für ein weiteres Prequel.

Lange bevor William Adama ein erfahrender und besonnender Anführer wurde, musste er sich als draufgängerischer Pilot den Respekt der Flotte während des Ersten Zylonenkrieges verdienen. In einem in 10 Teile geteilten Film, jeder zwischen 7 und 12 Minuten lang, wurde Battlestar Galactica: Blood & Chrome auf dem YouTube Kanal Machinima Prime ab dem 9. November 2012 ausgestrahlt. Unter der Voraussetzung, dass der Film die Erwartungen der Produzenten erfüllt, sollte der Film für eine zukünftige Serie als Pilotfilm dienen, die dann entweder über das Internet oder traditionell über das Fernsehen ausgestrahlt werden würde.

battlestar_galactica_2 „Husker“, wie der junge Pilot genannt wird, ist ein richtiger Angeber. Mit besten Noten aber ohne Erfahrung, tut er sich schwer, sich Vorgesetzten unterzuordnen und kann es kaum erwarten, in einer Viper zu fliegen, um ein strahlender Held des Krieges zu werden.

Doch so schnell kommt der junge William Amada (Luke Pasqualino) nicht ins Cockpit eines der schnellen Jäger. Statt in die Schlacht zu ziehen, wird der Heißsporn zusammen mit Copilot Coker (Ben Cotton) auf Botenmissionen geschickt. In einem schwerfälligen Raptor-Transportschiff müssen die beiden Piloten durch ein gefährliches Gebiet reisen. Statt wichtige Ausrüstung zu transportieren, haben die beiden ungleichen Piloten die zivile Ingenieurin Dr. Becca Kelly (Lili Bordàn) an Bord, die sich schnell als Agentin in geheimer Mission entpuppt.

Schnell wird klar, dass Husker mitten im Territorium der Zylonen ist. Coker sieht das gar nicht gern, denn er hat erst bei seinem letzten Einsatz ein Besatzungsmitglied verloren und hat genug von Krieg und Zerstörung. Zu dumm nur, dass sein unerfahrener Begleiter geradezu zielsicher vom Ärger angezogen wird. Und so sind die drei Protagonisten bald hinter feindlichen Linien und müssen ums nackte Überleben kämpfen.

Dabei treffen sie auf die grimmigen Zylonen, gefährliche Schlangenmonstern und einen durchgedrehten Soldaten, der seinen Verstand wohl in der Schlacht eingebüßt hat.

battlestar_galactica_3 Bedenkt man, dass es sich hier um eine Webserie dreht, sind Effekte und Setting gar nicht so schlecht gemacht und bewegen sich auf solidem TV-Niveau. Luke Pasqualino ist der Prototyp des ungehobelten Piloten, der erst noch Manieren lernen muss und erinnert stark an Maverick (Tom Cruise) aus Top Gun, dessen Arroganz fast den Tod seiner Kameraden bedeutete.

Copilot Coker Fasjovik wird von Ben Cotton als väterliche Figur dargestellt, die dem jungen Helden erst beibringen muss, wie man außerhalb der Akademie am Leben bleibt. Jedoch bleibt sein Charakter fast immer farblos im Hintergrund und bekommt nur selten Gelegenheit, wirklich Tiefe und Sympathie zu entwickeln.

Lili Bordàn bleibt ebenfalls häufig auf der Strecke und trägt bis auf den klimatischen Höhepunkt kaum zur Handlung bei. Eine hastig konstruierte Liebesszene ist alles, was von ihr im Gedächtnis bleibt. Alle anderen Rollen haben bestenfalls nur eine Statistenfunktion und sorgen einzig dafür, dass es neben unserem Trio auch andere Personen zu sehen gibt.

Leider ist der Pilotfilm nicht besonders gut angekommen, weshalb eine Fortführung der Handlung vermutlich ausgeschlossen ist. Die Effekte sind solide, die Action stimmig, nur mit den blassen Charakteren wird man selbst als Fan der Serie nicht wirklich warm. Ein richtiges Pilotengeschwader und mehrere Hauptfiguren hätten hier gut getan. Man vermisst Starbuck und Co.!

