03rd Aug2016

Pets (2016) | Filmkritik

von Frederik Heinen

Pets

Mit den Minions (2015) haben die Illumination Studios bereits mehr als nur ein paar kleine gelbe Figuren erschaffen, sie haben auch eine unaufhaltbare Welle an Memes und Franchise-Verwurstung zum Leben erweckt. Die Bananen versessenen Handlanger mögen vielleicht als Nebenfiguren ihr Debüt auf der großen Leinwand gegeben haben, aber ob man sie hasst oder liebt, sie sind einfach überall. War der eigene Film der Minions zwar von Kritikern verpönt, so war er doch bis zur Veröffentlichung von Star Wars: Das Erwachen der Macht sogar unter den Top 10 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten.

pets_1 Mit Ich – einfach unverbesserlich 3 schon auf dem Radar versuchen sich die kreativen Köpfe der Illumination Studios nun jedoch erst mal an etwas Anderem was uns allen am Herzen liegt: Unseren Haustieren.

Die Geschichte von Pets ist schnell erzählt. In New York wohnt der Terrier Max (Jan Josef Liefers) mit seiner Halterin Katie (Stefanie Heinzmann). Diese hatte ihn vor Jahren auf der Straße gefunden, mit nach Hause genommen und sofort ins Herz geschlossen.

Die Beiden sind unzertrennlich und scheinen ein perfektes Paar von Hund und Mensch, doch ein Problem bedrückt Max immer wieder. Katie geht! Und das jeden Tag! In dieser Zeit fühlt sich der sonst so froh gestimmte Hund betrübt und kann es einfach nicht erwarten bis das Frauchen endlich wieder heimkommt. Doch Gott sei Dank ist Max nicht alleine.

pets_2 Die Katze Chloe (Martina Hill), der Kanarienvogel Sweetpea und seine Hundegesellen Mel (Mario Barth), Gidget (Jella Haase) und Buddy (Frederick Lau) leisten dem kleinen Terrier Gesellschaft wenn alle Menschen aus ihren Wohnungen verschwunden sind. Doch das scheinbar so perfekte Leben scheint auf einmal zerstört als Katie mit dem neuen Hund Duke (Dietmar Bär) in die Wohnung zurückkehrt, mit dem sich Max einfach nicht vertragen kann.

Die Beiden kommen sich immer wieder in die Quere und während Duke auf das neue Heim angewiesen ist, will Max dieses definitiv für sich behalten und keinen Kompromiss akzeptieren. Doch als die zwei Hunde bei einem Spaziergang plötzlich abhanden gehen und sich in der großen Stadt verloren fühlen, scheint kein Weg daran vorbei zu führen. In einer Welt voller Tierfänger und Streunerkatzen können die Rivalen nur gemeinsam überleben.

Pets versucht bei der Handlung nicht viel Neues. Aber trotzdem weiß der Zuschauer vor allem zu Beginn des Filmes einfach nicht, wer nun wirklich welche Rolle in diesem Film spielen soll. Einige Charaktere springen so schnell zwischen Freund und Feind, dass man sich nicht ganz im Klaren ist für wen die Geschichte nun wirklich gut ausgehen soll. Das kann besonders dann sauer aufschlagen wenn man in den ersten 45 Minuten des Films das Gefühl einfach nicht mehr los wird, dieser Film könnte genau an demselben Problem leiden wie schon der Minions Film.

pets_3 Denn dieser hatte einen ganz klaren Höhepunkt: Der Anfang, der bereits genauso in den zahlreichen Trailern zu sehen war. Für lange Zeit wird man in Pets das Gefühl einfach nicht los, dass man das Beste des Films bereits gesehen hat und nun noch weitere 80 Minuten mitgeschleift wird mit der Hoffnung, hier und da einen Lacher abzubekommen. Dem ist Gott sei Dank nicht so, denn nach einem längeren, mühseligen Aufbau in den Konflikt kommt der Film schließlich zur Sache.

Wovon Pets wohl am meisten profitiert ist, dass der Großteil, wenn nicht alle, Zuschauer die Eigenheiten und das Verhalten von Haustieren kennen. Die Parodien auf die einzelnen Tiere von der Eidechse bis zum Meerschweinchen sind oft urkomisch und überschatten die sonst eher schwache Geschichte. Das Zusammenspiel der Truppe aus Katzen, Hunden, Vögeln und mehr, die sich auf die Suche nach Max und Duke machen, funktioniert überraschend gut und die unterschiedlichsten Gesichter, die ihnen dabei über den Weg laufen, sind teilweise einfach zu bescheuert um wahr zu sein. Doch leider erkennt der Film genau bei dieser Stärke einfach seine Schwächen nicht.

So lustig das Zusammenspiel zwischen den Tieren mit all ihren Eigenarten ist, so uninteressant und gelangweilt wirkt die erzählte Geschichte. Unnötig komplexe Actionsequenzen, die einfach nicht zu den kleinen Haustieren passen, Konflikte die aus dem Nichts entstehen und ohne Erklärung aus der Welt geschafft werden; kleiner und realistischer zu denken wäre hier einfach von Vorteil gewesen. Die emotionale Bindung zu den Tieren ist so hoch wenn sie sich wie unsere eigenen Haustiere verhalten, dass all diese Bindung sofort verloren geht wenn sie sich plötzlich einfach wie x-beliebige Charaktere auf vier Beinen verhalten.

pets_4 Ohne zu viel vorwegzunehmen gibt es auch vor allem eine kleine Situation, die in dem Film nicht unbefriedigender hätte aufgelöst werden können und das Gefühl, Pixar hätte hier weitaus besser erzählen können, geht einem einfach nicht aus dem Sinn.

Doch so negativ das alles klingen mag, Pets ist unterhaltsam. Die Charakterisierung von Vierbeinern, Vögeln und Tierchen aller Art ist witzig und genau das macht diesen Film letztendlich aus. Die Menge an menschlichen Charakteren kann an einer Hand abgezählt werden und das ist auch gut so. Denn die wahre Stärke des Films ist eben nicht seine Erzählkunst, sondern mit den Klischees und Eigenheiten von Tieren zu spielen.

Die Animation ist wie von Illumination gewohnt sehr gut und auch die deutsche Synchronisation ist sehr gelungen. Einzig und allein der Aufsatz des 3D könnte unnötiger nicht sein und wirkt ein weiteres Mal wie ein unnötiger Cashgrab. Wer sich durch die vergangenen Filme des Studios und vor allem den Minions Film unterhalten gefühlt hat, kann sich auf 86 Minuten simplen Spaß freuen, alle anderen sollten sich das Geld für den Kinobesuch aber erst einmal sparen.

Einen Blick ist der Film, der einfach wie eine Sammlung aus Slapstick mit einer Prise Story wirkt, trotzdem vor allem für Haustierhalter definitiv wert. Denn wer will nicht wissen was die kleinen Racker eigentlich so machen, wenn man gerade nicht zu Hause ist.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Chris Renaud, Yarrow Cheney
Drehbuch: Brian Lynch, Cinco Paul, Ken Daurio
Musik: Alexandre Desplat
Stimmen: Louis C.K., Eric Stonestreet, Kevin Hart, Steve Coogan, Ellie Kemper, Bobby Moynihan, Lake Bell, Dana Carvey, Hannibal Buress, Jenny Slate, Albert Brooks
Deutsche Stimmen: Jan Josef Liefers, Dietmar Bär, Fahri Yardim, Jella Haase, Stefanie Heinzmann, Mario Barth, Martina Hill, Dieter Hallervorden

Bewertung

Bewertung_7

29th Apr2016

The First Avenger: Civil War (2016) | Filmkritik

von Frederik Heinen

The First Avenger: Civil War

Der Superheldenfilm-Hypetrain ist weiterhin in voller Fahrt. Dieses Jahr dürfen sich sich die Zuschauer, nach dem Riesenerfolg von Deadpool, auf die neuen (Anti-)Helden aus Suicide Squad und Doctor Strange freuen, auch die klassischen und altbewährten Gesichter haben erneut ihren Auftritt. Nachdem sich Regisseur Zack Snyder bereits mit Batman v Superman: Dawn of Justice an einem der wohl größten und am meisten erwarteten Showdowns versuchte, so schickt nun auch Marvel ohne großes Zögern seine Zugpferde wieder ins Rennen.

thefirstavengercivilwar_1 Doch während sich die altbekannten DC-Anzugträger mit nur mittelmäßigen Reaktionen zufrieden geben mussten, hofft das Disney-Imperium, nach dem Mega-Erfolg von Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht, wieder einen draufsetzen zu können. Dieses Mal heißt es aber nicht; „das Böse gegen das Gute“ oder „die helle gegen die dunkle Seite“. The First Avenger: Civil War spielt nur so mit Grauzonen und lässt dem Zuschauer die Wahl auf welcher Seite er schlussendlich steht. Der patriotische Gutmensch Captain America oder der selbstsichere Held in eigener Sache, Iron Man?

