18th Mai2017

Guardians of the Galaxy Vol. 2 (2017) | Filmkritik

von Hendrik Pörtner

Guardians of the Galaxy Vol. 2

Kann auch der x-te Superheldenfilm der letzten Jahre noch Spaß machen? Ich (als Marvel Fan) sage: Ja, und wie! Aber eine absolute Kinoempfehlung für jeden? Das jedoch auch nicht, aber ich fange lieber von vorne an und höre mir dabei in Ruhe den erneut grandiosen Filmsoundtrack an (hier wirklich eine Empfehlung für jedermann!)

guardiansofthegalaxyvol2_1 Das Science-Fiction Action Spektakel Guardians of the Galaxy Vol.1 kam 2014 in die Kinos und überraschte mit perfekt platziertem Witz und harmonischen Charakteren. Damals mussten sich die Guardians gegen den rachsüchtigen Ronan zur Wehr setzten, konnten am Ende durch ihre neu gewonnene Freundschaft obsiegen und einen der Infinity Steine vor Thanos in Sicherheit bringen. Der Film war einer der bis dato finanziell erfolgreichsten Marvel-Filme und erntete viele gute Kritiken. Besonders die lustigen Dialoge und die Musik aus den 70ern und 80ern begeisterte neben den Spezialeffekten. Bei der Fortsetzung Guardians of the Galaxy Vol. 2 im Jahre 2017 versucht Regisseur James Gunn noch einen draufzusetzen, doch kann er den Erwartungen gerecht werden?

Die Guardians kämpfen gegen das Böse in der Galaxis! Der draufgängerische Peter Quill mit dem klangvollen Beinamen Star-Lord (Chris Pratt), die kybernetisch verbesserte Ex-Meuchelmörderin Gamora (Zoe Saldana), der hyperintelligente, egoistische Waschbär Rocket (gesprochen von Bradley Cooper) und Drax (Dave Bautista), ein starker Kämpfer dessen Familie vom Titan Thanos ermordet wurde.

guardiansofthegalaxyvol2_2 Das Nesthäkchen des Teams ist der kleine Baby Groot (gesprochen von Vin Diesel), ein verspieltes Baumwesen. Seit dem ersten Teil ist ein Jahr vergangen, die Guardians sind mehr denn je untereinander zerstritten und Groot sind mittlerweile wieder Beine gewachsen, während sie für das Gute im Universum kämpfen. Bei einem Ihrer Jobs: die Energiezellen der selbst-perfektionierten Rasse der Souvereigns zu verteidigen, erhalten sie als Bezahlung Gamoras Schwester Nebula (Karen Gillan), deren Kopfgeld sie einbringen wollen. Diese ist immer noch wütend auf Gamora, welche sie als Kind wiederholt besiegte.

Leider hat Rocket auch ein paar der heiligen Batterien mitgehen lassen, weshalb sie schnell von einer Flotte der Souvereign verfolgt werden. In letzter Sekunde naht Rettung von jemand gänzlich unerwartetem: Peter Quills Vater, genannt Ego (Kurt Russel). Doch sind Egos Absichten rein und wohin will er Peter und seine Freunde bringen? Währenddessen bekommt der Führer von Peters alter Ravager Gruppe Yondu (Michael Rooker) ein verführerisches Angebot der Souvereign…

guardiansofthegalaxyvol2_3 Abseits des Geschehens um die Infinity Steine liegt der Fokus diesmal auf der weiteren Geschichte Peter Quills, die im ersten Teil durch das Fehlen jeglicher Informationen über seinen Vater angeteasert wurde. Jedoch ist er nicht der einzige in der Gruppe, der sich nun seinen eigenen Ängsten stellen muss. Gamora trifft ihre rachsüchtige Schwester wieder, die als einziges Ziel den Tod Thanos‘ und ihrer Schwester hat. Auch Yondu hat mit seinem Platz unter den Ravagern zu kämpfen und wie er sich gegenüber seinem Mündel Peter verhalten will. All diese Spannungen innerhalb der Gruppe lassen interessante Gespräche zwischen den Charakteren, besonders in Stresssituationen, entstehen. Jedoch werden diese selten zu ernst genommen und meist mit einem flachen Spruch oder einer Slapstick Aktion gerade dann aufgelöst, wenn der Pathos zu groß oder das Gespräch zu lang zu werden droht.

