29th Nov2015

Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung (1977) | Filmkritik

von Jano R.

Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung

Das ist er nun also: Der Film der nicht nur das Science-Fiction-Genre, sondern das Kino in seiner Gesamtheit geprägt hat, wie kein Film zuvor und danach. Star Wars. Krieg der Sterne. George Lucas’ Weltaum-Oper hat mit ihrem Erscheinen im Jahr 1977 die Filmlandschaft für immer verändert und ist bis heute nicht nur der zweiterfolgreichste Film der Geschichte, sondern der filmische Inbegriff für Kult. Noch heute, fast 40 Jahre später, begeistern sich Kinder für Darth Vader, Luke Skywalker, Han Solo oder Chewbacca. Noch heute gibt es in beinahe jedem Laden Artikel mit dem Konterfei der Filmhelden zu kaufen. Eines Films, der in den Siebzigerjahren erschienen ist und sich seitdem zum größten Popkultur-Phänomen unserer Zeit entwickelt hat. Der ursprünglich einfach nur als „Star Wars“ und ohne den Zusatz „Episode 4 – Eine neue Hoffnung“ in den Kinos erschien und dessen Titel heute Menschen aller Altersstufen bekannt ist. Doch wo nahm dieses Phänomen überhaupt seinen Anfang?

starwarsepisode4_1 In einer weit, weit entfernten Galaxie kämpft eine Gruppe Rebellen gegen das übermächtige Imperium für die Freiheit. Die Anführerin der Rebellion, Prinzessin Leia, befindet sich mit geheimen Plänen der imperialen Raumstation, dem Todesstern, auf der Flucht. Als ihr Raumschiff von Einheiten des Imperiums gestoppt wird, gelingt es ihr vor der Gefangennahme, die Pläne mit den zwei Robotern R2D2 und C3PO auf den nahegelegenen Planeten Tattooine zu schicken. Dort angekommen treffen die beiden mechanischen Helfer auf den Farmersjungen Luke Skywalker und machen sich mit seiner Hilfe auf die Suche nach einem gewissen Obi-Wan Kenobi. Nachdem sie Kenobi gefunden haben und ihm den verzweifelten Hilferuf der Prinzessin überbracht haben, müssen sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass Lukes Zuhause samt seiner Angehörigen überfallen und ausgelöscht wurde. Unfreiwillig in diese hoffnungslose Lage geraten schließt sich Luke den Robotern und dem alten Kenobi an, um die Prinzessin zu befreien. Im Raumhafen Mos Eisley heuern sie den Schmuggler Han Solo und seinen Gefährten Chewbacca an, um unerkannt die Rettungsmission nach Alderaan anzutreten. Doch dort erwartet sie eine böse Überraschung, denn Darth Vader, Anführer der imperialen Armeen, hat finstere Pläne und droht, die Rebellion zu vernichten. Es kommt zur Konfrontation und einer Reihe folgenreicher Begegnungen, die das Schicksal der Galaxie bestimmen werden.

starwarsepisode4_2 Millionfach wurde bereits versucht, in Worte zu fassen, was die Faszination dieses Weltraum- Märchens ausmacht. Vielleicht ist es gerade das Märchenhafte? Schaut man sich einmal die Grundzüge des Films an, so fühlt man sich nicht zu Unrecht an Märchen und Heldensagen erinnert. Die Charaktere sind an die klassischen Archetypen solcher Erzählungen angelehnt oder erinnern zumindest an solche. Es gibt die Prinzessin in Not, den Jüngling der zum Helden wird, den finsteren, dunklen Bösewicht, die Mentoren-Figur, den verschlagenen aber gutherzigen Gauner und die tapferen Helfer der Helden. Der Kampf, den die guten und bösen Mächte hier ausfechten ist selbstverständlich auch jener um die edlen Werte der Freiheit. Soweit, so klassisch. Doch ist es womöglich auch gerade diese jahrundertelange Tradition in die sich „Krieg der Sterne“ einreiht, die ihm jene zeitlose Bewunderung einbringt? Denn was „Krieg der Sterne“ seinerzeit so besonders machte, war, dass er diese Elemente in den Weltraum verlagerte und damit eine völlig neue Dimension öffnete, die es im Kino bis dato noch nicht gegeben hatte. Eine Weltraum-Heldensage. All das lässt sich natürlich Jahre später trefflich analysieren und rückblickend gut beschreiben. Doch der Film selbst ist auch einfach ein perfekt passendes Werk in sich. Denn was haben wir dem Film zu verdanken? Einen der besten, sicher aber den ikonischsten, Bösewicht der Filmgeschichte: Darth Vader. Noch heute kennt jedes Kind die charakteristische schwarze Maske und das Antlitz des dunklen Meisters.

Ebenso bemerkenswert ist es, dass George Lucas es geschafft hat, eine Figur wie Chewbacca zu einem sympathischen und kultisch verehrten Helden zu machen. Man bedenke nur, was Chewbacca eigentlich für ein Charakter ist: Eine Nebenfigur mit relativ begrenzter Screentime, der sich im Prinzip nur durch merkwürdige Brülllaute artikuliert. Und trotzdem ist auch er eine der prägenden Figuren, nicht nur im Star Wars-Universum. Generell ist die Heldengruppe hier eine perfekte Mixtur aus Charme, Witz und Heldenmut. Dass auch sie alle in die Filmgeschichte eingegangen sind, braucht an dieser Stelle nicht erwähnt zu werden.

