12th Jun2016

Where to Invade Next (2015) | Filmkritik

von Jano R.

Where to Invade Next

Michael Moore, das personifizierte moralische Gewissen der Vereinigten Staaten von Amerika, hat wieder zugeschlagen. 6 Jahre nach seinem letzten Streich Kapitalismus – Eine Liebesgeschichte hat sich der Oscar-prämierte Dokumentarfilmer (Bowling for Columbine) wieder mit seiner Kamera auf die Reise gemacht, um Misstände der amerikanischen Gesellschaft anzuprangern und für Alternativen zu werben. Diesmal allerdings geht es nicht wie allen seinen Werken zuvor um Misstände in Amerika selbst und auch seine Reise führt ihn erstmals heraus aus Amerika, gar auf einen anderen Kontinent: Europa. Was er dort sucht, findet und entdeckt ist eine heitere Mischung aus politischen Ideen, anregenden Gesprächspartnern und netten Anekdoten.

wheretoinvadenext_1 Mit einem großen satirischen Augenzwinkern stellt sich Moore zu Beginn des Films in die Tradition des amerikanischen Imperialismus der vergangenen Jahrzehnte und überlegt welche Länder sich als nächstes zur Eroberung von Ressourcen oder der Interessen halber eignen. Doch anstatt Vietnam, Korea, Irak oder Afghanistan hat er dabei gleich ganz Europa ins Auge gefasst. Und auch sein Interesse gilt dabei eher den Ideen und Anregungen, die jene Länder bieten, von denen seinem kriselnden Heimatland einige seiner Meinung nach gut tun würden.

Im Laufe seiner Reise besucht der Filmemacher mit der markanten Basecap dabei allerhand Staaten Europas sowie Tunesien. Dabei kommt er unter anderem in Berührung mit delikatem französischem Essen, ist beeindruckt von italienischer Lebenslust und deutscher Vergangenheitsbewältigung oder auch dem norwegischen Umgang mit Straftätern.

wheretoinvadenext_2 Ganz klar, es geht Michael Moore auch in diesem Film darum Misstände in seiner Heimat aufzuzeigen und anzuprangern. Aber im Gegensatz zu seinen vorherigen Werken wählt er dazu in diesem Fall eine andere Perspektive. Er hat zwar bereits in Bowling für Columbine oder Sicko oder seiner Kapitalismus-Liebeserklärung immer wieder auf Europa verwiesen, im Kern hat er jedoch die Lösung vor der eigenen Haustür gesucht. Mit Where To Invade Next wählt er auf erfrischende Weise eine ganz und gar externe Sicht auf Amerika.

Die Idee des Films, in anderen Ländern zu schauen, was es für Lösungen gibt, die Amerikas Probleme beheben könnten, verleiht dem Ganzen dabei eine sehr entspannte und bisweilen naive Atmosphäre. Moore gibt sich ungewohnt wenig kämpferisch, sondern spielt den neugierigen Amerikaner, der bisweilen demütig nach Europa kommt, weil es sich hier scheinbar besser zu leben scheint. Natürlich, seine Auswahl ist sehr wählerisch und manche mögen ihm vorwerfen er picke bloß die Rosinen in jedem Land heraus, soviel besser ist Europa doch überhaupt nicht. Aber eben genau das ist die Intention und der Clou bei dieser Moore’schen Entdeckungsreise. Mit seinem filmischen Reisetagebuch möchte Moore seinen (amerikanischen) Zuschauern verdeutlichen, dass es in einigen Dingen der Gesellschaft durchaus lohnenswerter Alternativen und Möglichkeiten gibt um den Status Quo zu ändern.

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Und obwohl er sich dabei dezidiert an seine amerikanischen Mitbürger wendet, so kann auch der europäische Zuseher hier viele interessante Dinge finden, gerade in diesen Zeiten in denen sich Europa schwer tut seine ursprüngliche Idee zu bewahren. Des Weiteren zieht Moore immer wieder auch den Vergleich zu den USA heran, bei dem diese im Sinne Moores natürlich ganz schlecht abschneiden. Auch hier gelingt ihm immer wieder gekonnt der Spagat zwischen Unterhaltung und Information, für den er berühmt-berüchtigt ist. Und ganz abgesehen von der politischen Botschaft und seinem moralischen Anliegen, dass er hier transportieren möchte ist eine der bemerkenswerten Dinge an Where to Invade Next seine lockere, unbeschwingte, für Michael Moore Verhältnisse beinahe heitere Art. Mit der naiven Neugier eines Kindes präsentiert er Europa als einen geradezu paradiesischen Ort.

Dass er dabei selbstverständlich, wie es einfach seine Art ist, extrem parteiisch und bisweilen manipulativ daher kommt, dürfte wie in all seinen bisherigen Werken sicher polarisieren. Und auch seinen Kritikern macht er es damit sicher leicht, wenn er eine recht deutliche Schwarz-Weiß-Malerei betreibt. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass Moore hier das Herz am rechten Fleck hat und mit Where to Invade Next viele positive Dinge transportiert. Als Dokumentation lässt sich der Film allerdings nur schwer bezeichnen, unterhaltsam ist er dennoch. Das liegt zum einen an Moores Art, den Film zu schneiden, Dinge zu präsentieren und seinem Talent für das Einbauen von Clips aus diversen Medien und Filmen. Zum Anderen liegt es aber auch an der positiven Message, die er diesmal präsentieren will und seinen Protagonisten vor der Kamera.

Auch wenn sich das Prozedere im Laufe happigen 120 Minuten dann doch etwas zieht, Michael Moore ist wieder einmal ein unterhaltsames Stück Meinungskino gelungen, das ungewöhnlich positiv daherkommt und dennoch wie gewohnt zum Nachdenken anregt.

Cast & Crew

Regie: Michael Moore
Drehbuch: Michael Moore
Musik: Dan Evans Farkas, Heather Kreamer
Darsteller: Michael Moore, Krista Kiuru, Tim Walker, Vigdís Finnbogadóttir

Bewertung

Bewertung_8

06th Mai2016

Synchronicity (2015) | Filmkritik

von Jano R.

Synchronicity

Das Science-Fiction-Genre ist ein Genre, das sich abseits der großen Blockbuster-Reihen immer wieder für innovative Filmideen eignet. Dass in einem so Effekt-lastigen Genre auch mit kleinem Budget großes Kino zu machen ist, haben beispielsweise der legendäre Kulthit Donnie Darko (2001) und in jüngster Vergangenheit Moon (2009) bewiesen. Jacob Gentrys Zeitreise-Thriller Synchronicity kann die Klasse dieser beiden Filme jedoch leider nicht erreichen, auch wenn er in vielen Momenten an einen der größten Sci-Fi-Meilensteine erinnert, Ridley Scotts Blade Runner (1982).

synchronicity_1 Der Physiker Jim Beale (Chad McKnight) steht bei seinem Experiment zu Wurmlöchern und Zeitreisen kurz vor dem Durchbruch. Nachdem ein Testversuch vor den Augen seines Investors (Michael Ironside) schief geht, trifft er auf die mysteriöse Abby (Brianne Davis), mit der er eine Affäre beginnt. Ihn beschleicht jedoch der Verdacht, Opfer einer Verschwörung zu sein, bei der auch Abby eine tragende Rolle zu spielen scheint und beschließt daher, sich selbst als Testobjekt durch die Zeit zu schicken, um die Verschwörung schon vor ihrem Anfang zu verhindern.