Allgemein ist die größte Stärke des Films erneut sein Humor! Ein Flachwitz folgt auf den nächsten und die Charaktere necken sich untereinander immer wieder äußerst sympathisch. Zwischen dem bissigen Humor Peters und Rockets passiv-aggressiver Art, der stoischen Humorlosigkeit Gamoras und der gnadenlosen Ironielosigkeit Draxs entwickelt sich dabei eine Dynamik, die oft zum lauten Lachen anregt. Jedoch sind die Witze nicht unbedingt jedermanns Fall. Wenn Peter während der finalen Schlacht einmal bei allen im Team einzeln rumfragen muss, ob jemand Klebeband dabei hat, dann ist das für die meisten aber eine super Abwechslung zu den tollen Action Sequenzen und Spezialeffekten. Wer den Marvel Humor allerdings kennt und mag, der kommt voll auf seine Kosten. Alle anderen sollten sich zuerst einmal den Trailer anschauen und dann selbst entscheiden, ob ihnen der Humor zusagt.

guardiansofthegalaxyvol2_4 Ähnlich ist es mit dem Geschmack hinsichtlich der Action-Sequenzen: Sie sind abwechslungsreiche Kämpfe mit Sci-Fi Waffen und toll animierten Superheldenfähigkeiten. Davon auch dann aber auch nicht zu viele, sodass man immer wieder Zeit zum Durchatmen bekommt und sich auch auf die Story konzentrieren kann. Die sich ereignenden Kämpfe sind dafür dann aber meist sehr episch mit einem Hang zur symbolischen Übertreibung und der Parodie von Stereotypen. Wenn der Filmanfang schon mit einem storytechnisch hintergrundlosen Tentakelmonster anfängt, welches von einer genetisch „perfekten“, arroganten Spezies Lichtkristalle stehlen will, bereits dann merkt man, dass der Film seine Action nur zum Teil ernst nimmt. Auch hier liegt der Fokus auf dem Witz der Szene, der keinen Pathos entstehen lässt, eine Strategie die Guardians of the Galaxy trotz der aktuellen Flut von Superheldenfilmen frisch und unterhaltsam hält. Ein Merkmal, auf welches 2016 auch der Film Deadpool mit seinem markanten Helden setzte. Wer eher seriöse und dramatische Action genießen möchte, der sollte sich beispielsweise lieber Logan zu Gemüte führen.

Und da gerade die Playlist des Films bei mir einmal durchgelaufen ist und neu anfängt: Die manchmal sogar inhaltlich eingebauten Hits aus den 70er und 80er machen, wie schon im ersten Teil die großartigen 80er Jahre Tracks, viel Spaß und unterstützen die epischen Kämpfe mit einer gesunden Portion Selbstironie! Besonders die Intro Sequenz mit einem unglaublich süßen Baby Groot ist eine Augenweide und zeigt, dass „Slapstick-Superhelden“ funktionieren.

Guardians of the Galaxy Vol.2 wird zwar keinen Preis für innovatives Storytelling gewinnen und nach einem ernsthaft dramatischen Film sollte man sich auch woanders umschauen, aber die sehr schmalzigen oder ironischen Dialoge werden dafür immer mit einem guten Gag aufgelockert. Der Film ist ein großer Spaß für Spezialeffekt-Fans und eine Bereicherung für das teilweise dröge Superhelden-Filmgenre!

Trailer

Cast & Crew

Regie: James Gunn
Drehbuch: James Gunn
Musik: Tyler Bates
Darsteller: Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Vin Diesel, Bradley Cooper, Michael Rooker, Karen Gillan, Pom Klementieff, Elizabeth Debicki, Chris Sullivan, Sean Gunn, Sylvester Stallone, Kurt Russell

Bewertung

Bewertung8

27th Sep2016

Der blutige Pfad Gottes (1999) | Filmkritik

von Hendrik Pörtner

Der blutige Pfad Gottes

Jeder wurde doch bestimmt schon gefragt, ob er gewisse Kultfilme schon gesehen hat. Pulp Fiction, Titanic, Forrest Gump? Und nur, weil man ein Zitat aus Fight Club nicht erkennt, hat man schon keine Ahnung von guten Filmen. Doch eine Geheimwaffe gibt es noch mit der man kontern kann: Der blutige Pfad Gottes (nicht die vom Original kopierte Fortsetzung natürlich, nur der erste ist Kult!).

