21st Feb2017

Berlinale Teil 3 – „Return to Montauk“ und „Logan“

von

Power Rangers

Mit kleiner Verspätung kommt heute der dritte und letzte Teil meines Berichts von der 67. Berlinale. Wie bereits angekündigt stell ich euch noch den Film Return to Montauk von Volker Schlörndorff vor und beschreibe schon einmal kurz meinen ersten Eindruck zum heiß erwarteten Blockbuster Logan mit Hugh Jackman und Patrick Stewart.

Ein Film im Festivalprogramm, auf den ich sehr gespannt war, ist Return to Montauk. Die deutsch, französisch, irische Co-Prodoktion mit Stellan Skarsgård, Nina Hoss und Susanne Wolff in den Hauptrollen, erzählt die Geschichte vom in die Jahre gekommenen Schriftsteller Max Zorn, der nach langer Zeit seine frühere Geliebte Rebecca in New York wieder trifft. Viel ist in beiden Leben passiert, seit sie sich das letzte Mal sahen. Trotzdem will Max unbedingt an alte Zeiten anknüpfen.

Bei einem Wochenendtrip nach Montauk werden Bilder der gemeinsamen Vergangenheit wach. So richtig wusste ich nach der Vorstellung nichts mit dem Film anzufangen. Die Geschichte war gut erzählt, die schauspielerische Leistung des überschaubaren Casts waren solide. Aber aus dem Kinosessel gehauen hat es mich nicht. Während ich noch versuchte meine eigene Meinung über den Film zu bilden, schnappte ich im allgemeinen Gemurmel der Zuschauermenge das Wort „Altmännergeschichte“ auf. Und das trifft die Sache im Grunde ganz gut.

Die Geschichte über die eine große Liebe, die verloren ging und der man noch ewig nachtrauert. Die eine Entscheidung, die man vor vielen Jahren traf und seither bereut. Neu ist das nicht. Und so schaut man auf der Leinwand einem unglücklichem Mann im Spätsommer seines Lebens zu, wie er – bisweilen fast erbärmlich und besessen – einer alten Flamme hinterherjagt. Das eher lauwarme Kinoerlebnis durch Return to Montauk liegt vor allem an der Geschichte und den Charakteren, die bis kurz vor Ende nur wenig Grund für Sympathie geben. Eine gewisse Spannung hält der Film lediglich dadurch, dass man immerzu hofft, dass es doch noch den großen Knall, eine aufregende Wende, gibt. Zwar kriegt die Handlung gegen Ende noch knapp die Kurve, aber alles in Allem bleibt Return to Montauk ein eher mäßig unterhaltender Film.

Das letzte große Highlight des zehntägigen Festivals bot am vergangenen Freitag die Weltpremiere des Marvel Films Logan. Zum zehnten und letzten Mal schärft Hugh Jackman die Klingen und kehrt zurück um als Wolverine seinen letzten Kampf zu kämpfen.

Es ist das Jahr 2029, nahezu alle Mutanten sind verschwunden. Im Exil nahe der mexikanischen Grenze fristet der in die Jahre gekommene Logan (Hugh Jackman) sein Dasein. Seine einzige Gesellschaft sind der Mutantenaufspürer Caliban (Stephen Merchant) und der alternde und von starken Krampfanfällen geplagten Professor X (Patrick Stewart).

Abgeschnitten von der Außenwelt pflegt Logan seinen alten Mentor, dessen Wesen durch Krankheit und hochdosierte Medikamente stark gezeichnet ist. Mit der Ruhe ist es vorbei als plötzlich ein junges Mädchen namens Laura in Logans Leben tritt. Schnell stellt sich raus, dass auch Laura eine Mutantin ist und ihre Fähigkeiten denen von Wolverine sehr ähnlich sind. Doch ihre Mutation bleibt nicht lange geheim und der Mutantenjäger Donald Pierce (Boyd Holbrook) braucht nicht lange um das versteck der vier Mutanten zu finden. Es kommt zur Verfolgungsjagd auf Leben und Tod. Logan ist gezwungen sich mit seiner Vergangenheit und sich selbst auseinanderzusetzen um sein Schicksal zu erfüllen.

Nicht nur für Hugh Jackman war es emotional ein letztes Mal in die Rolle von Wolverine zu schlüpfen, die ihn mehr als 16 Jahre begleitete. Auch für die Fans des stets griesgrämigen Klingenschwingers wird es ein nervenaufreibendes letztes Abenteuer.