Wer allerdings ein weiteres Kapitel der Weltraumodyssee sehen möchte und mit dem Look der Reboot-Serie anno 2004 zufrieden ist, sollte ruhig einen Blick riskieren. Doch sollte man nicht zu viel erwarten.

Viele Ansätze und Anspielungen wirken vielversprechend, werden aber nicht genau genug erklärt. Warum Zylonen in einem Schlachthaus mit menschlichen Körpern hantieren oder weshalb es vor dem Zylonenangriff bereits einen Krieg gegen die Blechköpfe gab, wird nicht erklärt. Hier merkt man einfach an vielen Stellen, dass im geplanten, späteren Serienverlauf noch einige Fragen beantwortet werden sollten. Leider kam es nicht mehr dazu, wer aber trotzdem ein großer Fan des Serienkonzepts ist und von den rar gesäten Science-Fiction Serien nicht genug bekommt, sollte trotzdem einen Blick riskieren.

Für Neueinsteiger in diese Serienwelt könnte jedoch die Kost etwas zu unverdaulich sein, denn Erklärungen sucht man in Battlestar Galactica: Blood & Chrome vergebens.

Cast & Crew

Regie: Jonas Pate
Drehbuch: Michael Taylor, David Eick
Musik: Bear McCreary
Darsteller: Luke Pasqualino, Ben Cotton, Lili Bordán, Jill Teed, John Pyper-Ferguson, Brian Markinson, Karen LeBlanc

Bewertung

Bewertung_5

26th Jan2016

The Transporter Refueled (2015) | Filmkritik

von Lars B

The Transporter Refueled

2002 machte die Rolle des wortkargen Fahrers einen ehemaligen Turmspringer namens Jason Statham berühmt und ebnete ihm endgültig den Weg ins Actionkino. Nach drei Auftritten als rasanter Chauffeur mit Handkante, legte der jetzige Expendable die Rolle letztendlich ab. Doch funktioniert The Transporter auch ohne sein ursprüngliches Gesicht? Regisseur Camille Delamarre tritt das Gaspedal erneut durch und versieht das bewährte Actionvehikel mit neuer Lizenz und einem frischen Look.

the_transporter_refueled_szenenbilder_01 Darsteller Ed Skrein (Game of Thrones) ist dieses neue Gesicht, schlüpft in den maßgeschneiderten Anzug und klemmt sich adrett hinters Steuer seines hübschen Wagens. Wie schon im Vorgänger stellt Frank Martin bei seinen Aufträgen drei Regeln auf: keine Namen, Pünktlichkeit und niemals vom Auftrag abweichen. Einfache Regeln, die aber wie schon in den Vorgängern sehr bald gebrochen werden.

Als die junge und attraktive Anna (Loan Chabanol) einen Auftrag für den schnellsten Fahrer Frankreichs hat, ahnt dieser noch nicht, dass er es bald mit einem Russischen Mädchenhändler aufnehmen muss. Der gnadenlose Arkady Karasov (Radivoje Bukvic) hat die Unterwelt fest im Griff. Mit Waffengewalt verdrängte er die Konkurrenz und nun stehen nur noch seine Frauen auf den Straßen der Stadt. Sein Markenzeichen ist ein schwarzes Herz, das von einem Dolch durchbohrt ist – ein Anhänger, den alle seine Mädchen tragen müssen. Jahrelang hatten er und seine Kumpanen die Sache im Griff, bis ihm ein paar Frauen entwischen und nun versuchen den Spieß mit Hilfe des Transporters umzudrehen.

the_transporter_refueled_szenenbilder_02 Auch Franks alter Herr (Rey Stevenson) wird in den Auftrag verwickelt und mehrmals unfreiwillig das Opfer einer Entführung. Dass sich Frank Senior allerdings außerordentlich gut schlägt für einen Mineralwasservertreter im Ruhestand, überrascht nicht nur seinen Sohn. Wie sich bald herausstellt, verkaufte der Familienvater nicht nur Evian, sondern war auch noch als Spion in der ganzen Welt tätig. Vom Fliegen eines Flugzeugs bis hin zum Operieren einer schweren Schussverletzung – Frank Senior kann scheinbar alles.