Es gibt bereits eine lange Liste von Filmen über Zeitreisen und Zeitreiseexperimen, also viele Dinge an die Synchronicity anknüpfen, aufbauen oder sich anlehnen kann. Und es wird schnell deutlich an wen Look und Atmosphäre des Films frappierend erinnern: Blade Runner. Bereits bei den anfänglichen Panorama-Shots über die dystopische Stadt, in welcher der Film angesiedelt ist, fühlt sich jeder sofort an Ridley Scotts Meisterwerk erinnert. Auch im weiteren Verlauf des Films wirkt das Spiel mit Licht und Schatten, das Regisseur Gentry hier ausgiebig nutzt, wie geradewegs aus Blade Runner entnommen. Dass dies einerseits natürlich ob ihrer großartigen Assoziation, eine tolle Referenz bietet, ist klar. Andererseits drängt sich dadurch natürlich auch der Vergleich auf. Und diesem Vergleich kann Snychronicity unmöglich standhalten.

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Auf storytechnischer Ebene möchte Jacob Gentry aber ohnehin eine etwas andere Geschichte erzählen. Sein verschachtelter Zeitreise-Plot benötigt dabei jedoch eine Weile um in Schwung zu kommen und fordert vom Zuschauer in der ersten halben Stunde eine Menge Geduld ab, um nicht frühzeitig abzuschalten. Hat sich jedoch erst einmal herauskristallisiert, welche Richtung die Handlung einschlägt, kommt Spannung auf und das große Plot-Puzzle beginnt. Denn was Gentry, der hier auch als Drehbuchautor tätig war, zwar als geradlinige Story präsentiert kommt selbstverständlich nicht ohne die für Zeitreisefilme typische Komplexität aus. Diese Komplexität angemessen zu bändigen und anschaulich genug zu gestalten, gelingt ihm dabei allerdings nicht immer und so droht die Handlung bisweilen den roten Faden zu verlieren.

Getragen wird das Geflecht dabei vor allem von Hauptdarsteller Chad McKnight, der die zunehmende Verzweiflung seines Protagonisten Jim zwar physisch anschaulich porträtiert, die innere Zerrissenheit aber nur teilweise nachvollziehbar rüberbringt. Man nimmt sie ihm äußerlich ab, glaubwürdig und nachvollziehbar ist sie aber nicht. Viel besser macht es dagegen sein Counterpart Brianne Davis als mysteriöse Abby. Sie stellt ihre Femme Fatale so undurchschaubar dar, dass man genau wie Jim nie genau weiß welche Interessen sie verfolgt, wem ihre Loyalität gilt oder wer sie überhaupt wirklich ist.

Worauf Jacob Gentry bei diesem Persönlichkeits-Verwirrspiel außerdem setzt, ist seine Farbgebung und die Einbindung surrealer Elemente, um die Spannung hoch zuhalten. Im Großen und Ganzen muss man ihm da auch attestieren, dass er durchaus erfolgreich damit ist, denn sein Film ist dann auch bis zum Ende spannend und durchaus abwechslungsreich. Sein geringes Budget merkt man ihm kaum an, beschränkt er sich doch aufs Wesentliche und bleibt dabei doch immer gut anzusehen.

Synchronicity ist insgesamt also zwar ein lohnenswerter Science-Fiction-Film, der vom dystopischen Look her stark an Blade Runner erinnert, dessen Handlung auch durchaus spannend, aber emotional nicht schlagkräftig genug ist.

Cast & Crew

Regie: Jacob Gentry
Drehbuch: Jacob Gentry
Musik: Ben Lovett
Darsteller: Chad McKnight, A. J. Bowen, Brianne Davis, Scott Poythress, Michael Ironside

Bewertung

Bewertung_6

18th Apr2016

The Jungle Book (2016) | Filmkritik

von Jano R.

The Jungle Book

Probier’s mal mit Gemütlichkeit. Wer kennt ihn nicht, den unvergesslichen Ohrwurm aus Disneys Zeichentrick-Klassiker Das Dschungelbuch aus dem Jahre 1967?

thejunglebook_1 Der beschwingte und lebensfrohe Song setzte damals den Ton für den unterhaltsamen Trickfilm, der mit seiner fröhlichen Interpretation von Rudyard Kiplings gleichnamigem Buch seinerzeit allein in Deutschland knapp 24 Millionen Besucher in die Kinos lockte. Doch mit der Gemütlichkeit und Leichtigkeit ist es in der neuesten Realverfilmung des Romans etwas weiter her, denn was Regisseur Jon Favreau (Iron Man) hier mit beeindruckendender Animationstechnick auf die Leinwand zaubert, ist beizeiten deutlich düsterer und ernster als noch im Zeichentrick – Dauerbrenner von Wolfgang Reithermann. Favreaus Neuauflage gerät nichtsdestotrotz zu einem unterhaltsamen Kinoerlebnis, das visuell atemberaubend ist und zum Staunen einlädt, dem es hier und da aber am Charme und Herz des Originals mangelt.

Das Waisenkind Mogli (Neel Sethi) wird im Dschungel von Panther Baghir (im Deutschen gesprochen von Joachim Krol) gefunden, der es in die Obhut eines befreundeten Wolfsrudels gibt. Dort wird der Junge Mensch von Wölfin Raksha (Heike Makatsch) und Rudelführer Akela (Justus von Dohnanyi) aufgezogen und das Überleben gelehrt. Als der furchterregende Tiger Shir Khan (Ben Becker) jedoch den Frieden des Dschungels und das Leben Moglis bedroht, entschließt sich das Findelkind, auf den Rat Baghiras hin, den Dschungel zu verlassen. Auf seiner Odyssee durch den Urwald freundet sich der tapfere Junge unter anderem mit dem Bären Balu (Armin Rohde) an, trifft auf die mysteriöse Schlange Kaa (Jessica Schwarz) und macht die Bekanntschaft des despotischen Affenherrschers King Louie (Christian Berkel).

thejunglebook_2 Als die ersten Trailer zum Film auftauchten, gab es vermutlich einige die stöhnten, das sei doch nur wieder ein Versuch Disneys aus einem bekannten Namen Geld zu machen. Andere mögen sich angesichts der Trailer-Eindrücke auch auf einen seelenlosen CGI-Overkill eingestellt haben. Ersteres lässt sich sicherlich nicht ohne Weiteres widerlegen und ist wohl auch nicht von der Hand zu weisen. Zweitere Befürchtung kann aber hier zu Beginn direkt genommen werden: Die größte Stärke dieser Verfilmung sind die beinahe wirklichkeitsgetreuen Animationen des Dschungels und seiner tierischen Bewohner.

