20th Feb2018

Armed Response (2017) | Filmkritik

von Lars B

Armed Response

Eine schlagkräftige Spezialeinheit, angeführt von Actionikone Wesley Snipes, gegen ein unbesiegbares Computerprogramm. Armed Response klingt nach einer echten Herausforderung. Man packe noch Wrestlingheld Seth Rollins und Schauspieltalent Anne Heche dazu und wartet, ob die Zutaten später auch einen guten Eintopf ergeben.

armedresponse_1 Im Actioner von Regisseur John Stockwell (Into the Blue) scheint es nicht an gutem Personal zu mangeln. Doch wie schlägt sich die maskuline Meute gegen die marodierende Software?

Alles beginnt mit einer geheimen Militärbasis – einem Guantanamo Bay-Lager mit Internetzugang. Ein Programm namens Temple ersetzt hier nämlich Folter und Verhöre und liest einfach die Gedanken der bösen Jungs. Auf diese Weise kommt man deutlich schneller an Resultate und verstößt auch nicht die Genfer Konvention.

Als jedoch der Kontakt zum Personal dieser Einrichtung verloren geht, werden Isaac (Wesley Snipes) und sein Team gerufen, die Basis zu sichern und zu klären, was dort mit den Soldaten geschehen ist. Gabriel (Dave Annable), ein auf Temple spezialisierter Analytiker, soll das Team begleiten. Doch hat der Wissenschaftler den Unfalltod seiner Tochter nicht verkraftet und fristet seitdem ein einsames Dasein. Natürlich kann ihn sein alter Kamerad Isaac überreden, sich ein letztes Mal in den Dienst des Vaterlandes zu stellen.

armedresponse_2 Und so steht ein grimmig guckendes Team bereit, die verlorene Militäreinrichtung wieder zu sichern. Doch noch ahnt niemand, dass sich hinter den sterilen Mauern das Grauen befindet.

Schnell werden die Leichen der einzelnen Soldaten gefunden, die sich scheinbar gegen einen unsichtbaren Feind zur Wehr setzen wollten. Doch die Sicherheitskameras zeigen nicht, wer die Marines umgebracht hat oder warum. Als auch noch ein Sträfling auftaucht, zucken die Abzugsfinger des Rettungsteams nervös an den Sturmgewehren. Nach und nach wird das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Für das Team kommt jedoch jede Erkenntnis zu spät. Temple, das Verhörprogramm des Militärs, hat die Eindringlinge genau da, wo es sie haben möchte. In der buchstäblichen Falle.

Mit Wesley Snipes (Blade) und WWE Superstar Seth Rollins hat man gleich zwei schlagkräftige Kaliber im Gepäck, doch werden ihre Qualitäten nicht wirklich genutzt. So reduzieren sich die Aktionen mehr auf das Sichern von Räumen, das Prüfen von Videoaufnahmen und das böse Gucken und Rumstehen. Da der Feind eher ein imaginärer ist, wird hier wenig geschossen und nicht wirklich gekämpft, was sehr bedauerlich ist.

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Anne Heche (6 Tage, 7 Nächte) wirkt seltsam fehlbesetzt als toughe Soldatin, die hier ihr Land verteidigt. So irgendwie mag man ihr die Rolle nicht wirklich abnehmen. Warum das Team Helmkameras trägt, obwohl sich niemand die Aufnahmen anschaut, ist zudem eines von vielen weiteren Rätseln des Films.

Rückblicke auf eine frühere Auslandsmission sollen verdeutlichen, dass alle Protagonisten das Blut unschuldiger Zivilisten an den Händen haben. Doch warum sollte das für Temple ein Mordmotiv an Soldaten sein? Warum muss zum Verhör der Gefangene an einen Apparat angeschnallt werden, während das bei den Soldaten scheinbar per Luftübertragung funktioniert?

Hier zeigen sich die eklatanten Schwächen des Drehbuches in aller Deutlichkeit. Zwar kommt teils spannende Horrostimmung auf, wenn eine schwarze Gestalt aus dem Nichts erscheint, doch wird das Szenario und seine Chancen nicht wirklich ausgenutzt. Die Gelegenheit, mit dem bekannten Cast, einen hochwertigeren B-Movie zu kreieren ist ebenso gescheitert, wie die aktuelle Karriere Wesley Snipes‘. Außerhalb von Expendables 3 konnte er sich nämlich mit keinem seiner Filme wirklich zurück in den alten Status als Actionstar katapultieren.

Dabei glänzt er doch gerade mit Martial-Arts-Einlagen und markanten One-Linern. Doch das sucht man hier, in Armed Response, leider vergebens. Uninspirierte Story trifft auf ratlosen und passiven Cast. Das hätte alles deutlich besser laufen können. Dann doch lieber beim nächsten Mal gegen Terroristen kämpfen!

Trailer

Cast & Crew

Regie: John Stockwell
Drehbuch: Matt Savelloni
Musik: Elia Cmiral
Darsteller: Wesley Snipes, Anne Heche, Dave Annable, Colby Lopez, Gene Simmons, Mo Gallini

Bewertung

Bewertung_4

23rd Jan2018

The Shannara Chronicles S02 | Serienkritik

von Lars B

The Shannara Chronicles

Die Abenteuer des Halbelfen Wil Ohmsford (Austin Butler) gehen in die zweite Runde. Zwar wurde durch seinen tapferen Einsatz und dem seiner Gefährten das Sterben des Ellcrys-Baums verhindert, doch schon droht neues Unheil.

shannarachronicles_2_1 Bandon (Marcus Vanco), der einstige Schüler des Druiden Allanon (Manu Bennett), hat sich der dunklen Seite zugewandt und versucht den bösen Hexenmeister wiederzubeleben. Und durch die sogenannten Bluträcher wird Jagd auf alle gemacht, die mit der Magie im Bunde stehen – Gut wie Böse. Es gibt also viel für unsere Helden zu tun. Doch neben neuen Feinden, stehen auch neue Verbündete bereit, um das Schicksal der Königreiche zu retten.