derblutigepfadgottes_1 Die Actionkomödie von Regisseur Troy Duffy aus dem Jahre 1999 hat sich nach einem US-Kinostart in nur fünf Kinos zu einem geheimen Publikumsliebling aufgeschwungen, was nicht nur eine hohe Wertung bei imdb zeigt, die weit besser als die Kritikerrezensionen abschneidet. Zwar mag nicht jeder den schmutzigen, direkten Look, der mit nur 7 Mio. Dollar sehr günstigen Produktion, oder ihr kontroverses Thema, doch fasziniert die meisten die kultige Ausstrahlung des FSK 18 Films.

Die irischen Brüder Connor (Sean Patrick Flanery) und Murphy MacManus (Norman Reedus) arbeiten in einer Fleischfabrik und sind zu jedem derben Spaß zu haben. Beliebt im Freundeskreis, zu dem auch der Laufjunge der italienischen Mafia Rocco (David Della Rocco) gehört, sind sie aber wegen ihrer Liebenswürdigkeit trotzdem überaus und zudem noch tief religiös.

derblutigepfadgottes_2 Als dann aber am Saint Patricks Day die russische Mafia ihre Bar schließen will, ist es vorbei mit der Freundlichkeit und sie machen den Schlägern wortwörtlich Feuer unter dem Hintern. Doch diese lassen nicht mit sich spaßen und kommen mit tödlichen Absichten zurück, unterschätzen dabei aber den Zusammenhalt der beiden Iren und landen selber tot in der Gosse.

Und für diesen Fall der Notwehr gegen das organisierte Verbrechen werden die MacManus sogar von den Menschen gefeiert und zu Heiligen erklärt. Auf ihrer Seite ist auch der überaus begabte FBI-Ermittler Paul Smecker (Willem Dafoe), der schon ihre erste Tat aufklärte. So beflügelt entschließen sich die beiden mit ihrem Gottesgericht fortzufahren und auch an allen anderen Verbrechern Bostons „Gerechtigkeit zu üben“. Doch die Mafia ergibt sich nicht kampflos und ein unbesiegbarer Killer wird aus dem Gefängnis geholt. Ein tödlicher Feldzug beginnt!

Erzählt werden die Attentate der draufgängerischen „Gotteskrieger“ in einem Stil, der in den letzten Jahren in der Serie Sherlock sehr beliebt war; Smeckers geübter Verstand setzt die Hergänge aus unmöglich kleinen Hinweisen zusammen, was im Laufe des Films immer mehr mit den Szenen des wirklichen Hergangs gemischt wird. Diese Szenen sehen wirklich cool aus, auch wenn die gewaltverherrlichende Darstellung von dutzenden Menschen, die in Zeitlupe Blut verspritzend erschossen werden, nicht jedem gefällt. Stichwort FSK 18.

derblutigepfadgottes_3 Doch zusammen mit Willem Dafoes überragender Darstellung eines genialen aber exzentrischen Ermittlers bleiben besonders diese unkonventionellen Attentate die tarantino-blutig-dramatisch gefilmt wurden in Erinnerung. Der mit purer Emotion ermittelnde Smecker; zwischen Witzen über seine Ermittlerkollegen und laut geäußerter Frustration über die Rätsel die sich ihm auftun, führt wunderbar durch den Film und hält ihn zusammen. Dem gegenüber stehen einige abrupte Szenenwechsel zwischen den Ermittlungen und der Tat, die sich damit wunderbar zweischichtig nacherzählen lässt. Und wem diese brutale Ermittlungsgeschichte noch nicht genug ist muss sich nur Smeckers Gegenspieler angucken. Oder sind sie überhaupt seine Gegenspieler?

Die MacManus Brüder räumen mit tödlicher Genauigkeit im Bostoner Untergrund auf und streiten sich dabei mit kindlicher Naivität über Kleinigkeiten. Die ständigen stumpfen Witze zwischen ihnen über denen aber die absolute Loyalität zueinander und ihren Freunden steht, ist rührend und sehr sympathisch während ihre kalte Tödlichkeit gegenüber Sündern gruselig wirkt. Die Todesstrafe für Verbrecher ist damit das kontroverse Thema des Films, deren Ausführung durch die symphytischen „Saints“ die Frage nach ihrer moralischen Einordnung viel ausgeglichener macht. Auf eine weniger brutale Weise ist dieses Thema der Selbstjustiz in den heutigen Superheldenfilmen aus dem Hause Marvel immer noch sehr aktuell.