Jon Favreau und sein Team von 800 Animationskünstlern entschieden sich, bis auf den menschlichen Hauptdarsteller und die wenigen anderen Kurzauftritte echter Darsteller, sämtliche Aufnahmen am Computer zu generieren. So entstanden jegliche Szenen vor Green-Screen und nicht eine einzige Landschaftsaufnahme an echten Drehorten. Das mag auf den ersten Blick befremdlich klingen, birgt die Natur des Dschungels doch eine komplexe Fülle an Detailreichtum. Doch das Risiko dieses gigantischen Rechenaufwandes hat sich bezahlt gemacht. Die tierischen Protagonisten um Balu, Baghira und Shir Khan sehen beeindruckend lebensecht aus und auch die zahlreichen Dschungelaufnahmen bringen die Augen zum Staunen. Man muss den Machern das Kompliment machen, dass man während des Films kaum mal einen Moment realisiert, dass alles was man sieht lediglich Animation ist.

thejunglebook_3 Durch diesen technischen Kraftakt gelingt es The Jungle Book auch, seinen tierischen Charakteren Leben einzuhauchen und aus Baghira, Balu und den Wölfen echte Sympathieträger zu machen. Was Bösewicht Shir Khan angeht, so zeigt sich gerade hier die neue Düsternis in Favreaus Interpretation. Der rachsüchtige Tiger sieht nicht nur bedrohlich aus, er geht auch ebenso brutal vor. Einer der besten Momente des Films ist daher auch sein erster Auftritt vor den versammelten Bewohnern des Dschungels, bei der man auch den deutschen Synchronsprecher Joachim Krol für die bedrohliche Aura mitverantwortlich machen und loben muss. Ein weiterer Beleg für das Gelingen dieser Verfilmung ist der Umstand, dass dies bei Weitem nicht die einzige starke Szene ist. So ist der Besuch im Tempel von Affenkönig King Louie ebenso atmosphärisch und kraftvoll inszeniert wie die finale Konfrontation zwischen den Helden und Bösewicht Shir Khan. Auch der Einbau des unvermeidbaren „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ und dessen leichte Variation bilden eine beschwingte Szenerie und transportieren das Verhältnis zwischen Mogli und Balu auf bekannt liebenswerte Art und Weise.

thejunglebook_4 Anhand dieser Aufzählung an starken Momenten wird jedoch auch eine Schwäche offenbart. The Jungle Book hat definitiv viele schöne und gelungene Momente, kann aber hier und da nicht das Problem kaschieren, doch nicht mehr als eine Nummernrevue solcher Momente zu sein. Exemplarisch hierfür ist die Szene, in der Mogli von der zwielichtigen Schlange Kaa in Gewahrsam genommen wird: So atmosphärisch und gutaussehend das Ganze auch wirken mag, es wirkt doch etwas entkoppelt vom restlichen Handlungsverlauf und dient dieser nur als Exposition.

Die Handlung des Orginals wird hier ohnehin kaum variiert und so wird der junge Mogli ohne große Umschweife von einem Ort zum Nächsten geschickt bei dem sich immer wieder stimmungsvolle Szenarien auftun. Dass Hauptdarsteller Neel Sethi in seiner ersten Rolle leider mitunter das nötige Charisma abgeht und es nicht immer gelingt, Mogli zum emotionalen Zentrum des Films zu machen, trägt dann allerdings doch zum Eindruck bei, dass der Charme des Films hier mehr aus der technischen Brillanz rührt als aus seiner Handlung und den Charakteren.

Alles in allem ist das jedoch Kritik auf hohem Niveau, denn The Jungle Book bietet trotzdem, auch aufgrund seiner für heutige Maßstäbe fast schon kurzen Laufzeit 105 Minuten und der rasanten Inszenierung, ein vor allem visuell überzeugendes Kinoerlebnis für große und kleine Zuschauer.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Justin Marks
Musik: John Debney
Darsteller: Neel Sethi
Stimmen: Bill Murray, Ben Kingsley, Idris Elba, Lupita Nyong’o, Scarlett Johansson, Giancarlo Esposito, Christopher Walken
Deutsche Stimmen: Armin Rohde, Heike Makatsch, Christian Berkel, Jessica Schwarz, Ben Becker, Joachim Król, Justus von Dohnányi

Bewertung

Bewertung_8

08th Mrz2016

13 Hours – The Secret Soldiers of Benghazi (2016) | Filmkritik

von Jano R.

13 Hours

Eine dramatische, auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte über einen Angriff auf eine Botschaft mitten im aktuellen Krisenherd Libyen, bei der unter anderem ein Botschafter tragisch den Tod fand. Inszeniert vom Regisseur der debil-lauten Transformers–Reihe und eines der größten Kriegsfilm-Desaster der Kinogeschichte? Eine Grundskepsis war durchaus angebracht vor dem Kinostart von 13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi.

13hours_1 Es ist bereits ganze 15 Jahre her, dass Michael Bay sich in Pearl Harbor einem realen amerikanischen Kriegstrauma widmete, um daraus einen bombastischen Blockbuster zu schaffen. Und offenbar ist seit der damaligen Postkartenidyll-Kriegsromanzen-Katastrophe genug Zeit vergangen, um erneut ein Drama nach wahren Begebenheiten zu verfilmen. Doch glücklicherweise ist sein neuester Streifen keine Wiederholung jenes Debakels. Im Gegenteil: 13 Hours ist Michael Bays bislang erwachsenster, weil ernstester, Film und sein bester seit langer Zeit, wenn nicht gar insgesamt! Er bleibt zwar immer noch er selbst, liefert aber packendes, intensives und wuchtiges Actionkino.

Es ist der 11. September 2012: Die erschütternden Anschläge auf das World Trade Center in New York jähren sich zum elften Mal, als eine temporäre US-Botschaft im libyschen Benghazi von einer Gruppe bewaffneter Milizen überrannt wird. Ein sechsköpfiges Team aus US-Söldnern aus einer nahegelegenen, geheimen CIA-Station eilt zu Hilfe und versucht im Chaos zu retten, was noch zu retten ist. Die hochgerüsteten Ex-Militärs können einige der Insassen evakuieren und ziehen sich in einer Stadt, die einem brodelnden Hexenkessel gleicht, in ihr Quartier zurück. Die Lage gerät zusehends unübersichtlicher und die dramatischen Ereignisse, in deren Folge die Kämpfer von Benghazi zu Helden wurden, nehmen ihren Lauf.

13hours_2 Man kann nur erahnen, was in den Stunden der Nacht vom 11. auf den 12. September in Benghazi los gewesen ist und gerade jetzt in Zeiten des Wahlkampfs in den USA gibt es offenbar verschiedenste Versuche, das Geschehen zu deuten und politisch zu beanspruchen. Was 13 Hours jedoch auch gar nicht als Ausgangspunkt nutzt und zu ergründen versucht. Der Film konzentriert sich in seiner Inszenierung auf die sechs Elite-Söldner, die den Konflikt am eigenen Leib miterleben mussten. Selbstverständlich ist ein solcher Film, anders als vom Studio freimütig heraus posaunt, keineswegs unpolitisch. Immer wieder scheinen Andeutungen durch und werden unterschwellig Tendenzen geäußert, aber im Kern geht es tatsächlich um die Erlebnisse und Taten der sechs Protagonisten (gespielt u.a. von John Kasinski, James Badge Dale und Pablo Schreiber).

Und man muss attestieren: Die Unübersichtlichkeit der kriegerischen Eskalation der gesamten Situation wurde lange nicht mehr derart eindrucksvoll inszeniert wie in 13 Hours. Wenn die hochgerüsteten, perfekt ausgebildeten Elite-Soldaten auf ihrer Rettungsmission durch das Botschaftsanwesen und den Stadtteil unterwegs sind, wird in vielen Momenten immer wieder klar: In der schieren Menge an umherlaufenden, bewaffneten Personen wissen auch sie nicht recht wen oder was sie eigentlich töten sollen. In diesen surrealen Momenten wird erst so recht klar, wie unüberschaubar die Lage gewesen sein muss. So sind den Amerikanern mindestens ebenso viele libysche Kämpfer friedlich als auch feindlich gesinnt, was problematisch ist, denn äußerlich unterscheiden sich die militanten Kämpfer kaum voneinander. Der Film schlägt sich dabei voll auf die Seite der Soldaten, bezieht jedoch gerade hieraus seine große Stärke. Er stilisiert sie zwar beinahe zu heldenhaften Überfiguren, sorgt jedoch so für echte Identifikationsfiguren anhand derer das atemlose Geschehen auf der Leinwand erlebbar wird.