Ein weiterer Faktor, der „Krieg der Sterne“ hier zu einem so grandiosen Meisterwerk macht, ist die perfekte Balance aus seiner geradlinigen und klassischen, für alle Altersstufen verständlichen Geschichte und dem mythologischen Überbau. Die Faszination der Macht und die Geschichte der Jedi und der „alten Republik“ gibt dem Film ein episches Ausmaß, das über den Film hinausgeht und fasziniert. Gleichzeitig ist es aber gerade so weit ausgeführt, dass es nicht völlig verfranst, kompliziert wirkt und den Plot überlagert. Gerade dieses Gefühl, Teil einer großen weiten Geschichte zu sein, macht die Faszination bei solchen Heldensagen auch aus. Denken wir uns jetzt einmal die unseeligen Prequels weg, und stellen uns vor, wir würden Episode 4 schauen ohne bereits die Vorgeschichte zu kennen. Wie faszinierend wirkt diese Welt und Mythologie da auf einmal.

starwarsepisode4_3 Was ist noch faszinierend an diesem zeitlosen Klassiker? Definitiv ist John Williams Score Weltklasse, für die Ewigkeit und trägt einen großen Teil zum Kultstatus der Sternenkriegs-Saga bei. Der ist im Vergleich mit der Prequel-Trilogie womöglich auch das einzige, was den Kultfaktor von Episode 4 ins neue Jahrtausend hinüber retten konnte. Was mich zu einem der nevigsten Aspekte des Films führt, auch wenn man es dem eigentlichen Film selbst nur indirekt anlasten kann. Die digitale Nachbearbeitung, welcher George Lucas den Film mehrfach unterzogen hat, macht nichts besser und ist bisweilen unnötig und auch störend. Warum man in manchen Szenen den Hintergrund oder gar Vordergrund mit einem Haufen nachgefügter CGI-Kreaturen und Schiffen zukleistern muss, erschließt sich nicht wirklich. Desweiteren wirkt das glatte und künstliche Animierte inmitten der handgeschaffenen Effekte aus den 70er Jahren auch an einigen Stellen einfach unpassend. Letztendlich kann man Lucas aber schwerlich vorwerfen an seiner Vision des Films, der ja schließlich sein eigenes Werk ist, weiter gearbeitet zu haben. Man mag auch an einigen logischen Ungereimtheiten herummäkeln und sich fragen, warum Luke eigentlich bedeutend trauriger über den Verlust von Kenobi ist als über den grausamen Tod seiner gesamten Familie. Und das wo er den alten kauzigen Einsiedler Ben Kenobi doch erst die paar Tage kennt? Aber auch das ist im Prinzip nur das Suchen nach dem Haar in der Suppe.

Was denn dieser Film im Endeffekt auch trotzdem bleibt, ist ein Kultfilm für die Ewigkeit, der die Popkultur bis heute prägt. Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung hat uns nicht nur legendäre Zitate („Möge die Macht mit dir sein!“, „Das ist kein Mond!“), legendäre Charaktere, unvergessliche Szenen (die Müllpresse, der erste Auftritt von Vader) und Bilder für die Ewigkeit beschert (Luke vor dem Sonnenuntergang auf Tattooine, der Anfang mit dem ins Bild fliegenden Sternenkreuzer, die rollenden Anfangscredits) geliefert. Nein, Star Wars hat sich seit 40 Jahren ins kollektive Gedächtnis gebrannt und Generationen von Menschen nicht nur unterhalten, sondern begeistert.

Cast & Crew

Regie: George Lucas
Drehbuch: George Lucas
Musik: John Williams
Darsteller: Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher, Peter Cushing, Alec Guinness

Bewertung

Bewertung_10

15th Nov2015

Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger (2002) | Filmkritik

von Jano R.

Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger

Die Macht ist immer noch stark in dir, George Lucas! Das hofften im Jahre 2002 Millionen ernüchterter Kinogänger nach dem ebenso heiß erwarteten wie letztendlich enttäuschenden Start der Prequels mit Episode I – Eine dunkle Bedrohung drei Jahre zuvor. Und so hegten nicht nur hartgesottene Fans die Hoffnung, Episode I wäre bloß ein einmaliger Fehltritt im kreativen Schaffen ihres verehrten Regie-Masterminds. Die spannende Frage war also: Gelingt George Lucas mit Episode II – Angriff der Klonkrieger die Abkehr vom kindisch-albernen, seelenloses CGI-Kino und die Rückkehr zur Magie der Ursprungs-Trilogie?

starwarsepisodeii_1 Ja, er hat aus einigen seiner Fehler gelernt und macht aus Episode II einen weniger kindischen Film. Und ja, er schlägt einen etwas anderen Ton an. Aber, dass er einen in seiner Gesamtheit besseren Film macht, muss man leider eindeutig verneinen. Was angesichts der gesunkenen Erwartungshaltung und der niedrigen Messlatte seines Vorgängers eigentlich wirklich traurig ist. Die Fallhöhe ist hier zwar nicht mehr so hoch wie beim Vorgänger und doch: Von der Magie der alten Star Wars-Filme ist George Lucas leider auch mit dem zweiten Teil der Prequel-Reihe soweit entfernt wie Jar-Jar Binks von der Weisheit Yodas.

Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger setzt ganze zehn Jahre nach den Ereignissen aus Die dunkle Bedrohung an und zeigt eine vom Konflikt mit der Handelsföderation zerrüttete Republik. Als die mittlerweile zur Senatorin bestellte Padme Amidala einem Mordanschlag nur knapp entgeht, setzen der Jedi-Orden und Kanzler Palpatine die Jedis Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) sowie seinen Padawan Anakin Skywalker (Hayden Christensen) zu ihrem Schutz ein.

Während Obi-Wan sich auf einem weit entfernten Wasserplaneten um die Aufklärung der Verschwörung bemüht, kommen sich Padme und Anakin bei einem Ausflug auf Padmes Heimatplaneten Naboo näher. Da es Jedis und Senatoren jedoch verboten ist zu lieben, drohen diese neu entflammten Gefühle jedoch sogleich in einem Konflikt aus Pflichtgefühl, verbotener Liebe und Anakins Verlustängsten zu ersticken. Die Lage wird immer verzweifelter, als Obi-Wan bei seinen Recherchen auf eine mysteriöse Armee von Klonen stößt und offenbar wird, dass dunkle Mächte im Verborgenen einen Krieg ungeahnten Ausmaßes vorbereiten, der das Schicksal der gesamten Galaxis zu beeinflussen droht…

Unser aller Star Wars-Papst George Lucas hat sich nun also entschieden, in der Handlung einen Sprung nach vorne zu machen und sich langsam aber sicher der Wandlung des unschuldigen jungen Anakin Skywalker hin zur dunklen Seite der Macht zu widmen. Anakin Skywalker ist jetzt also kein kleines, bei Zeiten nerviges und besserwisserisches Kind mehr, sondern ein junger Erwachsener. Ein waschechter Jedi mitsamt eigenem Laserschwert, eigenen Fähigkeiten und – definitiv – eigenen Ansichten. Das ganze gibt dem Film im Vergleich zum vorherigen einen geringfügig ernsteren Touch und ist ein deutliches Zeichen, dass sich George Lucas hier in der Tat darauf fokussieren wollte, eine Charakterentwicklung in den Vordergrund zu stellen. Betrachtet man die Star Wars-Filme, oder zumindest die Prequels zusammenstehend, ist diese Entscheidung auch absolut sinnvoll, wenn nicht gar längst überfällig: Schließlich ist das Zentrum der drei Prequel-Teile die Figur des Anakin Skywalker und sein Pfad zur dunklen Seite. Kluge Entscheidung also, George!