Unabhängig von der ohnehin unfassbar bescheuerten Übersetzung der gesamten Captain America-Reihe im deutschsprachigen Raum, kann der Titel des Filmes durchaus irreführend wirken. Dieser Film dreht sich nicht nur um die Geschichte von Steve Rogers und seine Abenteuer. Vielmehr ist er, wie auch schon The First Avenger: Winter Soldier, eine Art Bindeglied zwischen den „wahren“ Avengers-Filmen. Selbstverständlich steht der Captain im Vordergrund der Geschichte und auch die Gegenspieler, die der Film bietet, stammen eher aus den Riegen der Anti-Cap Fraktion. Dennoch bekommt jeder Avenger in diesem Film seine Zeit auf der Leinwand und egal ob man nun ein Fan von Iron Man, Captain America oder gar dem debütierenden Black Panther ist, man darf sich auf reichlich Auftritte seiner Lieblingshelden freuen. Lediglich die mittlerweile eher zweite Riege der Gemeinschaft, sei es nun Hawkeye, Falcon oder Black Widow, spielen eher eine hintergründige Rolle als ebenbürtige Mitspieler zu sein. Dies ist aber nach den Vorgängern bestimmt keine neue Entwicklung und spätestens in den massiveren Kampfszenen bekommt jede Figur seinen eigenen, gebührend großen Auftritt.

thefirstavengercivilwar_2 Wer nach Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron dachte, man hätte nun ein ordentliches Sammelsurium an Superhelden im Marvel Cinematic Universe, wird in diesem Film erneut eines Besseren belehrt. The First Avenger: Civil War wirft mit Black Panther und Spider-Man zwei weitere, neue Spieler mit ins Feld, die eben dieses nochmal richtig von hinten aufrollen. Beide Charaktere finden ihren eigenen Platz in dem Universum und wirken weder aufgesetzt, noch unnötig. Black Panther spielt eine wichtige Rolle im ausschlaggebenden Konflikt, welcher das Team der Avengers schlussendlich auseinander reißt und auch wenn die Figur des Spider-Man so schnell ins Geschehen geworfen wird, wie es mit jedem anderen Helden unmöglich gewesen wäre, so ist dies für jeden Zuschauer, der nicht die letzten 15 Jahre hinter dem Mond verbracht hat, eine durchaus willkommene Abwechslung. Keine unnötige Zeit wird an Erklärungen oder Hintergrundgeschichten verloren, sondern man kommt schnell und knackig auf den Punkt.

The First Avenger: Civil War macht vieles besser als Batman v Superman. Nicht weil es zwingend ein viel besserer Film ist, sondern weil es als Bindeglied einer ganzen Reihe von Filmen so unglaublich viel besser funktioniert als sein DC-Konkurrent, welcher den Beginn eines neuen Universums einläuten sollte. Niemand weiß ob Batman v Superman nach mehreren Batman-Filmen, einer früheren Geschichte rund um Wonder Woman und mehreren Erzählungen rund um die Justice League besser funktioniert hätte. Doch es ist genau das, was Marvel in den letzten Jahren einfach richtig gemacht hat und ihnen weiterhin den Erfolg sichert. Der neue Ableger der Captain America-Reihe versucht nicht fünf Superhelden, drei Superschurken und vier Comicbücher zu erzählen. Vielmehr baut er auf all das auf, was der Zuschauer kennt und baut aus all diesen Elementen ein neues Gerüst, welches darauf setzt, dass der Zuschauer bereits weiß wie dieses Universum strukturiert ist. Als Zuschauer ist man natürlich etwas verwirrt, wenn The First Avenger: Civil War völlig unvorbereitet sieht, doch ist es um einiges wahrscheinlicher, dass man sich selbst als gelegentlicher Kinogänger mal in einen Marvel Film verirrt hat und damit bereits einige der Charaktere wiedererkennt.

thefirstavengercivilwar_3 Die Russo-Brüder schaffen es nach The First Avenger: Winter Soldier ein weiteres Mal einen der stärkeren Marvel Filme abzuliefern. Während sich der zuvor genannte Film eher als Polit-Thriller mit seinen gelungenen Wendungen auszeichnen konnte, so ist Civil War ein Aufeinandertreffen von Gewalten, welche gar nicht so einfach zu beherrschen sind. Doch trotz der Menge an Charakteren und Fähigkeiten ist der Film ein rundes Erlebnis mit wunderschönen Choreographien, spannenden Kampfszenen und auch so mancher Wendung. Zwar sind diese bei Zeiten meilenweit vorauszusehen, doch funktionieren sie durch gute Eibettung in der Geschichte und drehen immer wieder den wahren Konflikt der Superhelden in unterschiedliche Richtungen.

Einzig die Präsentation einiger Storytwists wirkt altbacken und aufgesetzt, so dass sich der Zuschauer entweder in seiner Intelligenz angegriffen oder zumindest zu sehr an die Hand genommen fühlt. Die Kampfsequenzen hingegen bilden nicht nur den Dreh- und Angelpunkt der gesamten Geschichte, sondern wirken wunderbar durchdacht und vielseitig. Kein Charakter kommt zu kurz oder wird von seinem Kontrahenten in Grund und Boden gestampft, sondern liefert sich ein ebenbürtiges Kräftemessen. Diese unterschiedlichen Perspektiven zwischen verhältnismäßig gleichstarken Helden halten das Geschehen immer wieder frisch und die zahlreichen Helden bieten eine Unmenge an interessanten Auseinandersetzungen.

An der Schauspielerfront ist der Film wie gewohnt ein absolutes Brett, Chris Evans (Snowpiercer) spielt einen grandiosen Captain, Robert Downey Jr. (Sherlock Holmes) verkörpert weiterhin die Rolle seines Lebens und auch der Rest der Avengers bietet eine durchaus beachtliche Leistung. Sebastian Stan (Der Marsianer) zeigt in seinem zweiten großen Auftritt als Winter Soldier ein weiteres Mal einen spannenden, ebenbürtigen Antihelden und auch Newcomer Chadwick Boseman (42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende) macht als Black Panther eine gute Figur. Tom Holland (Im Herzen der See) hat wohl in seiner Rolle als Spider-Man eine der undankbarsten Aufgaben, da speziell diese Figur aufgrund seiner zahlreichen Darstellungen bereits eine eingefleischte und überzeugte Fanbasis aufweisen kann. So könnte speziell dieser Charakter, wenn auch erschreckend Comicgetreu und schön in das Universum eingebunden, wahrscheinlich einigen Zuschauern schnell auf die Nerven gehen.

thefirstavengercivilwar_4 The First Avenger: Civil War steht seinem direkten DC-Kontrahenten in punkto Simplifizierung der Konflikte jedoch in Nichts nach. Die Beziehung zwischen Steve Rogers und Tony Stark, die ohnehin in allen vorherigen Filmen mehr als angespannt war, wirkt bei Zeiten so aufgesetzt erhitzt, dass man sich durchweg die Frage stellt, wie die Beiden jemals gemeinsam in einem Team funktioniert haben. Stark, der sonst nur als Held in eigener Sache und absoluter Egomane dargestellt wird, ist plötzlich von einem Erlebnis bekehrt, welches banaler nicht hätte ausfallen können. Und auch die Wege der restlichen Avengers und ihre Seitenwahl beim auftretenden Konflikt wirken absolut haarsträubend. Einige Figuren agieren plötzlich nur noch als hirnlose Bauern, deren Seite durch vorherige Beziehungen vorbestimmt scheint, anstatt eigene Interessen zu verfolgen oder gegebene Tatsachen zu hinterfragen.

Leider fallen einige Charaktere, durch den Fokus auf den direkten Konflikt zwischen Captain America und Iron Man, zu sehr in den Hintergrund. Gewisse Figuren werden sogar speziell und ausschließlich für eine Kampfszene im Film vorgestellt, um danach sang- und klanglos wieder zu verschwinden. Freilich ist dieser Film kein Avengers 3, aber dennoch wurde hier die Kerngeschichte der Comics, zwei erbitterte und überzeugte Fraktionen zu kreieren, weit in den Hintergrund geworfen, um die direkte Auseinandersetzung zwischen Rogers und Stark immer an vorderster Front zu halten. Interessant zu sehen ist jedoch, wie nah die Russo-Brüder mit diesem Film dennoch der erfolgreichen Marvelformel kommen. Im Vergleich zum Vorgänger zeigt Civil War ähnlich der Avengers-Filme einiges mehr an Humor und lässt die seriösen, ernsten Aspekte etwas stärker hinter sich.

thefirstavengercivilwar_5 So gut der neueste Ableger des Marvel-Universums auch ist, so ist er nicht frei von Fehlern. Dennoch zeigen die Regisseur-Brüder ein weiteres Mal ein gutes Händchen für Hau-drauf-Action mit einer interessanten Hintergrundgeschichte. Natürlich sind die üblichen Kritikpunkte vieler Comic-Verfilmungen auch dieses Mal wieder durchaus präsent. Viele Helden wirken einfach unkaputtbar und die Geschichte steht weit, weit, weit hinter der Action des Films und ist bei Zeiten einfach nur Füllmaterial bevor ein weiteres Mal die Fäuste fliegen.

Doch wer die bisherigen Marvel kennt und mag wird sich auch hier ein weiteres Mal gut unterhalten wissen. The First Avenger: Civil War erfindet das Rad nicht neu, es fährt das Rad nicht mal besonders weit, sondern scheint es viel mehr nach den Ereignissen aus The Avengers 2: Age of Ultron einfach ausrollen zu lassen. Wer aber dennoch auf dem Laufenden bleiben möchte wie es mit den Avengers weitergeht und wer sich mal wieder mit einem Regen aus CGI berieseln lassen möchte, für den ist die neueste Auskopplung aus dem Marvel-Universum genau das Richtige.

