05th Jan2018

Kingsman: The Secret Service (2014) | Filmkritik

Kingsman: The Secret Service

Was fasziniert uns auch heute noch an den James Bond-Klassikern? Warum verfolgen wir immer wieder Jason Bourne auf seinem Rachefeldzug? Wie konnte Jack Bauer in 24 acht Staffeln die Welt vor dem sicheren Untergang bewahren? Und warum haben all diese Spione die Initialen J.B.?

kingsman_1 Keine Ahnung? Ich auch nicht und Kingsman: The Secret Service will uns auf diese Frage auch sicherlich keine Antwort geben. Spiel, Spaß, Spannung und eine gehörige Portion Überraschung erwarten uns in diesem unglaublichen Werk von Regisseur Matthew Vaughn, welcher nach Kick-Ass (2010) erneut ein Comic des Autoren Mark Millar auf die große Leinwand bringt. Der gewillte Zuschauer bekommt abermals eine abgedrehte Portion Action verpasst, wie man sie schon lange nicht mehr gesehen hat.

Welcher ist der geheimste aller Nachrichtendienste? BND, KGB, MI6, CIA, Mossad? Habt ihr schon einmal von den Kingsman gehört? Nein, dann habt ihr euch die Frage soeben selbst beantwortet.

Harry Hart (Colin Firth) ist einer dieser geheimsten Geheimagenten und sucht einen neuen Rekruten für diese supergeheime, elitäre Agentenorganisation. Eggsy (Taron Egerton) dagegen ist ein Unruhestifter, der immer wieder in Konflikt mit dem Gesetz steht.

Als er eines Tages, dank des geheimnisvollen und eleganten Harry Hart, aus dem Gefängnis entlassen wird, beginnt für Eggsy jedoch ein neues Leben. Zur selben Zeit als das Training zum Kingsman beginnt, wird die Welt vom verrückten High-Tech-Milliardär Richmond Valentine (Samuel L. Jackson) bedroht, welcher nach und nach immer mehr hochrangige Persönlichkeiten verschwinden lässt.

Doch die Kingsman sind dem Größenwahnsinnigen auf die Schliche gekommen, der Bösewicht den Agenten jedoch auch.

I’m a Catholic whore, currently enjoying congress out of wedlock with my black Jewish boyfriend who works at a military abortion clinic. So, hail Satan, and have a lovely afternoon, madam.

Warum funktionieren Filme wie Kick-Ass, Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt oder Guardians of the Galaxy einfach und kommen so überragend gut beim Publikum an? Sind es die perfekt stilisierten Aktion-Sequenzen, die markanten Bösewichte, der schwarze Humor oder gar das grandiose Schauspiel? Nein, nein, nein, nichts davon. Es ist viel eher die Mischung, die Mischung aus brillanter Idee und Ausführung.

kingsman_2 Wenn in Baby Driver Regisseur Edgar Wright jede Bewegung, jede Szene perfekt auf den Soundtrack abgestimmt hat; wenn Keanu Reeves in John Wick in absoluter Harmonie und realitätsgetreu seine Gegner umnietet; wenn Heath Ledger als Joker in The Dark Knight so sehr in seiner Rolle aufgeht, dass einem der Schauer den Rücken runterläuft; wenn es in Drive kaum Worte braucht, um eine exzellente Geschichte zu erzählen – das sind die Momente, die Kinozuschauer sehen wollen. Innovative Elemente, neue Ideen, absolute Aufopferung für eine Rolle.

Leider kommen wir nur zu selten in diesen Genuss und müssen uns viel eher mit dem millionsten Flachwitz an falscher Stelle, uninspirierten Bösewichten mit großem Namen und chaotisch undurchschaubaren Choreographien abgeben.

Umso mehr freut es einen, wenn man auf Perlen der Filmkunst trifft. Wer sich in Kingsman: The Secret Service verirrt hat, ohne vorher den Trailer gesehen zu haben, wird wahrscheinlich einen der J.B. Filme erwarten. Kingsman: The Secret Service möchte aber eben kein klassischer Agenten-Film sein. Er will over-the-top sein und zwar in jeder Szene.

„Manners maketh man.“ Do you know what that means? Then let me teach you a lesson.

So begegnen wir Oscarpreisträger Colin Firth (The King’s Speech), welcher in seiner ersten Actionrolle als eleganter, sehr englischer Spion, der den Stock so weit im Allerwertesten stecken hat, dass er ihm geradewegs die Nasenspitze zu Himmel stützen scheint, glänzt. Wenn Firth in seinem maßgeschneiderten Anzug und mit tadellosen Umgangsformen in einer Londoner Arbeiterviertelkneipe der Jugend versucht Manieren beizubringen, sind Worte fehl am Platz und die Fäuste müssen sprechen.

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Die nun folgende Kampfszene ist eine der elegantesten der Filmgeschichte und der stotternde König George zeigt allen, was eine knallharte Harke ist.

An seiner Seite dürfen wir einen charismatischen Taron Egerton (Eddie the Eagle) betrachten, der mir persönlich zig mal lieber ist als dieses Baby Ansel Elgort aus Baby Driver, wie er den wohl härtesten Aufnahmeprozess aller Geheimagenten absolviert – ohne Vorkenntnisse und mit reiner Straßenschläue.

Und dann treffen wir auch noch auf einen lispelnden Samuel L. Jackson (The Hateful Eight) und seine, von Sofia Boutella (Star Trek: Beyond) gespielte, Assassinen-Assistentin mit amputierten Klingen-Beinen. Wie man bei diesen Charakteren noch ernsthaft seine Rolle ausüben kann ist mir unbegreiflich – aber sie ziehen es trocken bis zum bitten Ende durch.

Grandiose Kampfchoreographien, glänzende Schauspielkunst, ein markanter Bösewicht, ein perfekter Soundtrack und schwarzen Humor, wie man ihn nur von den Inselaffen aufgetischt bekommt, machen aus Kingsman: The Secret Service dieses ganz besondere Kinoerlebnis, dass man leider viel zu selten zu sehen bekommt.

Eine stilvolle bis ironische Hommage an die alten Bond-Streifen, überspitzt und stilisiert, vollgepackt mit Gewaltorgien und brutalen Actionsequenzen. Das ist Kino!

Cast & Crew

Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn
Musik: Henry Jackman, Matthew Margeson
Darsteller: Colin Firth, Taron Egerton, Mark Strong, Samuel L. Jackson, Sofia Boutella, Michael Caine, Mark Hamill

Bewertung

Bewertung10

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