16th Nov2016

The Borderlands (2013) | Filmkritik

von Lars B

The Borderlands

Alles fing irgendwie mit Blair Witch Project im Jahr 1999 an. Das Found-Footage-Genre zeigte neue, ungewohnte Sichtweisen des Films, in denen man gerade zu voyeuristisch den Dokumentationen der Protagonisten folgte, als hätte man das Video tatsächlich irgendwo gefunden. Die mangelnde Übersicht, das Fehlen von nützlichen Erklärungen und der billige aber realistische Look lassen solche Filme geradezu faszinierend wirken. Kein Wunder, dass mit Paranormal Activity (2007) oder [Rec] (2007) einige kreative Trittbrettfahrer dem Strom von niedrigen Produktionskosten und einer dennoch fesselnden Wirkung auf den Plan traten.

theborderlands_1 2013 versuchte sich auch Elliot Goldner mit The Borderlands an diesem speziellen, nicht immer überzeugenden Stilmittel. Diesmal verschlägt es drei Männer im Auftrag der Kirche in ein verschlafenes, englisches Kaff, wo seltsame Ereignisse die Kirchengemeinde in Angst und Schrecken versetzen.

Damit dies auch mit der richtigen wissenschaftlichen Betrachtungsweise geschieht, ist eine lückenlose Videodokumentation erforderlich. Ja, klar! Der Pfarrer einer kleinen Dorfkirche weiß keinen Rat. Seltsame Schreie aus dem Nichts, umstürzende Kerzen oder ein allgemein mulmiges Gefühl – nichts scheint in dieser Gemeinde noch normal zuzugehen.

Als das dreiköpfige Ermittlerteam, bestehend aus Technikspezialist Gray Parker (Robin Hill), Deacon (Gordon Kennedy), einem von Natur aus skeptischen Priester, und Pater Amidon (Aidan McArdle) in der ländlichen Provinz auftaucht, ist der Zweifel groß. Deacon glaubt, dass hier nur fauler Zauber und Täuschung am Werk sind, um Aufsehen zu erregen. Hat er sich doch öfter im Auftrag Roms um seltsame Vorfälle gekümmert.

So wähnt er an jeder Ecke versteckte Kabel, Hebemechanismen und Taschenspielertricks. Nicht gerade ungewöhnlich für einen Mann der Kirche. Videospezialist und Ungläubiger Gray glaubt sofort an einen bösen Geist. Klar also, dass dieses ungleiche Team des Öfteren uneinig ist, ob es hier wirklich spukt, oder die Dorfkirche bloß unheimlich baufällig ist.

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Als dann die erste Leiche gefunden wird, bricht selbstverständlich Panik aus.

Wie immer, ist gerade die Anfangsphase des Films äußerst zäh. Da werden die Kameras überprüft, man spielt gelangweilt Karten oder fährt durch verschlafenes, regnerisches, englisches Nichts. Als man, vorbei an einfachem Landvolk, am Ort des vermeintlichen Schreckens ankommt, stellt sich so etwas wie Spannung kurzzeitig ein. Man bekommt die Wahl, der Meinung des leichtgläubigen Atheisten oder des skeptischen Kirchenmannes zu folgen. Wer hat Recht? Was geht hier wirklich vor? Sollte man tatsächlich im Dunkeln durch eine besessene Dorfkirche stapfen?

Was dann mit Spannung eingeläutet wird, verfährt recht schnell in schwacher Kameraübersicht und schlichtem Chaos. Wenn Gray mit seinem nutzlosen Lampenschein durch ein Waldgebiet läuft und dabei fremde Schatten hinter den Büschen sieht, greift man schon mal ins Sofakissen. Leider gibt sich The Borderlands im letzten Akt doch recht einfältig und simpel. Wenn von einer okkulten Stätte die Rede ist und die Handlung unerklärt mit dem Laufen des Abspanns endet, fragt man sich, wofür man jetzt die 93 Minuten Laufzeit durchgehalten hat. Sind sie tot? Was war das für ein enger Gang, in dem sie zum Schluss steckten? Man wird es wohl nie erfahren.

Regisseur Goldner kann weder mit der schauspielerischen Leistung seiner Laiendarsteller noch mit der angemessenen Requisite zufrieden gewesen sein. Statt das Genre neu zu beleben, hat er sich zur puren Wiederholung dessen hinreißen lassen, was schon so oft erzählt wurde. Vielleicht mag sich ein absoluter Kenner des Found Footage hier bestens unterhalten fühlen. Für richtige Gruselfanatiker war es jedoch ein zu dünn, was dort die Hobbyfilmer für die Nachwelt hinterließen. Da greift man doch lieber zum wesentlich spannenderen [Rec] oder kehrt mit Blair Wich Project zu jenen Wurzeln zurück, als Found Footage noch innovativ und überzeugend war.

Cast & Crew

Regie: Elliot Goldner
Drehbuch: Elliot Goldner
Darsteller: Gordon Kennedy, Robin Hill, Aidan McArdle, Sarah Annis, Lee Arnold

Bewertung

Bewertung_4

10th Okt2016

Doctor Who – Sechster Doktor – Volume 3 | Serienkritik

von Lars B

Doctor Who

Man muss schon unter einem Stein leben, um noch nie vom Doktor gehört zu haben. Jenem zeitreisenden, namenlosen Gesellen, der in einer Polizei-Notrufzelle durch Raum und Zeit unterwegs ist und mit kindlicher Naivität und unstillbaren Wissensdurst die Geheimnisse fremder Welten entschlüsselt. Ihm zur Seite steht meistens ein attraktives Frauenzimmer, welches völlig ahnungslos in gefährliche Begegnungen stolpert.

docwho_6_1 Seit 1963 macht der Doktor die heimischen TV-Schirme unsicher und erfreut sich seit dem Neustart 2005 einer unheimlichen Beliebtheit. Er schaffte es als längste Science Fiction TV Serie sogar ins Guinessbuch der Rekorde! Mit zahlreichen TV Specials, von denen eines sogar in deutschen Kinos lief, konnte die Fangemeinde noch mehr für den kultigen TV-Helden gewonnen werden.