Bewertung

Bewertung_8

Trailer

Informationen
The First Avenger: Civil War (2016)
147 min|Action, Adventure, Sci-Fi|06 May 2016
7.8IMDB-Wertung: 7.8 / 10 von 560,917 Nutzern
Als bei einem Einsatz der Avengers in Lagos zwar der Diebstahl eines biologischen Kampfstoffes verhindert wird, dabei aber mehrere Zivilisten sterben, beschließen die Vereinten Nationen ein neues Gesetz, das die Avengers unter ihre Aufsicht bringen soll. Während Tony Stark alias Iron Man für eine Kontrolle der Superhelden votiert, stimmt Steve Rogers alias Captain America für ihre Unabhängigkeit...
02nd Apr2016

Crimson Peak (2015) | Filmkritik

von Frederik Heinen

Crimson Peak

Durch Filme wie Pans Labyrinth (2006) und die Hellboy-Teile ist Guillermo del Toro bereits ein etablierter Name in Hollywood. Seine Liebe fürs Detail und sein ausgefallener Stil machen seine Filme immer wieder zu einem ganz besonderen Erlebnis und heben sich von vielen anderen Werken im Genre des fantastischen oder mystischen ab. Verhältnismäßig wenig arbeitet der Mexikaner mit Computereffekten und ist vielmehr ein Fan von Puppen, Attrappen und richtigen Figuren. Seine Filme erzählen meist nicht nur irgendeine Geschichte, sondern kreieren eher eine Welt, in welcher sich der Zuschauer einfach verlieren kann.

crimsonpeak_1 Was den Mexikaner jedoch noch mehr ausmacht als sein Stil ist sein ungeheures Arbeitspensum. Zwar liegt mit Pacific Rim (2013) seine letzte Regiearbeit schon einige Jahre zurück, doch hielt sich Del Toro in dieser Zeit durch seine Serie The Strain (2014-2015) und seine Aufgaben für die Verfilmung der Hobbit-Bücher beschäftigt und war aus der Filmbranche nicht wegzudenken. Mit Crimson Peak sitzt der spanisch sprechende Filmemacher endlich wieder im Regiestuhl und das Ergebnis ist mindestens sehr interessant.

Crimson Peak erzählt die Geschichte von Edith Cushing (Mia Wasikowska), die junge Tochter eines reichen, amerikanischen Businessmoguls. Durch den frühen Tod ihrer Mutter bleibt der jungen Amerikanerin lediglich ihr geschäftsorientierter Vater als Familie. Sie ist gebildet und hat in den Augen ihres Vaters viel Potential, doch die von Geistergeschichten besessene Edith will nichts mehr als Schriftstellerin zu sein. Fest von der Existenz von Geistern überzeugt scheitert sie immer wieder in einer Welt, die ihre Kunst als Frau nicht ernst nimmt und stattdessen in Schubladen stecken will.

Als der charmante Erfinder Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) auf den Schirm tritt, scheint ihm Edith sofort erlegen. Der motivierte Engländer besucht ihren Vater mit der Bitte um Unterstützung für ein Projekt, doch stößt bei dem etablierten Wirtschaftler auf taube Ohren. Auch seine Versuche sich der Tochter zu nähern kritisiert er, doch Sharpe versucht die junge Edith zu seinem Anwesen in England zu entführen, in welchem er mit seiner Schwester Lucille (Jessica Chastain) wohnt.

crimsonpeak_2 Das alte, verlassene Haus ist auf rotem Lehm gebaut, der Rohstoff, mit dem Thomas versuchen will Geld zu verdienen. Langsam zerfallend, wirkt das Haus aufgrund des roten Lehms zu bluten und zu schreien. Von vielen Dorfbewohnern nur als blutroter Hügel (Crimson Peak) bezeichnet, sitzt es furchteinflößend und weitab jeglicher Zivilisation. Edith fühlt sich trotz ihrer Liebe zu Sharpe einfach nicht wohl und auch seine Schwester scheint ein Geheimnis zu hüten. Was haben die Sharpes zu verbergen? Und was steckt hinter der vorausschauenden Warnung Ediths‘ Mutter: „Hüte dich vor Crimson Peak!“?

Regisseur Guillermo Del Toro schafft es ein weiteres Mal einen Film in einer Welt zu schaffen, die überzeugender und schöner nicht hätte gestaltet sein können. Das grandios konzipierte Haus der Sharpes wurde eigens für diesen Film erbaut und genau diese Liebe fürs Detail ist das, was diesen Film so besonders macht. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass Crimson Peak perfekt ist. Ein wunderschönes Buch sagt schließlich nichts über dessen Inhalt aus.

Das Problem von Crimson Peak ist viel eher, dass es einfach nicht weiß was es sein möchte. Von seinem Regisseur als „Gothic Romance“ und „Mystery Horror“ bezeichnet, ist der Film einfach nicht das, was der Zuschauer anhand der Trailer und dem Pressematerial erwarten würde. Del Toros Werk ist kein Horrorfilm, trotz seiner gewalttätigen Elemente, und er ist auch kein Gruselfilm, obwohl es sich um eine Geistergeschichte handelt. Im Vordergrund stehen weitgehend die Charaktere, ihre Beziehungen und die Intrigen, die sich in der alten Villa verbergen.

Doch was in Pans Labyrinth noch wunderschön funktionierte, fällt in Crimson Peak leider immer wieder flach. Im direkten Vergleich repräsentieren die gruseligen, fantastischen Szenen in ersterem genanntem Film die Psyche und Angst der Protagonistin Ofelia, die sich in ihrer eigenen Welt nicht wohlfühlt. Sie schafft sich deshalb selbst eine mysteriöse Welt, in welcher sie auf all die fabelhaften Wesen trifft von denen sie gelesen und gehört hat. Im neuesten Werk von Del Toro hat die Geschichte rund um Edith einfach keine Substanz.

crimsonpeak_3 Die Handlung ist zu vorhersehbar, zu kalkuliert. Die Wendungen, welche der Filme immer wieder groß in Szene setzt und grandios präsentiert, sind einfach keine Überraschung, weil selbst dem unachtsamen Zuschauer die zahllosen Anspielungen auf eben jene Enthüllung schon längst aufgefallen sind und er so eher auf den erlösenden Moment wartet, in welchem der Vorhang der Ignoranz fällt und auch endlich die Protagonistin versteht, was eigentlich in diesem Haus vorgeht.

Auch wenn die Geschichte durchaus schwach ist, können die Darstellern in ihren Auftritten überzeugen. Speziell Tom Hiddleston (Marvel’s The Avengers) kann in seiner Rolle definitiv seine Kunst präsentieren und wirkt mit seiner Art geradezu perfekt als Mischung zwischen charmantem Verführer und zwielichtigem Charakter. Jessica Chastain (Der Marsianer) liefert ebenfalls eine interessante Charakterisierung von Lucille Sharpe, wobei ihr Hang zum Overacting teilweise etwas den Rahmen bricht. Vor allem ist dies in direkten Dialogen und Szenen mit Mia Wasikowska (Alice im Wunderland) als Edith erkennbar. Zwar wird die junge und naive Millionärstochter realistisch, aber bei Zeiten doch so anstrengend schwer von Begriff, gezeigt, dass man sich einfach nicht mehr in der Figur verlieren kann. Auch ihre Reaktionen auf die Geister, welche sie heimsuchen, sind einfach nicht verständlich. Ist Edith doch sonst immer ängstlich und zurückhaltend, sind eben die Szenen in welchen sie wirklich mit dem Paranormalen konfrontiert wird jene, in denen sie sich plötzlich als unaufhaltbare, mutige Protagonistin erweist.

Guillermo del Toro ist bekannt für seinen Stil. Speziell im Sci-Fi und Fantasy Genre fühlt sich der Regisseur zu Hause und besonders mit Pans Labyrinth hat der Mexikaner bewiesen, dass er den Zuschauer schockieren und gruseln kann aber gleichzeitig eine komplexe, sowie interessante Geschichte zu erzählen weiß. Auch die Hellboy-Filme zeichnen sich vor allem durch wunderbar durchdachtes Design aus, welches die Geschichte der Comic-Verfilmung untermauert. Crimson Peak bleibt einem dieser Trends treu: Der Film ist wunderschön detailliert und liebevoll gestaltet. Doch an Geschichte mangelt es dem Streifen, vor allem im Vergleich zu den früheren Werken des Regisseurs, sehr stark. Die komplett vorhersehbare Handlung, die überraschungsleeren Wendungen und simplen Lösungen aller Probleme sind nicht das, was man von diesem Film und Regisseur erwartet hätte. Besonders, weil Guillermo del Toro zusammen mit Matthew Robbins (Don’t Be Afraid of the Dark) für das Drehbuch verantwortlich ist.