Nach einer eher durchwachsenen ersten Staffel wird die Serie mit 10 neuen Episoden aufgefrischt. Ob man es jetzt mit Fantasy-Größen wie Game of Thrones aufnehmen kann?

Die zweite Staffel der Fantasyserie, basierend auf den Büchern von Terry Brooks, setzt nach den Ereignissen der ersten Staffel an. Will Ohmsford hat sich zurückgezogen und versucht sich erfolglos als Heiler, während Eretria (Ivana Baquero) ebenfalls untergetaucht ist und sich der Liebe zur jungen Lyria (Vanessa Morgan) hingibt, nur um kurz darauf festzustellen, dass die Geliebte in Wahrheit eine echte Prinzessin ist.

Der einzige, der sich noch um den Friedenserhalt bemüht, ist der Druide Allanon, der Jagd auf seinen früheren Schüler Bandon macht. Der Möchtegern-Schurke scharrt sein Gefolge um sich und versucht den Hexenmeister wieder auferstehen zu lassen. Trotz des beherzten Eingreifens des Druiden kann die Zeremonie vollzogen werden und das Böse fortan wieder ungehindert durch die Welt streifen.

Wil wird schnell von einer unbekannten jungen Dame aufgespürt, die sich später als Mareth (Malese Jow) vorstellt und die Tochter des mürrischen Druiden Allanon ist. Sie versucht den jungen Shannara vom Dasein eines Heilers zum Weltenretter zu bewegen.

shannarachronicles_2_2 Doch mit jeder Minute wächst die Gefahr. Die Bluträcher machen Jagd auf die Helden und auch der Hexenmeister trachtet nach dem Leben der jungen Kämpfer. Verstärkung folgt in Form des wehrhaften Kopfgeldjägers Jax (Gentry White), der anfangs noch im Dienste der Königin Leah steht, sich aber bald auf die Seite Eretrias stellt. Kann mit diesen Neuzugängen das Böse endlich aufgehalten werden?

Es folgt eine kleine Zeitreise Wils zum eigenen Elternhaus, zahlreiche Duelle mit Bluträchern und Schergen des Hexenmeisters, der im Übrigen aus dem Blute Allanons erschaffen wurde und folglich auch dessen düstereres Erscheinungsbild besitzt. Natürlich ist Mereth dazu bestimmt, irgendwann in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Bis dahin bahnt sich aber noch die obligatorische Liebesgeschichte zu Will an, an dem bereits Eretria und Elfenprinzessin Emberle in Staffel 1 großes Interesse hatten.

In beeindruckenden Außenaufnahmen wird die Stärke der Neuseeländischen Kulissen bestens in Szene gesetzt und durch mehrere Studiosets gut ergänzt. Gerade in den Außendrehs gelingt es, echte Fantasy á la Herr der Ringe zu versprühen, doch sind Kostüme und Effekte bei weitem nicht annähernd so gut, wie der große Fantasybruder, und wirken eher wie dreist platzierte H&M Werbung.

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Ähnlich wie Game of Thrones, pro Staffel ein Buch umzusetzen, versucht The Shannarah Chronicles es dem Serienkonkurrenten gleich zu tun. Doch Fantasy ist mit hohem Risiko und Budget verbunden, was man in einzelnen Szenen deutlich merkt. Mal sind Effekte und Setting stimmig, mal wirkt alles B-Movie artig billig und plump. Auch die Handlung pendelt zwischen spannenden Kämpfen und teils langweiligen, sich wiederholenden Dialogen.

Besonders Austin Butler als Wil Ohmsford wirkt erneut farblos und kann nicht überzeugen. Als Schönling muss er nur lieb gucken und wirkt in all seinem Handeln wenig authentisch. Lichtblick bleibt Manu Bennett als Druide, der mit Kraft und Charisma die Handlung hauptsächlich durch seine Erfahrung trägt, auch wenn seine Figur deutlich von der Romanvorlage abweicht. Denn statt ein klappriger Zauberer zu sein, ist er ein gewaltiger Kämpfer, wie er eben nicht im Buche steht. Das mag die Leser und Fans verstimmen, sorgt im TV jedoch für den größten Unterhaltungsfaktor.

Dass junge Akteure mit einer gewissen Attraktivität nicht langweilig sein müssen, zeigen die Neuzugänge Jax und Mereth, die sehr gut gelungen sind und die Handlung deutlich voranbringen. Marcus Vanco als dunkler Adept Bandon dagegen ist eine echte Nervensäge, die lediglich weinerlich ist. Zwar kann er hier und da eine echte Bedrohung sein, geht dann aber, dank fehlendem Charisma, sang und klanglos unter.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. So ist die zweite Staffel von Höhen und Tiefen durchzogen und findet nur selten den richtigen Ton. Die Außenaufnahmen sind schön und stimmig, während manche Sets und Kostüme nach Cosplay-Fotoshootings aussehen, was wohl dem austragenden Sender MTV geschuldet ist. Die Zuschauer blieben dem 10-teiligen Fantasyspektakel derart fern, dass eine dritte Staffel ausgeschlossen scheint. Und das trotz des interessanten Cliffhangers am Ende.