Im Rahmen dieser Beliebtheit bringt der Verleih Pandastorm nun auch die klassischen Abenteuer des sechsten Doktors, gespielt von Colin Baker, für den heimischen Videomarkt heraus. In einer Box mit fünf DVDs kann der treue Fan nun die komplette Story Das Urteil oder im Oringinal: The Trial of a Time Lord, bestehend aus 14 Folgen, bewundern.

Der Doktor wird in diesem umfangreichen Abenteuer zum hohen Rat der Timelords berufen. Ihm werden schwere Vergehen vorgeworfen, unter anderem das Einmischen in fremde Kulturen und Genozid! Mit Hilfe der Matrix muss der Doktor seine Unschuld beweisen und der Zuschauer wird immer wieder mitten in die haarsträubenden Abenteuer gezogen. Die Rahmenhandlung spielt ausschließlich in einem Gerichtssaal, in dem der Doktor auf der Anklagebank sitzt und sich den Anschuldigungen des finsteren Valeyard (Michael Jayston) stellt. Wann immer es zur Beweisführung kommt, erscheint auf dem Bildschirm des Gerichtssaales ein weiteres Abenteuer, welches sich der hohe Rat zusammen mit dem Zuschauer ansieht.

docwho_6_2 In den ersten vier Folgen besucht der Doktor zusammen mit seiner Begleiterin Peri (Nicola Bryant) einen rätselhaften Planeten, der sich später als zukünftige Erde entpuppt. Dort treibt ein gigantischer Roboter sein Unwesen und versucht die übriggebliebene Bevölkerung zu versklaven.

Der zweite Handlungsbogen Mindwarp handelt von einer seltsamen Alienspezies, die versucht den Geist in einen neuen Wirtskörper zu transportieren. Dabei kann der Zeitreisende zusammen mit einem grimmigen Kriegerkönig und dessen Werwolfdiener den teuflischen Plan zwar anfangs vereiteln, doch Begleiterin Peri tauscht unfreiwillig ihren Geist mit dem schleimigen Bösewicht. Somit gibt es auch hier mehrere Opfer zu beklagen, die dem Doktor in der Verhandlung zur Last gelegt werden.

Als nächstes verschlägt es den Doktor auf ein Raumschiff, auf dem seltsame Experimente mit Pflanzenaliens durchgeführt werden. Es kommt zu mehreren Morden, die den bunt gekleideten Helden schnell zum Hauptverdächtigen werden lassen. Immer wieder bemerkt der Timelord im Laufe der Verhandlung, dass das Videomaterial der Matrix manipuliert zu sein scheint. Es werden Aufnahmen gezeigt, an die sich der Doktor nicht erinnert oder die in seinem Gedächtnis ganz anders verlaufen sind. Mehr und mehr zweifelt der Timelord an der Echtheit der sogenannten Beweise.

Im Finale trifft der Doktor dann auf seinen Nemesis, den Master (Anthony Ainley). Doch ist er überhaupt für diese Manipulationen verantwortlich oder steckt ein ganz anderer dahinter?

Bereits nach einer Staffel mit Colin Baker als sechsten Doktor wurde dieser abgesetzt. Dies führte zu derartigen Protesten unter den Anhängern, dass nach 18 Monaten die Serie mit diesem Mehrteiler wieder neu belebt wurde. Trotzdem sollte Der Prozess eines Timelords der letzte Auftritt des wohl buntesten Doktors werden.

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Durch die immer wieder auftretenden Sprünge in der Handlung wird man manchmal etwas aus der Geschichte gezogen, wenn man in den Gerichtssaal zurückkehrt, nur um einen Dialog zu hören und dann wieder in die Matrix springt. Dieses Hin und Her ist nicht immer der Geschichte dienlich und erweckt den Eindruck einer Zusammenfassung von bereits erzählten Episoden. Die unterschiedlichen Handlungsorte sind immer recht fantasievoll gestaltet, lassen aber angesichts einiger Budgeteinsparungen manchmal etwas zu wünschen übrig. Dadurch bekommt das ganze Setting jedoch des öfteren einen herrlich trashigen Stil, der oft zum Schmunzeln anregt.

Darüber hinaus erscheint der Doktor mit seinem bunten Mantel wenig düster und wirkt eher wie Willy Wonka, in der Version des erst kürzlich verstorbenen Gene Wilder. Die weiblichen Gefährten des Doktors entpuppen sich meistens als gutgläubige Naivchen, die scheinbar immer in Gefahr geraten oder um Hilfe rufen. Trotzdem sind die Folgen stellenweise humorvoll, mit vielen Details und gelegentlich guten Make-up-Effekten.

Das Schauspiel wirkt in vielen Fällen steif und unbeholfen und erzeugt des Öfteren ungewollte Komik. Besonders, wenn sich der Rat der Timelords jedes Mal unbeholfen umdrehen muss, um auf den Matrixbildschirm zu schauen. Bei der Drehung scheinen einige Darsteller mit ihren ausladenden Kostümen große Schwierigkeiten bei der Grobmotorik zu haben.

Wen das nicht stört und wer sehr gerne sehen möchte, was vor der beliebten Neuauflage der Serie passiert ist, sollte unbedingt reinschauen. Wer sich auf die billigen Effekte einlässt und nichts gegen stellenweise konfuse Handlungen hat, der wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.