Der Film ist letztendlich nicht schlecht aber man hat als Zuschauer dennoch immer wieder das Gefühl man hätte etwas anderes und besseres erwartet. Alles in allem bleibt Crimson Peak so eine wunderschöne Geschichte, die einfacher nicht sein könnte und wirkt damit weniger wie ein neues Meisterwerk von Del Toro, sondern eher wie ein Disney-Fantasy-Film für Erwachsene.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro, Matthew Robbins
Musik: Fernando Velázquez
Darsteller: Mia Wasikowska, Jessica Chastain, Tom Hiddleston, Charlie Hunnam, Jim Beaver

Bewertung

Bewertung_6

23rd Mrz2016

„Batman v Superman“: Wer ist der bessere Superheld?

von Frederik Heinen

Batman v Superman: Dawn of Justice

Der Tag rückt immer näher an dem sich Ben Affleck als Batman und Henry Cavill als Superman endlich gegenüber stehen und beweisen, wer nun der wahre, stärkere Superheld ist. Ist es der schwarze Ritter Gothams oder der Sohn Kryptons?

Auch wenn wir nur erahnen können wer zwischen den beiden Hünen letztendlich die Oberhand gewinnen wird, möchten wir nur einen kleinen Denkanstoß geben, wer am Ende des Filmes siegreich aus der Schlacht hervorgehen wird. Trotzdem warnen wir vor eventuellen Spoilern zu alten Batman– oder Supermanfilmen und den Comics.

Punkt 1: Die Comics

Es gibt zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen Batman und Superman in diversen Comicheften. Sei es ein gedankenmanipulierter Superman, ein Batman außer Kontrolle oder einfach die Erzählung aus einem Paralleluniversum, zwischen Bruce Wayne und Clark Kent kommt es doch immer wieder zum Schlagabtausch. Scheint der Sohn Kryptons aufgrund seiner Kräfte dem schwarzen Ritter weit überlegen, so schafft es Batman doch immer wieder durch seine Intelligenz und Vorausplanung dem übermächtigen Alien ebenbürtig entgegen zu stehen.

Superman: Red Son erzählt beispielsweise die Geschichte eines Superman, dessen Raumschiff anstatt in Kansas, in der damaligen Sowjetunion landete. Der normalerweise als amerikanisches Paradebeispiel stehende Superheld etabliert sich stattdessen als Waffe für das kommunistische Reich und zeigt sich so als klarer Gegenspiel zu dem ebenfalls russischen Batman, mit dem er sich schließlich konfrontiert sieht. Letzterer gewinnt schließlich durch gute Vorbereitung und seine Intelligenz den Showdown zwischen den Beiden und Superman entkommt mit der Hilfe von Wonder Woman nur knapp. Was wie eine Parodie auf die originalen Comichefte klingt, ist in Wirklichkeit eine durchaus interessante Geschichte, die die ansonsten so schnurgerade Erzählung über die beiden Superhelden aus einer ganz anderen Perspektive zeigt.

Während Batman in den Auseinandersetzungen mit Superman in End Game, Hush, The Dark Knight Returns oder auch The Dark Knight Strikes Again immer wieder die Oberhand gewinnen kann, so kämpft er meist gegen einen geschwächten oder kontrollierten Superman. Auch zeigt der Sohn Kryptons immer wieder Mitleid mit dem bei Zeiten angeschlagenen und unterlegenen Bruce Wayne und lässt ihn so entkommen. Ein ungezähmter Superman zerstört Batman in kürzester Zeit. Lex Luthor: Man of Steel, Justice League: Origin und Superman Sacrifice zeigen wie schnell ein Kampf zwischen den beiden Kontrahenten vorbei sein kann.

Trotz seiner Kräfte zieht Superman aber oft den Kürzeren gegen Bruce Wayne. Auch wenn der Sohn Kryptons immer wieder geschwächt und manipuliert gegen Batman verliert, zeigt sich Batman häufig auch in direkten Auseinandersetzungen als taktisches Genie. Auch erfreuen sich die Kämpfe, in welchen Gothams Hüne erfolgreich hervorgeht als die weitaus beliebteren Erzählungen. Batman: Hush, The Dark Knight Returns und End Game sind wohl mit die interessantesten Erzählungen rund um eine Auseinandersetzung zwischen den „World’s Finest“.

Sieger: Batman

Punkt 2: die Darsteller

Ben Affleck ist bekannt für sein Interesse an der Rolle als Batman. Immer wieder im Gespräch, zog er jedoch schlussendlich immer wieder den Kürzeren. Mit der Hauptrolle in Daredevil vorübergehend zufrieden gestellt, war der Schauspieler dann jedoch in einer der wohl kritisch wie kommerziell verpöntesten Comicbuch-Verfilmungen. Auch danach war der heutige Oscarträger kaum in ähnlichen Filmen oder gar als Superheld auf der Leinwand zu sehen.

Dennoch ist Ben Affleck der weitaus erfahrenere Darsteller der Beiden. Als der etwa elf Jahre jüngere Cavill sein Debüt als Schauspieler feierte, war Affleck bereits ein etablierter Name in Hollywood. Vergleichbar mit dem Film ist also auch der Darsteller hinter Batman ein alter Hase im Geschäft, während der neue, junge Superheld von einem ebenso frischen Gesicht im Filmbusiness verkörpert wird.

Eigentlich hätte der junge Cavill bereits im Jahr 2006 den Sohn Kryptons verkörpern können. Wären die Karten etwas anders gefallen, wäre es vielleicht nicht Brandon Routh gewesen, der Superman in die Neuzeit bringen durfte. Doch 2013 bekam dann der junge Brite endlich die Chance, die Rolle des Vorzeige-Superhelden zu besetzen und setzte mit Man of Steel den Beginn des aktuellen DC Universums.

Mit seinem Aussehen, seiner Gestik und Mimik scheint er auch perfekt für die Rolle. So war Man of Steel nicht wie damals Superman Returns eine Hommage an die originalen Filme aus den 70er und 80er Jahren, sondern ein neuer Beginn und ein viel ernsterer Ansatz. Der Film konnte sich in seinem Ton klar von den häufig eher humorvollen Marvelfilmen absetzen und setzte stattdessen auf Seriosität.

Trotz Ben Afflecks Erfahrung und Interesse an dem Charakter, ist Henry Cavill seinem älteren Konterpart einfach einen gesamten Film Erfahrung voraus und ist in seiner Rolle bereits etabliert. Für Batfleck hingegen steht es noch aus, ob seine Verkörperung Batmans seinen Konkurrenten in den Schatten stellen kann oder er gegen den Sohn Kryptons verblasst.

Sieger: Superman

Punkt 3: Die Filme

Batman und Superman wurden zahlreich auf dem großen und kleinen Bildschirm verkörpert. Unabhängig von zahllosen Cartoons, Fernsehserien und Zeichentrickfilmen schafften es die beiden Helden in 16 Inkarnationen auf der großen Leinwand. Angefangen mit Superman in den 50er Jahren, schaffte es Batman schließlich 1966 in Zusammenarbeit mit einer Fernsehreihe auf die große Leinwand. Mit der Verkörperung Batmans von Adam West ist die Serie und der Film bis heute als weniger ernst zu nehmendes Batman Universum bekannt und steht im starken Kontrast zu den späteren, düsteren Pendants.

Mit Michael Keaton in der Hauptrolle setzte Tim Burton mit seiner Version des Batman ein klares Zeichen. Im starken Kontrast zum ersten Film war der Superheld ein finsterer Rächer, der sich mit furchterregenden Kontrahenten und Gefahren konfrontiert sah. Jack Nicholsons Joker und Danny DeVitos Penguin zeigten endlich ernste, Angst einflößende Schurken, die den Zuschauer zum ersten Mal in der Geschichte der Batman Filme um das Leben des Protagonisten bangen ließen. Die anschließenden Schumacher-Teile hingegen zerstörten das Image des Ritters Gothams ein weiteres Mal. Die Vision des New Yorker Regisseurs den ernsten Charakter des Helden eher verspielt und kindisch darzustellen führte schnell dazu, dass dem Filmemacher die Zügel aus der Hand genommen wurden, als dieser sich nach dem unterirdischen Batman und Robin an einer Trilogie versuchen wollte.

Statt einem dritten überdrehten Batman Film begann stattdessen die wohl beste filmische Ära des Superhelden. Kritisch wie kommerziell hochgelobt, wurde die Trilogie des Regisseurs Christopher Nolan nicht nur ein Paradebeispiel für kommende Filme im Superheldengenre, sondern zeichnete auch den ernsten Ton, der das DC Universum seitdem zu prägen scheint. Immer noch als Produzent und bei Man of Steel sogar als Autor involviert, zeichnet das Universum Nolans rund um Christian Bale das heutige Bild von Superhelden Filmen.

Entgegen den Nolan Filmen, welche das Bild des Batman in der heutigen Zeit stark prägen, scheint Superman in den Köpfen der meisten in den Filmen der 80er Jahre hängen geblieben zu sein. Gelten die Richard Donner Filme zwar immer noch als Kult, so zeigen sie doch einen Superhelden der absolut unaufhaltbar und unbesiegbar scheint. Entgegen der Comicvorlage, welche den Helden immer wieder an Grenzen setzen konnte, die auch den übermächtigen Superman an seine Grenzen trieb, war der von Christopher Reeve verkörperte Held eine Ein-Mann-Armee, die als Figur zwar beeindruckend, aber auch langweilig erscheinen konnte.