13hours_3 Das sechsköpfige Team, bestehend aus ehemaligen Spezialkräften des US-Militärs, wird standardmäßig eingeführt, bekommt seine obligatorischen emotionalen Momente wenn zwischendurch mit den Kindern und Frauen daheim geskyped wird. Die Chemie zwischen den Charakteren und Darstellern stimmt jedoch und so springt der Funke doch schnell über und die Gruppe um Jack Silva (Krasinski) und Anführer „Rone“ (Dale) bilden das emotionale Zentrum des Streifens. Dazu tragen sicher auch die guten Leistungen gerade dieser beiden Schauspieler bei. Das gegenseitige hin und her, die Dynamik innerhalb der Gruppe: Irgendwie schafft es Michael Bay hier, die Hauptfiguren sympathisch zu machen und die gewünschte Wirkung zu entfalten. Ein kleiner Wermutstropfen dabei ist allerdings, dass sie fast alle dank reichlich Bartwuchses sehr ähnlich aussehen und die Unterscheidung nicht ganz einfach fällt. Umso leichter fällt dagegen die Unterscheidung zum Rest der CIA-Mitarbeiter. Die werden hier wenig subtil als bürokratische „Waschlappen“ abgetan, die trotz Harvard-Diplom im Ernstfall doch nicht zu gebrauchen sind.

Die ausgebildete CIA-Agentin (Alexia Barlier) fällt auch prompt auf der ersten Treppenstufe auf die Nase als sie den heroischen Kämpfern einmal zu Hilfe eilen will. Eine gewisse Intellektuellen-Abneigung ist da sicher zu spüren. Es ist das Bay-typische, für Europäer hin und wieder befremdlich wirkende, Menschenbild, dass hier ab und an durchscheint: Wenn es drauf ankommt ist es doch besser den Finger am Abzug zu haben als abzuwarten und zu verhandeln. Im Rahmen des Filmes funktioniert diese Prämisse hervorragend. Ebenso gut funktioniert auch die Tatsache, dass der Feind weitgehend anonym bleibt und eine sehr amerikanische Geschichte erzählt wird. Es geht schließlich um die Geschichte der sechs Soldaten und ihrem Kampf gegen eine Übermacht.

13hours_4 Keine Frage, alles was Michael Bay so unverwechselbar macht, taucht auch hier auf: Übersättigte Farben, viel Slow-Motion, viel Pathos, amerikanische Flaggen im Wind und gute 20 Minuten zu viel Laufzeit. Aber im Gegensatz zu seinen übrigen Filmen vermischt es sich nicht zu einem unappetitlichen Brei, sondern trägt zu einer brodelnd-bedrohlichen Atmosphäre bei. Immer wieder versucht der Film mit seinem pulsierenden Soundtrack und den starken Bildern, die maximale emotionale Wucht hervorzurufen. Und überraschend oft gelingt das sehr gut. Die sich anbahnende Bedrohung vor den Angriffen der Milizen ist jederzeit spürbar und immer wieder schürt der Film diese knisternde Atmosphäre, wie sie die Protagonisten spüren.

Ganz klar, 13 Hours ist kein tiefgehendes Drama, kein menschliches Porträt und hat manche fragwürdige Entscheidung. Vielmehr ist er spannendes Heldenpathos, das die sechs Männer angemessen würdigt und für alle, die sich darauf einlassen können, ein packender, intensiver Kriegsfilm mit krachender Action.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Michael Bay
Drehbuch: Chuck Hogan
Musik: Lorne Balfe
Darsteller: James Badge Dale, John Krasinski, Max Martini, Dominic Fumusa, Pablo Schreiber, David Denman, Toby Stephens, Freddie Stroma

Bewertung

Bewertung_8

26th Feb2016

Transformers 4: Ära des Untergangs (2014) | Filmkritik

von Jano R.

Transformers 4

Er hat es wieder getan! Trotz mehrfacher gegenteiliger Ankündigungen hat Michael Bay im Jahr 2014 dann doch die Regie für einen vierten Teil des Transformers-Franchise übernommen. Doch anstatt hier einfach das bekannte Repertoire aus den drei Vorgänger-Filmen abzuspulen, wurde kurzerhand die Darsteller-Riege ausgetauscht, das Roboter-Design erneuert und ein Reboot angekündigt.

transformers_1 Das klang im Vorfeld vor lauter Transformers-Monotonie geradezu erfrischend. Aber wer Michael Bay und seinen Variantenreichtum kennt, der dürfte auch hier skeptisch geblieben sein, um sich nach Kinostart auf ganzer Linie bestätigt zu sehen: Transformers 4: Ära des Untergangs ist der exakt gleiche Film zum vierten Mal in Folge und hat außer neuen Gesichtern nur marginale Abweichungen zu seinen Vorgängern zu verzeichnen. Die größte Steigerung ist hierbei leidigerweise die Laufzeit. Waren schon alle drei vorherigen Streifen eindeutig zu lang, schafft es Ära des Untergangs doch tatsächlich nur knapp an der Drei-Stunden-Marke vorbeizuschrammen. Ganze 170 Minuten werden hier benötigt um… ja um was eigentlich zu erzählen?

Fünf Jahre sind seit der verheerenden Schlacht um Chicago vergangen. Die Menschen haben ihr Vertrauen gegenüber den Alienbesatzern verloren und so setzt die CIA die Spezialeinheit „Cemetery Wind“ unter Leitung von Agent Attinger (Kelsey Grammer) darauf an, alle verbleibenden Decepticons zu jagen. Doch der gerissene Attinger verfolgt ganz eigene Pläne und nimmt auch die restlichen Autobots ins Visier. Währenddessen darf Mark Wahlberg als neues Franchise-Gesicht den texanischen Hobbyerfinder Cade Yeager mimen, der zusammen mit seiner 17-jährigen Tochter Tessa (Nicola Peltz, unrühmlich bekannt aus Die Legende von Aang) auf einer Farm alten Schrott zu Geld zu machen versucht.

Als er und sein Kumpel Lucas (T.J. Miller) dabei zufällig die Überreste des Autobot-Anführers Optimus Prime zum Leben erwecken, geraten sie mitsamt Tessas Freund (Jack Reynor) ins Visier der Killer-Truppe. Doch unbemerkt von alledem macht sich im Hintergrund eine weitaus größere Bedrohung daran, den Untergang der Welt herbeizuführen.

Was lässt sich hier also Neues berichten aus dem Transformers-Universum?

transformers_2 Mark Wahlberg als neuer Lead ist durchaus eine Bereicherung für das Franchise. Sein Charisma und seine Tauglichkeit für Actionszenen sorgen für ein deutliches Plus gegenüber Vorgänger Shia LaBeouf, dessen Geschreie man nach drei Filmen ohnehin langsam satt hatte. Für die weiteren Neuzugänge im Cast lässt sich allerdings weniger Gutes im Arbeitszeugnis notieren. T.J. Miller bringt in den 45 Minuten die er auftauchen darf zwar etwas Humor in den Film, verschwindet dann aber von der Bildfläche. Jack Reynor ist vollkommen blass und hinterlässt wenig bis gar keinen Eindruck, was zum Teil auch an seiner selbst für Bay-Verhältnisse platten Rolle liegt. Und zu guter Letzt Nicola Peltz. Wie zu erwarten besteht ihre Aufgabe im Film lediglich daraus, gut auszusehen, dieses Aussehen in aller knappsten Hotpants zu präsentieren und verzweifelt um Hilfe zu rufen. Im Prinzip genau dasselbe wie ihre Vorgängerinnen also.