Mit Logan bringt Regisseur James Mangold eine viel tiefgründigere und menschlichere Seite des berühmten Mutanten ans Licht. Zwar bietet der Film gewohnt viele Kampf- und Actionszenen, legt aber genauso viel Wert auf die Charaktere und ihre persönlichen Geschichten. Bewusst ist die Handlung auch deshalb außerhalb des bekannten X-Men Kanons angesiedelt.

Ebenfalls ungewohnt ist das R Rating (etwa FSK 18), mit dem der Film in die amerikanischen Kinos kommt. Die Einstufung ermöglicht es den Machern von vornherein ein erwachseneres Publikum anzusprechen und bestimmte Aspekte der Geschichte anders zu ergründen, als es mit einem
jüngeren Publikum möglich wäre. Dazu kommt, dass vor allem die Kampfszenen sehr viel grafischer und brutaler sind als man es von den Vorgängern gewohnt ist. Doch der düstere Ton, den der gesamte Film anschlägt, wird bereits in der ersten Szene etabliert in der es zum nicht unblutigen Kampf zwischen Logan und einer kriminellen Gang kommt. Als Zuschauer schluckt man kurz, weiß dann aber sofort auf was man sich die restlichen 130 Minuten einstellen kann.

Abseits der Action ist Logan tatsächlich fast eine Art Roadmovie. Lange Zeit sind Logan, Laura und Professor X die tragenden Figuren, immer auf der Suche nach der Antwort auf die Frage nach Lauras Vergangenheit und den Ursprung ihrer Kräfte. Und irgendwie macht es sogar Spaß zuzuschauen, wie sich Logan unweigerlich seiner eigen Geschichte stellen muss um die von Laura zu ergründen.

Logan ist ein würdiger Abschluss für einen großen Charakter des Marvel Universums. Frei von Zensur durch die Jugendfreigabe zeigt der Film ungeschönt und brutal ehrlich Wolverines letzten Kampf und schafft es damit wahrscheinlich zum ersten Mal der Vielschichtigkeit seiner Comicvorlage gerecht zu werden. Ob man als Zuschauer mit dieser Ehrlichkeit klar kommt oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Mir jedenfalls hat der Film wieder richtig Lust auf Marvel und das X-Men Universum gemacht.

Und da man über den Film noch viel mehr sagen kann als es der Platz hier zulässt, findet ihr demnächst eine ausführliche Filmkritik von mir zu Logan auf myof.de.

Die diesjährige Berlinale ist seit vergangenen Sonntag vorbei. Zum Abschluss des Festivals kam es noch zur Preisverleihung für die Wettbewerbsfilme. Den goldenen Bären für den besten Film erhielt dabei On Body and Soul der ungarischen Regisseurin Ildikó Enyedi, Silber ging an Félicité von Alain Gomis und Bronze erhielt Agnieszka Holland für Spoor. Auch mein persönlicher Top Favorit The Party von Sally Potter hatte Grund zur Freude. Er erhielt den Gilde Filmpreis der Unabhängigen Jury.

Damit geht ein weiteres buntes und vielseitiges Filmfestival in Berlin zuende. Zwar strahlten namenhafte Stars wie Richard Gere, Catherine Deneuve oder Milena Canonero auf dem roten Teppich, doch war 2017 glanzloser als vergangene Festivals. Heiß erwartete große Filme wie T2 Trainspotting oder Logan bildeten eher die Ausnahmen im Festivalprogramm und wo sich in früheren Jahren die Stars auf dem Teppich regelrecht die Klinke in die Hand gegeben haben, da klafften dieses Jahr doch merkliche Lücken. Für ein Festival dieser Größe ist das doch eher ungewöhnlich und gibt ein wenig Grund zur Sorge. Aber vielleicht nimmt Berlin auch nur Anlauf und überrascht uns 2018 mit einem Feuerwerk aus Filmen, dass man gar nicht weiß wo man zuerst hinschauen soll. Ich bin gespannt…

Nichtsdestotrotz bildeten die vergangenen Tage einen schönen Auftakt in das Kinojahr 2017. Ich jedenfalls freu mich drauf, mich wieder öfter gemütlich mit Popcorn und Cola im Kinosessel zurückzulehnen und in neue Geschichten einzutauchen.

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