08th Sep2017

Dunkirk (2017) | Filmkritik

Dunkirk

1940: Knapp ein Jahr nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs sind die britischen und französischen Truppen im nordfranzösischen Dünkirchen eingekesselt. Winston Churchill befiehlt in der sogenannten Operation „Dynamo“ seine britischen Soldaten über den Ärmelkanal zurück in die Heimat. Doch die Flucht ist kräftezehrend und immer mehr Soldaten fallen den deutschen Angreifern zum Opfer.

dunkirk_1 Dunkirk beginnt mit britischen Soldaten, die hektisch durch Dünkirchen laufen. Aus der Luft fliegen Flugblätter auf sie herab, die die Stellung der britischen Armee zeigen und die drohende Gefahr durch die deutsche Wehrmacht verdeutlichen. Von allen Seiten sind sie umzingelt und wurden am Strand von Dünkirchen wie Vieh zusammengetrieben.

Als Tommy (Fionn Whitehead) etwas Wasser durch einen Gartenschlauch trinkt, fallen auch schon Schüsse. Nacheinander fallen seine Kameraden neben ihm in den Dreck und liegen reglos am Boden. Er kann sich retten, indem er über einen Zaun klettert und bei den Franzosen Hilfe ersucht. Doch Hilfe ist dieser Tage in Dünkirchen rar.

Der junge britische Soldat gelangt, nach seiner erfolgreichen Flucht vor den Feinden, zum Strand der Stadt, wo in etwa 400.000 Soldaten in Reihen geordnet stehen. Die wenigen Schiffe können immer nur eine geringe Anzahl an Soldaten mitnehmen. Aus der Luft ertönen schrille Geräusche, die deutsche Luftwaffe kreist über dem Strand. Die Zahl der Wartenden wird mit jedem Angriff minimiert.

Dunkirk ist ein Kriegsfilm des britisch-amerikanischen Regisseurs Christopher Nolan, der durch eine Vielzahl von überragenden Filmen wie unter anderem The Dark Knight und Inception (2010) bekannt wurde. Sein neuestes Projekt befasst sich mit einem geschichtlichen Thema, welches zwar nicht gänzlich uninteressant ist, aber dennoch weniger kreativ.

dunkirk_2 Das Thema „Zweiter Weltkrieg“ ist in der Geschichte Hollywoods in zahlreichen Filmen bereits behandelt worden. Zuletzt erst verfilmte der US-Amerikaner Mel Gibson Hacksaw Ridge, der die Geschichte eines mutigen Sanitäters erzählt. Das Thema ist somit sehr überlaufen. Und doch gibt es weiterhin noch wahre Geschichten aus dem Krieg, die die Leinwand bisher nicht erblickt haben.

Allerdings haben die Soldaten der deutschen Wehrmacht in Nolans neuestem Werk eine ungewohnte Funktion. Nolan verfilmt die Geschehnisse aus 1940 aus drei unterschiedlichen Perspektiven: Land, Wasser und Luft. Jede Perspektive wird in einer anderen Zeitdauer gezeigt. Die Fußsoldaten werden für eine Woche, die Schiffe für einen Tag und die Piloten für eine Stunde gezeigt.

Die Briten sind aussichtslos in Dünkirchen gefangen und der Feind kann sie nach und nach nahezu ungestört töten. Die zeitlichen Unterschiede im Film werden jedoch nicht vollkommen klar, da sich die drei Ebenen eher gleich lang anfühlen und auch in ihrer Leinwanddauer nahezu decken. Dennoch ist es eine sehr komplexe wie experimentelle Herangehensweise, welche auch mit wenigen Dialogen auskommt. Diese Einteilung der Erzählstruktur bringt jaber den Nachteil mit sich, dass spannende Momente durch schnelle Schnitte auf andere Perspektiven etwas verpuffen. Beispielsweise wird der Wechsel von einer Verfolgungsjagd auf eine ruhige Strandsequenz inszeniert, in welcher jede Spannung direkt abstumpft.

dunkirk_3 Des Weiteren beeinträchtigt die oberflächliche Zeichnung der Figuren den Unterhaltungsfaktor ungemein. Die Idee des Regisseurs ist es, dass jede Figur beliebig ist, da alle Soldaten sind. Allerdings ist es so schwierig Sympathien zu entwickeln, da es keine Andockmöglichkeiten für den Zuschauer gibt. Dass der Cast des Films Namen wie Tom Hardy, James D’Arcy, Cillian Murphy, Kenneth Branagh oder dergleichen beinhaltet, scheint keinerlei Rolle zu spielen. Sie alle sind nur Schachfiguren der Mächtigen.

Auf der Gegenseite ist der Film visuell hervorragend. Das gesamte Set wirkt real und natürlich. Besonders die Flugszenen sind fantastisch gelungen. Die meisterhaft fotografierten Bilder von Kameramann Hoyte van Hoytema sorgen für ein komplettes visuelles Feuerwerk.

Außerdem ist der Ton atemberaubend und begleitet die Bilder optimal. Ebenso fesselt die musikalische Untermalung durch Hans Zimmer mit ihrem ständig begleitenden Uhrenticken. Bei diesem 107 minütigen Film, was der bis dato kürzeste Film von Christopher Nolan ist, ist die Musik umso wichtiger, weil die dunkle Stimmung dadurch noch verstärkt wird. An einigen Stellen dauern die einzelnen Musiktitel jedoch etwas zu lang.

Es wäre etwas erleichternder den Zuschauer einen Augenblick zur Ruhe kommen zu lassen, aber Ruhe bekommt er nicht. Die gesamte Atmosphäre ist intensiv und niederschlagend. Ein guter Ansatz, den der Film ebenfalls umsetzt, ist, die deutschen Soldaten nicht zu zeigen, da die Gefahr im Verborgenen lauert. Die Angst der eingekesselten Soldaten kommt dadurch spürbar zur Geltung .

Insgesamt ist Dunkirk ein atmosphärisch und inszenatorisch gelungener Film, der sich einem stark überlaufenen Thema widmet und für Nolan untypisch wenig Pathos zeigt.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan
Musik: Gabriel Yared
Darsteller: Christopher Nolan, Hans Zimmer, Fionn Whitehead, Tom Glynn-Carney, Jack Lowden, Harry Styles, Aneurin Barnard, James D’Arcy, Barry Keoghan, Kenneth Branagh, Cillian Murphy, Mark Rylance, Tom Hardy

Bewertung

Bewertung_7

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