Episodenübersicht zu Doctor Who

Cast & Crew

Idee: Sydney Newman (Donald Wilson, Cecil Edwin Webber, Anthony Coburn, David Whitaker, Verity Lambert)
Darsteller: Colin Baker
Länge pro Episode: ca. 25 Minuten

Bewertung

Bewertung_6

23rd Aug2016

Fast Convoy – Tödlicher Transport (2016) | Filmkritik

von Lars B

Fast Convoy

Vier Wagen, eine Tonne Cannabis und 1800 Kilometer Straße. Was nach einem einfachen Geschäft klingt, kann sehr schnell in einer Katastrophe enden.

fastconvoy_1 Im Drogenkonvoi von Malaga nach Paris müssen die Fahrer Nerven bewahren und das ist angesichts der vielen Hindernisse gar nicht so einfach. Action made in Frankreich ist seit The Transporter oder Ghetto Gangz kein Nischenprodukt mehr. Ob Regisseur Frédéric Schoendoerffer (96 Hours) jedoch mit seinem Asphaltthriller den richtigen Ton trifft oder an der Startlinie bereits einen Platten erleidet, wollen wir in unserer Kritik klären.

Viel gibt es über die Handlung nicht zu erzählen. Vier Autos brettern randvoll mit 1000 Kilo Cannabis vom spanischen Malaga zur französischen Metropole Paris.

Besonders im Wagen von Majid (Foed Amara) und Elyes (Mahdi Belemlih) liegen die Nerven blank. Der junge Fahrer Elyes hat nämlich last minute noch eine Sporttasche voller Koks eingeladen. Bekommt man für Cannabis mit einem guten Anwalt noch recht milde Strafen, sieht es mit ein paar Kilo Schnee schon anders aus. Majid, für den es der letzte Konvoi sein soll, verliert die Nerven. Er versucht seinem Boss klarzumachen, dass es das Risiko nicht wert ist.

fastconvoy_2 Bei all der Aufregung fahren die beiden Männer natürlich direkt in eine Polizeikontrolle. Die Sache eskaliert, Majid stirbt und Elyes nimmt sich eine Geisel. Mit dem Kofferraum voller Drogen, einem toten Beifahrer und der verängstigten Nadia (Reem Kherici) am Steuer wird die eigentlich ruhige Fahrt zu einer Zerreißprobe!

Auftritt, Alex (Benoît Magimel)! Der coole Gangster nimmt die Sache in die Hand. Schnell ist die Leiche fortgeschafft, der Wagen beseitigt und die Drogen sind wieder auf der Straße, Geisel inklusive. Dass es damit natürlich noch nicht getan ist, dürfte dem Zuschauer schnell klar sein. Unbekannte Verfolger, Zollfahnder und fiese Drogengangster machen aus dem leichten Job einen Höllenritt.

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Wer jetzt glaubt, dass es schnelle Verfolgungsjagden, besessenes Schalten aller Gänge und viel Blei zu sehen gibt, irrt. Stattdessen sieht man Männer am Steuer, Männer am Telefon und noch mehr Männer am Steuer. Ruhige Autofahrten entlang Frankreichs Autobahnen. Sonnenuntergänge und weitläufige Landschaften rahmen die Handlung, einem Autowerbespot gleich, stimmungsvoll ein. Gerade, wer The Transporter von Luc Besson kennt, weiß, dass Transporte von illegalen Substanzen durchaus cool, rasant und unterhaltsam sein können. Auch in Fast and Furious gab es Drogentransporte mit Bleifuss, Hip Hop und jeder Menge Blechschäden.

Sicher, Schoendoerffer versuchte es etwas realistischer zu inszenieren und ließ es lieber ruhig und besonnen ablaufen. Was also realistisch und nachvollziehbar inszeniert wurde, kann nur teilweise überzeugen.

Klar, ist man genauso nervös wie Majid, wenn die Sache aus dem Ruder gerät. Man wähnt an jeder Ecke eine Polizeikontrolle. Doch auf der ganzen Strecke ist man mit dem Handlungsvehikel etwas zu gemächlich unterwegs. Was anfangs noch Stil hat, wird schnell öde. Die Schauspieler sitzen im Auto, während eine hübsche Landschaft vorbeizieht. Man redet, schreit ins Handy, sendet sich Nachrichten und erzählt sich allerlei wichtige und unwichtige Dinge. Wer also wissen will, was jeder mit seinem Anteil tut, wie man eine Frau richtig befriedigt und welcher Name für den ersten Sohn unpassend ist, wird vermutlich gespannt vor dem TV sitzen. Wer irgendwas in Richtung Fast and Furious mit französischen Darstellern erwartet hat, wird gähnend auf den Abspann warten müssen.

Sehr schade, denn aus Fast Convoy hätte wirklich etwas cooles werden können, denn Schoendoerffer hat bereits mit 96 Hours bewiesen, dass ihm eigentlich Actionfilme liegen. Warum er gerade hier mit angezogener Handbremse fährt, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Cast & Crew

Regie: Frédéric Schoendoerffer
Drehbuch: Yann Brion, Frédéric Schoendoerffer
Musik: Jérôme Devoise
Darsteller: Benoît Magimel, Reem Kherici, Mahdi Belemlih, Tewfik Jallab, Amir El Kacem

Bewertung

Bewertung_5

14th Aug2016

Myn Bala – Krieger der Steppe (2011) | Filmkritik

von Lars B

Myn Bala

Mit Kasachstan verbindet man nicht zwangsweise großes Kino. Dafür denkt man aber an weite Steppen, wilde Völker und eine bewegende Geschichte. Während das asiatische Kino zumeist von chinesischen Filmen in epochalen Massenschlachten dominiert wird, geht es andernorts deutlich ruhiger zu. Mit Kino und Kasachstan verband der geneigte Zuschauer bis dahin maximal Borat, welchen man eher als eine grobe Beleidigung für das Volk der Kasachen, denn als augenzwinkernde Ironie versteht.

mynbala_1 Mit Myn Bala – Krieger der Steppe zeigt Regisseur Akan Satayev anno 2011, wie es in der weiten Steppe zuging, als die mongolischen Herrscher das weite Land in ihrem eisernen Griff hatten. Dabei wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, sodass dieser Film zur Eröffnung der Oscars 2013 gezeigt wurde.