Wer Lust auf Fantasy hat, kann, in Ermangelung von Alternativen, trotzdem reinschauen. Die Staffel ist dank weniger Episoden schnell zu schauen und bietet trotz zahlreicher Schwächen in der Erzählung genug Inhalt für einige kurzweilige Abende.

Staffelübersicht zu The Shannara Chronicles

Cast & Crew

Idee: Al Gough, Miles Millar
Darsteller: Austin Butler, Poppy Drayton, Ivana Baquero, Manu Bennett, Aaron Jakubenko
Länge pro Episode: ca. 42 Minuten

Bewertung

Bewertung_6

01st Jan2018

Mord im Orient-Express (1974) | Filmkritik

von Lars B

Mord im Orient-Express

Gerade können wir im Kino Kenneth Branaghs Version des Agatha Christie Klassikers Mord im Orient-Express bewundern. Im sagenumwobenen Luxuszug von Istanbul nach London kommt es zum unfreiwilligen Ableben eines Antiquitätenhändlers, mittendrin der scharfsinnige und exzentrische Meisterdetektiv Hercule Poirot.

mordimorientexpress_1 Mit Zwirbelbart und einem Hang zum Dramatischen ist es am belgischen Gentleman, den Mörder unter einem Haufen zwielichtiger Verdächtiger ausfindig zu machen. Diese Geschichte wurde allerdings bereits 1974, mit Albert Finney in der Hauptrolle, zu Zelluloid gebracht. Doch lohnt sich angesichts des Hochglanz-Remakes ein Blick auf den Klassiker vergangener Zeiten?

Alles beginnt mit einer wahnsinnigen Flut aus Zeitungsartikeln, die uns die Entführung der kleinen Daisy Armstrong näher bringt. Das Dienstmädchen wird verdächtigt und begeht schließlich Selbstmord. Auch andere Leben werden nach dieser Tragödie zerstört. Ein Schicksal, dass im Laufe des Films noch an Bedeutung gewinnen wird.

Wenig später betreten einige höchst seltsame Personen die edlen Schlafwagen des Orient-Express. Unter ihnen auch der kauzige Ermittler Hercule Poirot (Albert Finney), der eigentlich nur Ruhe wünscht und vergebens ein freies Abteil sucht.

An Bord befinden sich neben Geschäftsmann Mister Ratchett (Richard Widmark) auch Gräfin Adrenyi (Jacqueline Bisset) mit Gatten (Michael York) und Colonel Arbuthnot (Sean Connery), die wie ein willkürlich zusammengewürfelter Haufen scheinen.

mordimorientexpress_2 Für Poirot beginnt eine nervenaufreibende Zugfahrt. Als durch eine Lavine der Zug unfreiwillig zum Stehen kommt, passiert des Nachts ein Mord. Mit dutzenden Messerstichen im Schlaf getötet, blutet Mister Ratchett die weißen Laken des Luxuszuges voll. Doch wie kam der Mörder in den Zug? Ist einer der schrulligen Fahrgäste etwa zu solch einer Tat fähig?

Wer das Brettspiel Cluedo kennt, weiß, was jetzt folgt. Hercule Poirot muss sich jeden Fahrgast einzeln vornehmen und prüft jedes Alibi auf Widersprüche. Wer war wann wo? Stimmen die vagen Aussagen der Verdächtigen? Wo ist die Verbindung der einzelnen Fahrgäste zum Opfer? Wer hatte Motiv und Gelegenheit? Und wer war Mister Ratchett wirklich?

Gemeinsam mit dem Detektiv nimmt auch der Zuschauer in diesem Kammerspiel die Ermittlungen auf. Durch kleinste Nuancen und Gesten entlarvt man auf diese Weise den Lügner, um sich Schritt für Schritt Richtung Lösung zu tasten. Dabei kommt der Luxuszug wie ein verstörendes Gefängnis daher. Immerhin ist ein Mörder unter den Fahrgästen.

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Mord im Orient-Express
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Schon zu Beginn des Films dröhnt altbackene Musik aus den Boxen. Der Ton hat über die Jahre schwer gelitten und ist für das heutige Ohr eine Gewöhnungssache. Albert Finney wirkt als Ermittler wie ein kauziger Außenseiter mit wenig Charme, dafür aber einem unverkennbaren Stil. Die Darstellerriege kann sich selbst nach all den Jahren durchaus sehen lassen. Mit Sean Connery (James Bond) als Colonel und Michael York (Austin Powers) sind große Schauspielprofis am Werk.

Bei den Damen sind mit Jacqueline Bisset (Wilde Orchidee) und Ingrid Bergmann (Casablanca) ebenfalls große Namen im Cast. Jeder spielt seine Rolle auf routinierte und zurückhaltende Weise. Eben so, wie man sich verhalten würde, hätte man etwas zu verbergen.

Im Showdown, wenn sich alle Verdächtigen im Salon einfinden, wird durch Poirot der Mord rekapituliert und der Mörder gestellt, ganz nach Tradition der Agatha Christie Romane. Dann geht auch dem Zuschauer endlich ein Licht auf und das wahre Ausmaß des Verbrechens wird enthüllt. Ein wahrer Plottwist am Ende.