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Doch will der Film die meiste Zeit keine politischen Fragen diskutieren, sondern Spaß machen. Man folgt dem chaotischen Pfad der Brüder, die in ihrem Treiben Unterstützung von ihrem Freund Rocco bekommen. Dieser wird das bevorzugte Ziel ihrer fiesen Witze an denen der Film wirklich nicht arm ist. Auch wirkt ihre Zielauswahl lächerlich willkürlich, genau wie ihre Durchführung. Das nimmt dem Ganzen die Spitze der moralischen Frage.

Die Charaktere sind überzeichnet schrill und auf eine erfrischende Art und Weise direkt: Sie wirken nicht an Moral oder Gewissen gebunden und wechseln von einem Moment auf den anderen ihre Stimmung. Hier fragt man sich zwar manchmal warum, aber es sogt für dauerhafte Spannung in den Konfrontationen der Charaktere; ein Stilmittel bei dem sich auch schon Pulp Fiction bediente.

Schwächen zeigt Der Blutige Pfad Gottes (Originaltitel: The Boondock Saints) ab und zu in kargen Kulissen oder simplen Requisiten. Auch wirken manche Szenen unzusammenhängend aufgrund der zweischichtigen Erzählung der Attentate. Denn auch wenn dieses sehr gut funktioniert, fühlt man sich jedes Mal aus dem Zusammenhang gerissen. Dafür hat die Actionkomödie aber auch noch eine große Stärke: Der Soundtrack. Angefangen mit friedlichem Irish Folk passend zu den harmonisch kumpelhaften Szenen, über Kirchenchöre bis hin zu Kämpfen, die typisch 90er mit Industrial im Style von Matrix begleitet werden.

Troy Duffy hat sehr facettenreiche Wege gefunden, um seine Hauptcharaktere auf ihrem Weg zwischen Gesetz und Moral auf eine einzigartige Weise abzubilden. MIt brutalen Kampfszenen und makaberen Sprüche, die im Kopf bleiben. Sprunghafte Hauptcharaktere, die zwischen herzlich und tödlich schwanken. Und der Titelsong sollte ab jetzt bei keiner St Patricks Day Feier mehr fehlen.

Trotz seinem beschränkten Budget und ein paar Schwächen in der Story-Entwicklung kann ich den herzlich direkten Der Blutige Pfad Gottes jedem nur ans Herz legen, der seine Liste an Kultfilmen noch erweitern möchte!

Cast & Crew

Regie: Troy Duffy
Drehbuch: Troy Duffy
Musik: Jeff Danna
Darsteller: Willem Dafoe, Sean Patrick Flanery, Norman Reedus, David Della Rocco, Billy Connolly

Bewertung

Bewertung_9

03rd Jun2016

Bunker of the Dead (2015) | Filmkritik

von Hendrik Pörtner

Bunker of the Dead

Nazi-Zombies. Kunstblut. Atombombe. Aliens. Amis. Und Tittenwitze.

Wen diese Schlagwörter ansprechen, der könnte sich auch für Bunker of the Dead (2015) interessieren. Doch das waren noch längst nicht alle Besonderheiten des 76 Minuten langen Streifens, der in den Bereichen Action, Comedy und Horror angesiedelt ist.

bunkerofthedead_1 Regisseur Matthias Olof Eich drehte zudem in 3D und aus der POV-Perspektive (Point of View) des Hauptcharakters Markus G. Elser (Patrick Jahns). Dieser versucht zusammen mit seinem Freund Thomas Williamson (Aciel Martinez Pol) in einen alten Nazi Bunker aus dem 2. Weltkrieg im bayrischen Oberammergau zu gelangen. Die Informationen über eine große Menge Nazigold, die dort versteckt sein soll, haben sie aus einem alten jüdischen Tagebuch; jedoch liegt der Bunker unter einer US-Militär Basis.

Markus dringt also in einem Spezialanzug, ausgerüstet mit einer Helmkamera, in die Militärbasis ein, entkommt knapp den Wachen und gelangt durch ein Höhlensystem in den Bunker. Doch was er dort findet ist kein Nazigold, sondern Nazi-Zombies. Und ein paar amerikanische Soldaten, unter ihnen die missmutige Debby O’Neil (Esther Maaß). Können sie zusammen die Geheimnisse des Nazi Bunkers aufdecken und ihm lebend entkommen?