Die menschlichen Figuren sind also die erwartbaren Charakter-Abziehbilder und variieren nur wenig bis gar nicht zu den Figuren aus den vorherigen Teilen. Das Einzige was hier nach Neuerfindung des Franchise ausschaut, ist die simple Tatsache, dass es nun andere Schauspieler sind und anders benannte Charaktere. Im Westen nichts Neues also. Apropos Westen: Die Verkaufsstrategen hinter diesem als Film getarnten Marketing-Vehikel haben sich zumindest eine ganz neue Sache einfallen lassen! Zwecks Erschließung neuer Absatzmärkte wurde der komplette dritte Akt des Films mal eben nach Fernost verlegt. Statt Chicago oder New York werden diesmal eben Hongkong und Shanghai pyrotechnisch in Schutt und Asche gesprengt. Dass das Ganze handlungstechnisch keinen Sinn macht und die Laufzeit bloß auf unerträgliche 170 Minuten streckt, dürfte wenige überraschen, die mit den Transformers Filmen vertraut sind.

transformers_3 Was allerdings bei diesem vierten Auswuchs doch überraschend ist, ist die Offensichtlichkeit und das geradezu schamlos zur Schau getragene Product Placement, welches sich durch den ganzen Film zieht. Es gibt beispielsweise eine beinahe absurde Szene, in der Stanley Tucci in seinem Labor plötzlich die neuesten Lautsprecher in der Hand hält und das Produkt samt Bezeichnung praktisch direkt in die Kamera präsentiert. Getoppt wird dieses bizarre Schauspiel nur noch von jener Szene, in der sich Mark Wahlberg nach überstandenem Kampf eine Bierflasche vom mit Flaschen übersäten Boden greift und diese genüsslich austrinkt. Kein 30-Sekunden-Werbespot der Welt könnte das besser verkaufen. Aus Marketing-Gesichtspunkten wurde hier also doch noch eine neue Stufe erreicht, wenn auch eine unrühmliche.

Zwischen allen Werbesequenzen und Marketingexperimenten lassen sich auch beim vierten Eintrag wieder einige gelungene Momente finden. Was man dem Film nämlich nicht vorwerfen kann, ist, seine Prämissen als Actionfilm, wegen derer ihn sicherlich die meisten anschauen werden, zu vernachlässigen. Beinahe im 5-Minuten-Takt wird hier eine Action-Kaskade nach der anderen losgelassen. Hierbei stechen der anfängliche Angriff auf Cade Yaegers Farm und der finale Angriff in Hongkong sicherlich noch einmal heraus was Bombast und visuelle Überwältigung angeht. Auch Ära des Untergangs bietet wieder grandiose Effekte, rasante Verfolgungsjagden, atemberaubende Action bis zum Anschlag und Momente zum Staunen. Auch das 3D wirkt in einigen der spektakuläreren Sequenzen faszinierend. Immer wieder im Film gibt es Szenen und Momente, die den Eintritt wert sind und Schauwerte bieten für die man hier bezahlt: Die Flucht von der Farm ist rasant, der Auftritt des Bösewichtes ist einer der beeindruckendsten Momente des Films, die Flucht aus dessen Raumschiff ein 3D-Erlebnis, sämtliche Verfolgungsjagden sind dynamisch und abenteuerlich. Dazu der pumpende Soundtrack ein Fest für das Ohr. Würde man wahllos einen 5-minütigen Ausschnitt des Films sehen, wäre man wahrscheinlich ziemlich begeistert.

transformers_4 Leider reiht Transformers 4 alles, was gut an ihm ist aneinander, mischt es mit grauenhaften Dialogmomenten, den immer gleichen Stilmitteln und dehnt es auf eine unerträgliche Länge von knapp drei Stunden. Wem dabei nicht vor Reizüberflutung der Kopf platzt, der wird sich vor lauter Überfluss kaum an Einzelmomenten erfreuen können, weil ihm schon der nächste Effekt atemlos um die Ohren fliegt. Das große Problem ist schlicht und ergreifend, dass es unmöglich ist, die interessanten Zwischentöne zu hören, wenn alles durchgehend auf maximale Lautstärke gedreht ist. Wer sich also bisher schon nicht mit Bays Transformers-Filmen anfreunden konnte, für den mag sich Transformers 4 anfühlen, als würde ihn jemand drei Stunden lang anschreien.

War der dritte Teil eindeutig der beste der Reihe, ist hier dann alles irgendwie zu viel des Guten. Keine Frage, Transformers 4 – Ära des Untergangs bringt seine Zuschauer zum Staunen, hat eine sehr unterhaltsame erste Stunde und erfüllt einmal mehr die Erwartungen an Action und Effekte. Er ist jedoch viel zu lang, setzt ausschließlich auf Bombast und schlägt dadurch immer wieder in Langeweile und ein strapaziöses Filmerlebnis um.

Cast & Crew

Regie: Michael Bay
Drehbuch: Ehren Kruger
Musik: Steve Jablonsky
Darsteller: Mark Wahlberg, Stanley Tucci, Kelsey Grammer, Nicola Peltz, Jack Reynor, Titus Welliver, T. J. Miller, Li Bingbing

Bewertung

Bewertung_6

20th Feb2016

Transformers – Die Rache (2009) | Filmkritik

von Jano R.

Transformers – Die Rache

Nachdem der erste Teil über die verfeindeten Auto-Roboter ein voller Erfolg an den Kinokassen war und weltweit über 700 Millionen US-Dollar eingespielt hat, ließ es sich das produzierende Studio Paramount selbstverständlich nicht nehmen umgehend einen Nachfolger in die Produktion zu geben. Und siehe da, nur 2 Jahre später erschien 2009 der unvermeidliche zweite Teil Transformers – Die Rache. Kann er dem durchweg unterhaltsamen Vorgänger das Wasser reichen oder erleidet er dasselbe Schicksal wie so viele Fortsetzungen und fällt mit der Prämisse „Mehr ist Mehr“ durch? Leider eindeutig letzteres.

transformers2_1 Sam Witwicky kommt aufs College und muss sich allerhand neuen, irdischen Problemen stellen. Er hat einen verrückten Zimmernachbarn, seine Beziehung zu Mikaela kämpft mit den Problemen einer Fernbeziehung und nicht zuletzt muss er sich von seinem Transformers-Weggefährten Bumblebee trennen. Doch als die Decepticons ihn wegen seiner mysteriösen Verbindung mit dem All Spark entführen wollen und Optimus Prime ihn bittet, erneut Seite an Seite in den Krieg zu ziehen, beginnt eine Hetzjagd rund um den Globus. Das Schicksal der Welt liegt einmal mehr in der Hand von Sam und seinen Autobot-Gefährten.