Inszeniert wurde das kammerspielartige Mordfall im Fall von Regisseur Sidney Lumet, der vor allem durch seine Regiearbeit an Die zwölf Geschworenen (1957) internationale Bekanntheit erlangte. Des Weiteren wirkte er an preisgekrönten Werken wie Prince of the City (1981) und Hundstage (1975) mit.

Die mörderische Zugfahrt in Mord im Orient-Express hat gerade durch seine hochwertige Besetzung einen unglaublichen Charme. Leider wirkt die Erzählung an manchen Stellen steif und langatmig, was der Dramaturgie vergangener Filme geschuldet ist. Ob Odyssee im Weltraum oder Spiel mir das Lied vom Tod – überall ist der Schnitt langsam und Kameraeinstellungen bleiben beharrlich und ermüdend auf ein und derselben Szene. Für das heutige Kinopublikum ist das nicht immer einfach. Kein Wunder, dass ein Remake eine gute Idee war.

Trotzdem lohnt es sich, den Klassiker aus dem Jahr 1974 zu sehen. Wann bekommt man sonst solche Größen Hollywoods in jungen Jahren zu sehen?

Cast & Crew

Regie: Sidney Lumet
Drehbuch: Paul Dehn
Musik: Richard Rodney Bennett
Darsteller: Albert Finney, Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergman, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel, Sean Connery, John Gielgud, Wendy Hiller, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Rachel Roberts, Richard Widmark, Michael York

Bewertung

Bewertung_8

02nd Dez2017

Sinister (2012) | Filmkritik

von Lars B

Sinister

Wer kennt das nicht? Da zieht man mit seiner Familie in ein neues Haus, in dem es gehörig spukt, und wenn der Schrecken so richtig loslegt, dann versucht man entweder das Haus wieder zu verkaufen oder stirbt beim Versuch die Wahrheit herauszufinden.

sinister_1 In Sinister aus dem Jahre 2012 ist es etwas anders. Der gefeierte Buchautor Ellison Oswalt (Ethan Hawke) hat sich gerade wegen einer brutalen Mordsereie sein Haus ausgesucht. Damit kann er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens war die Immobile günstig, zweitens holt er sich so die Inspiration für seinen kommenden Roman. Wenn er ihn denn fertigstellen kann.

Alles fängt harmlos mit einer Box auf dem Dachboden an. Darin sind alte Super 8 Filme mit harmlos erscheinenden Titeln, wie Poolparty oder Familien Barbecue. Dahinter stecken aber abartige Mordserien, in denen tatsächlich ganze Familien ums Leben kommen. Alles perfide und minutiös geplant. Und Oswalt schaut zu, wie ein ums andere Mal ein unbekannter Mörder seine Hauptdarsteller umbringt.

Klar, dass der Autor zum seelischen Wrack mutiert und selbst seine Gattin Probleme hat, ihn wiederzuerkennen. Auch der Sohn wird von Albträumen und Schlafwandel geplagt, was nachts zu zusätzlichem Horror führt.

sinister_2 Doch wer steckt dahinter und was sind seine Motive? Oswalt erkennt bald eine schwarze Gestalt im Hintergrund, die sich das blutrünstige Treiben aus sicherer Entfernung anschaut. Ein Mann mit grausiger Maskerade und finsteren Blicken, der schon bald aus den Filmen in die Welt der Autorenfamilie eindringt. So zeichnet das Töchterchen ein hübsch hässliches Portrait des Killers auf die Tapete und will sich später nicht mehr daran erinnern können.

Geisterhafte Kinder marschieren durch Haus und Garten und rauben dem Autoren den Verstand, der sich dann nur noch mit Alkohol beruhigen kann. In seinen Ermittlungen stößt Oswalt bald auf einen heidnischen Kult. Der angebetete Dämon braucht Opfer, um sich die Unsterblichkeit zu sichern. Immer ist das jüngste Kind der getöteten Familien verschwunden und zählt nicht direkt zu den Opfern. Passiert das nun auch mit seiner Familie?

Zugegeben, die Haunted House Idee nach Filmen wie Conjuring – Die Heimsuchung, Haunted Hill oder Amityville ist nicht gerade neu. Und spätestens seit The Ring wissen wir, dass manche Videos tödlich für den Zuschauer sein können. Trotzdem wagt sich mit Sinister Regisseur Scott Derrickson (Doctor Strange) in dieses stark umkämpfte Horrorhausszenario.

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Mit reichlich Filtern der 8 Millimeter-Ära und verstörender Musik komponiert er ein unbehagliches Kammerspiel, dass sich ganz auf das spielerische Repertoire Ethan Hawkes (Gattaca) verlässt. Und tatsächlich stemmt der Mime die Rolle des schrulligen Kriminalautoren mit Bravour. Dem nervlichen Kollaps nahe und trotzdem getrieben von unbändiger Neugier treibt es den Protagonisten immer tiefer in die Wirren des schaurigen Film-Killers. Dabei werden die Ängste und Bedenken der heutigen Schaulustigen und Sensationsneugierigen ordentlich geschürt.

Ist es erlaubt sich am Leid anderer zu ergötzen? Ist der Tod des Beobachters die gerechte Strafe für seine Sensationsgier? Der Killer wird hierbei zur moralischen Instanz. Trotz des guten Stils und der perfekten Besetzung bleibt Sinister streckenweise aber vorhersehbar und bietet nur wenig Neues.