Der POV-Film Hardcore machte international auf diese Möglichkeit des Storytelling aufmerksam, doch was mit Sci-Fi Action geht, kann man auch mit Zombies machen, dachte sich ein deutscher Regisseur mit russischer Unterstützung. Leider wird der Zuschauer direkt in die Vorstellung des Spezialanzugs geschmissen, ohne Erklärung der oben beschriebenen (spartanischen) Hintergründe. Diese wurden zwar verfilmt, aber die entsprechenden Szenen laufen erst während des Abspanns; einige darin eingeführte Elemente kamen deshalb im Film ohne diesen Kontext vor.

bunkerofthedead_2 Den meisten Schauspielern merkt man auch an, dass sie keine Profis sind. Oft passt ihr Acting nicht in den Kontext und ihre Stimmungswechsel sind sehr ruckartig. Wenigstens Thomas, der den Film recht lange nur mit seiner Stimme begleitet, kennt einige Nuancen mehr als sein Anzugträger, den er in den Bunker schickt. Markus dagegen läuft, meist locker scherzend, ganz allein durch den Nazi Bunker und wenn es um das Gold geht klingt er plötzlich gierig und ungeduldig, von einem Moment auf den anderen. Hier liegen definitiv Schwächen im Drehbuch und der Regie. Die langen Monologe von Markus sind zwar oft sprunghaft und er akzeptiert die Existenz der Zombies etwas zu schnell, sind aber sonst meistens lustig und mit vielen Anspielungen versehen.

Was man in diesem Kontext auch unbedingt erwähnen muss ist, dass der Film trotz Faszination vom Nazigold sich klar gegen den Nationalsozialismus stellt, indem der Hauptcharakter zum Beispiel eine Naziflagge verbrennt und sich öfter über die Nazis im Bunker lustig macht. Von diesen sind Make-up und besonders Kostüme übrigens gar nicht mal schlecht, wenn man den Film nicht als Hochglanz Blockbuster nimmt, sondern als Zombie-Fanfilm, der mit einem dafür respektablen Budget und einem Augenzwinkern entstanden ist.

Bei dem Make-up erkennt man zwar zwischendurch die Gummimasken trotz des dämmerigen Lichts. Auch bestehen Kampfszenen aus oft nur halbherzigen Schlägen und vor bleibenden Schäden an den Zombiekörpern gibt es meist einen Schnitt oder eine Seitwärtsbewegung der Kamera, um Masken auszutauschen und eine ganze Menge Kunstblut auf den Boden zu spritzen.

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An den Nazi- und US Army Kostümen und Props kann man dagegen nichts aussetzen, jedoch erhebt der Film mit seinen leicht amateurhaften visuellen Effekten auch gar nicht den Anspruch realistisch zu sein (in einem Zombieszenario), sondern braucht nur Elemente, die seinen Witz und seine Idee transportieren. Denn mal abgesehen von der technischen Umsetzung, die weit ab von Fotorealismus ist, gibt es viele abwechslungsreiche und spannende Situationen mit den Zombies und der Army im Bunker. Markus wird, ähnlich wie in einem Ego Shooter-Videospiel, mit immer neuen stärkeren Gegnern und Waffen sowie härteren Rätseln konfrontiert: Die große Stärke des Film.

Die billigen aber funktionierenden Effekte machen diesen sogar eher besser als schlechter, da sie lustig/unterhaltsam sind. Ernst nehmen kann man das Szenario sowieso nicht, also gewinnt der Film mit seinen humorvollen Effekten, dummen Gegnern und ironischen Sprüchen durch seine Komik einen gewissen Unterhaltungswert. Man ist gespannt was für lustige, immer absurder werdende Konfrontationen passieren und wird nicht enttäuscht, welche Klischees in Sachen Zombies, Army und Nazis hier durch den Kakao gezogen werden.