Die Reanimation des Helden in Superman Returns zeichnete sich ebenfalls als Hommage an die früheren Filme aus und konnte wenig Neues bieten. War Superman zwar erstmals als verwundbar entblößt, so schien das ganze Werk Bryan Singers nichts Neues zu versuchen, sondern lediglich altbewährtes neu zu verpacken. Mit Man of Steel im aktuellen Universum angekommen, schaffte Zack Snyder einen Superman, der zwar mächtig aber nicht unanfechtbar schien. Mit einer Neuinterpretation des Schurken Zod und einer neuen Ursprungsgeschichte zeigte sich der Sohn Kryptons im neuen Glanz. Mit der wahllosen Zerstörung durch die Kämpfer um Zod war auch endlich eine realistische Basis für einen Showdown zwischen Batman und Superman gegeben.

Zwar sind die alten Superman Teile wahre Klassiker, jedoch stehen sie in ihrem Status mehr vergleichbar mit der alten Batman Serie. In der aktuellen Kinolandschaft steht Man of Steel jedoch alleine gegen die atemberaubende Trilogie christopher Nolans und kann hier leider nicht mithalten.

Sieger: Batman

Superman scheint der stärkere Held zu sein und könnte Batman wohl auch leicht in seine Schranken weisen. Doch was uns die Comics und die Filme erzählen ist, dass auch der dunkle Rächer Gothams kein leichtes Ziel ist. Zielstrebig und kalkuliert zeigt sich Bruce Wayne als ebenbürtiger Kontrahent für Clark Kent. Ab dem 24. März können sich deutsche Fans der beiden Superhelden endlich davon überzeugen, wer in Batman v Superman dominieren wird.

04th Mrz2016

Mad Max: Fury Road (2015) | Filmkritik

von Frederik Heinen

Mad Max: Fury Road

In den Zeiten der Reboots, Sequels, Prequels und Spin-Offs, um auch den letzten Tropfen Geld aus jedem erfolgreichen Franchise zu quetschen, ist es vielleicht gar nicht mehr etwas Besonderes, dass eine Filmreihe nach 30 Jahren eine Fortsetzung bekommt. Und schon Prometheus und die Star Wars Prequels haben bewiesen, dass die Rückkehr des Original-Regisseurs noch lange kein Garant für einen überzeugenden oder gar ebenbürtigen Film ist. Doch Mad Max: Fury Road ist kein erzwungener Neustart einer Serie wie Prometheus oder eine unübersichtliche, verwirrende Hintergrundgeschichten-Reihe wie die Star Wars Prequels.

Mad Max: Fury Road ist eine eigenständige Geschichte rund um die Legende von Max Rockatansky und seine Erfahrungen im postapokalyptischen Ödland. Ohne Verbindung zu Vorgängern oder möglichen Nachfolgern steht das Werk alleine als brandheißer Actionfilm, welcher sich nicht, wie beispielsweise Star Wars: Das Erwachen der Macht, von Hommage zu Nostalgie-Moment hangeln muss, sondern schlicht und einfach seine eigene, selbstständige Erzählung ist. Das Werk ist nicht nur der wahrscheinlich beste reine Actionfilm der letzten zehn Jahre; es ist genau die Fortsetzung, die jeder andere Film unserer Zeit sein möchte.

madmax_1 Max Rockatansky (Tom Hardy) ist ein Einzelgänger. In einer postapokalyptischen Welt flieht er nicht nur von seiner Vergangenheit, sondern kämpft in jedem Moment um sein eigenes Leben. Die Menschheit hat sich auf wenige, kleine Oasen verteilt, welche sich durch ihre eigenen, wertvollen Ressourcen kennzeichnen. Treibstoff, Waffenmunition und Wasser sind hoch gehandelte Waren und bestimmen den Alltag der wenigen Überlebenden. Max fällt den Anhängern von dem Tyrannen Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) in die Hände. Die Warboys, die sich durch ihre weiß gefärbte Haut und ihre schier blinde Vergötterung ihres Anführers kennzeichnen, fangen den einsamen Wanderer und kennzeichnen ihn, wie bereits andere Sklaven vor ihm, als Blut- und Organspender für die restlichen Wahnsinnigen.

Zeitgleich beauftragt Joe seine Imperatorin Furiosa (Charlize Theron) damit, mehr Treibstoff für die Zitadelle aus einer nah gelegenen Farm zu beschaffen. Die scheinbare Routinemission entpuppt sich jedoch schon bald als gerissener Coup der hochrangigen Furiosa um die, von dem verrückten Anführer als Sklaven gehaltenen, Frauen zu entreißen und in die Freiheit zu geleiten. Aufgebracht durch den Verrat der Imperatorin beginnt eine brachiale Straßenschlacht durch die unergiebige Wüste und eine unendlich scheinende Jagd durch das Ödland beginnt. Plötzlich befindet sich auch Max, benutzt als tragbarer Blutspender für den kranken Warboy Nux (Nicholas Hoult), zwischen den Fronten.

Die Geschichte von Mad Max: Fury Road ist simpel. Eine Heldin versucht einige junge Frauen von einem Tyrannen zu retten und trifft derweil auf einen weiteren Pistolero, der sich zwischen den Seiten entscheiden muss. Klar sind die Regeln von Anfang an gesetzt: Der unbarmherzige, brutale Diktator Immortan Joe regiert mit eiserner Hand über sein Volk voll von mutierten, kranken Menschen. Er sieht sich selbst als Befreier und Gott der Massen; Herrscher über die wichtige Ressource Wasser. Frauen sind lediglich Besitztümer und Gebrauchsgegenstände. Sie agieren als Brutmaschinen, um neue Kinder für den Tyrannen zu schaffen oder gar nur als Spender von Muttermilch, ähnlich wie Masttiere. Dem entgegen steht die Retterin Furiosa, die versucht den jungen, hübschen Sklavinnen von Joe eine besser Zukunft zu bieten. Sie erzählt von einem grünen Paradies abgelegen von dem tristen Leben in der Zitadelle, einer Oase in der Ferne in welcher noch alle Menschen gleich geachtet werden und Frauen keine Intoleranz und Tyrannei fürchten müssen. Max steht dazwischen. Mit seinem simplen Überlebensdrang muss er genau abschätzen wem er vertrauen kann. Unabhängig von Agenden, Zukunftsaussichten und Hoffnungen versucht er lediglich den Wahnsinn des Ödlandes heil zu überstehen.

madmax_2 Trotz oder vielleicht genau wegen dieser geradlinigen Erzählung ist Mad Max: Fury Road durchgehend unterhaltsam und hält den Zuschauer ständig auf Trab. In etwa 2 Stunden ohne Atempause und ständigem Wechsel von Actionsequenz zu Actionsequenz, schafft es der Film dennoch immer wieder neue Gegenspieler und Mitstreiter vorzustellen ohne die vorherigen Antagonisten aus den Augen zu verlieren. Immer wieder erscheinen völlig neue Konfliktparteien, die eine Wendung vorbereiten oder einfach nur eine neue Nuance mit in die Schlacht führen. Zu keiner Sekunde wirkt dies in der gesetzlosen, chaotischen Welt jedoch irgendwie aufgesetzt oder nicht nachvollziehbar. Das erbarmungslose Ödland hat einfach nur zahlreiche, vom Überlebensdrang getriebene, Wahnsinnige geschaffen, welche in jeder Auseinandersetzung die Erschütterung des ohnehin verstörenden Status Quo fürchten und versuchen ihren eigenen Stand in der postapokalyptischen Welt zu sichern.

30 Jahre nach dem letzten Teil der Reihe präsentiert George Miller eine der besten Fortsetzungen aller Zeiten. Mad Max: Fury Road ist einer der besten Actionfilme der letzten Jahre und das ohne sich als mehr zu verkaufen was es wirklich ist. Am überraschendsten ist die Mischung Millers aus aktuellen Trends wie rasanten, schlagartigen Schnitten und seiner Liebe fürs Detail mit einem Set-Design, welches seines gleichen sucht. Die schnellen Schnittsequenzen in vielen Kampfszenen funktionieren viel besser als in Filmen wie Taken, weil Miller in seinem Schnitt keine Choreografie versteckt, sondern sie in Szene setzt. Jede Einstellung ist geplant, detailorientiert und verständlich, egal wie kurz sie auch sein mag. Genau durch diese Liebe zum Detail gelingt dem Regisseur das Bild einer absolut überzeugenden, wie furchterregenden Welt. Jedes Fahrzeug, jede Person und jeder Ort sind so detailverliebt und gleichzeitig eindeutig erschaffen, dass der Zuschauer sich niemals fragen muss welcher Charakter zu welcher Fraktion gehört oder was ihn antreibt. Jede Partei hat ihren individuellen, irren Stil und stellt ein eigenes Element in dem endlosen Überlebenskampf dar.