Zwar ist die Handlung spannend und verstörend, doch kann man den Ausgang des Treibens schon recht früh vorhersehen. So bleibt Sinister ein netter Horrortrip für Zwischendurch, ist aber nur ein Werk unter vielen. Was jedoch heraussticht ist die Bild- und Tongewalt, die dem Treiben dann doch etwas außergewöhnliches verleiht. Wäre da doch nur die Story etwas komplexer gewesen. Trotz der Kritikpunkte kam das Spukszenario gut an, sodass drei Jahre später das Sequel folgte und der Bughuul abermals für Schrecken sorgte.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: C. Robert Cargill, Scott Derrickson
Musik: Christopher Young
Darsteller: Ethan Hawke, Juliet Rylance, Fred Thompson, James Ransone, Clare Foley, Michael Hall D’Addario

Bewertung

Bewertung_6

26th Nov2017

Song to Song (2017) | Filmkritik

von Lars B

Song to Song

Kann Musik unser Leben beeinflussen? Vermutlich ist in der heutigen Zeit die richtige Melodie zur richtigen Zeit einfach unersetzlich. Wie sollte man sich sonst erklären, dass man nirgendwo hingehen kann, ohne Kopfhörer zu tragen, die einen mit dem Soundtrack des Lebens versorgen?

songtosong_1 Im klangvollen und ausdrucksstarken Machwerk von Terrence Malick folgen wir jenen Menschen, die nicht nur durch Musik Leben, sondern mit ihr verbunden sind. Dabei konfrontiert uns das zweistündige Machwerk mit unseren Seh- und Hörgewohnheiten. Star besetzt mit dem, was in Hollywood Rang und Namen hat, wird hier ein Reigen bekannter Gesichter geboten. Doch was ist mit der Geschichte?

Es geht um Liebe, soviel steht fest. Die sensible Faye (Rooney Mara) träumt von der großen Karriere als Musikerin. Sie trifft auf BV (Ryan Gosling), der sich Hals über Kopf in die zarte Dame verliebt. Doch das Glück währt nicht ewig. Es bahnt sich nämlich eine Dreiecksgeschichte mit Musikproduzent Cook (Michael Fassbender) an.

Statt sich nun als Rivalen zu betrachten, verbrüdern sich die beiden Herren sogar und pflegen eine innige Freundschaft. Dass es trotzdem zum Tauziehen um das Herz der jungen Faye geht, steht außer Frage. Als dann noch die Tatsache hinzukommt, dass Cook über die kreativen Rechte BVs bestimmt, kommt es endgültig zum Bruch der beiden Schönlinge.

songtosong_2 So recht kann aber auch Cook nicht in Monogamie leben. Er lacht sich die Kellnerin Rhonda (Natalie Portman) an. Die sich derart von der herrischen Art Cooks unterdrücken lässt, dass sie sogar einen Dreier mit Faye nicht ablehnt. Ein Tabu, dass für BV unerträglich ist und er anschießend das Weite sucht. Natürlich ist er nicht lange allein und tröstet sich mit der etwas reiferen Amanda (Cate Blanchett). Wer bei diesem Bäumchen-Wechsel-Dich noch mitgekommen ist, erlebt hier eine etwas kostspieligere Telenovela. Quasi ein nettes „Wer mit Wem?“.

So ziehen sich die Protagonisten im Wechsel mal an, mal stoßen sie sich wieder ab. In teuren Luxushäusern mit viel Geld und Prunk wird trotzdem wenig königlich gelebt. Drogen, Sex und Sucht bestimmen hier das Geschehen. Lust und Verlangen statt echter Liebe und Vertrauen. Scheinbar scheint jede Form von Nähe und Beziehung nicht von Dauer zu sein, da keiner der Protagonisten dazu fähig ist. Fast scheint es, als würden sie schon auf den unabwendbaren Schmerz hoffen.

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Das von Stars gespickte Ensemble verstrickt sich leider in einen fast wahnsinnigen Rausch aus Bildern, Weitwinkelperspektiven, die viel zu dicht am Geschehen kleben und einem Monolog, der aus dem Off über die scheinbare Handlung gelegt wird. Das alles ermüdet das Auge und den Geist. Kein Satz, der hier beendet wird oder nicht durch gefühlte zwanzig Schnitte verstümmelt wurde. Die Personen springen eifrig von Szene zu Szene und die fehlende Struktur macht das Geschehen zu einer Mischung aus Improvisationstheater und einem überlangen Musikvideo.

Wie in Trance tänzeln, wandeln, hoppeln und kriechen die Tragikhelden des Films über die Leinwand, unfähig auch nur einmal etwas normales zu tun oder zu sagen. Stattdessen wird im Stakkato serviert, ungeachtet, ob der Zuschauer noch Lust und Laune hat, diesem seltsamen Treiben noch zu folgen. Ryan Gosling (La La Land) und Michael Fassbender (Alien: Covenant) spielen zwar mit Emotionen und Gesten, werden aber eher dokumentarisch festgehalten und sind teils mit der Situation unter- oder überfordert.

Der Drang, hier ein großes Kunstwerk schaffen zu wollen oder zu müssen, zerstört die dünnhäutige Handlung immer wieder. Das Gesehene verkommt zur Reizüberflutung, wenn über einen Dialog noch ein innerer Monolog gelegt wird, der Sprechblasen ausstößt, wie sie nur jemand von sich geben kann, wenn er so richtig high ist. Treffend wird das sogar mit dem Konsum von Magic Mushrooms gezeigt, wenn Michael Fassbender und Natalie Portman (Knight of Cups) kaum noch in der Lage sind, gerade zu stehen oder einen Satz mit Sinn und Verstand herauszubekommen.