Und so muss sich Frank Martin mit hübschen Frauen, groben Schlägern und russischen Gangstern herumärgern und fährt dabei auch noch zahlreiche Autos kaputt. Eine Waffe braucht er für die bösen Jungs allerdings nicht. Lieber schlägt er mit Autotüren und Feuerlöschern seine Gegner k.o. oder verknotet deren Gliedmaßen mit einem Rettungsring. Das dauert zwar etwas länger, sieht dafür aber besser aus. Und Stil ist für den Transporter Ehrensache.

Mit viel Wortwitz, jeder Menge Coolness und einer gehörigen Portion Action wird die Erfolgsformel der Vorgängerfilme gekonnt wiederholt. Besonders unterhaltsam bleibt hier die Kampfszene mit den Schubladen in Erinnerung, die an Witz und Slapstick nicht zu überbieten ist. Leider bleibt die Logik des Öfteren auf der Strecke. Warum hilft Franks Vater so bereitwillig den hübschen Mädchen? Wenn er Agent war, warum lässt er sich immer so leicht kidnappen? Hat der russische Gangster Karasov wirklich nichts gegen einen Mann in der Hand, außer ein paar Schlägern?

Warum gibt es keinen gewieften Polizisten, der Frank auf der Spur ist? Interessiert sich die Justiz überhaupt dafür, dass ein Auto durch ein Flughafenterminal brettert?

the_transporter_refueled_szenenbilder_03 Sieht man von diesen Fragen einmal ab, ist der neue Frank Martin überzeugend, unterhaltsam und cool. Im Gegensatz zu Jason Statham, der mit seinen groben Gesichtszügen nicht wirklich wie ein Gentleman wirkt, weiß Ed Skein mit Charisma und einer stoischen Ruhe zu überzeugen, die für diese Rolle genau so wichtig ist, wie das Benzin im Tank seines Autos. Auch die heitere Vater-Sohn-Beziehung frischt das Geschehen angenehm auf und zu fast jeder Sekunde setzten fette Beats ein und untermalen das Geschehen stimmungsvoll.

Wer also mit den anderen Transporter Teilen schon Spaß hatte, wird sich auch hier sehr gut amüsieren. Bleibt abzuwarten, ob dies der Startschuss einer neuen Reihe von Transporter-Filmen wird. Die wunderschöne Kulisse der französischen Riviera mit seinen engen Gassen und dem Blick aufs Meer, macht diesen Actionstreifen zu einem kurzweiligen und glatt polierten Actioner, den man mit genügend Popcorn gut erträgt.

Der ganz große Überraschungshit wie John Wick ist es zwar nicht geworden, aber auch der erste Transporter Film war nicht so perfekt, wie wir ihn in Erinnerung haben.

Cast & Crew

Regie: Camille Delamarre
Drehbuch: Adam Cooper, Bill Collage, Luc Besson
Musik: Alexandre Azaria
Darsteller: Ed Skrein, Ray Stevenson, Loan Chabanol, Gabriella Wright, Tatjana Pajković, Wenxia Yu, Radivoje Bukvić, Noémie Lenoir, Lenn Kudrjawizki

Bewertung

Bewertung_7

18th Dez2015

Die letzte Schlacht am Tigerberg (2014) | Filmkritik

von Lars B

Die letzte Schlacht am Tigerberg

Denken wir an Action made in China, denken wir zuallererst an mutige Samurai, die mit Schwert und Speer das Leben einer Prinzessin schützen oder auf dem Schlachtfeld alleine einer Hundertschaft von Gegnern trotzen. Wenn man dann noch den Namen Tsui Hark vor dem geistigen Auge hat, denkt man ebenfalls an Detective Dee und allerlei Kostümierungen, waghalsige Kampfchoreographien und ordentlich viel Magie fürs Auge. Wer sich dann sogar noch etwas intensiver mit dem asiatischen Kino beschäftigt weiß auch, dass Once Upon a Time in China mit Jet Li ebenfalls vor über 25 Jahren von Regisseur Tsui Hark realisiert wurde.

dieletzteschlachtamtigerberg_1 Doch dass Tsui Hark auch anders kann, zeigt er mit Die letzte Schlacht am Tigerberg, der im Japan der späten 1940er spielt. Doch funktioniert diese Zeitreise auch für den verwöhnten Zuschauer?