Neben den zahlreichen Akteuren in der endlosen Schlacht sind jedoch selbstverständlich die Hauptprotagonisten die, die dem Film erst seinen wahren Charakter verleihen. Sei es der wortkarge Max, der abseits dem eigenen Leben nichts mehr auf der Welt als wichtig zu betrachten scheint oder Furiosa, eine scheinende, weibliche Heldenfigur in einer tristen Welt voller Sexismus und Gewalt. Beide Figuren sind ebenbürtig in ihrer Rolle als Befreier, doch rückt Max immer wieder in den Hintergrund, wenn er dies als logische Schlussfolgerung erkennt. Durch dieses Zusammenspiel entwickeln die beiden ein gefährliches Team. Die Imperatorin etabliert sich als emanzipierte, starke Frauenrolle, wie es sie seit Sigourney Weaver nicht mehr zu gegeben haben scheint. In einem sonst von Männern dominierten Genre ist dies eine mehr als willkommene Abwechslung und bietet dem Film so einen weiteren interessanten und differenzierten Aspekt.

madmax_3 Tom Hardy spielt in der Titelgebenden Hauptrolle einen wortkargen, aber dennoch aussagekräftigen Protagonisten. Wie auch als Bane in The Dark Knight Rises findet er sich zu Beginn des Films hinter einer Maske gefangen und schafft es dennoch, bereits durch seine Mimik und Gestik alle seine Emotionen verständlich zu präsentieren. Wie auch schon von Mel Gibson in den Vorgängern verkörpert, kommt Max mit nur verhältnismäßig wenigen Worten zurecht um seine Intentionen klar zu machen. Klar steht Charlize Theron jedoch als Furiosa in einer Rolle einer Frau, die sich zu jeder Zeit beweisen und verteidigen muss. Ihre Rolle ist so untypisch in einer Welt, in welcher sich die meisten Menschen ihrem Schicksal fügen, dass sie diese immer wieder entgegen ihren Gegenspielern wie auch ihren Mitstreitern beteuert. Durch dieses Zusammenspiel entwickeln die beiden Protagonisten eine Bindung, die sie gemeinsam vorantreibt.

Mad Max: Fury Road ist so viel mehr als nur ein Actionfilm. George Miller bleibt in seinem Werk so erbarmungslos echt wie schon in dem ersten Teil der Reihe. Er arbeitet kaum mit Computereffekten und CGI sondern zeigt reale Stunts, gefährliche Kollisionen und brachiale Action. Jede Szene wirkt so tief, komplex und detailliert wie es kaum ein anderer Film tut. Das ist vielleicht in Filmen ähnlich der Herr der Ringe-Trilogie keine Seltenheit, doch die Kombination aus dem rasanten, antreibenden Schnitt und der Liebe fürs Detail schaffen ein absolut rundes Filmerlebnis, wie es in diesem Genre absolut nicht Gang und Gäbe ist.

Die ständige Stilisierung aller relevanten Handlungen in die Mitte des Bildes; die individuell, wie liebevoll designeten einzelnen Parteien in allen Konflikten des Filmes; die simple Geschichte, die es dennoch schafft klare, moderne Ansätze wie Feminismus anzusprechen. Alle einzelnen, kleinen Elemente bilden ein so perfektes, abgeschlossenes Bild wie es nicht nur allgemein selten, sondern im Action-Genre sogar einzigartig erscheint. Der Film ist genau das was er sein will: Ein Actionfilm mit wenig Handlung und reichlich Action. Trotzdem vergisst er nicht was einen Film ausmacht, den Zuschauer mitfiebern lässt und unterhält. Keine Seite des Films leidet daran, dass einem anderen Element mehr Fokus geschenkt wird. Mad Max: Fury Road ist nicht nur irgendein sehr guter Film. Er ist eine kleine Revolution in einem Genre, dass sich immer wieder fest zu fahren scheint und auf den nächsten Zug aufspringt. Sei es damals der verletzliche Held McClane aus Stirb Langsam oder heute der Trend zur ’shaky cam‘ und dem rasanten Schnitt, vorgestellt in der ursprünglichen Bourne-Trilogie, der sich durch nahezu jeden Film zu ziehen scheint. Das Action-Genre braucht wieder einen Weckruf für neue Ideen.

Mad Max: Fury Road ist vielleicht oberflächlich eine Fortsetzung, doch in Wirklichkeit ist das neueste Werk von George Miller so unglaublich viel mehr!

Bewertung

Bewertung_10

Trailer

Informationen
Mad Max: Fury Road (2015)
120 min|Action, Adventure, Sci-Fi, Thriller|15 May 2015
8.1IMDB-Wertung: 8.1 / 10 von 769,258 Nutzern
An den äußersten Grenzen unseres Planeten, in einer trüben Wüstenlandschaft, wo die Menschheit verkommen und fast jeder bereit ist, für das Überlebensnotwendige bis an die Grenzen zu gehen, leben zwei Rebellen. Sie sind auf der Flucht und könnten der Schlüssel dazu sein, die zerfallene Ordnung wiederaufzurichten...
02nd Mrz2016

Spotlight (2015) | Filmkritik

von Frederik Heinen

Spotlight

In einem Jahr voller Oscar-Filme, die von Intrigen und Skandalen geprägt sind, war es gar nicht mal so sicher für welchen Film sich die Jury doch am Ende entscheiden wird. Die Rachegeschichte rund um The Revenant? Die Bankenkrise von The Big Short? Oder ist doch die Geschichte einer, über Jahre eingesperrten und missbrauchten, jungen Frau für die Academy am überzeugendsten? Am Ende fiel die Wahl überraschend, aber auch durchaus zu Recht, auf den Film Spotlight, der auf einer wahren Geschichte basiert, welche die Aufdeckung der erschreckenden Vergewaltigungsfälle in der katholischen Kirche erzählt.

spotlight_1 Spotlight ist eine kleine, investigative Gruppe in der Zeitung ‚The Boston Globe‘. Diese setzen es mit Reportagen immer wieder daran Skandale aufzudecken. Als mit Marty Baron (Liev Schreiber) ein neuer Herausgeber auf den Schirm tritt und die Reporter auf eine neue Fährte bringt, beginnt das Spotlight Team sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, welches sie nicht nur professionell, sondern auch persönlich an neue Grenzen treiben wird.

Das Team um Walter Robinson (Michael Keaton), Michael Rezendes (Mark Ruffalo) und Sascha Pfeiffer (Rachel McAdams) wird beauftragt, sich näher mit einem Missbrauchsfall zu beschäftigen, in welchem sich ein Priester an einem kleinen Jungen vergangen hatte. Marty Baron impliziert, die Kirche hätte von diesem Fall gewusst und bittet die, schon öfter erfolgreiche, Gruppe um Spotlight, der Sache auf den Grund zu gehen. Trotz Kritik und Spott von Kollegen drängt der neue Chef das Team immer wieder weiter zu graben. Was Spotlight schlussendlich aufdecken kann ist erschreckender, als es sich die Reporter jemals vorgestellt hätten.

spotlight_2 Die Handlung des Filmes ist schnell erzählt, denn von den verabscheuungswürdigen Taten, die so häufig von katholischen Priestern in so vielen Ländern verbrochen wurden, weiß heutzutage wohl jeder. Doch Spotlight ist auch kein Film der Neues entdeckt oder den Zuschauer schocken will. Viel mehr erzählt er eine Geschichte, die erzählt werden muss. Das investigative Team von Spotlight hat sich zu seiner Zeit einem Thema angenommen, welches mehr als heikel war und bei einer falschen Herangehensweise vielen Journalisten die Karriere hätte kosten können. Dabei bleibt die Erzählung jedoch immer auf einem Level, welches nie zu aufgesetzt oder gezwungen wirkt. Die Hauptakteure werden nie vergöttert, sondern viel mehr als ganz normale, in ihrem Job verlorene Menschen gezeichnet. Aber natürlich sind die Reporter auch emotional an den Fall gebunden und zeigen immer wieder wie viel ihnen daran liegt die Schuldigen an den Pranger zu stellen.

Am ehesten ist die Erzählung von Spotlight wohl mit dem Facebook-Film The Social Network zu vergleichen. Jeder weiß wer Mark Zuckerberg ist, und dass er der Vater eines der größten sozialen Netzwerke aller Zeiten ist. Doch der Weg ist das Ziel und die Erzählung rund um den exzentrischen Programmierer, der sich plötzlich als der Vorgesetzte eines multimilliardenschweren Konzerns sieht, ist wunderschön und unterhaltend von David Fincher auf die Leinwand gebracht worden. Vergleichbar ist auch Spotlight eine Geschichte, die viel mehr den Fokus auf die Handlungen im Film, als das tatsächliche Ergebnis legt. Selbstverständlich wird festgestellt, dass die Reporter mit ihrer Story viel bewegt haben und die Welt dank Ihnen wohl ein besserer Ort ist, aber am Ende sind es doch die Handlungen, die Dialoge und die Charaktere, die dieses Werk tragen.

spotlight_3 Ungeachtet der verständlichen Bedeutung dieser Charaktere für den gesamten Film, bleibt die Zeichnung dieser verhältnismäßig flach. Dies kann Spotlight durchaus positiv angerechnet werden, gleichwohl fragt man sich am Ende des Films, inwieweit die Hintergrundgeschichte der einzelnen Personen relevant ist. So ist die Geschichte von Walter Robinson durchaus packend und mitreißend gestaltet, doch andere Charaktere wirken flach und ihre Vergangenheit gehetzt erzählt. Ein Fokus auf einzelne Journalisten wäre hier vielleicht das Ziel gewesen anstatt zu versuchen, sie alle auf einem gleichen Niveau zu halten.

