02nd Jan2018

Midnight Special (2016) | Filmkritik

Midnight Special

Roy (Michael Shannon) ist mit seinem Sohn Alton (Jaeden Lieberher) ständig auf der Flucht. Der Grund: Dieser verfügt über besondere Fähigkeiten. Er kann ein extrem helles Licht mittels seinen Augen erzeugen, welches für die Menschen in seiner Umgebung kaum zu ertragen ist. Außerdem kann er durch Visionen Ereignisse voraussehen.

midnightspecial_1 In dem ländlichen Texas war das Vater-Sohn-Gespann vor ihrer Flucht Mitglied einer religiösen Gruppe namens „Die Ranch“. Zur Unterstützung auf ihrem nun eingeschlagenen Weg ist zudem der State-Trooper Lucas (Joel Edgerton) mit dabei, der zusammen mit Roy aufgewachsen ist. Das Ziel der Männer ist es Alton zu einem bestimmten Ort zu bringen, wo in einigen Tagen etwas Besonderes, ein vielleicht weltveränderndes Ereignis, passieren soll.

Zudem ermitteln in diesem Fall mehrere Personen, die durch ihre Neugier getrieben werden. Unter anderem verfolgt die NSA anhand der Satellitenbilder eine Spur, die sie zu dem Jungen bringen könnte. Die Fähigkeiten von Alton stellen jedoch auch eine große Gefahr dar, denn er hat noch nicht die vollständige Kontrolle über seine Kräfte erlangt. Wohin führt der Weg und kann Alton irgendwann mit seiner übermenschlichen Macht umgehen?

Midnight Special ist ein 2016 erschienener Science-Fiction-Film von Regisseur Jeff Nichols, der zuvor Bekanntheit durch die Filme Mud und Take Shelter erlangte. Die Geschichte eines Jungen, der über spezielle Fähigkeiten verfügt und deshalb zum Ziel zahlreicher Menschen wird, ist keine wirklich neue, doch die Thematik ist kreativ umgesetzt.

midnightspecial_2 Parallelen sind hier eindeutig zu E.T. zu erkennen. Ergänzt wird diese Grundidee durch die Einführung einer religiösen Gruppe, die das Kind als eine Art Erlöser betrachten. Unter diesem Vorsatz sollte es doch möglich sein einen guten Film mit einer akzeptablen Story zu schaffen, doch leider misslingt der Versuch eine neuere und etwas kreativere Version des beliebten Außerirdischen zu erstellen.

Die beiden größten Probleme sind die sehr unrhythmische Erzählgestaltung und der etwas zu ambitionierte Anspruch des Regisseurs. Es ist ein großer Fehler, zu viele Handlungsstränge aufzubauen, und dann im Laufe der Handlung zahlreiche Figuren wieder fallen zu lassen. Außerdem sind viele Stellen gänzlich langweilig und einfach viel zu dröge für einen angenehmen Sehgenuss.

Die Dialoge, das Handeln der Figuren und der Handlungsfortschritt bleiben an vielen Stellen regelrecht stehen, sodass es für den Zuschauer zur Geduldsprobe, dem Film aufmerksam zu folgen. Für Menschen, die bei langatmigen Filmen bereits die Segel streichen müssen, wird dieser Film sicherlich kein Genuss sein.

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Demgegenüber überzeugt der gesamte Cast. Joel Edgerton, Michael Shannon, Kirsten Dunst und Adam Driver finden einfach in ihre Rolle und jede Figur ist glaubhaft besetzt. Des Weiteren sind die visuellen Schauwerte und die Kameraarbeit zu loben, denn die Bildhaftigkeit und die ruhige Kameraführung, die auch schon die beiden vorherigen Werke Nichols geprägt haben, sind in vielerlei Hinsicht ein Ereignis.

Die absolute Spitze des Films sind die zauberhaften Actionszenen, die gut vertont und insgesamt realistisch und schön anzusehen sind. Diese Stärke wird jedoch extrem übergangen, da es nur sehr kurze Momente sind, in denen diese hervortreten. In diesen Augenblicken ist sogar Spannung vorhanden, die die unrhythmischen Inszenierung über weite Strecken des Films kurz vergessen lässt. Dennoch ist hier die klare Handschrift von Jeff Nichols zu erkennen.

In seinen beiden vorherigen Werken war eine gewisse Langatmigkeit und eine damit verbundene Schwere zwar vorhanden, aber beide Werke konnten ihre Thematik mit einer klaren und nachvollziehbaren Struktur verknüpfen, sodass der Zuschauer den roten Faden erkannte und aufmerksam folgen konnte. In seinem neuesten Film fehlt diese Struktur und die Langatmigkeit drückt sich somit deutlich kräftiger aus. Der Stil des Regisseurs ist teilweise halb-dokumentarisch, jedoch hat der Kanadier Denis Villeneuve diesen Filmstil zu sehr perfektioniert, sodass die Machart Nichols leider nur wie eine B-Version des Meisters wirkt.

Insgesamt ist Midnight Special ein Science-Fiction-Film, der wunderschöne Sequenzen und viel Leerlauf miteinander verknüpft, ohne gänzlich zu überzeugen oder gänzlich zu versagen. Empfehlenswert ist er dennoch, da er auf seine Art und Weise herausstechen kann und vermehrt gute Ansätze verfolgt.

Cast & Crew

Regie: Jeff Nichols
Drehbuch: Jeff Nichols
Musik: David Wingo
Darsteller: Michael Shannon, Joel Edgerton, Kirsten Dunst, Adam Driver, Jaeden Lieberher, Sam Shepard

Bewertung

Bewertung_6

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