Das hinterlässt ein sehr gespaltenes Bild. Zum einen ist man erleichtert, wenn endlich der erlösende Abspann über den Bildschirm flimmert, zum anderen ist man enttäuscht, dass die illustre Besetzung nichts besseres abliefern konnte oder durfte.

Der intellektuelle Feuilleton jedenfalls mag sich die Hände reiben und eingestehen, dass hier ein großes Häufchen Kunst gepflanzt worden ist, gespickt mit Sehnsucht, Liebe und großer Gefühlsduselei. Für einen Kinogänger mit dem Verlangen nach der Einheit von Zeit, Raum und Handlung wird es zu einer langatmigen Geduldsprobe. Aber mit der Kunst ist es genauso wie mit Oliven, es ist eine Geschmackssache.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
Darsteller: Michael Fassbender, Ryan Gosling, Rooney Mara, Natalie Portman, Cate Blanchett, Lykke Li, Val Kilmer

Bewertung

Bewertung_3

18th Okt2017

The Prisoner (1990) | Filmkritik

von Lars B

The Prisoner

Wer Chinas Kung-Fu Superstar Jackie Chan kennt, weiß, dass er besonders in Actionkomödien zu überzeugen mag. Doch auch in dramaturgischen und seriöseren Rollen weiß der Drunken Master und Rechte Arm der Götter-Star oftmals sein Können unter Beweis zu stellen. Im düsteren Gefängnisthriller The Prisoner aus dem Jahr 1990 spielt Jackie Chan zwar nur die zweite Geige, kann sich aber auf seine Kollegen Sammo Hung (Martial Law) und Andy Lau (House of Flying Daggers) verlassen.

theprisoner_1 Doch hat das Knackie-Cop-Scharmützel trotz des zurückgeschraubten Jackie-Anteils eine Chance verdient?

Polizist Andy (Tony Leung Ka- Fai) hat alles! Einen guten Job, eine tolle Frau und großartige Karriereaussichten. Doch wie schnell kann einem alles mit einem Schlag genommen werden? Als die Unterwelt nicht wünscht, dass Andy seine Arbeit gegen das organisierte Verbrechen aufnimmt, schickt sie einen Killer. Der wird bei seinem Auftrag kurzerhand erschossen. Doch eigentlich sollte der Attentäter längst in einem Gefängnis hingerichtet worden sein. Wieso läuft er dann noch herum?

Dieses Geheimnis zu lüften macht sich der Cop zu seiner Aufgabe und lässt sich ins Gefängnis einweisen. Innerhalb der Zellen muss das Geheimnis hinter dem Attentat gelüftet werden. Doch ganz so einfach ist es nicht. Immerhin freundet sich Andy bald mit Dauerausbrecher John (Sammo Hung) und Billardprofi Steve (Jackie Chan) an.

theprisoner_2 Mit einem sadistischen Gefängnisdirektor und einem Gangsterboss, der unter den Gefangenen den größten Respekt verdient, sind neben Andys Ermittlungen noch zahlreiche andere Probleme vorprogrammiert. Dass Steve dann noch auf der Todesliste eines Gangsters steht, machen die Ermittlungen nicht gerade einfacher. Natürlich gibt es Kampfturniere im Knast, die zeigen, dass Andy und seine Knastbrüder sich zu wehren verstehen.

Wer jetzt einen Jackie Chan Film mit Jackie in der Hauptrolle erwartet, könnte von The Prisoner etwas enttäuscht sein. Hier hat Tony Leung Ka-Fai (Tai Chi Zero) die Hauptrolle für sich ergattert, auch wenn Sammo Hung mit seinen Ausbruchseskapaden für kleine Abwechslungen sorgt und ihm in Handumdrehen die Schau stiehlt. Jackie schaut nur beiläufig vorbei.

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Das muss jetzt nichts schlechtes sein, hätte das Machwerk von Regisseur Chu Yen Ping (The Treasure Hunter) nicht ständig solche Hänger in der Handlung. Viel zu lang hält man sich da mit dem Haftalltag auf, statt die Ermittlungen des Undercovercops zu beleuchten. Zwar sind die vereinzelten Kämpfe knallhart und brutal, doch kommt die Action meistens viel zu kurz. In der Schlusssequenz wird es dann auch noch sehr skurril, wenn die drei Knackis zu Auftragskillern werden. Das sieht zwar cool aus, bringt aber der Geschichte rein gar nichts.

Höhepunkt des Films ist nicht etwa Jackie Chan, der eben nur einen kleinen Teil der Handlung ausmacht, sondern Sammo Hung. Mit gewohnter Trotteligkeit mimt er den liebenswerten Typen, der eben immer nur Pech hatte und dem man auch mal einen Platz an der Sonne gönnt. Weil sein Sohn Geburtstag hat, türmt er einfach und verbringt mit dem verdutzten Filius einen schönen Tag, bis ihn die Sirenen der Ordnungshüter wieder einholen.

Mit fast schon Cartoon-haften Einfällen schafft er es dann immer wieder, die Wärter an der Nase herum zu führen.

Mehr hat der Film aber leider nichts zu bieten. Fans des Knastfilms greifen dann doch lieber zu Lock Up oder The Undisputed. Gerade in der Action und den Kämpfen hätte man eben mehr auf Jackie Chan und Sammo Hung bauen sollen. So bleibt The Prisoner ein etwas glanzloses Stück aus der filmischen Karriere Jackie Chans und Sammo Hungs. Auch der Anteil Andy Laus fällt zu dünn und unspektakulär aus.