Alle Kritik an Spotlight ist Kritik auf sehr hohem Niveau. Der starke Cast um Michael Keaton (Birdman), Mark Ruffalo (The Avengers), Rachel McAdams (Southpaw), Liev Schreiber (Movie 43), Stanley Tucci (Die Tribute von Panem) und einigen mehr weiß zu überzeugen und präsentiert die Geschichte durchaus mitreißend. Keaton mimt sich typisch stoisch, aber in seiner Rolle genau deshalb so richtig. Einzig Mark Ruffalo wirkt bei Zeiten sehr überdreht und fast so, als müsse er die kalte, emotionslose Art Keatons ausgleichen. Doch auch das wirkt aufgrund des kritischen Materials des Filmes nie störend. Ob aber wirklich die Oscar Nominierungen für besten Nebendarsteller für Rachel McAdams als auch Mark Ruffalo verdient sind, sei mal dahin gestellt.

Spotlight ist geradlinig und nahezu ohne Wendungen. Der Film verfolgt schnurstracks einen roten, realistischen Faden und zeigt so nicht wie eine Hollywood-Geschichte funktioniert, sondern vielmehr wie eine Reportage tatsächlich realisiert wird. Von den zahlreichen Interviews, den Meetings und der klassischen Recherche will hier nichts bahnbrechend neues erzählt, sondern dem Zuschauer näher gebracht werden, wie wichtig die Macht der Presse in unserer Zeit doch sein kann. Dass sie, wenn sie auf unserer Seite ist, so viel bewegen kann und auch in unserer heutigen Zeit nicht alle Geschichten erzählt sind. Es muss nur jemand die richtigen Fragen stellen.

Cast & Crew

Regie: Tom McCarthy
Drehbuch: Tom McCarthy, Josh Singer
Musik: Howard Shore
Darsteller: Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, Liev Schreiber, John Slattery, Stanley Tucci

Bewertung

Bewertung_9

28th Feb2016

Raum (2015) | Filmkritik

von Frederik Heinen

Raum

Wie würden wir unsere Welt sehen, wenn wir unser gesamtes Leben nur in einem Raum verbracht hätten? Der kleine Jack ist fünf Jahre alt und hat außer dem kleinen Zimmer, in welchem er geboren und aufgewachsen ist, noch nichts auf diesem Planeten gesehen. Lediglich ein kleines Dachfenster bietet ihm und seiner Mutter einen Blick ins Freie. Doch Jacks Welt ist der Raum und alles außerhalb ist das große weite Universum, welches ihm unergründlich erscheint. Zu gerne würde er die ganzen Außerirdischen, die er tagtäglich im Fernsehen zu sehen bekommt, kennenlernen. Doch für den kleinen Jungen gibt es nichts außerhalb des Zimmers. Der Raum ist sein Leben.

raum_2 Die junge Joy wurde vor einigen Jahren von einem Mann entführt. Sie wurde gefangen, eingesperrt und regelmäßig misshandelt. Der grausame, von ihr nur als „Old Nick“ bezeichnete, Übeltäter vergeht sich immer wieder an der jungen Frau und zeugt schließlich sogar ein Kind mit ihr. In all dieser Zeit lässt er sie nie aus seinem grausamen Verlies, welches er in einer kleinen Gartenhütte für sein Opfer gebaut hat. In dem winzigen Zimmer ist lediglich eine Badewanne, eine Toilette, ein Bett, ein Kleiderschrank und eine spärliche Küche. Als der kleine Jack geboren wird, wird auch er, wie seine Mutter, gezwungen, sein Dasein in dem Raum zu verbringen. Doch das kleine Kind weiß noch nicht mal etwas von seinem tragischen Schicksal.

Jacks Mutter Joy malt ein Bild für den Jungen, in welchem sie die einzigen relevanten Personen auf ihrem eigenen kleinen Planeten sind. Der Raum ist ihre Welt. Außerhalb des Raumes ist das Weltall, in welchem all die anderen Planeten mit den anderen Menschen zu sehen sind. Old Nick, der die Beiden im Wochenrhythmus mit zum Überleben notwendigen Utensilien versorgt, scheint eine mystische Figur, die immer wieder Gegenstände herbeizaubern kann, die Jack sich zutiefst wünscht. Im Fernsehen sieht der kleine Junge immer wieder Menschen und Tiere, die für ihn auf anderen Planeten leben. All die Tiere und Dinge die er in dem Gerät erkennt sind jedoch nicht real. Lediglich zweidimensionale Projektionen von sagenhaften Geschichten. Nur was in seinem Raum zu finden ist, ist auch wirklich real.

Joy kennt die Welt außerhalb des Raumes. Hoffnungsvoll, irgendwann aus dem Raum entkommen zu können, versucht sie ihrem Sohn eine eigene kleine, glückliche Welt zu schaffen, anstatt ihn mit dem blanken Horror zu konfrontieren, den sie Beide erfahren. Abgemagert und schwach versucht sie auf jede mögliche Weise ihrem Sohn eine so wunderbare, makellose Welt zu malen, dass dieser niemals an ihren Worten zweifeln kann. Kennt er doch außer ihr nur „Old Nick“ und von dem hält seine Mutter ihn fern.

raum_3 Als Jack fünf wird beschließt seine Mutter jedoch zum ersten Mal ihr Schweigen zu brechen. Sie heckt einen geschickten Plan aus, um ihrem Kidnapper zu entkommen und endlich zurück in die Freiheit zu gelangen. Doch als ihr Coup gelingt und sie es schließlich schafft mit ihrem Sohn aus dem Verlies zu fliehen, erkennt die junge Frau, dass ihre Freiheit viel mehr mit sich bringt, denn plötzlich sieht sich der kleine Jack mit einer Welt konfrontiert, die er nicht kennt. Voller Gesichter und neuer Dinge, die den kleinen Jungen immer wieder überfordern. Und auch Joy ist zurück in einer Welt, die ihr fremd ist. Die junge Mutter durchlebt mit ihrem Sohn einen herzzerreißenden Kampf um Verständnis und den Versuch sich in eine Welt einzugliedern, die sie nicht versteht und die niemals nachvollziehen kann, was ihnen angetan wurde.

Raum ist eine wunderschöne, sowie tragische Geschichte um eine Mutter mit ihrem Kind, die sich Herausforderungen stellen müssen, welche sich normale Menschen wohl nicht mal vorstellen könnten. Inspiriert nach der wahren Geschichte um Josef Fritzl erzählt die Handlung das Leben der bereits jung entführten und festgehaltenen Joy, die von ihrem Entführer immer wieder missbraucht wird. Irgendwann gebärt sie sogar sein Kind, welchem der Vergewaltiger ebenfalls die Freiheit verwehrt. Unsicher über ihre eigene Zukunft beginnt die junge Mutter, ihrem Sohn Jack eine Welt zu malen, wie sie in ihrer Situation niemals schöner sein könnte. So ist nichts außerhalb des Raumes wirklich real. Tiere, Bäume, all die Dinge die wir als selbstverständlich erachten, kennt der kleine Junge nur aus dem Fernseher. Und genau das ist es für ihn: Fantasie. Jack malt sich seine eigene Welt, in der er schon alles weiß, in der er der klügste und stärkste ist und eine, in welcher er sich wohl fühlt. Denn er kennt das Leben gar nicht anders.

raum_1 Brie Larson (Short Term 12 – Stille Helden) ist in ihrer Rolle unglaublich. Die Verbindung einer starken, hoffnungsvollen Mutter und einer überforderten, seelisch wie körperlich zerstörten, jungen Frau ist überzeugend und erschreckend. Die Liebe, die sie ihrem Sohn zeigt, indem sie ihn von den unfassbaren Untaten und der Perversion schützt, ihm ein Bild einer Welt malt, welches ihm Zuversicht schenkt, ist unfassbar herzzerreißend inszeniert. Und vor allem als Kinderschauspieler zeigt Jacob Tremblay (Die Schlümpfe 2) eine grandiose Leistung. Sein Bild der Welt, in welcher er lebt, seine Gefühlsausbrüche und sein Kampf, als die Beiden endlich frei kommen, ist grandios inszeniert.

Raum ist mitreißend, spektakulär und doch so simpel. Wenig Schauplätze, wenige Schauspieler und auch eine sehr simple Geschichte bauen ein wunderschönes Gesamtpaket, welches auch an mehreren Punkten auf die Tränendrüse drückt. Die wunderbare kleine, vollkommene Welt des Jungen, der innere Konflikt der Mutter und die Schwierigkeiten der Familie, die versucht, sie wieder in das normale Leben einzugliedern. All das ist so rund und nachvollziehbar inszeniert, dass man fast meint Brie Larson hätte das Grauen am eigenen Leibe erlebt.

Die schauspielerische Leistung aller Darsteller ist nahezu perfekt und lässt dem Zuschauer niemals Ruhe oder einen Moment des Zweifels. So ist es auch kein Wunder, dass sich Raum als Oscar-nominierter Film etabliert hat. Trotz des komplexen, wie traurigen Materials gelingt es dem Film eine wunderschöne Geschichte zu erzählen, die auch abseits der tragischen und einzigartigen Geschehnisse einige lehrreiche Momente bietet. Vielleicht gleiten dem Film aufgrund von starker Konkurrenz einige Preise durch die Finger, doch wir drücken Brie Larson aufgrund ihrer Performance fest die Daumen.