Im Kern dieser zweiten Episode steht demzufolge Anakin Skywalker mitsamt seinen Gefühlen, Entwicklungen und Beziehungen zu anderen Charakteren. Eine weniger kluge Entscheidung von George Lucas ist es in der Folge allerdings, der hier auch das Drehbuch schrieb, es dem Zuschauer relativ schwer zu machen, ihn als Hauptfigur des Films zu mögen.

starwarsepisodeii_2 Der immer noch sehr junge Jedi ist hier leider den gesamten Film hindurch an der Grenze zur Unausstehlichkeit. Es ist ja richtig, ihm eine arrogante Seite zuzuschreiben und seine innere Zerissenheit darzustellen. Aber der Anakin Skywalker aus Episode II ist entweder ein arroganter, widerspenstiger Besserwisser, eine maulige Diva oder, wenn es um seine Gefühle für Padme geht, ein absolut creepiger Stalker! Alles im Prinzip schön und gut. Macht ja auch Sinn, wenn man bedenkt, dass er aus eben diesen Motiven irgendwann zur dunklen Seite übertritt. Aber wer ihn zur Hauptfigur dieses zweiten Films macht und will, dass der Zuschauer Empathie für ihn zeigen soll, dann muss auch irgendwas da sein, mit dem der Zuschauer überhaupt sympathisieren oder geschweige denn mitfühlen kann. Dieses Manko leitet direkt über zu einem der nächsten großen Schwachpunkte des Films: Hayden Christensen. Ja, es sind unfassbar undankbare, weil dümmliche, Dialogzeilen, die er hier von sich geben darf. Aber sein Schauspiel macht es leider in keinster Weise besser. Im Gegenteil! Die Mimik, die der gute Herr hier immer wieder präsentiert, lässt den geneigten Filmschauer immer wieder in Fremdscham und Verwunderung erschaudern. An dieser Stelle von einer Fehlbesetzung zu sprechen ist daher wohl kein allzu weit hervorgeholter Vorwurf. Aber genug auf den guten Hayden eingeprügelt, gibt es weitere Vorwürfe? Leider ja.

Zwar weniger gravierend als bei Episode I muss man auch hier wieder den Vorwurf vorbringen, dass sich Lucas vor lauter Plots und Figuren dramaturgisch verhebt und dem Film keinen echten Protagonisten spendiert. Es wird zwar deutlich und ist für Kenner der anderen Filme auch klar, dass Anakin Anker der Story ist und sein soll, aber um wirklich als Kern der Handlung zu funktionieren, bekommt seine Geschichte zu wenig Screentime und geht im Wust der Effekte und Schauplätze unter. Ohnehin ist ein 10-jähriger Zeitsprung in der Handlung gewagt. Die elementare Beziehung zwischen Obi-Wan und Anakin, die ja gegen Ende des letzten Films gerade mal angekündigt wurde, ist hier bereits von vornherein etabliert und vorausgesetzt. Die Einleitung in das möglicherweise nicht ganz einfache Verhältnis zwischen den zwei Jedis handelt Lucas hier in einer zwei-minütigen Fahrstuhl-Sequenz ab in der kurz angerissen wird, wer wen wo mal auf irgendwelchen Monden gerettet hat. Soviel zu den letzten zehn Jahren Lehrer-Padawan-Beziehung.

starwarsepisodeii_3 Ohnehin ist die Darstellung der Obi-Wan-Anakin-Beziehung reichlich oberflächlich geraten. Der gute Obi-Wan darf im gesamten Film immer wieder kleine One-Liner absondern, die vermutlich witzig gemeint sind, aber deren Witz leider nicht so ganz ankommt und den schmalen Grat zwischen lässig und lächerlich zu oft überschreitet. Immerhin hat Lucas sich aber entschieden den Humor insgesamt im Vergleich zu Epsiode I merklich zurückzufahren und, dem Himmel sei Dank, Jar Jar Binks Rolle drastisch zu reduzieren. Das darf man getrost unter „Positiv“ vermerken. Unter den weiteren negativen Punkten darf man dann aber leider noch das ein andere mehr eintragen. Beispielsweise, dass das Tempo des Films in seiner Dramaturgie unausgeglichen ist und durch unnötig lange und bedeutungslose CGI-Actionszenen in die Länge gezogen wird. Als Exempel seien hier mal die Verfolgungsjagd in Coruscant und die geradezu grotesk computerspielartige Sequenz in der Droidenpresse genannt.

Ein weiterer Wermutstropfen ist die Tatsache, dass hier der Bösewicht ganz, ganz schwach ist. War in Die dunkle Bedrohung mit Darth Maul ein guter Bösewicht einfach verschenkt, ist es mit Count Dooku hier schlicht und ergreifend ein zu blasser Gegenspieler für unsere Helden. Dass er sowieso erst nach 1 Stunde und 20 Minuten die Bildfläche betreten darf; spielt ihm dabei nicht gerade in die Karten. Nachdem sich zuvor Jango Fett daran versuchen durfte, den Protagonisten das Leben schwer zu machen, dabei jedoch außer einem grimmigen Gesicht und der Flucht von Kamino nicht viel zustande bringen kann, taucht irgendwann also Dooku auf. Der vom ehrwürdigen Christopher Lee verkörperte Sith Lord erweckt jedoch nie die bösartige Bedrohlichkeit eines überlegenen Fieslings, wenn er auf Geonosis herumstolziert und von der Macht seiner Pläne fabuliert. Wenn es schließlich zum großen Showdown in einem abgelegen Hangar kommt und das für Star Wars obligatorische Duell mit dem Laserschwert vonstattengeht, wird einem erst richtig bewusst, dass in Sachen Bösewicht und Schwertkampf hier der Tiefpunkt der Saga erreicht ist.