Der Bombast-Maestro Michael Bay hat nach dem weltweiten Erfolg der Spielzeug-Verfilmung Transformers erneut ein dreistelliges Millionenbudget zur Verfügung gestellt bekommen, um Armeen von transformierenden Robotern aufeinander losschlagen zu lassen. Und bereits an der sehr knappen inhaltlichen Zusammenfassung lässt sich unschwer erahnen, was den Zuschauer hier erwartet: Eine Materialschlacht mit hauchdünner Story. Doch Michael Bay wäre nicht er selbst, würde er nicht versuchen noch eine Schippe draufzulegen. Er liefert mehr Transformers, mehr Charaktere, mehr Schauplätze, mehr Explosionen, größere Explosionen, eine längere Laufzeit und noch mehr Action. Nur in einer Hinsicht gibt es hier weniger zu bestaunen als noch beim Vorgänger: Die Handlung. Eben jene, wenn man sie denn als Story bezeichnen mag, besteht hier im Prinzip aus einer Aneinanderreihung von Gründen, den Schauplatz zu wechseln, um die nächste große Actionsequenz auf den Zuschauer loszulassen.

Zunächst geht es darum, dass Sam in seinem Kopf eine Karte hat, die zu einem mysteriösen Transformers Grab führt. Daraufhin wird der McGuffin, die „Matrix der Führerschaft“ eingeführt, um letztendlich zum großen Showdown vor den agyptischen Pyramiden zu kommen. Im Endeffekt ist dieses lose Storykonstrukt auch zu vernachlässigen, was Michael Bay gerüchteweise beim Schreiben des Drehbuchs ebenso getan hat. Denn das Einzige was dieser Film sein soll und letzten Endes auch geworden ist, ist eine wahllose Inszenierung von gigantischen Materialschlachten, bei der sich riesenhafte Roboter gegenseitig auf verschiedenen Kontinenten das Blech um die Ohren hauen.

transformers2_2 Menschliche Charaktere gibt es in diesem Krieg der metallenen Ungetüme allerdings auch zu bestaunen. Und das unglücklicherweise nicht zu knapp. So darf Shia LaBeouf wieder den dauer-japsenden und schreienden Sam Whitwicky geben, Megan Fox als Blickfang fürs männliche Publikum herhalten und Josh Duhamel den heldenhaften Soldaten mimen.

Auch John Turtorro darf seine Schamgrenze noch einmal nach unten verschieben, wenn er als Agent Simmons einen erneut absurden Auftritt mit Hang zum Fremdschämen hinlegt. Doch damit nicht genug!

Drehbuchautor Ehren Kruger und Michael Bay hatten die glorreiche Idee, dass ein irrer Charakter noch nicht reicht und es noch mehr kindischen Humor benötige. Daher haben sie kurzerhand noch den wahnwitzig nervigen Leo eingebaut und ihm zwei arg pubertäre Autobot-Zwillinge an die Seite gestellt, die sich gegenseitig mit Geplapper überbieten. Man wird nach circa einer Stunde das Gefühl nicht los, dass die einzige Wirkung dieser neuen Charaktere für die Handlung diejenige ist, dass sie auf ein übertriebenes Maß in die Länge gezogen wird. Hier wäre Weniger definitiv Mehr gewesen. Ohnehin wird man bei all dem hektischen Treiben auf der Leinwand das Gefühl nicht los, als würde hier ein Haufen heißer Luft bloß zur maximalen Größe aufgeblasen, um von seiner inneren Sinnlosigkeit abzulenken.

transformers2_3 Ja, man kann anerkennen, das die Bilder hier prinzipiell gigantisch aussehen, die Action einen bisweilen in Staunen versetzt und es erwartungsgemäß an optischen Schauwerten nicht mangelt. Man mag dann auch sagen, mehr erwarte man von einem solchen Film doch auch nicht mehr. Aber es ist dann auch so, dass Transformers 2 all seine Einzelteile, mögen sie auch noch so bombastisch sein, völlig wahllos und sinnlos durcheinander schmeißt, dass sich beim besten Willen kaum noch eine echte Befriedigung einstellt. Als Zuseher wird man hier einer dermaßen ermüdenden Reizüberflutung ausgesetzt, dass es schwer fällt die gelungenen Momente überhaupt zu genießen. Beispielsweise geht der wie immer starke Soundtrack von Steve Jablonksy inmitten von Geschrei und Geschepper vollkommen unter, grandiose Schauwerte werden durch debiles Geplapper zunichte gemacht und grandiose Actionfeuerwerke durch hektische Schnitte fast bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt.

Fans von Actionfilmen und Materialschlachten im Speziellen werden sicherlich einiges zum Gefallen in diesen, definitiv zu langen, 150 Minuten finden: Beeindruckend animierte Roboter, große Explosionen, Pathos und Action-Set-Pieces zu Genüge. Aber nichtsdestotrotz werden auch solche Fans sehen, dass nichts hier einen irgendwie kohärenten Zusammenhang ergibt.

Insgesamt lässt sich dementsprechend sagen, Transformers 2 – Die Rache ist eine sinnentleerte, metallene Zerstörungsorgie, die die Hoffnungen auf ein spektakuläres Kino-Event zwar übererfüllt, dabei aber seine „Hirn Aus – Film an“ Prämisse des Popcorn-Kinos bis an die Grenzen strapaziert.

Cast & Crew

Regie: Michael Bay
Drehbuch: Ehren Kruger, Roberto Orci, Alex Kurtzman
Musik: Steve Jablonsky, Linkin Park, Hans Zimmer
Darsteller: Shia LaBeouf, Megan Fox, Josh Duhamel, Tyrese Gibson, John Turturro

Bewertung

Bewertung_5

25th Dez2015

Men & Chicken (2015) | Filmkritik

von Jano R.

Men & Chicken

Mads Mikkelsen in einem Film von Anders Thomas Jensen. Bereits zum vierten Mal vereinigen sich der dänische Ausnahme-Mime und der eigenwillige Regisseur gemeinsam mit ihren Kollegen Nicolas Bro und Ole Thestrup vor der Kamera. Und wieder kreiert das Team von Blinkende Lichter (2000), Dänische Delikatessen (2003) und dem Geheimtipp Adams Äpfel (2006) eine absurde Komödie, die vor schwarzem, hintersinnigem Humor und denkwürdigen Charakteren nur so strotzt. Mit der Familien-Groteske, die bisweilen zu einer philosophischen Evolutions-Farce wird, gelingt dem Team zwar kein neuer Geniestreich, eine unterhaltsame und provokante Komödie ist ihnen aber dennoch gelungen.

Die Brüder Gabriel und Elias könnten verschiedener kaum sein: Während Ersterer ein gebildeter Professor für Philosophie und Evolutionspsychologie ist, verbringt Taugenichts Elias seine Tage damit Frauen nachzujagen und zwanghaft zu onanieren. Eines verbindet sie jedoch: Beider Gesichter sind von einer markanten Hasenscharte gekennzeichnet und wirken leicht entstellt.

menandchicken_1 Als ihr Vater nach langer Krankheit stirbt und ihnen in einem Abschiedsvideo verkündet, gar nicht ihr leiblicher Vater zu sein, machen sich die Brüder zum 40-Seelen-Örtchen Ork auf, um nach ihrem vermeintlichen Erzeuger namens Evilio Thanatos zu suchen. Dort angekommen führt sie der kauzige Bürgermeister Flemming zum Haus ihres Vaters. Was sie dort jedoch erwartet sind die drei ungewöhnlichen und überaus rabiaten Brüder Franz, Gregor und Josef. Nach einer handfesten Begrüßung stellt sich schnell heraus, dass es sich um ihre Halbbrüder handelt. Gabriel und Elias beschließen, auf der Insel zu bleiben und mithilfe der eigentümlich-brüderlichen Zweckgemeinschaft dem Rätsel ihrer Herkunft auf die Spur zu kommen.