Cast & Crew

Regie: Chu Yen Ping
Drehbuch: Fu Li, Yeh Yuen Chio
Musik: Fu Lap
Darsteller: Jackie Chan, Andy Lau, Sammo Hung, Tony Leung, Barry Wong, Jimmy Wang Yu, Ko Chun-hsiung

Bewertung

Bewertung_5

14th Okt2017

The Warrior’s Gate (2016) | Filmkritik

von Lars B

The Warrior's Gates

Ein jugendlicher Held, eine chinesische Prinzessin, ein schweigsamer Samurai und ein blutrünstiger Barbar – die ideale Mischung für einen Fantasyfilm. Produzent Luc Besson, der schon mit Das fünfte Element (1997) und Valerian (2017) fantastische Abenteuer produzierte, versucht sich nun mit Regisseur Matthias Hoene im chinesischen Genre.

warriorsgate_1 Dabei wird ein junger PC Spieler mitten ins Abenteuer gestürzt und muss eine hübsche Prinzessin vor den Häschern eines üblen Schurken schützen. Was kann da schiefgehen?

Alles beginnt mit Jack (Uriah Shelton). Der sympathische Durchschnittsjunge verbringt seinen Tag am PC und zockt sich durch die mittelalterliche Fantasiewelt. Das ist natürlich besser als in der realen Welt von den anderen Jugendlichen herumgeschupst zu werden. Sein Spielcharakter ist in der Onlinewelt derart berüchtigt, dass andere Spieler ehrfürchtig erschaudern, wenn Jack die Tastatur und Maus in die Hand nimmt. Als der schlaksige Junge dann durch Zufall an ein magisches Artefakt gelangt, bricht das Chaos aus!

Ein wortkarger Samurai (Mark Chao) und eine Prinzessin in Nöten, Su Lin (Ni Ni), suchen Unterschlupf im pubertierenden Kinderzimmer. Weil Jack für einen großen Krieger gehalten wird, soll er die Prinzessin vor dem üblen Eroberer Arun (Dave Bautista) retten. Für Jack eine unlösbare Aufgabe, hat er doch nur in der virtuellen Realität eine Chance gegen seine Gegner.

warriorsgate_3 Schnell wird das Haus der Mutter zu einem Schlachtfeld. Und als man die überwältigte Prinzessin wegzuschleppen droht, muss Jack hinterher. Durch ein magisches Portal gelangt der Junge schließlich in die Welt der schönen Su Lin. Jetzt kann ihm nur noch Zhao helfen. Die kaiserliche Leibwache hat jedoch keine Lust auf Babysitten und trachtet danach, seine Hoheit aus den Klauen Aruns zu befreien.

Der bemalte Riesenkrieger, verkörpert von Ex-Wrestler Dave Bautitsa möchte die junge Dame heiraten, um die Macht über das Reich zu erlangen. Und das können weder Zhao noch Jack zulassen. Doch wie macht man aus einem Muttersöhnchen einen berüchtigten Krieger?

The Warriors Gate erinnert in vielerlei Hinsicht an The Forbidden Kingdom (2008) mit Jackie Chan. Ein jugendlicher Außenseiter wird auf eine magische Reise geschickt und reift schließlich zu einem Helden heran. Eine hübsche Prinzessin mischt auch noch mit und verdreht dem Jüngling den Kopf. Leider macht es der Jackie Chan Film insgesamt um Längen besser.

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Zwar ist gerade Samurai Zhao, gespielt von Mark Chao (Eternal Love) ein lässiger und cooler Krieger, dem man gerne folgt, doch geht einem das etwas dumme Gelaber von Jack (Uriah Shelton) schnell auf die Nerven. Fist bump hier, Bro da – sind einfach zu krampfhafte Versuche, „voll der Shit“ zu sein. Hier merkt man, dass ein Mitfünfziger versucht hat, sich in einen Teenager hineinzuversetzen. Das ist total unnötig, wirkt stark aufgesetzt und peinlich.

Bösewicht Bautista (Guardians of the Galaxy) hat ebenfalls nicht gerade vom Drehbuch profitiert. Strunzdumme Handlanger, die nicht verstehen, wen sie eigentlich töten sollen und eine ungelenke Situationskomik sollen darüber hinwegtäuschen, dass der Hüne keinen Tiefgang hat. Zwar ist die Kriegsbemalung cool und die körperlichen Ausmaße des ehemaligen WWE-Champions sind beeindruckend, doch hat es seine Gründe, dass Dave Bautista, außer als Drax der Zerstörer, noch keine allzu besonders guten Charaktere spielen durfte.

So ist The Warriors Gate ein Film, der zu oft zu seicht, zu oft zu kindisch und zu oft zu lächerlich wirkt. Etwas mehr Ernsthaftigkeit und Tiefe hätte dem ganzen Film deutlich besser getan. Nur der Samurai Zhao schafft es, philosophisch und ernst zu sein und damit etwas sinnvolles beizutragen. Vermutlich sollte ein junges Zielpublikum angelockt werden, doch mit Kartoffel kochenden Hexen und Zauberern in Zaubererverkleidung lassen sich auch keine Kinder vor den Spielkonsolen hervorlocken. Da nutzt auch der Name Luc Besson nichts, der mit Arthur und die Minimoys (2006) richtige Märchen erzählen konnte.