Es mag auch dem Alter von Christopher Lee geschuldet sein, aber die Choreografie und Dynamik der finalen Konfrontation ist so fürchterlich hölzern und spannungsarm, dass man sich beinahe Michael Bay herbei sehnt, damit endlich mal was passiert. Wenn dann endlich Yoda auftaucht, um das erste Mal in der gesamten Saga mit Lichtschwert in Aktion zu treten, ist der Kampf so unspektakulär und mir nichts dir nichts wieder vorbei, dass man sich fragt ob die Macher hier vielleicht ein paar Szenen im Schneideraum vergessen haben. Festhalten muss man aber immerhin, dass der animierte Yoda hier wirklich gelungen aussieht und eine gute Figur macht, wenn er wild herum hopst und springt wie ein Flummi. Warum er im restlichen Film einen Gehstock braucht, wenn er doch noch ganz quietschfidel ist, sei mal unter „Star-Wars-Mysterien“ abgehakt.

Aber genug gemeckert! Angriff der Klonkrieger hat längst nicht alles schlecht gemacht. Was also gibt es Positives über Episode II zu vermelden?

starwarsepisodeii_4 Zu aller erst ist natürlich einmal mehr der donnernde Soundtrack von John Williams ein Ohrenschmaus. Allen Fans der Trilogie, gerade der legendären alten Teile, wird es eine Gänsehaut bereiten wenn im Film an einigen Stellen der „Imperial March“ erklingt. Zusätzlich dazu ist es angenehm, dass George Lucas hier einen zumindest etwas ernsthafteren Ton anschlägt und der Film nicht mehr ganz wie einer wirkt, um Spielzeuge an Kinder zu verkaufen. Es ist zwar nach wie vor ein reinster Reigen an Green-Screen und CGI-Szenarien und Akteuren, aber aus dem Jahr 2015 heraus betrachtet ist besonders das Schlachtengetümmel am Ende überraschend gut gealtert. Auch was den Unterhaltungswert angeht, wissen die Schlachten der Klonkriege zu überzeugen und bieten allerhand Spektakel. Selbiges lässt sich auch über die Verfolgungsjagd zwischen Obi-Wan und Jango Fett sagen. Man sieht anhand dieser Beispiele, dass auch Episode II immer wieder starke Momente hat und das erwartete Effektspektakel bietet.

Unter all dem starken Effektgewitter bietet sich dann sogar auch ein emotional starker Moment. Wenn Anakins Mutter in seinen Armen stirbt und er daraufhin die verantwortlichen Tusken-Räuber abschlachtet, sind Wut und Trauer zu spüren. Leider, leider, leider gibt es zu wenige Szenen, die so emotional packend sind innerhalb der Fülle an Spektakel, Figuren, Effekten und Schauplätzen, welche George Lucas hier auffährt. Man wird nach der zweiten Prequel-Enttäuschung das Gefühl nicht los, George Lucas habe im Grunde gar kein ausgeprägtes Interesse an Charakteren und Emotionen, sondern ist mehr oder weniger Sklave seiner überbordenden Fantasie, die sich im übermäßigen Gebrauch von ausgefallenen computergenerierten Welten und Kreaturen widerspiegelt.

Was auch immer nun denn das ominöse Star-Wars-Gefühl ist, dass Episode IV bis VI hervorrufen, die beiden ersten Prequel-Werke können es nicht wieder aufleben lassen. Der Angriff der Klonkrieger ist zwar weniger enttäuschend als der Vorläufer, aber das liegt letztendlich nicht an der eigenen Qualität sondern bloß an den gesunkenen Erwartungen. Der fünfte Film im Star Wars-Universum ist freilich immer noch ein Star Wars-Film und man findet ihn dementsprechend irgendwie noch cool, auch weil er genügend Spektakel bietet, um als unterhaltsam zu gelten. Ein wirklich runder und gelungener Film ist er aber deshalb noch lange nicht. Dabei scheitert er nicht einmal daran, dass er der Mittelteil einer Trilogie und somit ohne echten Anfang und Ende, ist, sondern schlichtweg, weil er weder emotional, noch dramaturgisch, und nur teilweise visuell ein guter Film ist.

Cast & Crew

Regie: George Lucas
Drehbuch: George Lucas, Jonathan Hales
Musik: John Williams
Darsteller: Ewan McGregor, Natalie Portman, Hayden Christensen, Ian McDiarmid, Samuel L. Jackson, Christopher Lee, Anthony Daniels, Kenny Baker, Frank Oz

Bewertung

Bewertung_5

04th Nov2015

Transformers (2007) | Filmkritik

von Jano R.

Transformers

Vor wenigen Wochen kündigte das Studio Paramount an, die bereits vier Filme umspannende Transformers-Reihe um mindestens drei weitere Fortsetzungen zu verlängern. Kein Wunder, hat diese filmische Goldgrube dem Studio doch weltweit bereits fast 4 Milliarden US-Dollar in die Kassen gespült. Grund genug noch einmal zurück zu gehen und zu schauen wie alles angefangen hat.

transformers_1 Steven Spielberg entwickelte Mitte des letzten Jahrzehnts zusammen mit der Spielzeugfirma Hasbro, welche die Actionfiguren seit den 80er-Jahren populär vertreibt, die Idee, aus den Plastikkämpfern einen Live-Action-Film zu entwickeln. Die Regie übernahm der Hollywood-Veteran hierbei allerdings nicht selbst, sondern überließ sie dem berühmt-berüchtigten Action-Dirigenten Michael Bay (Armageddon, Bad Boys, The Rock). Dass unter diesen Vorzeichen zwar kein anspruchsvoller Film mit Mehrwert entsteht war zu befürchten und erwarten, und dennoch ist Transformers einer der unterhaltsamsten Blockbuster seiner Generation.

Doch worum geht es überhaupt in einem Film über sich in Autos verwandelnde Roboter aus dem Weltraum?