Wir schreiben das Jahr 1729. Die Steppe wird von den Mongolen beherrscht. Einst hatten die Armeen Dschingis Khans die wilden Länder unterworfen, jetzt streunen seine Nachfahren raubend und plündernd durch die weiten Steppen. Die Kasachen sind für die grimmigen Krieger weniger als ein Hundeleben wert. So werden selbst Frauen und Kinder Opfer ihrer Überfälle. Der junge Sartai (Assylkhan Tolepov) musste als Kind mit ansehen, wie sein Freund von Pfeilen durchbohrt verstarb, als die mongolischen Plünderer Jagd auf ihn machten.

Ein Bild, welches den Jugendlichen bis zum heutigen Tag prägte. Auch seine Mutter kam bei einem brutalen Überfall ums Leben. Mit Abscheu beobachtet er, wie andere Diplomaten den Besatzern schmeicheln und feige Abkommen mit ihnen treffen. So scharrt der übermütige junge Mann seine Verbündeten um sich, um die Mongolen daran zu erinnern, wem dieses Land wirklich gehört.

mynbala_2 Aus kleineren Überfällen entwickeln sich immer besser organisierte Aktionen, die den Namen Sartai bald bis an die Ohren der feindlichen Machthaber tragen. Dabei ist es unvermeidlich, dass sich der Kampf um die Freiheit alsbald zur entscheidenden Schlacht entwickelt. Können Kinder mit Pferden und Waffen tatsächlich das Land befreien? Oder wird der Aufstand in einem blutigen Massaker enden, wenn der Khan sein riesiges Aufgebot entsendet?

Mit gewaltigen Landschaftsaufnahmen und detaillierten Kostümen versetzt uns Myn Bala in jene Zeit zurück, in denen eine Bande aus Kindern zu Freiheitskämpfern wurde. Die Myn Bala – eintausend Jungen wagen es, sich gegen einen Feind zu stellen, vor dem die älteren nur respektvoll zögern.

Dabei wird Titelheld Sartai zu einem großen Helden, der inspirierend und mutig nichts unversucht lässt, um die verhassten Feinde zu schlagen. Leider wird hier gerade zu viel Wert auf seinen Zorn gelegt, statt ihn auch mal von einer menschlichen Seite zu zeigen. Doch die eigentlichen Hauptdarsteller sind die weiten Steppen, die wilde Natur und der grenzenlose Himmel. Ähnlich, wie Peter Jackson in den Der Herr der Ringe-Filmen den Zauber Neuseelands einfing, versucht auch Satayev in den zahlreichen Naturaufnahmen zu zeigen, welche Schönheiten Kasachstan zu bieten hat.

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Mit schnaubenden Pferden, surrenden Pfeilen und schreienden Männern wird die Freiheit eines unterdrücktes Volkes eingefordert und Blut im Staub der Steppe vergossen. Mit Sicherheit ist das historische Epos reichlich ausgeschmückt und beleuchtet nur die eine Seite der Medaille. Mongolische Krieger ausschließlich als Mörder und Diebe hinzustellen ist nicht die objektivste Sichtweise auf den Konflikt dieser Länder.

Wer sich daran nicht stört, kann einen kurzweiligen Film voller Kämpfe, Freundschaft und Mut erleben. Immerhin wurde in diesem 12 Millionen Dollar teuren Streifen nicht gegeizt, wenn es um beeindruckende Aufnahmen und die grenzenlose Weite der Steppe geht. Sicher bleibt der Film mangels tiefschichtiger Charaktere und nur wenig Abwechslung etwas hinter seinen Erwartungen zurück. Vom Verrat in den eigenen Reihen bis zum tragischen Ende des Helden, wird bereits jede überraschende Wende lang und breit angedeutet.

Trotzdem bietet Myn Bala – Krieger der Steppe eine willkommene Abwechslung zum heutigen Kinoallerlei und versucht irgendwo zwischen Braveheart, Robin Hood und anderen Heldenepen zu stehen. Ob jetzt das kasachische Kino auch in unseren Breitengraden an Beliebtheit gewinnt, kann man dennoch bezweifeln.

Dazu verpuffte zu häufig die Spannung, fehlte es an denkwürdigen Momenten und der nötigen emotionalen Tiefe. Zwar streuen die Darsteller hier und da kleine markante Nuancen ein, doch blieben sie für weite Teile des Films in der Masse verborgen.

Cast & Crew

Regie: Akan Satayev
Drehbuch: Muhammed Mamyrbekov, Jayik Sizdikov, Timur Zhaksylykov
Musik: Renat Gaysin
Darsteller: Asylkhan Tolypov, Ayan Utepbergen, Kuralai Anabekova, Tlektes Meiramov, Toleubek Aralbai, Eduard Ondar, Nurlan Alimzhan

Bewertung

Bewertung_6

20th Jul2016

Brick Mansions (2014) | Filmkritik

von Lars B

Brick Mansions

Es gibt in Hollywood ein ungeschriebenes Gesetz: wenn ein europäischer, nicht englischsprachiger Film weltweite Erfolge feiert, macht man ein Remake daraus. Nur so können auch die US-Amerikaner Gefallen an der Geschichte finden, ohne Untertitel oder Synchronisationen ertragen zu müssen.

brickmansions_1 Brick Mansions ist ein Remake des 2004 erschienen Films Banlieue 13 – Anschlag auf Paris, der in unseren Breitengraden als Ghettogangz – Die Hölle vor Paris veröffentlicht wurde und zu den besten Actiontiteln gehört, die aus Frankreich kommen. Mit einer Mischung aus Parcour-Action, Martial Arts und fetten Hip-Hop Beats konnte der Film überraschend überzeugen und bekam 2009 sogar eine ebenfalls coole Fortsetzung spendiert. Kann das Remake den Erfolg des Vorgängers übertreffen oder wird der letzte Film des verstorbenen Paul Walker zu einer schwachen Kopie?