China im Winter 1946. Nach der Kapitulation Japans herrschen grausame Bedingungen im Land. Diebesbanden tyrannisieren die Einheimischen und nehmen der hungernden Bevölkerung auch noch das letzte Hab und Gut. In einer uneinnehmbaren Festung auf dem Tigerberg fristet die Bande von Lord Falke (Tony Ka Fai Leung) ihr Gaunerdasein im Überfluss. Saufend und rauchend genießen sie das Leben, während im Tal das Volk friert und sich in seinen Hütten verstecken muss.

Doch Lord Falke ist auf der Suche nach drei Truppenkarten, die ihm zu noch mehr Reichtum verhelfen sollen. Immerhin führen die drei Pläne zu einer Armee, einem riesigen Waffenlager und zu einem gigantischen Schatz. Kein Wunder also, dass der grimmige Lord jeden Stein im Land umdrehen lässt, denn er ist bereits im Besitz der ersten beiden Karten. Nur der Weg zum Schatz fehlt ihm noch.

dieletzteschlachtamtigerberg_2 Genau in dieser Zeit tauchte die Chinesische Einheit 203 auf, angeführt von Captain Shao (Kenny Lin). Ausgehungert und durchgefroren sind die 30 Soldaten auf der Suche nach einer Diebesbande. Und sie werden nicht nur fündig, sondern können bald auch die dritte Karte in den Händen halten, auf die es Lord Falke schon seit so langer Zeit abgesehen hat. Klar, dass es nicht lange dauert, bis die Räuber kommen, um die Soldaten zu stellen. Doch diesmal werden es die 30 Soldaten nicht nur mit ein paar Strolchen, sondern mit 300 wütenden, tätowierten und schwer bewaffneten Gegnern zu tun bekommen. Eine aussichtslose Situation.

Doch Verstärkung naht mit dem fremden Soldaten Yang (Zhang Hanyu), der sich nach einigem Hin und Her in die Diebesbande des Falken einschleusen lässt, um im Inneren des Feindes für Unfrieden zu sorgen. Doch können die Soldaten diesem Unbekannten Kämpfer trauen oder führt er sein ganz eigenes Spiel?

Mit gewaltigen Bildern, reichlich Zeitlupen und dezentem Humor fährt Tsui Hark ein wahres Feuerwerk an Action auf. Besonders die Figur des Soldaten Yang erinnert an die Gestalten der sonst üblichen Samuraifilme. Mit Augen-Make-Up und Fellrüstung wirkt er wie ein Zeitreisender. Auch die Bande des Lord Falken wurde wie eine Armee aus Chinas Vergangenheit gestaltet. Mit Gesichts-Tätowierungen und Schwertern machen sie einen grimmigen Eindruck, auch wenn mancher von ihnen nicht ganz so clever erscheint.

dieletzteschlachtamtigerberg_3 Die Landschaftsaufnahmen und die Massenschlachten machen Die Schlacht am Tigerberg um so beeindruckender. Wenn Yang es eigenhändig mit einem Tiger aufnimmt, sieht man zu welchen atemberaubenden Effekten dieser Film greift, um die Gunst des Zuschauers zu erringen.

Was jedoch etwas stört ist die Rahmenhandlung, die in unserer Zeit spielt. Ein junger Mann macht sich auf den Weg zu seiner Oma, um sie am Weihnachtsabend zu besuchen. Diese Banalität hilft der Geschichte nicht und ist bis auf die Abschlussszene am Esstisch auch nicht besonders interessant.