Der Teenager Sam Witwicky (Shia LaBeouf) bekommt von seinem Vater einen schrottreifen Camaro geschenkt, der aber nach und nach ein Eigenleben zu entwickeln scheint. Mit dem Auto versucht er nicht nur die High-School-Schönheit Mikaela (Megan Fox) zu beeindrucken, sondern gerät mitten in einen Krieg zwischen zwei Roboter-Rassen. Die Autobots (die Guten) und die Decepticons (ganz böse) tragen ihren Kampf um den sogenannten All Spark, einen ominösen Würfel aus dem Weltall, auf der Erde aus. In diesem Krieg müssen Sam, Mikaela, die Autobots, ein Haufen Regierungsbeamte (u.a. Jon Voight und John Turturro) und das amerikanische Militär nicht nur verhindern, dass der Spark in die falschen Hände gerät, sondern gleich noch das Schicksal unseres Planeten bestimmen.

Hört sich der Plot erst einmal so einfältig wie blödsinnig an, muss man dem Drehbuch irgendwie doch attestieren eine in sich gewissermaßen stimmige Logik zu haben und seinen Zweck zu erfüllen. Warum die Transformers ihren Kampf ausgerechnet auf der Erde austragen, wird nicht weiter logisch hinterfragt. Der All Spark dient schlichtweg als moderner McGuffin für alles was die Handlung einigermaßen vorantreibt. Warum gerade der Würfel so wertvoll ist, wird nicht weiter thematisiert. Schließlich reicht er, um der Geschichte einen Rahmen für den Kampf Gut gegen Böse und die gigantischen Schauwerte zu liefern.

transformers_2 Das Zentrum des Films bildet ohnehin die Geschichte um den zappeligen Teenager Sam Witwicky, was sich im Nachhinein als kluger Schachzug erweist. Die zeitweise regelrecht klassische Teenie-Komödie beruhigt den Film vor lauter Bombast und Vollgasaction gerade in der ersten Stunde deutlich und hat wider Erwarten eine Menge guter Gags und Unterhaltung zu bieten. Die nichts desto trotz klischee-überladene Teenstory bietet dem Zuschauer aber gerade noch genug Luft, um von der Massenzerstörung im letzten Filmdrittel nicht vollends überladen zu werden. Ein Schwachpunkt an dieser Storyführung ist allerdings, dass es bis zum ersten echten Auftauchen der Transformers eine geschlagene Stunde dauert.

Für einen Film, der sich Transformers nennt, immerhin diskutabel. Der Bösewicht Megatron (im Orginal gesprochen von Hugo Weaving) darf sogar erst nach knapp 2/3 der Spieldauer ernsthaft in Erscheinung treten. Man hat es eben mit einem Blockbuster á la Michael Bay zu tun, der im Drehbuch-Grundkurs an der Filmschule wohl das ein oder andere mal gefehlt hat.

Auch bietet Transformers wieder sämtliche Stereotype für die er geliebt oder gehasst, auf jeden Fall aber berüchtigt ist. Es gibt von knalligen Farben, heroischen Militärs über kreisenden Helikoptern, Sonnenuntergängen bis zu jeder Menge Pathos und Slow Motion alles, was einen Michael Bay–Film als solchen erkennbar macht. Man könnte wahrscheinlich wahllos 5 Minuten des Films zeigen und jeder, der den Mann kennt, weiß, dass es sich um einen Bay-Streifen handelt. Eine weitere Sache, die typisch für ihn und mittlerweile jeden großen Blockbuster ist, ist das Product Placement. Das ist zwar heute Gang und Gäbe, sollte bei einem Film, der auf einem Spielzeugprodukt beruht und in dessen Zentrum Autos stehen, nicht unerwähnt bleiben. Transformers strapaziert die Grenzen der Unterschwelligkeit hier schon beachtlich und auch Bays Herkunft als ehemaliger Werbefilmer wird allzu offensichtlich.

transformers_3 Was kann man dem 130-minütigen Roboter-Spektakel also bei aller Kritik noch positives abgewinnen? Genau das. Er ist Spektakel.
Transformers ist von Anfang an pures Blockbusterkino und ein Effektgewitter für Actionfans. Denn wenn es um Action und Hochglanz-Ästhetik geht ist Michael Bay als Bombast-Maestro nämlich wieder voll und ganz in seinem Element. Was er gerade im halbstündigen Finale auf die Leinwand zaubert ist brachial und bildgewaltig. Die wirkliche Wirkung dieses Bombastes lässt sich wohl am besten auf möglichst großer Leinwand und mit lautem Sound erleben. Dass der Film bisweilen an der Grenze der Reizüberflutung wandelt, trübt hierbei den Unterhaltungsfaktor nicht.

Einziger Wermutstropfen ist vielleicht, dass bei den zahllosen Blechgewittern von sich duellierenden Robotern die Übersichtlichkeit bisweilen verloren geht, wer es da gerade eigentlich mit wem aufnimmt. Dennoch, und das muss man dem Film 8 Jahre später wirklich anrechnen, ist Transformers technisch nahezu perfekt. Auch heute noch sehen die titelgebenden Roboter wahnsinnig gut aus. Und obwohl sie alle natürlich reine CGI-Kreationen sind, hat man nie im Film das Gefühl man würde hier einen Film aus dem Computer oder gar ein Computerspiel sehen. Schade, dass sich Steven Spielberg für seinen ein Jahr später erschienenen vierten Indiana Jones nicht daran erinnert hat.

Was der Film insgesamt bietet ist vornehmlich für Augen und Ohren, das aber umso gewaltiger. Wer also darüber hinweg sehen kann, dass der Plot kein Goethe-Roman ist, Megan Fox nur gut aussehen soll, ordentlich Werbung gemacht wird und prinzipiell jede Einstellung des Films auf Hochglanz getrimmt und stilisiert wird, der wird hier seinen Spaß haben. Natürlich ist das hier ein wenig ein Männerfilm bzw. ein Film für das Kind im Manne, aber vorwerfen kann man ihm das nicht wirklich, denn Transformers aus dem Jahr 2007 will nie mehr als das sein was er ist. Und das ist ein bombastischer Sommerblockbuster in Reinkultur und ein wahnsinnig unterhaltsames, knalliges Popcornkino.

Cast & Crew

Regie: Michael Bay
Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman
Musik: Steve Jablonsky
Darsteller: Shia LaBeouf, Tyrese Gibson, Josh Duhamel, Anthony Anderson, Megan Fox, Rachael Taylor, John Turturro, Jon Voight

Bewertung

Bewertung_7

28th Okt2015

Donnie Brasco (1997) | Filmkritik

von Jano R.