Dieses Setting abrunden kann die stimmige Location. Die Höhlen und der Nazi Bunker sehen sehr gut aus, auch wenn das Bild oft leider zu dunkel ist und die Aufnahmequalität darunter gelitten hat. Das Wackeln der POV-Perspektive ist jedenfalls nicht besonders schlimm und die Entscheidung für diese Art des Storytelling ist auch die einzig sinnvolle, um diesen Film erzählen zu können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bunker of the Dead ein ambitionierter Zombie-Fanfilm mit einigen guten und trashigen Ideen ist, aber als Vollpreisfilm nur für absolute Trashfans eine Empfehlung wert ist. Crew und Schauspieler haben sich Mühe gegeben, doch es gab technisch Grenzen und so ist ein Film, der auch nicht länger als seine 76 Minuten sein sollte, entstanden, den man sich als Zombiefan aber durchaus an einem Abend mit Freunden und einigen Bieren mal anschauen kann.

Cast & Crew

Regie: Matthias Olof Eich
Drehbuch: Matthias Olof Eich, Bernd Strack
Musik: Chris Weller
Darsteller: Sarita Bradley, Patrick Jahns, Christian Jungwirth, Peter Koller, Tobias Lampe, Carlos Lobo, Esther Maaß

Bewertung

Bewertung_4

02nd Jun2016

Ride Along 2: Next Level Miami (2016) | Filmkritik

von Hendrik Pörtner

Ride Along 2

Wieder einmal bringt Ice Cube ein Action-Franchise auf das nächste Level. Der erste Teil Ride Along (2014) wurde zwar von den Kritikern verschmäht, war aber an den Kinokassen derart erfolgreich, dass Universal Pictures bereits einen Monat nach Kinostart die Fortsetzung Ride Along: Next Level Miami (2016) ankündigte.

ridealong2_1 Im ersten Teil musste der Möchtegern Cop Ben Barber (Kevin Hart) noch James Payton (Ice Cube), dem Bruder seiner Freundin Angela (Tika Sumpter) beweisen, dass er das Zeug hat sein Schwager zu werden. Aber auch wenn man den ersten Teil nicht gesehen hat, ist es wohl kein großer Spoiler zu sagen, dass er es im Endeffekt trotz vieler Pannen und seinem vorlauten Mundwerk schaffte James seinen Wert zu beweisen. In der Fortsetzung nun soll sich der grimmige Einzelgänger James, für erneut Regisseur Tim Story hinter die Kamera trat, auf eine wichtige Mission nach Miami begeben.

Ben Barber, mittlerweile eifriger Streifenpolizist und sich schon in der Rolle als Detective sehend, möchte davon natürlich nicht ausgeschlossen werden. Trotz anstehender Hochzeit mit Angela begeben sich also die beiden zukünftigen Schwager ins sonnige Florida, um den Hacker Bone Machine zu finden, der mächtigen Gangstern ihre Daten verschlüsselt.

Unter diesem Pseudonym finden sie den nervösen AJ (Ken Jeong), der von einem Gangsterboss (Benjamin Bratt), wessen Geld er gestohlen hat, gesucht wird. Zusammen mit Maya (Olivia Munn), einem heißen Cop aus Miami, versuchen die drei die Identität des Gangsters aufzudecken ohne dabei ihren Job oder gar ihr Leben zu verlieren.

Next Level Miami folgt dabei wieder dem Erfolgsrezept des Vorgängers. Klar sieht man aber, dass dem Film das höhere Budget gut getan hat; das sonnige Miami gibt eine gute Kulisse ab und wirkt edler als das düstere Atlanta des ersten Teils. Auch die Actionszenen sind größer und schon nah an den Vorreitern des Genres; extravagante Partys, teure Autos und eine große Materialschlacht beim Showdown sind schon fast wie bei den ganz Großen des Genres, von denen sich der Film zudem viele Elemente humorvoll entliehen hat.

ridealong2_2 Ride Along 2 erhebt jedoch niemals selber den Anspruch ein seriöser Action- oder Agentenfilm zu sein: Trotz vieler Hochglanzelemente bleibt es standhaft eine Komödie, in der jede Action von sarkastischen Sprüchen begleitet wird. Auch einige Slapstick Szenen und besonders stumpfer Humor entlocken dem Zuschauer ab und zu einen Lacher. Manche, besonders vom Maulhelden Ben Barber, sind aber so unlustig, dass man James häufige Genervtheit sehr gut nachvollziehen kann.

„Hörst du dir hin und wieder an was dir aus dem Mund fliegt?“ beschwert er sich und spricht damit unabsichtlich das größte Argument für und gegen diese Action-Komödie an: die Dialoge.