Wir schreiben das Jahr 2018. Die Stadt Detroit ist der Kriminalität erlegen und büßte das Viertel Brick Mansions ein. Brick Mansions, was also übersetzt soviel wie „Häuser aus Ziegelsteinen“ bedeutet, sieht auch genau so aus. Statt moderner Fassaden herrscht hier Zerfall, Armut und Gewalt. Die Stadtverwaltung ließ Schulen, Krankenhäuser und Polizeistationen schließen, zog einen Zaun um das Stadtteil und überließ die Menschen sich selbst.

Gangleader Tremaine (RZA, bekannt aus The Man with the Iron Fists) führt das Viertel mit eiserner Hand. Nur der kleine Ganove Lino (David Belle, bekannt aus Ghettogangz 1+2) versucht sein Revier sauber zu halten. Dem Gangster K2 (Gouchy Boy) konnte der drahtige Parcourkünstler mehrere Kilo Heroin abknöpfen und diese den Ausguss herunterzuspülen.

brickmansions_2 Das gefällt Tremaine natürlich gar nicht und er beauftragt K2 und seine Schläger mit der Entführung Linos Freundin Lola (Catalina Denis). Nur so verspricht sich der elegant gekleidete, hobbykochende Mobster, den widerspenstigen Kletterer zu fangen. Derweil wird in Brick Mansions eine Neutronenbombe platziert, die prompt in die Hände der Gangster fällt und nur Undercover Cop Damien (Paul Walker, bekannt aus The Fast and the Furious) ist bereit, dass heruntergekommene Viertel vor der Vernichtung zu retten.

Dabei stoßen Lino und Damien schnell aufeinander und verbünden sich nach anfänglichem Misstrauen gegen Tremaines Gangster. Und so verschieden sind die beiden jungen Männer auch gar nicht. Ihr Gerechtigkeitssinn ist ebenso groß, wie die Furchtlosigkeit, mit der sie sich ihren Gegnern stellen. Lino klettert wie Spiderman an Wänden und auf Dächern entlang, während Damien seine Fäuste sprechen lässt und am Steuer jedes Fahrzeugs zur Waffe wird.

Wo man die Handlung des Originals in den Vororten von Paris, den Banlieus, spielen ließ, hat man sich mit Detroit ein amerikanisches Pendant gesucht. Immerhin steht die ehemalige Motorcity für eine hohe Kriminalitätsrate, bei der man sich nach Einbruch der Dunkelheit besser nicht auf den Straßen aufhält. Somit ist es nicht allzu viel Fiktion, sich vorzustellen, dass sich dort nicht überall die Polizei hinwagt.

Wer das Original aus Frankreich kennt wird fast eine 1 zu 1 Neuumsetzung ohne Überraschungen erleben. Mit Paul Walker als Damien Collier hat man sich zwar eine bekannte Größe geholt, der im Prinzip seine Rolle aus Fast and Furios wiederholt, doch kann er sein französisches Vorbild Damien Tamaso (Cyril Raffaelli) nicht wirklich ersetzen. Immerhin war Raffaelli mit beeindruckenden Kampfszenen ein krasses Gegenstück zu David Belles waghalsigen Stunts. Da Paul Walker nicht gerade ein Kampfsportler ist, reicht es nur stellenweise zu einigen guten Aktionen, wie beispielsweise einem Kampf mit dem Lenkrad am Handgelenk.

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Doch ist diese Szene, wie viele andere ebenfalls, einfach nur wiederholt worden. Hauptdarsteller David Belle muss sich ebenfalls sonderbar vorgekommen sein, fast jede Szene eins zu eins neu zu drehen, inklusive der meisten Stunts. Nur RZA als Gangsterboss Tremaine Alexander bietet tatsächlich neue Ansätze und lässt jede Szene mit Lässigkeit und Coolness wirklich aufwerten. Sein Französisches Vorbild wirkte dagegen eher wie ein kleiner Möchtegern.

Wer von Ghettogangz noch nichts gehört hat, kann mit Brick Mansions wirklich unheimlichen Spaß haben. Die Mischung aus Action, Stunts und Coolness macht Laune und ist ein toller Zeitvertreib ohne Langeweile. Hochglanzoptik, tolle Musik und unverwechselbare Charaktere helfen, die Chipstüte leer zu futtern und sich gut unterhalten zu fühlen. Dann kommen wir aber auch schon zum Aber:

Wer das Original kennt stellt schnell fest, dass nicht einmal ansatzweise versucht wurde die Geschichte neu zu interpretieren oder gar mit originellen neuen Einfällen zu versehen. Aus K-Deux wurde K-Two, mehr nicht. Gerade bei den Gangmitgliedern wäre deutlich mehr Kreativität gefragt gewesen. Auch die Geschichte mit der platzierten Bombe oder das gestohlene Heroin hätten vielleicht durch andere Elemente ersetzt werden können. Vielleicht hätte es dem Film besser getan eine inoffizielle Fortsetzung im selben Filmuniversum zu sein, in der diesmal Lino versucht, den Polizisten zu retten. Alles, nur eben nicht schon wieder das Gleiche!

So ist es eben schlussendlich nur ein schnödes Duplikat geworden. Schade, denn dies war bekannterweise Paul Walkers letzter Auftritt auf der Kinoleinwand.

Cast & Crew

Regie: Camille Delamarre
Drehbuch: Luc Besson
Musik: Trevor Morris
Darsteller: Paul Walker, David Belle, RZA, Catalina Denis, Robert Maillet, Carlo Rota

Bewertung

Bewertung_6

29th Jun2016

Meine Nachbarn die Yamadas (1999) | Filmkritik

von Lars B

Meine Nachbarn die Yamadas

Fast jedem ist das japanische Animationsstudio Ghibli bekannt, welches spätestens seit Prinzessin Mononoke oder Chihiros Reise ins Zauberland auch in westlichen Kreisen unglaublich beliebt ist. So zählt das kreative Zeichentrickstudio als Walt Disney des fernen Ostens. Mit viel Liebe zum Detail, dem Hang zu großen Geschichten und geistreicher Philosophie werden jung und alt seit Jahrzehnten gleichermaßen begeistert.

meine_nachbarn_die_yamadas_01 1999 erzählte Isao Takahata (Heidi) die leicht schräge Geschichte über eine (fast) typische, japanische Familie, den Yamadas. Dabei unterscheidet sich der episodenhafte und einfach gehaltene Film Meine Nachbarn die Yamadas stark von den anderen äußerst aufwendig animierten Filmen, die sonst mit dem Studio Ghibli in Verbindung gebracht werden.