Sieht man über diesen kleinen Aussetzer hinweg, ist Die letzte Schlacht am Tigerberg größtenteils gelungen und macht durchweg viel Spaß. Leider gehen, bis auf einige wenige Ausnahmen, die meisten Soldaten in der Masse unter, auch wenn hier und da ein interessanter Charakter auftaucht. Und so bleibt Zhang Hanyu als einziger Schauspieler wirklich im Gedächtnis, da er den Großteil der Handlung bestreitet.

Für Fans des asiatischen Kinos ist dieser Film wirklich zu empfehlen, doch hat er nichts mit Indiana Jones oder Inglorious Basterds gemeinsam, wie uns der Klappentext der Blu-ray weiß machen will. Für Indiana Jones hätte man sich doch mehr diesem Schatz der Diebe widmen müssen, der dann aber zum Ende des Films völlig in Vergessenheit gerät. Das ist schade, denn es hätte den Film noch etwas interessanter gestaltet. Und so kann man sich zwar auf einen gelungenen Film aus asiatischem Hause freuen, welcher sich jedoch nicht aus der Masse herauskristallisieren kann.

Cast & Crew

Regie: Hark Tsui
Drehbuch: Bo Qu, Jianxin Huang
Musik: Wai Lap Wu
Darsteller: Hanyu Zhang, Tony Ka Fai Leung, Kenny Lin, Nan Yu, Liya Tong, Geng Han, Xiao Chen

Bewertung

Bewertung_7

18th Dez2015

Larry Gaye (2015) | Filmkritik

von Lars B

Larry Gaye

Sie sind dem Spott vieler Menschen ausgesetzt: die Flugbegleiter. Abgestempelt als Saftschubse fristen sie ihr Dasein in luftigen Höhen, im Schatten der Piloten. Doch ohne sie würde es weder Service noch Menschlichkeit auf den Flügen geben. Mit Larry Gaye: Völlig abgehoben betrachten wir den wohl coolsten Flugbegleiter aller Zeiten bei seinem täglich Brot. Dabei nimmt sich der Film niemals ernst und sorgt für einen Kalauer nach dem anderen. Also schnallen Sie sich an und bringen Sie den Sitz in eine aufrechte Position. Es wird abgefahren!

larry-gaye_1 Larry Gaye (Mark Feuerstein) ist ein Rockstar unter den Flugbegleitern. Sein Service ist exquisit und er weiß auch in chaotischen Lagen seinen Mann zu stehen. Die Frauen fliegen auf ihn und die Kollegen beneiden ihn. Doch eigentlich hatte er vom Leben als Pilot geträumt.

In der Pilotenschule war er überragend, bis bei ihm Narkolepsie diagnostiziert wird. Ein Pilot, der spontan einschläft, ist natürlich untragbar, weshalb er die harte Schule der Piloten trotz allem Talent nicht bestanden hat. Doch seine Erfüllung sieht der smarte Larry nun im Betreuen der Fluggäste. Mit Charme und Umsicht kennt er die typischen Probleme der Reisenden. Leider ist nicht alles perfekt. Die Piloten hänseln ihn als Weichei und die Fluggesellschaft plant aus Kostengründen die Flugbegleiter durch sexy Roboter (Rebecca Romijin) zu ersetzen.

Doch noch gibt die Gewerkschaft der Flugbegleiter nicht auf und fordert die Roboterstewardess zum Duell. Und ausgerechnet Larry, der sechsfache Gewinner der „Goldenen Thermoskanne“, soll die Ehre der Stewards und Stewardessen retten.

larry-gaye_2 So absurd diese Geschichte sich bereits liest, so selten dämlich ist der gesamte Film gestrickt. Ein Schenkelklopfer nach dem anderen jagt hier über den Bildschirm. Manche Gags, wie der anfängliche Frühstück-für-Unterwegs-Gag, sind echt witzig. Andere Zoten sind dann doch selbst für Fans der Unglaublichen Reise in einem total verrückten Flugzeug (1980) etwas zu flach.