Donnie Brasco

Denkt man an Mafiafilme, so denkt man selbstverständlich zuerst einmal an die ikonischen Der Pate–Filme oder Martin Scorseses vielleicht besten Film Goodfellas (1990). Regisseur Mike Newell (Harry Potter und der Feuerkelch, Prince of Persia) leistete 1997 seinen Beitrag zum Genre und schlug dabei eine durchaus andere Richtung ein als die bekannten Genre-Legenden.

Geht es in den großen, berühmten Mafia–Epen zumeist um die mächtigen Männer an der Spitze und ihre Seite des Gesetzes, so zeigt der auf wahren Ereignissen beruhende Donnie Brasco einen Eindruck vom Leben der eher kleineren Ganoven am unteren Ende der Mafia. Vor allem aber beleuchtet der zweistündige Film das Leben eines Undercover–Agenten innerhalb des Mobs und seinem hin- und hergerissenen Leben zwischen Mafia-Alltag und Polizei-Arbeit.

donniebrasco_1 Johnny Depp spielt den FBI-Agenten Joseph Pistone, der samt lückenlos gefälschtem Lebenslauf in die Mafia von Brooklyn eingeschleust werden soll. Hierbei erschleicht er sich zunächst als Diamanten-Experte Donnie Brasco das Vertrauen des Kleinmafiosi „Lefty“ Ruggiero (Al Pacino), der Teil einer Gruppe von Auftragskillern und Kleinganoven ist. Dieser nimmt ihn mit in die Gruppe, stellt ihn als seinen Protegé vor und bürgt gegenüber den anderen Mitgliedern für ihn.

Donnie gewinnt immer mehr das Vertrauen der Gangster und ihres Anführers „Sonny Black“ (Michael Madsen). Während er bei diversen kriminellen Aktionen sein Geschick beweist, beginnt sein Privatleben zunehmend unter dem psychischen Druck, den das Undercover-Dasein ihm bereitet, zu leiden. Seine Frau Maggie bekommt aufgrund der Abstinenz ihres Ehemanns und Vaters ihrer Töchter immer stärkere Zweifel an der gemeinsamen Ehe. Auch seine anfangs noch rein professionelle Einstellung gegenüber Lefty beginnt sich zu wandeln und zwischen den beiden Männern entwickelt sich immer mehr eine Freundschaft, nachdem Donnie mehr und mehr realisiert, was Lefty für ihn tut und wie sehr er mit seinem Doppelleben nicht nur sich und seine Familie, sondern auch Lefty gefährdet. Als Donnie immer tiefer in die eskalierende Spirale aus Verbrechen und Verpflichtungen gerät, muss er eine Entscheidung treffen, bevor die Grenzen zwischen Gut und Böse gänzlich zu verschwimmen drohen.

Newell erzählt die Geschichte dabei ohne das romantiesierende Pathos und die epischen Ausmaße von Coppolas Pate-Trilogie oder der inszenatorischen Virtuosität eines Martin Scorsese, sondern mit einem weitesgehend nüchternen Inszenierungsstil. Er kann sich bei seiner Milieustudie jedoch auf seine starken Hauptdarsteller verlassen. Beide spielen hier entgegen ihrer heutigen Klischees. Al Pacino spielt weniger den mächtigen Mobster aus Scarface oder dem Paten. Johnny Depp dagegen ist hier erfreulicherweise noch in einer Zeit zu sehen, in der er nicht völlig in die Jack-Sparrow-Verschnitte-Ecke gerutscht ist und eine gute, weil ernste Performance abliefert.

donniebrasco_2 Ist es zu Beginn etwas schwerfällig in die Geschichte einzutauchen, so entwickelt der Zuschauer im Laufe des Films immer mehr Sympathien für Donnie und Lefty. Insbesondere Al Pacinos Figur macht dabei einen großen Reiz des Films aus. Kommt er zunächst als anmaßender Mafiosi daher, der sich vor Donnie als hohes Tier in der örtlichen Szene geriert und stolz damit prahlt, jeder würde ihn kennen und fürchten, wird schnell klar, dass er doch nur ein kleiner Handlanger der wirklich großen Bosse ist. Er fühlt sich nach 30 Jahren Drecksarbeit ständig übergangen und ist zu einem gebrochenen Mann geworden. Die großartige Darstellung des Pate-Darstellers Al Pacinos macht Lefty neben Donnie zu einem emotionalen Anker der Story. Zusammen mit dem ebenfalls starken Depp weiß der Leinwand-Routinier die Zuschauer auf seine Seite zu ziehen und die Freundschaft der beiden Ganoven spürbar und glaubhaft wirken zu lassen. Gerade die freundschaftlichen Bande zwischen Donnie und Lefty ermöglichen dem Film gegen Ende seine stärksten Momente.

Wenn Donnie klar wird, dass bei seiner Enttarnung nicht nur ihm und seiner Familie, sondern auch Lefty der Tod droht und die Lage sich immer weiter zuspitzt, bekommt Donnie Brasco eine emotionale Tiefe, die ihm vorher abging. So ist der private Konflikt zwischen Donnie und seiner Frau zwar durchaus interessant und wichtig, kommt jedoch nie über die Bedeutung eines Nebenschauplatzes hinaus. Die von Anne Heche verkörperte Maggie taucht erst wirklich in der Story auf, als es bereits mit dem Eheleben bergab geht und bekommt so nur als wütende und weinende Ehefrau Leinwandzeit.

Als größtes Problem stellt sich die Dramaturgie des Films dar. Ein echter Spannungsbogen macht sich erst ganz zum Ende hin bemerkbar, als es um Leben und Tod der beiden Protagonisten geht. Bis dahin plätschert der Film etwas dahin und erzählt scheibchenweise den Werdegang innerhalb der kleinen Mafiosi-Gruppe. Dass es hierbei erkennbar an echten Höhepunkten mangelt, kann der nüchterne Stil der Inszenierung nicht auffangen, sondern unterstützt es eher. Auch die anderen Charaktere der Gruppe bleiben weitestgehend eindimensional. Einzig der mit Michael Madsen sehr passend besetzte Sonny Black weiß durch seine körperliche Erscheinung hier und da Akzente zu setzen.