Oberhaupt der Familie Yamada ist Takashi. Ein Bürohengst, der gerne Sport im Fernsehen sieht, von einem Leben als Superheld träumt und sich abends ein vernünftiges Essen von seiner Frau wünscht. Die Gattin Matsuko ist zwar ganztags zu Hause, kommt aber nur widerwillig ihren häuslichen Pflichten nach und vergisst schon Mal die Wäsche aufzuhängen oder stielt ihren Kindern die Süßigkeiten. Sohnemann Noburo ist ein schlechter Schüler, drückt sich um die Hausaufgaben und ist auf äußerst ungeschickte Art in eine Mitschülerin verliebt. Schwesterchen Nonoko ist das kleine Nesthäkchen und weiß schon mehr vom Leben als man denkt. Auch wenn sie einmal versehentlich in einem Kaufhaus vergessen wird.

meine_nachbarn_die_yamadas_02 Oma Shige, die Mutter von Takashi, hat heimlich den Familienklan unter Kontrolle. Gerne kommandiert sie ihren Sohn und die Schwiegertochter herum und nimmt notfalls die Sache selbst in die Hand, wenn eine finstere Bikergang die nächtliche Ruhe stört.

So leben drei Generationen mehr oder weniger friedlich unter einem kleinen Dach und stellen sich den teils schwierigen Aufgaben des Alltags.

Der Film erzählt keine durchgehende Handlung, sondern besteht aus teils recht kurzen und mal längeren Episoden des Familienlebens. Dabei wirkt es manchmal wie eine Show, die ihre Sketche runterrasselt, da nicht alles chronologisch erzählt wirkt. Der Zeichenstil hält sich meistens sehr funktional zurück und erinnert etwas an die Cartoons aus der „Red Bull“-Werbung. Eine einfache Figur vor einem nur schemenhaften Hintergrund oder neben einem Möbelstück, dass gerade als Requisite wichtig für die Handlung wirkt. Da ist es gar nicht so einfach, sich auf derartige optische Reizarmut einzustellen. Höchstens in der Sequenz auf hoher See, wo dunkle Wellen gegen das kleine Schiffchen der Yamadas branden, zeigen die Animationszeichner, was sie wirklich können. Sonst werden in den 104 Minuten gefühlte 15 Buntstifte und 3 Fineliner verbraucht.

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Wie schon erwähnt ist die episodenhafte Handlung teils ungewöhnlich und reiht meistens kleine Gags oder Niedlichkeiten aneinander. Besonders rührend waren hier die Hochzeitsrede am Anfang und auch der Moment, wo die Familie ihrem Vater einen Schirm vorbeibringt, da er sonst im Regen nach Hause laufen müsste. Sonst bleiben die Gags für Zuschauer außerhalb Japans etwas befremdlich, da der Zugang zu Kultur und Familientradition fehlt. Ob nun der Reis in die Suppe oder umgekehrt geschüttet wird, ist mir als deutscher Zuschauer jedenfalls weniger bedeutsam, als einem japanischen Bürger.

Wer sich nicht an den recht einfachen Bildern stört und sich bestens mit dem Auf und Ab des japanischen Familienlebens auskennt, der wird sich mit den Yamadas sicherlich gut amüsieren. Wer etwas im Stil von Mein Nachbar Totoro oder Die letzten Glühwürmchen erwartet, wird hier schwer enttäuscht sein. Was bleibt, ist der Eindruck, einige Sonntag-Morgen-Cartoons aus der Zeitung gelesen zu haben. Zwar können einige Momente schon sehr unterhaltsam sein, aber meistens hatte ich doch nur die Uhr im Blick. 104 Minuten können manchmal verdammt lang sein. Für mich ein Film, den man sich höchstens einmal anschauen wird, anders, als die restlichen Werke dieser großartigen Zeichentrickschmiede.

Insgesamt kam Meine Nachbarn die Yamadas jedoch recht gut beim heimischen Publikum an und bekam sogar eine 61 Episoden lange Fernsehserie und wurde mit dem Japanese Academy Award ausgezeichnet.

Cast & Crew

Regie: Isao Takahata
Drehbuch: Hisaichi Ishii, Isao Takahata
Musik: Akiko Yano
Stimmen: Hayato Isohata, Masako Araki, Naomi Uno, Tôru Masuoka, Yukiji Asaoka, Akiko Yano, Kosanji Yanagiya
Deutsche Stimmen: Gerd Meyer, Patrick Roche, Kathrin Simon, Madalena Kerrh, Paulina Bohlmann, Claus Brockmeyer

Bewertung

Bewertung_5

14th Jun2016

Houdini S01 | Serienkritik

von Lars B

Houdini

Jeder kennt seinen Namen und sein Vermächtnis! Der Mann, der sich aus jeder Fessel befreien und jedes Schloss überlisten konnte. Doch vor allem wurde der große Harry Houdini für seine waghalsige Entfesselungsnummer, kopfüber in einer chinesischen Wasserfolterzelle, weltberühmt. Man staunte und fragte sich, ob er tatsächlich magische Fähigkeiten besaß.

houdini_1 In diesem, 2014 für den History Chanel produzierten, Drama, schlüpft Adrian Brody (Der Pianist) in die Rolle dieses verblüffenden Mannes, der keine Angst vor dem Tod zu haben scheint und zeigt, wie sich aus einem kleinen Jungen der weltgrößte Illusionist entwickelte.