Trotzdem hat gerade Protagonist Mark Feuerstein alles im Griff und gibt den resoluten Flugbegleiter in bester James Bond Manier. Mit Wortwitz und viel Sexappeal schafft er es, selbst langweilige Sicherheitsanweisungen äußerst frivol zu verkaufen. Einer der „Höhepunkte“ des Fluges.

In der Tradition von früheren Klamaukfilmen wie Die nackte Kanone (1988), Hot Shots! – Die Mutter aller Filme (1991) oder Die Unglaubliche Reise…, versucht auch Larry Gaye mitzumischen. Zwar kommt man nicht mehr an den Charme der alten Klassiker des Klamaukfilms heran, doch so schlecht ist der Film nicht und man wird einen heiteren Abend ohne große Enttäuschungen mit ihm verbringen können. Immerhin konnte man schon an so einigen Stellen angeheitert lachen. Und so rettet natürlich Larry Gaye die Ehre aller Flugbegleiter in diesem heiteren und flachen Späßchen.

Wer also keine Lust mehr auf billige Anspielungen der Scary Movies hat, wird sich hier angesichts des frischen Winds gut aufgehoben fühlen. Und wer bereits Erfahrungen mit dem Fliegen und den manchmal seltsamen Flugbegleitern hatte, wird noch ein wenig heiterer lachen können. Zwar ist es kein Meisterwerk à la Mel Brooks oder Zucker, Abrahams, Zucker, doch es ist schon recht nah dran. Go Gaye go!

Cast & Crew

Regie: Sam Friedlander
Drehbuch: Mike Sikowitz
Musik: Michael Cohen
Darsteller: Mark Feuerstein, Jessica Lowndes, Stanley Tucci, Christopher Fitzgerald, Taye Diggs, Molly Millard, Danny Pudi

Bewertung

Bewertung_7

01st Dez2015

Plötzlich wieder jung – Zurück in die 80er (2015) | Filmkritik

von Lars B

Plötzlich wieder jung

Einmal wieder 17 sein! Diesen Wunsch hegt fast jeder, der in ein gewisses Alter kommt, wo sich das Leben bereits in festen Bahnen befindet. Zwei Schulfreunden in den Fünfzigern passiert genau das. Gerade haben sie noch bei einem Rotwein über ihr Leben sinniert, da wird ihnen die einmalige Chance geboten, die Uhr des Lebens zurück zu drehen. Als Teenager stehen ihnen wieder alle Türen offen und das ganze Leben liegt noch vor ihnen. Doch ob es für die beiden Herren so eine gute Idee ist, das eigene Leben um 180 Grad ändern zu wollen?

ploetzlichwiederjung_01 Patrice (Kad Merad) ist ein gefeierte Gynäkologe, der Autogramme gibt und dessen Patientinnen aus Dankbarkeit die Söhne nach ihm benennen. Er hat eine hübsche Frau, die er aus seiner Jugend kennt und eine Tochter, die lieber auf das Handy schaut, als in das Gesicht ihres Vaters. Doch trotz der beruflichen Erfolge und dem trauten Familienleben ist Patrice zutiefst unglücklich. Seine Frau nervt ihn, seine Tochter hasst ihn und sein Beruf ist zur gefühllosen Routine geworden.

Sein bester Freund Eric (Franck Dubosc) ist das genaue Gegenteil. Ein Lebemann, der auf den ersten Blick alle Frauen um den Finger wickelt und von einem Abenteuer ins nächste schlittert. Doch auch er leidet unter seinem Lebenswandel. Die letzte Scheidung hat er schlecht überstanden und auch mit dem Sushirestaurant läuft es nicht besonders. Als sich die beiden Kumpel wieder treffen, schwärmen sie vom Leben des jeweils anderen. Wie gerne würden sie ihre Rollen tauschen.

Nach einem Rotweinglas zu viel, stürzen sie die Kellertreppe hinunter, nur um in den 80ern zu erwachen. Sie sind plötzlich wieder 17, wohnen bei den Eltern und stehen kurz vor dem Schulabschluss.

