14th Jun2017

Get Out (2017) | Filmkritik

Get Out

Der afro-amerikanische Fotograf Chris (Daniel Kaluuya) wird von seiner Verlobten Rose (Allison Williams) zu einem Wochenende bei ihren Eltern überredet und soll bei dieser Reise seine potenziellen Schwiegereltern endlich kennenlernen. Er ist sich zunächst unsicher, ob die Familie seiner weißen Verlobten überhaupt ahnt, dass er Afro-Amerikaner ist. Zu allem Unmut warnt ihn auch sein Freund Rod (Lil Rel Howery) vor dem Besuch bei der weißen Familie.

getout_1 Dennoch fahren die Turteltauben in die ländliche Gegend. Auf dem Weg in die Abgeschiedenheit fährt Rose jedoch ein Reh an, welches daraufhin am Straßenrand schwer verletzt seinen Wunden erliegt. Sie alarmieren die Polizei, die sich zunehmend auf Chris konzentriert und seine Papiere sehen möchte. Seine Freundin rügt den Polizisten, da sie gefahren sei und nicht Chris. Er akzeptiert dies mürrisch und lässt beide weiterfahren.

Endlich erreichen sie das große Anwesen der Eltern. Roses Vater Dean ist Neurochirurg und ihre Mutter Psychologin. Anfangs verhalten sich ihre Eltern nett und zuvorkommend, jedoch bemerkt Chris schnell, dass alle Hausangestellten Afroamerikaner sind. Am Abend lernt Chris Roses Bruder Jeremy (Caleb Landry Jones) kennen. Er spricht ihn auf seine körperliche Fitness an und behauptet, dass er aufgrund seines genetischen Erbguts ein guter Kämpfer wäre. Der New Yorker Fotograf Chris scheint vor einem langen Wochenende voller Vorurteile zu stehen, ohne genau zu wissen, was genau eigentlich hier vor sich geht. Fortan spitzen sich die Ereignisse immer weiter zu!

Get Out ist ein US-amerikanischer Horror-Mystery-Thriller, der 2017 unter der Regie von Jordan Peele erschien. Dieser ist vor allem Fans amerikanischer Comedy ein Begriff. Sein neuestes Projekt, zu welchem auch das Drehbuch beisteuerte, ist sein Regiedebüt.

getout_2 Vorweg ist das Genre anzusprechen, in welchem sich der Film einordnen lässt. Insgesamt ist Get Out ein Thriller mit vereinzelten Elementen aus dem Horror und Mystery Bereich. Seit vielen Jahren ist Rassismus ein beliebtes Thema für amerikanische Dramen, welches hier mit eingewoben wurde. Beispielsweise erhielt der Film 12 Years a Slave 2014 den Oscar für den besten Film. Vermehrt in den letzten Jahren ist die White-Washing Debatte in Hollywood ausgebrochen. Hierbei wird kritisiert, dass viele tragende Rollen in Filmen meistens durch weiße Menschen verkörpert werden. Außerdem wurde vielfach kritisiert, dass es bei den Oscars wenige Nominierungen für afroamerikanische Filmschaffende gab.

Diese Kritik verursachte eine Tendenz, wonach immer mehr Filme, unter anderem Moonlight, Fences oder Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen, in den tragende Rollen durch Afroamerikaner verkörpert werden, produziert wurden. Moonlight schaffte es sogar den Oscar für den besten Film in diesem Jahr zu erobern. Get Out treibt das Thema Rassismus und White Washing auf die Spitze: In der Hauptrolle ist ein junger Afroamerikaner,der bei dem Besuch seiner potenziellen Schwiegereltern bemerkt, dass ausschließlich Afroamerikaner als Hausangestellte tätig sind.

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Allerdings befasst sich der Film anfangs sehr mit dem nicht ausgesprochenen, untergründigen Rassismus. Viel an dem 104 minütigen Film ist kreativ, inszenatorisch und überraschend. Die erste Stunde ist sehr ruhig und unspektakulär. Einzig und allein die Bilder und Figuren können die Aufmerksamkeit des Zuschauers aufrecht erhalten. Es ist gerade das merkwürdige Gefühl und ein leichtes Unwohlsein, das Regisseur Peele bewusst hervorrufen möchte. Der Zuschauer hat nie so wirklich eine Ahnung davon, was im nächsten Moment passieren wird. Viele merkwürdige Ereignisse spielen sich in dem Haus der Schwiegereltern ab, jedoch ist alles in keinen gemeinsamen Rahmen zu setzen.

In der ersten Stunde zeigt Peele mit teilweise schon kammerspielartigen Sequenzen und Kameraeinstellungen sein Talent als Regisseur. Diese ruhige Erzählhaltung behält der Film auch im Mittelteil. Zu kritisieren ist, dass der Anfang und der Mittelteil alles in allem dann doch etwas zu ruhig sind und der Zuschauer schon abschalten könnte. Vieles wirkt einfach nur zu absurd und teilweise kippt die Spannung dadurch ins bodenlose. Trotzdem passieren noch einige Wendungen und auch genretypische Elemente tauchen gegen Ende des Films auf. Das letzte Drittel ist sehr spannend und unterhaltsam, allerdings passt es nicht zwangsläufig zu den anderen zwei Dritteln.

Insgesamt ist die Geschichte zu loben, die kreativ und intelligent ist. In den USA wird der Thriller sogar als Bildungsfilm ins Gespräch gebracht. Hervorzuheben ist auch die passende Vertonung und die darstellerische Leistung. Alle Schauspieler agieren gut zusammen, Hauptdarsteller Daniel Kaluuya schafft es seine Rolle glaubwürdig und nachvollziehbar zu verkörpern, ohne zu übertreiben. Die Hauptdarstellerin Allison Williams ist überzeugend und vielschichtig in ihrer Rolle. Schließlich ist Get Out ein anstrengender und wichtiger Film, der das Thema Rassismus in seinem aktuellen Ausmaß ein für alle Mal auf der großen Leinwand beenden sollte.

Cast & Crew

Regie: Jordan Peele
Drehbuch: Jordan Peele
Musik: Michael Abels
Darsteller: Daniel Kaluuya, Allison Williams, Lil Rel Howery, Bradley Whitford, Caleb Landry Jones, Stephen Root, Catherine Keener

Bewertung

Bewertung_7

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