Donnie Brasco ist aufgrund seiner überschaubaren Figurenkonstellation und der kleinen Handlungsspannweite ein vergleichsweise kleiner Mafiafilm. Insgesamt hat er einige dramaturgische Schwächen und es fehlt stellenweise an spannenden Höhepunkten, ist dennoch aufgrund des interessanten Ansatzes, der starken Hauptcharaktere und der Leistungen von Depp und Pacino sehenswert und eine Empfehlung für Freunde des Gansgter– und Cop-Genres.

Cast & Crew

Regie: Mike Newell
Drehbuch: Paul Attanasio
Musik: Patrick Doyle
Darsteller: Al Pacino, Johnny Depp, Michael Madsen, Bruno Kirby, Anne Heche, James Russo, Željko Ivanek

Bewertung

Bewertung_7

19th Okt2015

Man lernt nie aus (2015) | Filmkritik

von Jano R.

Man lernt nie aus

Don Vito Corleone als Praktikant und Chauffeur von Catwoman Anne Hathaway? Nancy Meyers macht’s möglich!

manlerntnieaus_1 In ihrem neuesten Streich Man lernt nie aus spielt die mittlerweile ins Rentenalter eingetretene Kinolegende Robert de Niro (Der Pate 2, Taxi Driver) den 70-jährigen Witwer, der sich mangels Beschäftigung für ein Praktikum in Jules Ostins (Anne Hathaway, zuletzt Les Miserables oder The Dark Knight Rises) Modeunternehmen für ein Praktikum bewirbt.

Die aus zwei unterschiedlichen Generationen und Geschäftswelten stammenden Mitarbeiter wissen zunächst wenig miteinander anzufangen. Doch nach und nach erwächst aus der ungleichen Zusammenarbeit immer mehr eine Freundschaft. Der Gentleman der alten Schule kommt mit seiner warmherzigen und charmanten Art nicht nur bei den Kollegen immer besser an, sondern weiß auch dank seiner Erfahrung der dauergestressten Businessfrau Jules zu helfen und so verschwimmt die Grenze, wer hier bei wem das Praktikum absolviert, immer mehr.

Von einem Film über einen 70-jährigen, der als Praktikant in einem Internet Start-Up in einem New Yorker Hipster-Stadtteil anfängt, da erwartet man eigentlich einige vorhersehbare Schenkelklopfer á la „alter Mann weiß nicht wie man einen Laptop oder einen Touchscreen bedient“. Dass Man lernt nie aus glücklicherweise ein weitaus charmanterer, lustigerer und, das kann man so klar sagen, besserer Film ist, liegt zum einen an der herzlichen Inszenierung, seinem gut dosierten Humor aber vor allem an der tollen Chemie seiner beiden Hauptdarsteller.

manlerntnieaus_2 Robert de Niro galt in den 70er und 80er Jahren als einer der besten amerikanischen Schauspieler, hat in diesem jahrtausend allerdings bis auf wenige Ausnahmen nur wenige beeindruckende Rollen und Filme zu seiner langen Vita hinzugefügt. Hier zeigt er allerdings nach Silver Linings erneut in einer dramatischen Rolle mal wieder was noch immer in ihm steckt. Den gleichermaßen lebensfrohen wie sympathischen Rentner nimmt man ihm von der ersten Minute an ab, wenn er auf eigene Faust ein Youtube-Video zur Bewerbung dreht. Sein Charakter des unter der Langeweile des Witwer-Daseins leidender Ben Whittaker funktioniert als emotionaler Anker der ersten halben Stunde des Films fantastisch und ist zum Wohle des Films eben nicht jener Klischeebeladene Senior, welcher mt der mordenen Technik schlicht überfordert ist und sich daher für allerhand albernen Slapstick anbietet.

Vielmehr schafft es Nancy Meyers hier bereits vom Prolog an, Ben als ernstzunehmende Figur zu etablieren mit der der Zuschauer sofort sympathisiert. Natürlich gibt es im Laufe des Films immer wieder Momente in denen mit dem Gegensatz zwischen älterer und jüngerer Generation gespielt wird, das passiert jedoch in wohldosierten Abständen und stets so unvoreingenommen und aus der Situation heraus, dass sich schnell eine angenehm fröhliche und leichtlebige Atmosphäre einstellt. Besonders hervorzuheben ist hierbei auch das Zusammenspiel von Ben und seinen Kollegen, die zwar alle auf ihre Weise kauzig aber ebenso wenig reine Karikaturen sind. Wichtigster Punkt ist aber wie bereits gesagt, die tolle Chemie die Hathaway und de Niro hier auf die Leinwand zaubern können. Die durchaus als Workaholic durchgehende, aber liebenswürdige Jules ist für Hathaway natürlich eine Rolle wie sie ihr auf den Leib geschneidert ist. Sie schafft es, die Figur jederzeit glaubwürdig und sympathisch wirken zu lassen.

manlerntnieaus_3 Das Vorurteil, hier handele es sich um einen reinen Frauenfilm lässt sich außerdem insofern entkräften, als dass Man lernt nie aus sich zwar an Frauen als Hauptzielgruppe wendet, der Film jedoch die Klischeekiste gekonnt umschifft und immer wieder einiges zum Lachen und Schmunzeln bietet. Die Clique um Ben und seine jungen Kollegen sorgen mit ihren Kapriolen immer wieder für Lacher, wenn sie beispielsweise als Oceans 11 ins Haus von Jules’ Mutter einbrechen um ihren Laptop zu hacken oder sich Ben mit der kleinen Tochter seiner Chefin blendend versteht. Erfreulicherweise hält sich der Film über die ersten 90 Minuten auch fern von jeglicher romantisch verklärten Liebesgeschichte, sondern konzentriert sich auf seine authentisch geerdeten Charaktere und ihre Probleme, die sich natürlich auch immer wieder um die Gefühle drehen.

Dass der Film jedoch nicht nach diesen sehr beschwingten gut eindreiviertel Stunden zuende ist, führt zu seinem größten Schwachpunkt: So beschwingt und wohltuend der Film bis dahin ist, so bemüht wirkt der Versuch in der letzten halben Stunde unbedingt noch große Dramatik einzubauen. Das funktioniert stellenweise sehr gut und macht insofern Sinn, als dass der Film natürlich auch einen Spannungsbogen braucht. Leider wirkt die Beziehungsdramatik samt dem dann sehr kitschigen Happy End aber doch zu unglaubwürdig und überhastet. Es bleibt am Ende der fade Beigeschmack, dass die beruflichen Höhe- und Tiefpunkte der Hauptfigur weit interessanter sind als das was Nancy Meyers hier über das Liebesleben ihrer Protagonistin zu erzählen weiß.