Anfangs etwas geschockt, sehen sie bald ihre Chance, das Leben noch einmal neu anzufangen. Patrice kann sich in wilde Abenteuer stürzen und Eric versöhnt sich mit dem Vater, den er damals nicht zu schätzen wusste. Als die beiden Halbstarken jedoch auf Caroline (Isabelle Ramos) treffen, Patrices spätere Gattin, entbrennt eine wilde Eifersüchtelei zwischen den sonst unzertrennlichen Freunden.

ploetzlichwiederjung_02 Zwischen Kinderzimmer, Kulthits der 80er und jeder Menge Zoff mit den Eltern, müssen die sonst gestandenen Männer wieder durch die Tücken der Pubertät.

Gerade in der Midlife-Krise überkommt es viele – das Gefühl, im Leben nicht die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. Und so erkennen sich besonders ältere Jahrgänge in den zwei liebenswerten Franzosen wieder. Die Uhren zurückdrehen und falsche Entscheidungen zu korrigieren ist sonst etwas, was wir eben nicht so einfach können.

Das Duo Kad Merad (Willkommen bei den Sch’tis) und Franck Dubosc (Disco) funktioniert perfekt und weiß von der ersten Sekunde zu überzeugen. Die lebenslange Freundschaft wird hier authentisch und tiefgreifend porträtiert und weckt sofort die Sympathien des Zuschauers. Mit lockerem Witz und einer unterschwelligen Portion Tiefgang wird die Geschichte liebevoll und kurzweilig erzählt, ohne lächerlich oder albern zu wirken. Von der ersten Liebe bis zum Streit mit dem Vater wird hier jede Station eines Heranwachsenden charakterisiert, die junge Zuschauer gerade durchmachen und an die sich die älteren nur zu gern erinnern.

Plötzlich wieder jung ist eine herrlich schräge Komödie für jung und alt, die einem das Lächeln ins Gesicht zaubert. Wo amerikanische Filme nur noch mit Furzwitzen und Zweideutigkeiten punkten, zählt hier das Herz und der Kopf. Wer eine gute Komödie über Freundschaft und die große Liebe sucht, macht bei diesem Film absolut nichts falsch. Und wer kann den beiden Freunden Patrice und Eric schon widerstehen?

Cast & Crew

Regie: Dominique Farrugia
Drehbuch: Nans Delgado, Dominique Farrugia, Frédéric Hazan
Musik: Julien Jaouen
Darsteller: Kad Merad, Franck Dubosc, Alexandra Lamy, Gérard Darmon, Julien Boisselier

Bewertung

Bewertung_8

20th Nov2015

Brüder – Feinde (2015) | Filmkritik

von Lars B

Brüder - Feinde

Estland 1944. Ein Land in den Wirren des zweiten Weltkrieges. Nachdem die Sowjetunion mit Androhung von Gewalt das Land unter seine Kontrolle gebracht hatte, kommen nun die deutschen Soldaten und drohen das eigentlich neutrale Land in den Klauen des zweiten Weltkrieges zu zerstören. Die eine Hälfte der jungen, waffenfähigen Männer ist im Dienst der Roten Armee, die anderen Marschieren unter dem Banner von Hitler auf.

bruederfeinde_1 So wird die Bevölkerung gezwungen, sich gegenseitig zu bekämpfen, für einen Krieg, mit dem sie eigentlich überhaupt nichts zu tun haben.

In der ersten Filmhälfte von Brüder – Feinde (Originaltitel: 1944) folgt der Zuschauer dem jungen Soldaten Karl Tammik (Kaspar Velberg) in die Schützengräben seiner Einheit. Er ist der Waffen SS beigetreten, nachdem die Rote Armee seine Familie nach Sibirien verschleppt hat. Aus Hass auf die Sowjetunion versucht er nun, sein Land von der russischen Armee zu befreien. Dabei keimen immer wieder Schuldgefühle und Selbstzweifel auf. Warum konnte er seine Familie nicht retten? Hätte er mehr tun können und sollen?

