31st Okt2016

Doctor Strange (2016) | Filmkritik

Doctor Strange

1963 tauchte Doctor Strange, der Meister der mythischen Künste, ausgestattet mit sensationellen magischen Fähigkeiten erstmals in einem Comic von Marvel auf und zieht nun endlich in die Kinosäle der Welt ein.

doctorstrange_1 Doctor Strange ist der insgesamt 14. Film und der zweite von neun Filmen der 3. Phase von „Marvel´s Cinematic Universe“, innerhalb der die Studios über die nächsten drei Jahre sowohl neue Helden etablieren als auch die Abenteuer bereits bekannter Charaktere weiterführen werden.

Erzählt wird die Geschichte des weltberühmten Neurochirurgen Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch), der arrogant und eigen ist und den Luxus liebt. Dessen Leben ändert sich jedoch schlagartig, als er nach einem schweren Autounfall seine Hände nicht mehr benutzen kann. Nachdem er sein ganzes Vermögen in alternative Behandlungsmethoden investiert hat, muss er sich eingestehen, dass ihm die klassische Medizin nicht weiterhelfen kann. Erst die Begegnung mit einem ehemals irreparabel gelähmten Patienten, der nach Jahren auf wundersame Weise wieder laufen kann, wird er zur Heilung an einen ungewöhnlichen Ort verwiesen – dem geheimnisvollen Kamar-Taj in Nepal.

Dort angekommen merkt er schnell, dass es sich nicht nur um ein Heilungszentrum handelt, sondern hier der Kampf gegen dunkle Mächte gefochten wird, die unsere bekannte Realität zerstören möchten. Als Skeptiker und Materialist sträubt er sich zunächst, Magie und Mystizismus zu akzeptieren. Um als Schüler der Ältesten (Tilda Swinton) und ihrer Gemeinschaft aufgenommen zu werden, muss er seinen Verstand jedoch für die Möglichkeit öffnen, dass es in unserer Welt mehr gibt als das Auge sieht.

Schon bald steht er vor der größten Herausforderung seines Lebens, da Ex-Schüler Kaecilius (Mads Mikkelsen) danach trachtet, unsere Dimension an ein extradimensionales Monster auszuliefern. Ausgestattet mit neuerworbenen magischen Fähigkeiten steht Dr. Strange vor einer schweren Entscheidung: Kehrt er in sein altes Leben als angesehener Arzt und zu seiner Freundin (Rachel McAdams) zurück oder gibt er dieses auf, um als mächtigster Magier aller Zeiten die Welt zu retten?

doctorstrange_2 Betrachtet man allein den Plot des Film, erscheint dieser doch recht bekannt und eindimensional: Ein Eigenbrötler befindet sich in einer Krise, vollzieht eine Wandlung und stellt sich am Ende einem Kampf um Leben und Tod. Marvel-Fans wissen was sie erwartet und bekommen genau das geliefert – eine vorhersehbare Story, hier und da ein reißender Gag und aufwendige Actionszenen. Ausbrüche oder Unerwartetes traut sich auch dieser Marvel-Streifen nicht.

Mit der durchweg hochkarätigen Besetzung wurden ebenfalls keine Risiken eingegangen. So finden wir einen glänzenden Benedict Cumberbatch (Star Treck Into Darkness) in Hauptrolle des Dr. Strange, der durch seine Titelrolle in der BBC-Serie Sherlock bereits Kultstatus erreichte. Zuletzt wurde er für seine Performance in dem Biopic The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben für zahlreiche Filmpreise, u. a. dem Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert.