Bewertung

Bewertung_9

Trailer

Informationen
Raum (2015)
118 min|Drama, Thriller|22 Jan 2016
8.2IMDB-Wertung: 8.2 / 10 von 311,839 Nutzern
Der aufgeweckte kleine Jack wird wie andere Jungen seines Alters von seiner fürsorglichen Mutter geliebt und behütet. Ma wendet viel Zeit für den Fünfjährigen auf, liest ihm vor, spielt mit ihm und verbringt nahezu jeden Augenblick ihres Lebens mit ihrem Sohn. Doch ihr bleibt auch kaum etwas anderes übrig, da das Leben der Familie alles andere als normal ist: Denn die beiden sind in einer winzig kleinen, fensterlosen Hütte eingesperrt...
31st Jan2016

Straight Outta Compton (2015) | Filmkritik

von Frederik Heinen

Straight Outta Compton

Wer sich mit dem Hip Hop-Genre auskennt, kommt in den frühen Jahren der Musikrichtung nicht an N.W.A (Niggaz Wit Attitudes) vorbei. Die Gruppe darf sich nicht nur mit der Erfindung des ‚Gangsta Rap‘ brüsten, sondern gilt vielmehr als eine der wichtigsten Einflüsse nicht nur für Musikrichtungen, sondern vielmehr für ganze Bewegungen und Trends. Die Raptruppe war bereits zu ihrer Zeit nicht nur aufgrund ihres neuen Stils bekannt und berüchtigt, sondern sprach vielen Menschen, gefangen in einem unfairen Rechtsstaat, aus der Seele und schien so einer ganzen Bevölkerungsschicht eine Stimme zu geben.

straightouttacompton_1 Straight Outta Compton ist nicht nur ein Musikfilm, sondern ein Werk, das berühren wie aufwecken soll. Denn Themen wie Rassismus und Polizeigewalt sind auch heute heikle Themen, mit denen sich unzählige Menschen tagtäglich konfrontiert sehen.

Die Geschichte der Gruppe um Dr. Dre, Ice Cube und Eazy-E ist komplex. Nicht nur aufgrund der vielen Mitstreiter in verschiedensten Labels, sondern auch wegen den Drahtziehern hinter den Kulissen, welche immer wieder die Entscheidungen und Beweggründe einzelner Figuren entscheidend beeinflussen. So beginnt der Film mit den Hintergründen der einzelnen Charaktere. Während sich Andre, alias ‚Dr. Dre‘, sein Geld damit verdient in einem Club aufzulegen, dessen Besitzer er nicht leiden kann, besucht der junge ‚Ice Cube‘ sogar noch die Schule und vertreibt sich seine Freizeit damit, an Texten für seine eigene Rapgruppe zu feilen. Eric, der von seinen Freunden nur als ‚E‘ oder ‚Eazy E‘ angesprochen wird, hingegen verdient sein Geld damit, Drogen zu dealen und macht so mit seinen kriminellen Machenschaften mehr Geld als der gesamte Rest der Truppe. Eines Tages schafft es Andre dann schließlich ihn dazu zu überreden ein erstes Album zu finanzieren.

Mit dem ersten Erfolg der Gruppe zeigen sich aber auch erste Spannungen innerhalb der Truppe und die Kritik am Management, sowie an den Beziehungen innerhalb der Gruppe wird lauter. Wie im realen Vorbild kommt es schließlich auch zu ernsteren Auseinandersetzungen und die Bandmitglieder bieten sich in wahrer Rap-Manier einen verbalen Kampf durch mehrere Musikstücke, die immer wieder auf andere NWA-Mitglieder abzielen. Doch mit dem Start eines neuen Genres treten auch immer wieder neue Mitspieler und Talente auf den Schirm. Schon bald sind nicht nur die Gründungsväter hinter dem Gangsta-Rap die einzigen wichtigen Figuren im Musikgeschäft.

straightouttacompton_2 Gute Musikfilme und Biographien gibt es mittlerweile reichlich. Erzählt Walk the Line (2005) noch die Geschichte von Johnny Cashs Jugend, seinen Problemen und persönlichen Hindernissen durch Drogen und Alkohol, so spielt sich Eminem in seinem Film 8 Mile (2002) sogar selbst und zeigt die Herausforderungen, welche sein Leben im Ghetto Detroits und den Weg eines weißen Hip Hop Künstlers in einem schwarzen Umfeld zeichnen. Straight Outta Compton jedoch limitiert sich selbst nicht nur auf die musikalische Karriere von mehreren jungen Rappern in Kalifornien, sondern erzählt die Geschichte von Polizeigewalt, Volksaufständen und den Rebellen, die sich gegen das rassistische System stellen. Ähnlich wie schon Michaels Manns Ali (2001), konzentriert sich der Film auf die Personen hinter den Künstlern und den Schwierigkeiten, mit denen sie sich aufgrund ihrer Hautfarbe auseinandersetzen müssen. Dabei wird unter anderem der Fall um Martin Luther King angesprochen und die darauf reagierenden Aufstände in und um die Großstädte Kaliforniens.

Straight Outta Compton funktioniert wunderbar als genau das, was es sein möchte. Nicht nur weist es auf die klaren und auch, traurigerweise, sehr aktuellen Missstände im amerikanischen Alltag hin, sondern erzählt diese, eingewoben in eine Geschichte rund um Rebellen, die ihre Wut nicht in Gewalt, sondern in ihrer Kunst äußern. Regisseur F. Gary Gray (Verhandlungssache, The Italian Job) gelingt hier ein Spiel zwischen Historie und Gesellschaftskritik, die in Zeiten von großen Aufständen in Ferguson und andernorts durchaus angebracht ist. So sieht sich der Zuschauer immer wieder mit klassischen Bildern der 80er und 90er Jahre konfrontiert, doch blenden sich die Bilder auch schön mit den Problemfällen der heutigen Zeit.

Der Film kann zudem klar durch seine Auftritte und sein grandioses Casting überzeugen. Speziell Corey Hawkins als Dr. Dre und Jason Mitchell in der Rolle von Eazy-E sind genial besetzt und auch O’Shea Jackson Jr., Sohn von originalem NWA-Mitglied Ice Cube, zeigt als Laienschauspieler eine absolute Glanzleistung in der Rolle seines Vaters. Doch noch viel mehr ist vor allem der Auftritt von Marcc Rose hervorzuheben. Dieser hat zwar kaum Text oder Dialoge in dem Film zu bieten, erscheint dem originalen Tupac Shakur aber so unglaublich ähnlich, dass der Zuschauer wirklich zweimal hinsehen muss, um zu erkennen, dass es sich lediglich um einen Schauspieler handelt. Dieser Auftritt zählt als klares Exempel für die unfassbar gut eingefangene Welt rund um die Rapper aus Kalifornien.

straightouttacompton_3 Zwar punktet Straight Outta Compton mit seiner starken Geschichte und seinem überzeugenden Szenario, jedoch ist dem Film ein gewaltiges Manko anzumerken: Seine Länge. Die Gesamtdauer des Films von etwa 2 ½ Stunden wirkt konstruiert und unnötig. Geschichten um die Familien der Bandmitglieder wirken sehr aufgesetzt, einige kleinere Charaktere bleiben völlig irrelevant und die Vorstellung derselben völlig unergründlich. Speziell hier ist das Mitwirken als Produzent von Ice Cube und Dr. Dre immer wieder stark erkennbar. Der Fokus liegt klar auf den beiden Rappern und ihren Einflüssen auf das Entstehen der Band und genau dies geht teilweise auf Kosten andere Mitbegründer der Gruppe. Vor allem ‚MC Ren‘, ‚DJ Yella‘ und ‚Arabian Prince‘ treten deutlichst in den Hintergrund der Geschichte.

Alles in allem ist das neueste Werk von F. Gary Gray nach langer Zeit wieder ein ernst zunehmendes Werk um das Musikgenre des Hip Hop. Die Geschichte der Gruppe N.W.A ist mitreißend und einfühlsam gestaltet. Auch wenn einige Story Elemente lang gezogen oder unnötig wirken, so bleibt der Film dennoch stets unterhaltsam. Die Entstehung einiger bekannter Songs wird immer wieder in Szene gesetzt und bietet so vor allem Fans des Genres kleine Easter Eggs im Verlauf des Filmes.

Doch auch abseits des Genres erzählt der Film eine emotionale sowie mitreißende Geschichte, für die sich auch Laien der Musikrichtung begeistern lassen sollten. Straight Outta Compton ist damit neben Klassikern wie 8 Mile und Walk the Line ein absolutes Muss unter den Musikbiographien und darf schon heute als moderner Klassiker gehandelt werden.

Trailer

Cast & Crew

Regie: F. Gary Gray
Drehbuch: Jonathan Herman, Andrea Berloff
Musik: Joseph Trapanese
Darsteller: O’Shea Jackson Jr., Corey Hawkins, Jason Mitchell, Paul Giamatti, Aldis Hodge, Neil Brow, Jr., Corey Reynolds

Bewertung

Bewertung_8

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