Seine Kameraden halten eisern die Stellung, als die ersten Panzer heranrollen. Es gilt, die Soldaten fernzuhalten, so lange es noch geht.

bruederfeinde_2 Doch wofür kämpfen sie? Für Hitler? Der Krieg der Deutschen ist ihnen eigentlich egal. Was zählt, ist der Frieden im eigenen Land. Dass es aufhört Bomben zu regnen. Dass kein Panzer mehr durch die Städte fährt. Dass kein russischer Soldat eine Familie zerstört. Als Karl sich plötzlich eigenen Landsleuten gegenübersieht, die im Dienste der Sowjetunion kämpfen, traut er seinen Augen nicht!

Die zweite Hälfte des Films beschäftigt sich mit Jüri Jögi (Krisjan Üksküla), einem Soldaten im Dienst der Roten Armee. Davon überzeugt das richtige zu tun, ist er in Tallin stationiert und muss, anders als Karl, nicht in einem Schützengraben ausharren. Die Zerstörungen in der estnischen Stadt hat die russische Armee auf die Waffen SS der Deutschen geschoben, dabei ist sich selbst Jüri da nicht so sicher. Als er auf die Deutschen trifft eröffnet er das Feuer auf einen Soldaten des Feindes, nur um festzustellen, dass dies ein Landsmann war. Jüri findet in der blutigen Uniform einen letzten Brief des Soldaten an seine Schwester. Er beschließt diesen der jungen Frau (Maiken Schmidt) zu übergeben. Ob er ihr erzählen wird, dass er der Mörder ihres Bruders ist?

bruederfeinde_3 So wird auch er von Schuld und Reue geplagt, weil ihn ein sinnloser Krieg zum Mörder seines eigenen Landsmannes werden ließ. Als er dann beginnt sich in die junge Frau zu verlieben, der er so schlechte Nachrichten überbrachte, droht seine Weltsicht noch mehr ins Wanken zu geraten.

„Die Unschuldigen fühlen die Schuld, die Schuldigen fühlen gar nichts.“ Mit diesen Worten bringt es Karls Schwester Aino auf den Punkt. In diesem Krieg gibt es keine Helden, nur Täter und Opfer. Regisseur Elmo Nüganen bringt es in Brüder – Feinde auf den Punkt. Statt donnernden Effekten und Heldenpathos, konzentriert er sich auf die stillen Momente, auf den Zweifel und die Sinnlosigkeit des Krieges. Die Zweiteilung des Films ist dabei ein gelungener Schachzug, um hinter beide Fronten des Krieges zu schauen. So macht es der Film dem Zuschauer nicht zu leicht, in Gut und Böse zu unterteilen. Alle Soldaten verbindet die selbe Hoffnung und das selbe Bangen. Sind am Anfang die Russen noch gesichtslose Soldaten, die im Kanonenfeuer der Schützengräben fallen, werden sie in der Geschichte Jüris wieder zu Menschen mit einzelnen Schicksalen.

bruederfeinde_4 Mit einer eindringlichen Kamera und großen Gesichtsaufnahmen wird der Krieg so real und unerbittlich gezeigt, wie es möglich ist. Dabei wird auf Blut und Gedärm großzügig verzichtet und der Schrecken anders und dafür noch greifbarer vor Augen geführt. Wenn dein Kamerad eben noch im Schützengraben mit dir lachte, bis ihn ein Scharfschütze einfach niederstreckt und der Schrecken in allen Gesichtern sitzt, ist das schlimmer, als eine Blutwolke und teure Explosionen.

Wer also einen tieferen Einblick in die Vergangenheit Estlands erhaschen möchte, der sollte Brüder – Feinde wirklich unbedingt schauen. Ein Film, der an manchen Stellen unter die Haut und in den Kopf geht. Hier geht es nicht darum zu zeigen, wer der Gute und der Böse ist, denn das kann man im Krieg sowieso nicht mehr auseinanderhalten.

Cast & Crew

Regie: Elmo Nüganen
Drehbuch: Leo Kunnas
Musik: Jaak Jürisson
Darsteller: Marko Leht, Maiken Schmidt, Kaspar Velberg, Peeter Tammearu, Kristjan Üksküla, Märt Pius

Bewertung

Bewertung_7