Wer die vorherigen Werke des Anders Thomas Jensen kennt, dem wird der abseitige und teils tiefschwarze Humor des Dänen bekannt sein und der wird wissen worauf man sich auch bei Men & Chicken erneut einstellen muss. Wem noch keiner der genannten Filme bekannt ist, dem sei bereits hier mit auf den Weg gegeben: Charaktere und Humor des Films sind gewöhnungsbedürftig und klar Geschmackssache. Eine Mitte gibt es bei den Filmen wohl kaum. Entweder man kann sich mit der grotesken Art anfreunden und amüsiert sich über die am Rande der Geschmacklosigkeit taumelnden Figuren oder man wird bereits nach wenigen Minuten verstört den Kopf abwenden. Beim zweiten Fall wird sich der Eindruck auch im Laufe des Films, so viel sei hier als Prognose gewagt, nicht ändern. Bei wem Jensen jedoch mit seinem schrägen Machwerk einen Nerv trifft, den erwartet mit diesem Film eine köstlich-amüsante Komödie, die nebenbei noch über den Wert des Lebens philosophiert.

menandchicken_2 Was Jensen bereits bei Adams Äpfel herausragend gelang und ihn zu einem geschätzten Kleinod machte, gelingt ihm auch in diesem Fall wieder grandios: Mögen die Charaktere auch noch so verschrobene, abstoßende Außenseiter und komische Käuze sein, über die man im ersten Moment nur den Kopf schüttelt oder, hier bei Elias, sich gar geekelt abwendet. Mit der Zeit schafft es Jensen doch, dass sie dem Zuschauer alle ans Herz wachsen. Auch die einheimischen Halbbrüder von Elias und Gabriel wirken auf den ersten Blick wie rabiate, beinahe idiotische Inseltölpel, werden jedoch trotz ihrer Macken zu echten Sympathieträgern.

So erschafft Jensen mit den ungleichen Brüdern eine sympathische Gruppe unwahrscheinlicher Helden, deren Verhalten nach und nach immer mehr allzu verständlich wird. Überhaupt gelingt es Jensen auf brillant-charmante Art und Weise jedem der Brüder Charakterzüge und Verhaltensauffälligkeiten zu geben, die in der Nachbetrachtung des Films einige AHA-Momente ergeben und ein zweites Ansehen besonders wertvoll machen. Aus Spannungsgründen sei an dieser Stelle nicht mehr verraten, doch soviel ist sicher: Ein zweiter Blick lohnt sich definitiv.

Des Weiteren gelingt es Jensen immer wieder, in die absurden Situationen und Dialoge auch einige ruhige und nachdenkliche Zeilen einzubauen. Das sorgt hin und wieder auch dafür, dass der Film nicht zu sehr in seiner Verrücktheit versinkt, in der er sich hier und da zu verlieren droht. Diese Verrücktheit ist es allerdings auch, die für Freunde dieser Humorrichtung einige grandiose Lacher bereithält. Dem dänischen Ensemble gelingt beispielsweise der kongeniale Schachzug, ein Badminton-Match oder ein Abendessen so absurd ausarten zu lassen, dass kein Auge trocken bleiben kann. Dabei wechseln sich trockene One-Liner, visueller Slapstick oder auch pure Eskalation gekonnt ab und bilden ein wahres Potpourri der absurden Komik.

menandchicken_3 Ein weiterer Pluspunkt, der zum Gelingen des wirren Treibens beiträgt, ist die verschrobene Heimstätte der Brüder. Das von allerhand Bauernhoftieren bevölkerte Anwesen bildet die perfekte Kulisse für die außergewöhnliche Familien-Zusammenführung. Dass die Tiere hierbei selbst eigentlich eine Rolle im Film einnehmen erklärt einerseits den schrägen Titel und sorgt andererseits ebenso für spannende Beobachtungen. Hat man sich jedoch daran gewöhnt, dass hier nichts ist, wie es zunächst scheint, wird man auch mit den tierischen Nebencharakteren seinen Spaß haben. Auch diese nutzt Jensen hierbei wieder um die Geschmacksgrenzen seiner Zuschauer auszutesten.

Ganz nebenbei und unbemerkt erzählt der Däne in Men & Chicken aber auch eine spannende und zumindest in Teilen tiefgründige Geschichte über Familie, den Wert des Lebens, Philosophie und Abstammung. Bei aller Verschrobenheit hat auch dieser Film wieder einen interessanten Kern, der an der ein oder anderen Stelle zum Nachdenken anregt.

Wer schon Adams Äpfel mochte, der wird sich auch mit Men & Chicken köstlich unterhalten fühlen. Gegenüber seinem letzten Film dreht Anders Jensen die Schrauben des Absurden diesmal allerdings noch ein Stückchen weiter und erschafft einen noch weiter vom Massengeschmack entfernten, aber noch komischeren Film. Dass er dabei die Grenzen der Absurdität weiter verschiebt sorgt jedoch dafür, dass aus Men & Chicken bisweilen ein zweischneidiges Schwert wird. Für Fans des außergewöhnlichen Regisseurs oder auch Mads Mikkelsen ist Men & Chicken allerdings uneingeschränkt zu empfehlen.

Cast & Crew

Regie: Anders Thomas Jensen
Drehbuch: Anders Thomas Jensen
Musik: Frans Bak, Jeppe Kaas
Darsteller: David Dencik, Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Søren Malling, Nicolas Bro

Bewertung

Bewertung_7

06th Dez2015

Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück (1980) | Filmkritik

von Jano R.

Star Wars: Episode V

Nach dem überwältigenden Erfolg von Star Wars: Krieg der Sterne im Jahr 1977 kehrte die Sternen-Saga nur drei Jahre später auf die Leinwände zurück. Und wie! Star Wars war nicht nur zurück. George Lucas ließ das Imperium zurückschlagen und präsentierte dem ehrfürchtigen Publikum eine der besten Fortsetzungen aller Zeiten.

starwarsepisode5_1 Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück gelingt das fast Unmögliche und schafft es, seinem Maßstäbe-setzenden Vorgänger nicht nur ebenbürtig zu sein, sondern die Saga in ungeahnte Sphären zu heben. Nicht zu Unrecht gilt die Fortsetzung aus dem Jahr 1980 unter vielen Fans bis heute als bester Teil der gesamten Reihe. Im Gegensatz zum Auftakt überließ George Lucas hier sowohl Regie als auch Drehbuch anderen Personen und lieferte, angeblich, nur die Story und seine Ideen. Dem Film hat die Präsenz von Irvin Kershner auf dem Regiestuhl in jedem Fall nicht geschadet, denn Das Imperium schlägt zurück ist ein weiterer Meilenstein der Kinogeschichte und lieferte erneut Momente für die Ewigkeit.