Während im ersten Film der vom Stand-up Comedian Kevin Hart gespielte Ben Barber gefühlt 90% des Textes hatte und in irrwitziger Geschwindigkeit Blödsinn von sich gab, teilt er ihn sich hier wenigstens mit einem weiteren Charakter, der sich sehr witzig fühlt: AJ. Auch James bekam mit Maya Unterstützung auf der grimmig-ruhigen Seite des Teams. Doch während Ice Cube durch den ersten Teil schon Übung im genervt und vernichtend Gucken bekommen zu haben schien, wirkt Olivia Munn meist blass und irgendwie verständnislos, wenn Ben und auch AJ versuchen sich durch Gelaber wichtig zu machen.

Ben wird den Film über weiter als naiv, tollpatschig, und kindisch dargestellt, zum Beispiel bei seinen teilweise lächerlichen Outfits. Seine häufigen Anspielungen aus dem Nerd-Repertoire, die sich ja auch im Titel niedergeschlagen haben (Next Level: sich auf Level in einem Videospiel beziehend) können deshalb auch nur andere Videospieler verstehen, an die sich der Film damit verstärkt richtet. Dass Ben nur mit der Kenntnis von Waffen oder Fahrkünsten aus Videospielen jedoch reale Situationen lösen kann, könnte für diese schon wieder aufgesetzt und unrealistisch wirken.

Solche eigentlich interessanten Experimente oder die 0815-Gangsterboss-entlarven-Geschichte sind jedoch nicht die Gründe diesen Film zu anzuschauen, sondern die witzigen Buddy-Cop Szenen von Ice Cube und Kevin Hart.

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James (Ice Cube) als tougher Cop wird immer noch vom vorlauten Ben (Kevin Hart) mit dessen Eskapaden genervt, jedoch beginnt er sich langsam zu öffnen, besonders bei Maya, die er gleich als verwandten Geist kennenlernt. Neben dieser subtilen Charakterentwicklung wird die Kombination der beiden auch durch die anderen Charaktere merklich aufgelockert und Ben hat kaum noch wirklich nervende Monologe.

Weiter passt sowohl die Musik mit vielen bekannten Pop- und Rap-Songs gut zur lockeren Atmosphäre des Films und seinen coolen Bildern. Der Schwerpunkt der Spannung liegt bei Ben und auf der nächsten, lustigen Idee, auf die er kommt. Der Zuschauer hat deshalb nur nie wirklich das Gefühl, dass die Hauptcharaktere in Lebensgefahr sind, da allen Gefahren immer mit einem lockeren Spruch auf den Lippen begegnet wird. Auch die Story entwickelt sich mit genau dieser Methode weiter: Sobald neue Situationen für Gags nötig sind, fällt der Gruppe plötzlich ein neuer Zusammenhang im Fall auf oder jemand merkt, dass er die lange benötigte Information schon längst besitzt.

Originell mag die Story nicht sein, aber dank der guten Gags und einer Menge erfüllten und ins lächerliche gezogenen Klischees unterhält der Film sehr gut mit seinem Witz. Ben und James arbeiten besser zusammen als im ersten Teil, wodurch die gemeinsamen Szenen nicht mehr so gestellt wirken. Nicht groß erwähnenswert ist leider ihr Gegenspieler in Miami, Antonio Pope. Reich, skrupellos und machthungrig mit einem makellosen Image in der Öffentlichkeit ist es ein Antagonist so stereotypisch wie nur irgendwie möglich, dem Benjamin Bratt nach der Eröffnungsszene auch kein interessanteres Flair mehr verleihen kann.

Ride Along 2: Next Level Miami nutzt viele stereotypische Charaktere, wie auch den nervösen Asiaten AJ mit seinen Fetischen, aber immer mit einem ironischen Unterton. Die Komödie steht hier klar im Vordergrund vor dem Drama. Ein eifriger Kevin Hart und sein cooler Gegenpart Ice Cube halten diese Action-Komödie über Cops interessant und man bekommt genau das was man erwartet hat: Spritzige Dialoge zwischen zwei bekannten Schauspielern und solide Actionszenen in einem hübschen, aber austauschbaren Szenario in Miami.

