06th Mrz2017

Männertag (2016) | Filmkritik

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Männertag

Einmal im Jahr, am zweiten Sonntag im Mai, haben die Mütter weltweit ihren ganz besonderen Ehrentag. Sie kriegen Frühstück ans Bett, kleine Geschenke und ihre Kinder sind ihnen für so vieles dankbar. Aber auch das männliche Geschlecht hat sich einen eigenen Tag verdient und dieser nennt sich Vatertag oder eben Männertag! Dabei geht es aber nicht darum, dass man einen ruhigen Tag im Bett verbringt, sondern man deckt sich mit reichlich Bier ein und zieht mit seinen besten Freunden umher, während der Pegel Stück für Stück steigt.

maennertag_1 Auch die fünf Schulfreunde Dieter (Kida Khodr Ramadan), Stevie (Milan Peschel), Chris (Tom Beck), Peter (Oliver Wnuk) und Klaus-Maria (Axel Stein) ziehen an diesem Tag los, um sich einmal richtig die Kante zu geben und ihre Freundschaft zu begießen. Da sie jedoch eher zu den Außenseitern gehören und von Andi Mauz (Hannes Jaenicke) und seiner Gang immer wieder gemobbt werden, suchen sie sich einen idyllischen, abgelegenen Platz an einem See, schwören sich ewige Freundschaft und wollen sich fortan jährlich dort treffen, damit dieses Band niemals zerreißt.

Doch das Leben hat andere Karten für die Freunde bereitgehalten. Nach 20 Jahren ohne Kontakt hören die vier Freunde plötzlich von dem Tod Dieters. Dieser ist jedoch nicht ohne eine letzte Nachricht an seine alten Schuldfreunde dahingeschieden: Sie sollen sich gemeinsam auf ein letztes Abenteuer begeben und seine Asche zu dem Ort bringen, der sie alle verbindet.

Schnell wird daher das Bierbike des Verstorbenen fertig gemacht und auf geht es! Doch während der Alkohol in rauen Mengen fließt, wird schnell klar, dass die einstigen Freunde alle ihre eigenen Probleme mitgebracht haben. Stevie hat als biederer Lehrer seinen von Liebeskummer geplagten Sohn mitgebracht, Powerfrau Andrea (Lavinia Wilson) begleitet Schauspieler Chris, der sich in jeder freien Minute eine Nase Koks ziehen will, Klaus-Maria lebt ein Leben als Vater von drei Kindern und Peter scheint sich jahrelang vor seinen Freunden versteckt zu haben. Und dann taucht auch noch Andi Mauz wieder auf der Bildfläche auf!

maennertag_2 Mit all diesen Lastern ist es auf einmal nicht mehr so einfach das eigentliche Ziel zu erreichen. Schaffen es die Freunde ihrem toten Begleiter seinen letzten Wunsch zu erfüllen?

Der Fluch der deutschen Komödien. Es scheint, dass deutsche Produktionen, vor allem immer wieder im Bereich der humoristischen Unterhaltung, mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Die Witze sind abgedroschen, das Schauspiel viel zu überspitzt und die Handlung kann jeder Kinogänger nach wenigen Minuten samt Finale runterbeten. Genau diese Elemente erfüllt leider auch Männertag.

Dabei macht der Cast zunächst einen ganz schicken Eindruck. Neben Comedy-Hasen Axel Stein, der zwar ohne sein altes Kampfgewicht in den Ring steigt, sind auch Oliver Wnuk (Stromberg) und Milan Peschel (Halt auf freier Strecke) teil der Bierbike-Gang. Alle drei nutzen jedoch ihr Potenzial zu wenig aus, dass der Zuschauer bereits nach kurzer Zeit schon keine Lust mehr hat ihren Dialogen zu folgen. Komplett gegenteilig benimmt sich Tom Beck (Einstein), der beinahe versucht den gesamten Film an sich zu reißen, doch durch seine unsympathische Figur auch keinen Deut besser herüberkommt als seine Kollegen.

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Was über 91 Minuten Laufzeit dann letztendlich geboten wird sind Klischees über Klischees. Da haben wir die alten Schulhof-Mobber, die heute im Mittelalter-Outfit Reenactment-Spielchen ausleben, eine nervige Liebesgeschichte, die am Männertag nun wirklich niemand gebrauchen kann, eine Vater-Sohn-Beziehung und noch eine Liebesgeschichte zwischen dem verklemmten Sohn Stevies und der Schul-Schönheit. Einfach nur abgedroschen und ohne Unterhaltungswert.

Etwas Stimmung kommt nur auf als die Männertruppe in Frauenbegleitung dann doch auch endlich mal ein Bier trinkt und die Hits der 90er das Szenario untermalten, während schicke Slow-Motion Aufnahmen zeigen, dass die Jungs doch früher anscheinend auch mal so etwas wie Freunde waren. Ebenso nett anzusehen, wenn auch deutlich übertrieben, ist das finale Aufeinandertreffen der Truppe mit ihren alten Feinden und den coolen Kids. Zu viel lobende Worte wollen und können wir an dieser Stelle aber auch nicht verlieren.

Am Ende von Männertag gibt es natürlich für wirklich jede Figur noch sein ganz persönliches Happy End, und wenn ich Happy End sage, dann meine ich das auch so. An den Haaren herbeigezogen wird wirklich jeder Kindheitswunsch wahr und selbst die alten Erzfeinde sind nun Kumpel und Liebe gibt es sowieso für jeden. Wer offen ist für diese Art von Humor und Unterhaltung, einfach mal Hirnaus-Unterhaltung made in Germany sehen will, wird mit diesem Werk bestens bedient sein. Männer nahe der Midlife-Crisis haben unserer Meinung nach aber mit dem Werk Affenkönig (2016) einen realistischeren Vertreter der gleichen Art.

Cast & Crew

Regie: Holger Haase
Drehbuch: Ilja Haller, Philip Voges
Musik: Fabian Römer
Darsteller: Milan Peschel, Tom Beck, Axel Stein, Oliver Wnuk, Lavinia Wilson, Chris Tall

Bewertung

Bewertung3

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