Nichts desto trotz bleibt Man lernt nie aus eine sehr angenehm – heitere Komödie mit zwei gut aufgelegten Hauptdarstellern und genügend Verve und Witz um uns Zuschauer mit einem guten Gefühl zu hinterlassen.

Cast & Crew

Regie: Nancy Meyers
Drehbuch: Nancy Meyers
Musik: Theodore Shapiro
Darsteller: Robert De Niro, Anne Hathaway, Rene Russo, Anders Holm, Andrew Rannells, Adam DeVine, Celia Weston, Nat Wolff, Linda Lavin, Zack Pearlman, Jason Orley, Christina Scherer

Bewertung

Bewertung_7

12th Okt2015

No Turning Back (2012) | Filmkritik

von Jano R.

No Turning Back

84 Minuten. Ein Mann. Ein Auto. Eine Freisprechanlage. Mehr nicht. Unter dieser Prämisse macht sich No Turning Back, der im Original den kurzen Titel Locke trägt, auf, Tom Hardy (Inception, Mad Max: Fury Road) als titelgebendem Charakter Ivan Locke auf seiner Fahrt durchs nächtliche England zu begleiten.

locke_1 Ivan Locke ist ein ob seiner Zuverlässigkeit und Kompetenz geschätzter Bauleiter einer nicht weiter benannten Baufirma in deren Auftrag er für eine der größten Baustellen Europas zuständig ist. Doch in der Nacht vor der wichtigen Lieferung des gesamten Betons, trifft der Familienvater eine folgenschwere Entscheidung. Und so muss sich der mitten im Leben stehende Mann nicht nur mit der Organisation der Betonlieferung am nächsten Morgen, sondern auch mit seiner eigenen Vergangenheit, seiner Zukunft, des Lebens seiner Familie und der eigenen Verantwortung für einen früheren Fehler stellen. Auf der wichtigsten Fahrt seines Lebens wird so seine Freisprechanlage zum wichtigsten Begleiter, wenn sich das Schicksal von Ivan Locke für immer ändert…

Regisseur Steven Knight, bisher vor allem als Drehbuchautor in Erscheinung getreten, setzt in diesem Thriller-Drama einzig und allein auf die Mimik, Körpersprache und Worte des britischen Ausnahme-Mimen Hardy. Die Beschränkung des Handlungsraumes alleine auf den Innenraum des Autos ist Minimalismus pur und stellt in ihrer Begrenztheit selbst berühmte Kammerspiele wie Die zwölf Geschworenen oder Das Fenster zum Hof in den Schatten. Dies führt dazu, dass wir als Zuschauer uns vollkommen auf die Gespräche der Hauptfigur und die Gesichts- und Oberkörpermuskulatur von Tom Hardy verlassen müssen.

locke_2 Dass hierbei dennoch ein durchweg spannender und packender Film bei herauskommt, verdanken wir in erster Linie natürlich eben Hardys grandiosem Schauspiel, andererseits aber der tollen Atmosphäre, die Knight mit der nächtlichen Fahrt über die Autobahn zu kreieren weiß. Der Handlungsverlauf mag nach einigen elementaren Telefongesprächen in der Mitte des Films durchaus zu erahnen sein, doch Knight und Hardy schaffen es dennoch, dass der Zuschauer weiter gebannt die emotionale Achterbahnfahrt der Hauptfigur spürt. Immer wieder schafft es Tom Hardy durch Bewegungen und Worte, dem Zuschauer Mitgefühl und Verständnis für Ivan Locke zu entlocken.

Besonders auffällig sind zudem die zwischenzeitlich immer wieder eingestreuten Selbstgespräche, die Locke mit einer, aus Spannungsgründen hier nicht weiter genannten, Figur aus der Vergangenheit führt. Auf den ersten Blick wirken diese Monologe etwas konstruiert und außer der Reihe, sind jedoch im großen Ganzen unerlässlich um die Entscheidungen der handelnden Figur zu verstehen und dem Film einen emotionalen Hintergrund zu geben. Den schwierigen Spagat, trotz der ausschließlichen Fokussierung auf den Charakter des Ivan, die Nebenfiguren nicht zu reinen Stichwortgebern zu degradieren, schafft der Film ebenso durchgehend. Auch dank der Tatsache, dass die allermeisten seiner Gesprächspartner mehrmals anrufen und auftauchen.

Schwerwiegende Schwachpunkte lassen sich in Steven Knights erst zweiter Regiearbeit kaum ausmachen, womit sich durchaus konstatieren ließe: Das Experiment, welches dieser minimalistische Film darstellt, ist geglückt. Die Handlungen und Gesprächsverläufe mögen das ein oder andere Mal die Grenzen des Realismus leicht strapazieren, sind jedoch immer geerdet genug, um den Zuschauer nicht aus der emotionalen Welt des Films herauszureißen. Den Fehler, den Film zu lange werden zu lassen und die Handlung wie einen Kaugummi auseinander zu ziehen, begehen die kreativen Köpfe hinter dem Projekt glücklicherweise nicht. Und so fühlen sich die 84 Minuten Laufzeit zu keinem Zeitpunkt langweilig oder gar unnötig an und das Empfinden, mit Ivan Locke im Auto zu sitzen, durch die Nacht zu fahren und hilflos bei der Entfaltung der Ereignisse zuhören zu müssen, ergriff mich als Zuschauer.

Alles in allem ist No Turning Back definitiv einen Blick wert und weiß über die gesamte Laufzeit emotional zu packen. Ein mehrmaliges Ansehen mag ob der begrenzten Szenerie weniger Unterhaltung bieten, aber dennoch ist es einmal mehr der Beweis, dass Tom Hardy einer der fähigsten Darsteller seiner Generation ist und in der Lage ist einen kompletten Film alleine zu tragen.

Cast & Crew

Regie: Steven Knight
Drehbuch: Steven Knight
Musik: Dickon Hinchliffe
Darsteller: Tom Hardy

Bewertung

Bewertung_7

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