Der in Budapest geborene Erik Weisz (Adrian Brody) erkannte früh, dass er für Großes bestimmt ist. Bereits die örtlichen Schausteller und Magier hatten es dem jungen aus ärmlichen Verhältnissen angetan. Mit kleinen Zaubertricks verdient er sich die eine oder andere Münze und geht bald schon bei einem Zauberer in die Lehre. Als die Familie nach Amerika zieht, widmet sich der junge Mann, den wir später als Houdini kennen werden, voll und ganz den Auftritten auf großer Bühne.

Doch weniger mit Zaubertricks, als mit der Entfesselungskunst scheint der schlaksige Mann mit den imposanten Bauchmuskeln die Massen anzuziehen. Als ein Polizeiinspektor mit ihm wettet, dass er sich nicht aus seinen Handschellen befreien kann, beginnt die bescheidende Karriere zu einem wahren Presserummel zu werden. Es folgen unzählige Auftritte in Polizeistationen der USA. Aus Handschellen und Zellentüren entfleucht der unfassbare Magier, dem niemand auf die Schliche kommt. Immer gewagter und immer größer werden seine Auftritte, bis er ganze Theater füllt.

houdini_2 Mit Hilfe seiner Frau Bess (Kristen Connolly) und seinem Assistenten Jim Collins (Evan Jones) tourt der große Harry Houdini sogar durch Europa und spioniert derweil für den britischen und den amerikanischen Geheimdienst. Wieso auch nicht? Zählen doch der deutsche Kaiser und der russische Zar zu seinen größten Fans. Und während in Europa die ersten Wogen des Weltkrieges aufkommen, erfährt der Showmann alles, was er über die Achsenmächte wissen muss.

Doch mit dem Aufkommen des Stummfilms verblasst allmählich der Ruhm des Zauberers. Charlie Chaplin heißt nun der neue Held der Massen und niemand scheint sich noch für die Kunst der Illusion zu interessieren. So entwickelt sich Houdini weiter und wird noch größer und besser! Er lässt einen Elefanten verschwinden und springt in einen gefrorenen Fluss, nur um noch mehr Zuschauer anzulocken. Sein eigenes Leben oder die Ängste seiner Gattin sind da erst einmal Nebensache.

Dass Houdini auch Feinde hat, dürfte sich von selbst verstehen. So gewährt er seinen Gegnern gerne einen Schlag auf seine Bauchmuskeln, von denen es heißt, sie seien die stärksten und würden jeden Schlag abhalten. Doch als die Mutter des großen Künstlers stirbt, bricht für ihn eine Welt zusammen. Im verzweifelten Versuch, Kontakt mit dem Jenseits aufzunehmen, wendet er sich an zahlreiche Wahrsager und Medien. Sie alle entpuppen sich als Scharlatane und ärgern den Entfesselungskünstler derart, dass er künftig alles tut, um Schwindler zu enttarnen.

houdini_3 Dabei gerät er auch an die Gattin von Sherlock Holmes Erfinder Sir Arthur Conan Doyle. Dass das waghalsige und turbulente Leben zu früh zum Tode des jungen Mannes führt, ist leider abzusehen. Durch die zahlreichen Schläge in den Bauch zieht sich Houdini eine schwere Entzündung der Bauchdecke zu, die alsbald zum Tode führt und eine völlig verzweifelte Witwe zurücklässt.

Das turbulente Leben des weltberühmten Harry Houdini bietet eine ideale Vorlage für diesen fast dreistündigen TV-Zweiteiler. Mit schönen Kulissen, aufwendigen Kostümen und erstklassigen Darstellern wird ein tolles Biopic geboten, dass jung und alt begeistern wird.

Adrian Brody, der 2003 den Oscar für Der Pianist erhielt, zeigt einmal mehr, welche Qualitäten er als Hauptdarsteller hat. Mit kindlichem Charme und einer unvergleichlichen Präsenz stemmt er die Handlung im Alleingang. Brody, der für diesen Film sogar ein paar echte Zaubertricks gelernt hat, verkörpert den Illusionisten mit dem wirren Haar perfekt.

Auch seine Filmgattin Kristen Connolly (The Cabin in the Woods) versteht es, neben diesem egozentrischen Mann für einen angemessen Ausgleich zu sorgen und ihren Partner auf Höhenflügen wieder zu erden. Dabei wirkt sie immer beruhigend und drängt sich niemals künstlich in die Handlung.

Insgesamt vermag Regisseur Uli Edel (Der Baader Meinhof Komplex) einen tollen Kostümfilm mit allerlei historischen Details zu füllen und einer Legende neues Leben einzuhauchen. In jeder Filmminute ist man dem wohl berühmtesten Magier auf der Spur, der andere, wie David Copperfield und Siegfried und Roy zu ihrer Karriere inspirierte. Dabei werden biografische, wie geschichtliche Details im steten Wechsel zwischen den beeindruckenden, sich immer wieder steigernden Bühnenattraktionen eingestreut.

Macht euch auf eine große Show gefasst!

Episodenübersicht zu Houdini

Cast & Crew

Regie: Uli Edel
Darsteller: Adrien Brody, Kristen Connolly, Evan Jones, Eszter Ónodi, Tom Benedict
Episoden: 2
Länge: 174 Minuten

Bewertung

Bewertung_8

24th Mai2016

Lockout (2012) | Filmkritik

von Lars B

Lockout

Ein Superknast im Weltraum, ein schroffer Held und eine Präsidententochter in der Gewalt von Schwerverbrechern – ein Cocktail, der vom französischen Action-Import Luc Besson (Lucy) angerührt wird.

lockout_1 Und dieser Name steht spätestens seit The Transporter (2002) und Das fünfte Element (1997) für rasante Action, furiose Bilder und coole Helden. Ob der 2012er Ausflug in die kalten Gefilde des Alls ebenso überzeugen kann, lest ihr hier!