Kein Wunder also, dass die Kritiken zu The Warriors Gate insgesamt nur mäßig ausgefallen sind. Dann gucke ich doch lieber noch mal The Forbidden Kingdom!

Trailer

Cast & Crew

Regie: Matthias Hoene
Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen
Musik: Klaus Badelt
Darsteller: Mark Chao, Ni Ni, Uriah Shelton, Dave Bautista

Bewertung

Bewertung_5

09th Okt2017

Kung Fu Yoga (2017) | Filmkritik

von Lars B

Kung Fu Yoga

Er ist Chinas größter Martial Arts Export. Er spielte in über 100 Filmen mit. Er ist Stuntman, Regisseur, Kameramann, Cutter, Darsteller, Drehbuchautor, Sänger und noch vieles mehr! Jackie Chan begeistert seit Jahrzehnten Jung und Alt mit seiner charmanten Mischung aus Kampfkunst, Slapstick, Komödie und Action.

kungfuyoga_1 Mit Kung Fu Yoga versucht der sympathische Actionheld aus Fernost an alte Erfolge, wie Armour of God (1986) oder Police Story (1985), anzuknüpfen. Regisseur Stanley Tong, der mit Chan bereits in Rumble in the Bronx (1995) und Der Mythos (2005) zusammenarbeitete, schickt Jackie diesmal nach Indien, um das Geheimnis einer goldenen Statue zu lüften. Doch kann die Schatzsuche auch ähnlich begeistern wie seine Vorgänger?

Jack (Jackie Chan), ein berühmter Archäologieprofessor, arbeitet an der Rekonstruktion der weltberühmten Terrakottakrieger. Eines Tages wird er von der indischen Wissenschaftlerin Ashmita (Disha Patani) aufgesucht, um ihr bei der Suche nach dem verschollenen Schatz von Magadha zu helfen. Zusammen mit ihren Assistenten macht sich die ungleiche Truppe auf die abenteuerliche Reise nach dem verlorenen Gold.

Dass Professor Jack nicht nur alte Skulpturen zu schätzen weiß, sondern auch die Fäuste fliegen lassen kann, wird schnell klar. Immerhin ist ihnen der Bösewicht Randall (Sonu Sood) dicht auf den Fersen. Seine Handlanger machen allerdings schnell Bekanntschaft mit Jacks waghalsigen Aktionen und auch sein Kumpel und Kunstdieb Jones Lee (Aarif Rahman) hilft nicht uneigennützig beim Verteilen von Tritten.

kungfuyoga_2 Die Eröffnungssequenz wird allerdings in nicht ganz so perfekten CGI-Bildern präsentiert. In einer Schlacht mit chinesischen Kriegern und einer Horde berittener Elefanten wird erklärt, wie der Schatz Magadhas verloren ging. Warum man hier nicht, wie sonst auch, auf Schauspieler setzte, bleibt rätselhaft. Immerhin wirken gerade die Soldaten wie aus einem schlechten Videospiel.

Auch später neigt Stanley Tong dazu, viel zu oft den Computer einzusetzen. Jackies Fahrt mit dem Löwen und der spätere Kampf gegen Hyänen wirkt dank schlechter Animationen eher ungewollt komisch. Hier hätte man lieber andere Wege finden können, um für Spannung und Unterhaltung zu sorgen. Sieht man von diesen künstlerischen Schnitzern ab, gelingt es Kung Fu Yoga für knappe zwei Stunden gut zu unterhalten.

Natürlich ist Jackie Chan mit seinen 63 Jahren nicht mehr so spritzig wie zu seinen besten Zeiten. Seine Kämpfe werden zunehmend auf Slapstick reduziert und nur selten zeigt er seine Wendigkeit. Auch in den Stunts nimmt er sich mehr und mehr zurück. Das tut den Filmen jedoch keinen Abbruch. Gekonnt charmant und sympathisch zeigt Jackie, warum er auf der ganzen Welt noch immer so beliebt ist.

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Nicht unbeabsichtigt wird Kung Fu Yoga so vermarktet, als sei es der 4. Armour of God Teil, dessen letzter Film Chinese Zodiac bereits gute vier Jahre zurückliegt. Doch zählt dieses Abenteuer keineswegs zu der äußerst beliebten Filmreihe.

Trotzdem wird hier mit exotischen Schauplätzen, coolen Kämpfen und heißen Frauen alles geboten, was Man(n) sich wünscht.

Für Jackie Chan Fans und auch jene, die Spaß an einer lustigen Schatzsuche haben, ist Kung Fu Yoga definitiv zu empfehlen. Nur die Schluss-Sequenz mit dem Bollywood-typischen Tanz wirkt etwas befremdlich und löst dann doch etwas zu viel Fremdschämen aus. Den indischen Zuschauern wird es wahrscheinlich gut gefallen, sind sie es aus ihrem Kino nicht anders gewöhnt.

Wer ein tiefgreifendes Schauspielspektakel erwartet sollte seine Erwartungen jedoch zurückschrauben. Jackie Chan besticht durch Action, Stunts und Komik. So bekommt man genau das geboten, was man von einem Jackie Chan Film erwarten kann.

So ist Kung Fu Yoga ein unterhaltsamer Film, bleibt aber hinter Mission Adler und Der rechte Arm der Götter weit zurück.

Cast & Crew

Regie: Stanley Tong
Drehbuch: Stanley Tong
Musik: Nathan Wang
Darsteller: Jackie Chan, Aarif Rahman, Zhang Yixing, Sonu Sood, Miya Muqi, Disha Patani, Amyra Dastur

Bewertung

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