Cast & Crew

Regie: Tim Story
Drehbuch: Phil Hay, Matt Manfredi
Musik: Christopher Lennertz
Darsteller: Ice Cube, Kevin Hart, Ken Jeong, Benjamin Bratt, Olivia Munn, Bruce McGill, Tika Sumpter

Bewertung

Bewertung_7

25th Mai2016

Fanboys (2009) | Filmkritik

von Hendrik Pörtner

Fanboys

10 lange Jahre musste die Welt auf Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht und damit die Fortsetzung der legendären Star Wars-Filme warten. Die Geheimhaltung war enorm und Unmengen an Gerüchten ließen die Fans ungeduldig auf das Erwachen der Macht warten.

fanboys_1 1998, ein Jahr vor der zweiten Star Wars-Trilogie, war es nicht anders und in genau diese Zeit führt uns das Nerd Abenteuer Fanboys von Regisseur Kyle Newman aus dem Jahr 2009.

In dem 90 Minuten langen Roadmovie erfahren die begeisterten Star Wars-Fans Linus (Chris Marquette), Hutch (Dan Fogler) und Windows (Jay Baruchel) von der tödlichen Krebserkrankung ihres Freundes Eric (Sam Huntington). Damit er aber noch Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung sehen kann, entschließen sie sich in die Skywalker Ranch von George Lucas einzubrechen und eine Kopie des Films zu stehlen. Doch jeder in der Gruppe hat auf dieser Reise auch seine eigenen Krisen zu bewältigen, um sein Leben wieder in den Griff bekommen.

Die chaotische Truppe bekommt zudem Unterstützung von Freundin Zoe (Kristen Bell) und anderen prominenten Größen in Gastrollen. Billy Dee Williams, welcher in Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück Lando Calrissian spielte gibt sich hier ebenso die Ehre wie Carrie Fisher als auch, trotz allen Rivalitäten der Fanlager, Captain Kirk alias William Shatner als: er selbst.

fanboys_2 Ja genau, ernst nimmt sich Fanboys selbst nur in sehr wenigen Szenen. Kaum ein Dialog vergeht ohne Anspielungen aus dem Nerdrepertoire oder witzigen Gastauftritten. Die Schauspieler spielen dabei allesamt lebendig auf, auch wenn ihre Dialoge oft schon zu gewollt nerdig klingen und manchmal sogar unverständlich bleiben. Auch die gesamte Handlung ist großenteils eine reine Aneinanderreihung von einzelnen Gag-Szenen, die aber abwechslungsreich sind und für Kenner der Science-Fiction viele lustige Insider beinhalten.

Damit wäre aber auch schon die größte Schwäche der Star Wars Huldigung klar: Wer kein Nerd ist, hat nicht viel zu lachen. Unbedingt sollte man vor dem Film die ersten drei Star Wars Filme gesehen haben. Wenn diese bekannt sind, zünden die meisten Gags und teils pubertären Witze sofort und man fühlt sich im Universum der Nerds wohl wie ein Droide im Ölbad.

fanboys_3 Auch für Nicht-Geeks bekannt sind vielleicht Schauspieler wie Seth Green und Danny Trejo, die den Zuschauer ein bisschen Hollywoodluft schnuppern lassen. Jedoch sind diese Cameo-Auftritte genau wie die Krebs-Story und die ganzen Gags nicht besonders gut verknüpft und wirken lose aneinandergereiht. Dies ist aber zum Glück nur zweitrangig, denn der Film lebt von seinem Herzblut, mit dem er erzählt wird und von der Legende, der er ein Denkmal setzt. Das Fan-Sein wird humorvoll transportiert, wie zum Beispiel in der Feindschaft mit den Star Trek Anhängern.

Die Geschichte der Protagonisten ist der Traum eines jeden Star Wars-Fans und somit wird der Film auch genau jenen gefallen. Der Fokus liegt dabei definitiv auf Wortwitz und den zahlreichen Cameo-Auftritten. Durch seine humorvolle und offene Art ist der Film unterhaltsam und einige Male auch zu Tränen rührend, womit Kyle Newman die Essenz von Star Wars zelebriert: Die Gemeinschaft der Fanboys- und Girls und einer fantasievollen Filmreihe!

Cast & Crew

Regie: Kyle Newman
Drehbuch: Ernest Cline, Adam F. Goldberg
Musik: Mark Mothersbaugh
Darsteller: Jay Baruchel, Dan Fogler, Sam Huntington, Chris Marquette, Kristen Bell

Bewertung

Bewertung_7