17th Okt2015

Architektur der Angst in „Crimson Peak“

von

In Guillermo del Toros neuem Meisterwerk Crimson Peak begibt sich das großartige Ensemble Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, Jessica Chastain und Charlie Hunnam in das Anwesen „Allerdale Hall“. Das Haus auf den Hügeln von Crimson Peak ist der heimliche Star des Films und verschafft Crimson Peak völlig zurecht die Favoritenrolle bei den Oscars für die „besten visuellen Effekte“. Hier ein Überblick über die Geschichte des Hauses:

Allerdale Hall ist ein riesiges düsteres Anwesen im abgelegenen englischen Hügelland. In einem tristen Nirgendwo von Schnee und kahler Erde liegt das Gebäude über einer profitablen roten Lehmablagerung, die ihm den Namen „Crimson Peak“ („Tiefroter Gipfel“) verleiht. Von den unterirdischen Minen bis zum verbotenen Dachboden hält jeder Raum ein Mysterium bereit: Die Bibliothek, der käfigartige Aufzug, der ein Eigenleben zu führen scheint. Das Haus erinnert an ein Aufbewahrungsglas für Schmetterlinge, entworfen, um die Schönen und Unschuldigen anzuziehen und einzusperren.

Allerdale Hall ist der schaurigste Charakter in Crimson Peak, denn unaufhörlich spuckt es tiefroten Lehm vom Erdinneren an die Oberfläche. Als Künstler visualisiert Guillermo del Toro, bevor er baut, und verlieh dem Anwesen, wie seinen Figuren eine Biographie. Keine vorgefertigte Struktur entsprach del Toros lebhafter Imagination. Andere Hollywood-Produktionen hätten hier auf Computertechnik zurück gegriffen, aber del Toro lies sich von der Vergangenheit inspirieren. Ein Team von Set Designern, Bauleuten und Ausstattern arbeitete fast sechs Monate an diesem Gruselhaus, um del Toros Visionen sowie denen seines Kameramanns Dan Lausten zu entsprechen.

Die Schauspieler waren überwältigt, als sie den Drehort betraten. „Als ich es das erste Mal sah, war ich fassungslos“, erzählt Jessica Chastain. „Ich hatte so etwas noch nie gesehen.“ „Das war ganz einfach der größte Set in meinem Leben“, ergänzt Tom Hiddleston. Doch nicht nur der Maßstab war besonders, auch der perfekte Eindruck eines „bröckelnden Relikts, in dem das Übernatürliche wohnt.“ Sehr irdisch waren die echten Falter, die ebenfalls zu den Designelementen gehörten. „Das Haus muss zum Leben erwachen“, lautete del Toros Forderung. Sanders zog mit und nannte die Wandoberflächen die „Haut“ des Hauses und die Risse „Wunden, die das Fleisch zeigen“. „Genau, durch das Haus sickern seine Körperflüssigkeiten“, lacht del Toro. Tatsächlich machen die Spezialeffekte, die roten Lehm aus dem Boden und den Wänden fließen lassen, Allerdale Hall zu einem lebendigen, atmenden und blutigen Geschöpf.

Aber nicht nur das Anwesen, auch die Kostüme erzählen ihre eigene Geschichte und unterstützen die Charakterisierung der einzelnen Charaktere. Edith Cushings (Mia Wasikowska) Erscheinung ist das strahlende Licht im pechschwarzen Herzen von Crimson Peak, sie verkörpert Hoffnung und Unschuld. Lady Lucille Sharpe (Jessica Chastain) ist das komplette Gegenteil. Ihre Kleider symbolisieren das Anwesen, durch die Zeit verblasst und verfallen. Sie ist der dunkle Kern des Films. All diese Aspekte werden vor allem durch die Farben transportiert. Während Ediths Kostüme eher in hellen und gelblichen Tönen gehalten wurden, sind Lucilles Kostüme dunkelblau und schwarz.

Auch aus den Kleidungsstücken der männlichen Darsteller lässt sich einiges erfahren. Die Anzüge von Sir Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) lassen ihn erhaben wirken, in Schwarz und Blau gehalten verwandeln sie ihn in einen glamourösen Schatten, der sich zwischen den düsteren Gängen von Allerdale Hall und der normalen Welt beliebig hin und her bewegt. Im Gegensatz dazu steht Dr. Alan McMichael (Charlie Hunnam). Seine stilvolle Kleidung verkörpert das moderne Amerika im frühen 20. Jahrhundert. Er repräsentiert die Zukunft, während Thomas für die Vergangenheit steht.

Welche Geheimnisse in Allerdale Hall verborgen liegen? Seit dem 15. Oktober können wir es im Kino erfahren.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Share on LinkedInShare on TumblrPin on PinterestShare on RedditDigg thisPrint this pageEmail this to someone
Dir gefällt der Beitrag?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.