Auch die Besetzung der Nebenrollen lässt keine Wünsche offen. So spielen an Cumberbatchs Seite der Oscar-nominierte Chiwetel Ejiofor (12 Years a Slave) den Gelehrten Mordo sowie Rachel McAdams (Southpaw) die Traumachirurgin und Freundin von Strange, Dr. Christina Palmer.

doctorstrange_3 Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton (Grand Budapest Hotel) wirkt als rätselhafte Älteste ohne Haare und mit Dauer-Pokerface wie eine Frau, die nicht von dieser Welt ist. Der dänische Ausnahmeschauspieler Mads Mikkelsen (Casino Royale, Hannibal) übernimmt die Rolle des Antagonisten Kaecilius, einem einstigen Schüler der Ältesten, der sich den dunklen Mächten zuwendete und die Welt, wie wir sie kennen, bedroht. Seine Performance geht hinter dem grandiosen Schauspiel von Cumberbatch leider etwas unter. Seine Handlungen lassen ihn als Bösewicht sehr beschränkt und einfältig wirken. Benedict Wong (Marco Polo) als Wächter der geheimnisvollen Bibliothek sorgt hingegen für die besten Lachmomente im Film.

Regisseur Scott Derrickson (Sinister, Der Exorzismus von Emily Rose) zählt als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent zu den treibenden Kräften des erfolgreichen Horrorfilms. Seine Geschichten sind in den unterschiedlichsten Genres angesiedelt. In Doctor Strange bringt er seinen Blick und sein Gespür für das Paranormale und Übernatürliche ein und schafft ein Reich der Magie, in dem es um Parallelwelten, Zeitreisen, Dekonstruktion und Rekonstruktion geht.

Ihm stand ein Marvel-erfahrenes Team zur Seite, darunter Kameramann Ben Davis (Guardians of the Galaxy), Set Designer Charles Wood Cutter (Guardians of the Galaxy), Kostümdesignerin Alexandra Byrne (Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron), Wyatt Smith (Thor – The Dark Kingdom) und Visual Effects Supervisor Stephane Ceretti (Guardians of the Galaxy).

Seinen Film gestaltete Derrickson visuell üppig und recht düster. Während die Protagonisten um das bestehen unserer Realität Kämpfe ausfechten, biegen sich Häuserfassaden im Stile von Nolans Inception, ganze Straßenzüge verschmelzen ineinander, der Horizont dreht und wendet sich. Die für uns reale Welt scheint allmählich zu zerfallen, das Geschehen zwingt uns unsere eigenen Grenzen zu überwinden, über unseren Verstand hinaus Dimensionen zu akzeptieren. Eine surreale Bilderflut von sich ineinander verlaufenden Formen und Farben sorgen für ein gelungenes 3D-Erlebnis.

Unter der Regie von Derrickson wurde an Originalschauplätzen rund um die Welt gedreht: London, New York, Hong Kong und Kathmandu in Nepal. Die bekannten Settings lassen den Zuschauer mit einem Fuß in der realen Welt, während sich die Filmfiguren von einer Realität in die andere bewegen und mehrere Dimensionen durchschreiten. Doch statt der Entwicklung der Darsteller mehr Raum zu schenken, setzen die Filmmacher von Doctor Strange auf opulente Bilder, die in 3D ihre Wirkung nicht verfehlen. Umso weniger Zeit bleibt für die Story an sich, die Heldenreise des Dr. Strange kommt mehr als zu kurz, da sie der einen oder anderen Kampfszene weichen muss.

Der neue Filmbeitrag im Marvel-Universum bietet ohne Zweifel innovative 3D-Action-Szenen, kluge Dialoge von herausragenden Darstellern und witzige Gags. Marvel-Fans kommen auf jeden Fall auf Ihre Kosten. Freunde von unerwarteten Wendungen und Überraschungsmomenten warten jedoch vergeblich und sind mit Inception besser bedient.

Cast & Crew

Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: Jon Spaihts, Scott Derrickson, C. Robert Cargill
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Rachel McAdams, Benedict Wong, Michael Stuhlbarg, Benjamin Bratt, Scott Adkins, Mads Mikkelsen, Tilda Swinton

Bewertung

Bewertung_6

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