Wir schreiben das Jahr 2079. In einem Hochsicherheitsgefängnis, das im Erdorbit kreist, schlafen tiefgekühlte Gefangene ihre lebenslange Haftstrafe als Eiswürfel aus. Doch die Tochter des Präsidenten glaubt nicht, dass die Frost-Haft ganz ohne Folgen für Leib und Seele ist. So macht sich Emilie Warnock (Maggie Grace) auf den Weg ins unwirtliche All, um die Sache selbst zu begutachten und ein paar Schurken nach ihren Haftbedingungen zu befragen. Zu dumm, dass ausgerechnet heute eine Revolte unter den Gefangenen ausbricht. Doch es gibt einen Mann, der ihr jetzt noch helfen kann: Snow (Guy Pearce)!

Angeklagt wegen Mordes, hat der Ex-Agent keine Wahl und muss sich allein auf die Suche nach dem privilegierten Sprössling des Staatsoberhauptes machen. Natürlich soll als Belohnung für seinen selbstlosen Einsatz die Freiheit winken. Bis dahin jedoch stehen dem sprücheklopfenden, saucoolen Einzelgänger Unmengen an bösen Buben im Weg.

So werden in den 95 Minuten allerlei Kugeln verschossen, Sprüche geklopft und Knochen gebrochen, wenn sich die Einmannarmee Snow wie ein Dampfhammer durch die Weltraumstation MS One walzt. Schon bald ist das attraktive Töchterlein gefunden, welche sich anfangs mit dem kratzbürstigen Helden gar nicht grün ist, doch schnell feststellen muss, dass an seiner Seite die Überlebenschancen merklich höher sind.

lockout_2 Da natürlich ein Held nur so gut wie sein Widersacher ist, tritt auch ein psychopathischer Schurke namens Hydell (Joseph Gilgun) auf den Plan. Der äußerst durchgeknallte Patron ist es schließlich, der für den Ausbruch der fast 500 Superknackis verantwortlich ist und selbst unter seinen Leuten nicht gerade Spaß versteht. Kein Wunder also, dass es bis zum Showdown ein paar unangenehme Lebensabbrüche zu betrauern gibt.

Doch neben der Rettung einer Jungfer in Nöten steht auf der Agenda des charmanten Einzelkämpfers noch die Aufklärung einer Verschwörung. Immerhin hat man Snow ja den Mord am eigenen Partner angehängt. Und solche Ungerechtigkeit kann selbst der raubeinige Ex-Agent nicht auf sich beruhen lassen. Doch Snow kriegt das schon hin. Snow kriegt doch alles hin.

Eingefleischte Filmfans werden sich angesichts der Story des öfteren an John Carpenters Die Klapperschlange aus dem Jahre 1981 erinnert fühlen. Zwar war in dieser düsteren Utopie nur Manhatten ein Superknast für ganz böse Schulabbrecher, trotzdem ist gerade die Einsamer-Held-Nummer von Snake (Kurt Russel) das klare Vorbild für Luc Bessons Actionorgie.

Hier war schließlich der US Präsident in die Gewalt der Schurken geraten und musste von einem Mann wieder rausgeboxt werden. Aber wie heißt es doch so schön? Lieber gut kopiert, als schlecht erfunden. Besson, der diesmal nicht persönlich auf dem Regiestuhl saß, gab das Zepter an Saint und Mather weiter. Das Regieduo hatte mit dem Kurzfilm Prey Alone auf sich aufmerksam gemacht und sich so bestens für Lockout empfohlen.

lockout_3 Mit einem Budget von 20 Millionen Dollar schufen sie diesen kurzweiligen Trip durchs All, dem man nur leider an manchen Stellen das etwas günstigere Produktionsetat ansieht. Besonders bei einer Verfolgungsjagd mit einem futuristischen Motorrad wird die schwache CGI-Qualität überdeutlich und lässt den Film hier erstmals schwächeln. Auch bei manchen Sequenzen im All kommt es hier und da zu kleineren Schönheitsfehlern, die aber deutlich weniger ins Gewicht fallen.

Größter Pluspunkt ist jedoch Hauptdarsteller Guy Pearce (Prometheus). Mit ihm wird der Film zu unterhaltsamen Popcornkino. Er ist nie um einen lustigen Spruch verlegen und nimmt sein komplettes Schicksal mit einem recht zynischen Humor hin. Als Zuschauer brennt man förmlich darauf, was Snow als nächstes ausheckt, der selbst unter Folter noch Witze reißt. Sein weiblicher Schützling, gespielt von Maggie Grace (96 Hours), überzeugt da nur wenig und ist nicht mehr als ein Mittel zum Zweck. Ständig verängstigt und überfordert zeigt die holde Blondine nur solides Mittelmaß ohne wirkliche Höhen und Tiefen, sodass man nach dem Film schon wieder vergessen hat, dass sie in diesem überhaupt mit von der Partie war.

Gegenspieler Joseph Gilgun (This Is England) macht mit seiner Arbeit als labiler Psychopath Hydell einen unglaublich guten Job. Mit allerlei Beklopptheit nimmt man ihm den gefährlichen Killer jederzeit ab. Mit Ticks, Zuckungen und einer bedrohlichen Unberechenbarkeit, schafft es der britische Schauspieler zu einem wahren Monster zu werden. Seine Darstellung ist neben Pearce ein echter Gewinn für den Film.

Wer also Lust auf einen Trip ins All hat und sich gerne in die Obhut von Superkriminellen wünscht, der wird mit Lockout bestens bedient. Zwar bleibt der Streifen qualitativ hinter anderen Besson-Produktionen zurück, ist aber für die volle Laufzeit ein unterhaltsamer Spaß mit reichlich Action und Coolness.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Stephen Saint Leger, James Mather
Drehbuch: Stephen Saint Leger, James Mather, Luc Besson
Musik: Alexandre Azaria
Darsteller: Guy Pearce, Maggie Grace, Vincent Regan, Joseph Gilgun, Lennie James, Peter Stormare

Bewertung

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