Nach der Zerstörung des Todessterns hat sich die Rebellen-Allianz auf den abgelegenen Eis-Planeten Hoth zurückgezogen. Als das Imperium die neue Rebellen-Basis aufspürt und einen Angriff startet, gelingt einem Großteil der Rebellen jedoch die Flucht. Die Wege von Han, Leia und Luke trennen sich allerdings während der Flucht, da sich Luke auf Raten des verstorbenen Obi-Wans dazu entschließt im Dagobah-System nach dem alten Jedi-Meister Yoda zu suchen und seine Ausbildung fortzuführen.

starwarsepisode5_2 Unterdessen versuchen Han, Leia, Chewbacca und C-3PO mit dem Millenium Falken den Jägern der Imperialen Sternenflotte zu entkommen, die sie unerbittlich verfolgen. Ein spektakulärer Trick in einem Asteroidenfeld ermöglicht ihnen die Flucht in die entlegene Wolkenstadt Bespin, welche unter der Leitung des zwielichtigen Lando Calrissian steht. Luke, der Yoda gefunden hat, lässt sich von diesem in den Künsten der Jedi unterweisen, während seine Freunde in Bespin in Gefangenschaft geraten. Nichts ahnend welche finsteren Mächte im Hintergund am Werk sind, macht er sich überstürzt zu ihrer Rettung auf. Es bahnt sich eine Begegnung an, die dunkle Geheimnisse offenbart und sein Leben für immer verändern wird.

Der „Imperial March“. Der vielleicht legendärste und bekannteste Story-Twist der Filmgeschichte. Zitate für die Ewigkeit. Yoda. Allein hierfür ging The Empire Strikes Back (Originaltitel) in die Annalen Hollywoods ein. Momente, die auch Episode V zu einem popkulturellen Meilenstein machen und dem Film einen Platz unter den besten Filmen aller Zeiten sicherte.

Doch der Reihe nach. Das Imperium schlägt zurück spinnt nicht nur das offene Ende aus Eine neue Hoffnung weiter, sondern schlägt den Bogen noch weiter und ging als düsterster und zugleich stimmungsvollster Teil der ursprünglichen Trilogie in die Geschichte ein. Obwohl ein Mittelteil mit offenem Ende, und somit ohne karthatischen Moment der Auflösung, weist der Film nicht nur eine gehörige Portion Spannung auf, sondern erweitert die Geschichte um einige wichtige Punkte. Ein weiterer Pluspunkt des Films ist einmal mehr der geniale Score von John Williams. Im Besonderen sticht hier natürlich der erstmals auftretende „Imperial March“ hervor. Die Tatsache, dass der Film uns diese legendären Klänge erstmals ins Gedächtnis rief, spricht dabei für seinen Kultstatus.

starwarsepisode5_3 Für den Kultstatus von Darth Vader war die Mischung aus bedrohlichem und militärischer Marschmusik ganz nebenbei noch ebenfalls stilprägend. Es ist wahrscheinlich nicht einmal sehr weit hergeholt, wenn man behauptet, noch heute kann jeder Filmgänger die Melodie summen und nicht wenige müssen dabei vermutlich unweigerlich an den bösen Lord Vader denken. Mehr kann ein Filmsoundtrack eigentlich nicht erreichen. Der Soundtrack dient hier als gutes Beispiel, warum Das Imperium schlägt zurück ein so überragendes Sequel eines bereits genialen ersten Films ist: Es wiederholt nicht einfach nur die erfolgreichen Dinge aus dem Vorgänger und setzt auf die gleiche Erfolgsformel, nein. Star Wars: Episode V nutzt seine Vorlage, um die Geschichte weiter zu entfalten, Charaktere weiter zu entwickeln und der Gesamtreihe neue Dinge hinzuzufügen. Überdies gelingt es Kershner, Lucas und Co. dem Film eine eigene Stimmung zu verleihen und ihn abzuheben von seinem Vorgänger.

In puncto Story bietet Episode V dem Zuschauer nicht nur den prestigeträchtigen Satz Vaders gegen Ende des Films, sondern auch die Einführung der Figur Yoda und die weitere Ausformulierung der bekannten Helden Han Solo, Luke Skywalker und Prinzessin Leia.

Des Weiteren bietet der Film erstmalig einen Auftritt des mächtigen Imperators, der in der 1980er Kinoversion lustigerweise von einer alten Frau mit per Computer hinzugefügten Schimpansen-Augen verkörpert wird. Doch kein neu eingeführter Charakter hat einen solch bleibenden Eindruck hinterlassen wie der kleine grüne Jedi-Meister Yoda. Eingebettet in grandioses Set-Design auf dem Sumpf-Planeten Dagobah wird er zunächst als kauziger kleiner Kobold vorgestellt und erst später wird nicht nur Luke, sondern auch dem Zuschauer klar, dass es sich hier um den gesuchten Meister der Jedi Künste handelt. Den Machern gelingt es die Figur erst auf komische und lustige Art sympathisch zu machen, um dann im Verlauf seine Weisheit und Erhabenheit voll entfalten zu können. Grandios herausragend ist hierbei sicherlich die Szene, in welcher Luke zunächst versagt und Yoda ihm im Folgenden die Stärke der Macht demonstriert und eine emotionale Rede über das Wesen der Macht hält. Eine durchweg packende Szene.

Größe bedeutet nichts. Sieh mich an. Nach meiner Größe beurteilst du mich, tust du das? Aber das solltest du nicht, denn die Macht ist mein Verbündeter, und ein mächtiger Verbündeter ist sie. Das Leben erschafft sie, bringt sie zur Entfaltung. Ihre Energie umgibt uns, verbindet uns mit allem. Erleuchtete Wesen sind wir, nicht diese rohe Materie. Du musst sie fühlen, die Macht die dich umgibt. Hier, zwischen dir, mir, dem Baum, dem Felsen dort. Alledem wird dich, ja. Selbst zwischen dem Sumpf und dem Schiff. Tue es oder tue es nicht. Es gibt kein Versuchen.

Generell sind die Dialoge zwischen den Beiden hier auf den Punkt ausgefeilt. Die ganze Weisheit und Macht Yodas wird allein durch seine Ratschläge deutlich und seine geringe Größe obsolet, so wie er es im Film selbst voraussagt.

Ebenso packend ist mit Sicherheit für jeden geneigten Star Wars–Fan das finale Duell zwischen Luke Skywalker und Darth Vader. Und das nicht nur wegen des emotionalen Höhepunkts, der Offenbarung Darth Vaders gegenüber Luke. Nein, bereits vorher ist das Aufeinandertreffen spannend und mitreißend, weil die Charaktere dem Zuseher längst ans Herz gewachsen bzw. als Bösewicht gefürchtet sind. Was hier auf dem Spiel steht und welche Personen hier aufeinander treffen, wurde vorher so großartig inszeniert, dass es überhaupt keine waghalsige CGI-Choreografie benötigt, um den Kampf zu einem Höhepunkt zu machen.

Mit seiner Fortführung der Geschichte aus einer weit, weit entfernten Galaxie gelingt George Lucas erneut ein Geniestreich, der seinen bahnbrechenden Vorgänger nicht nur übertrifft, sondern als möglicherweise bester Part der gesamten Reihe gelten kann. Das Imperium schlägt zurück geht als eine der besten Filmfortsetzungen aller Zeiten in die Geschichte ein und bringt durch seine düstere Atmosphäre eine neue Ernsthaftigkeit in die Sternen-Saga, die ihn gleichzeitig zu einem Klassiker und Meisterwerk machen.

Cast & Crew

Regie: Irvin Kershner
Drehbuch: Leigh Brackett, Lawrence Kasdan, George Lucas
Musik: John Williams
Darsteller: Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher, Billy Dee Williams, Anthony Daniels, David Prowse, Kenny Baker, Peter Mayhew, Frank Oz

Bewertung

Bewertung_10

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